Fr., 14.02.2020

Winterview mit Tim Daseking vom FC Preußen Espelkamp Aufbruchstimmung für Fußball in Espelkamp

Tim Daseking ist der Sportliche Leiter beim FC Preußen Espelkamp.

Tim Daseking ist der Sportliche Leiter beim FC Preußen Espelkamp. Foto: Thomas F. Starke

Von Ingo Notz

Espelkamp (WB). Kein Verein im Fußballkreis Lübbecke polarisiert so wie der FC Preußen Espelkamp. Kein Verein ist in dieser Saison so erfolgreich wie der FC Preußen Espelkamp. Letzteres hängt auch eng mit einer Personalie zusammen: Seit Tim Daseking 2018 die Sportliche Leitung im Sportpark Mittwald übernommen hat, geht es für den Verein bergauf. Im „Winterview“ spricht der Bielefelder offen über die Ziele seines Vereins, über die Anfeindungen und die größten Aufgaben abseits des Fußballplatzes.

„Preußen 2023“ ist das neue Motto im Sportpark Mittwald. Sie sind als das neue Gesicht nach außen eingekauft worden mit allen Inhalten. Jeder kennt den FC Preußen, aber wer ist der neue Mann, der hier den neuen FC Preußen aufbauen soll? Wer ist Tim Daseking?

Tim Daseking: Sich selber zu beschreiben, ist immer das Schwierigste, das man tun kann, oder? Ich mach das ungern, dass ich mich selber beschreibe, aber ich glaube, ich bin fußballverrückt. Und unheimlich daran interessiert, im Fußball recht strategisch bei Vereinen zu arbeiten, wo das Potenzial ansatzweise vergleichbar ist wie mit diesem. Ich habe über eine langjährige Tätigkeit im Nachwuchs von Arminia Bielefeld viel kennengelernt, wo es um Strukturen in einem Fußballverein ging, und dann den SV Rödinghausen der mit großen Ambitionen und einer tollen sportlichen Entwicklung einen tollen Weg gegangen ist, das war etwas anderes als eine Trainertätigkeit, in einer Funktionärsposition als Anleitender dann für mehrere Mannschaften zu denken war auf jeden Fall spannend. Aufgrund dieser Aufgabe hat man mir das hier in Espelkamp dann zugetraut, dass man gesagt hat: Okay, das ist vielleicht nicht ganz so ambitioniert wie der SV Rödinghausen, aber man hat natürlich bei zwei so großen Sponsoren und einem tollen Umfeld und einer tollen Infrastruktur auch perfekte Möglichkeiten, eine sportliche Entwicklung einzuleiten.

Es ist Ihr fünfter Verein nach Theesen, Arminia, Herford und Rödinghausen?

Tim Daseking: Ich war über vier Jahre bei Arminia, dann viereinhalb, fast fünf Jahre in Rödinghausen. Ich habe das hier dann zunächst nicht so eingeschätzt, aber das war so reizvoll, weil es auch nicht so ganz einfach ist, hier in der Region für Fußball eine Aufgabe zu finden, das ist schon etwas Besonderes, die Möglichkeit zu haben, im Fußball tätig zu sein, das ist für viele Leute attraktiv und das ist es für mich mittlerweile auch geworden.

Sie arbeiten im Hauptberuf für Preußen?

Tim Daseking: Als Arminia mich abgeworben hat, bin ich mit 25 damals U17-Bundesliga-Trainer geworden. Das war ein Hauptjob, ja. Da ist man dann so in den Fußball hineingewachsen. Deshalb ist diese Aufgabe hier auf meinen Werdegang zugeschnitten. Jeder Verein hat natürlich gewisse Besonderheiten und die habe ich natürlich jetzt hier in den vergangenen anderthalb Jahren auch kennengelernt, die gilt es sicher zu berücksichtigen, trotzdem geht es im Umfeld, nicht nur intern, darum, viele Leute mitzunehmen. Im Vereinsinteresse steht ja möglichst die Nutzung dieses gigantischen Potenzials für eine sportliche Entwicklung, für die Stadt Espelkamp einen vorzeigbaren Verein zu entwickeln – das ist dann letztlich das, wofür man täglich hier hinfährt, wo man schon daran glaubt, wenn man alle in ein Boot bekommt, dann aus diesem Verein einen noch besondereren Verein machen zu können, der sich dann auch in anderen Ligen sportlich messen lassen darf.

Es ist ihr zweites Jahr beim FC Preußen...

Tim Daseking: ...ja, ich bin Ende des Sommers 2018 gekommen, und bin jetzt ungefähr anderthalb Jahre hier.

Die ersten beiden Mannschaften sind jeweils Tabellenführer ihrer Ligen, da weiß man, wo Preußen steht. Wo steht der FC Preußen aber insgesamt – über die Ligen hinaus?

Tim Daseking: Natürlich ist uns Nachwuchsarbeit wichtig, aber wir müssen natürlich den Standort Espelkamp oder grundsätzlich den Fußballkreis Lübbecke berücksichtigen, wo es nicht mit einem Fingerschnips im Nachwuchsbereich dann wer weiß wo hingeht. Ich glaube, den Sponsoren, und da vor allem der Familie Harting, die sich ja eher für den Nachwuchsbereich bei uns verantwortlich zeigt, geht es nicht nur darum, den leistungsorientierten Nachwuchs voranzubringen, sondern grundsätzlich für die Nachwuchsarbeit viel zu tun. Da sehe ich den Verein natürlich gut aufgestellt, da wir mittlerweile ab den Minis gerade für den Grundlagenbereich viel tun. Wir wollen versuchen, viele junge Familien hier in den Verein zu holen. Wir sind in den Grundschulen im OGS-Bereich, wir machen mittlerweile dort ein wirklich gutes Training, wir machen zusätzlich Spielenachmittage und versuchen als Verein möglichst viel für die Kinder und Jugendlichen, für die Heranwachsenden, zu tun und für die Familien möglichst viele recht attraktive Angebote ins Leben zu rufen. Neben dem Sportlichen im Seniorenbereich ist der Verein mittlerweile auch für die Nachwuchsarbeit auf einem ganz positiven Weg, während dieses Leistungsorientierte in diesem Fußballkreis etwas langsamer wachsen wird.

Als in Ihren vorherigen Vereinen?

Tim Daseking: Genau. Da muss man erst mal schauen, dass man von der D-Jugend an aufwärts im D-, C-Jugendbereich versucht, auch überkreislich zu spielen, und dann auch wirklich versucht, in kleinen Schritten zu wachsen, denn eins ist ja auch klar: Wenn wir irgendwann mal sagen, wir wollen Herren-Oberliga spielen, dann müssen wir natürlich gucken, dass wir dafür auch den einen oder anderen Spieler ausbilden hier aus dem Kreis. Dafür müssen wir sicher noch eine gewisse Entwicklung im Nachwuchsbereich nehmen. Neben dem geht es vor allem aber auch um die Durchlässigkeit, dass man versucht, die zweite Mannschaft, die wir haben, oder auch die dritte Mannschaft dann immer wieder nach und nach mit den Spielern hier aus der Stadt oder aus dem Kreis zu bedienen, damit es am Ende auch dafür steht, was wir immer sagen: Wir wollen möglichst der Ausbildungsverein Nummer eins hier im Mühlenkreis sein, und möglichst auch ein großer Verein, der dann auch in der Breite gut aufgestellt ist.

Tim Daseking gibt beim FC Preußen die Richtung vor. Foto: Thomas F. Starke

Wenn Sie solch ein Gesamtpaket anbieten, was viele vielleicht noch gar nicht wissen, fühlen Sie sich als externer Neuling im Verein falsch behandelt hier im Kreis, weil Preußen ein gewisses Image hat? Wird der FC Preußen insgesamt falsch gesehen?

Tim Daseking: Wir müssen versuchen, diesen Klub nach außen möglichst gut zu repräsentieren, mit all dem, was wir gerade so tun. Intern muss man Überzeugungsarbeit leisten, aber dafür muss man auf gewisse Dinge auch angesprochen werden, und die Möglichkeit bekommen, überzeugen zu können.

Im Kreis? Von den Vereinen? Von Geschäftsleuten? Bei vielen Vereinen ist die Haltung gegenüber dem FC Preußen relativ kritisch...

Tim Daseking: Ja, wobei, da muss ich sagen, da bin ich recht positiv. Ich habe jetzt zum zweiten Mal den Fohlencup miterlebt, die Hallenkreismeisterschaft der A- und B-Junioren, im zweiten Jahr kann ich da schon eine recht positive Entwicklung sehen, dass dort sehr fair mit unserem Verein umgegangen worden ist, das soll in den Jahren davor nicht immer so gewesen sein – das Jahr davor fühlte sich das für mich auch so an. Wir versuchen wirklich, auf die kleineren Vereine zuzugehen!

In welcher Form geht der FC Preußen auf kleinere Vereine zu?

Tim Daseking: Indem wir recht vorbildlich versuchen, zu kommunizieren.

Beim Abwerben von Spielern?

Tim Daseking: Dass wir grundsätzlich erst mal nur versuchen, für unsere ersten Mannschaften ab dem D-Jugendbereich überhaupt erst Spieler anzusprechen. Dass wir in den zweiten Mannschaften möglichst dann auch nur Spieler nehmen, wenn sie uns auch zulaufen und wir da auch Bedarf haben, gerade auch dann, wenn es hier um die Stadtvereine in Espelkamp geht. Dass wir da auch konstruktiv sind und wir von uns aus versuchen, Vorschläge zu geben, wo man auch unterstützen kann. Ich glaube, dass die Kommunikation zu den Vereinen da auch das A und O ist.

Ist die Kommunikation besser geworden? Wie ist das Verhältnis mit den anderen Vereinen?

Tim Daseking: Ich denke schon. Wir haben zum Beispiel die Mühlenkreisauswahl hier regelmäßig trainieren lassen, der Stützpunkt hat, wenn das Wetter nicht so gut war, einige Male montags hier trainiert, die Mühlenkreisauswahl hat sich auf den Freeway-Cup zum Teil hier vorbereitet. Grundsätzlich versuchen wir auch, über die Trainerfortbildung, die wir letztes Jahr hier gemacht haben, dann auch die Trainer des Kreises einzuladen, denen auch die Möglichkeiten des Vereins vorzustellen, die aber auch mit fortzubilden. Ich gebe eigentlich allen Trainern hier mit auf den Weg, dass wir wirklich versuchen, wenn es in der Kommunikation um Spieler oder die Teilnahme an Turnieren geht, da möglichst vorbildlich gegenüber den anderen Vereinen hier im Kreis zu agieren. Wir sind uns bewusst, dass es in den Jahren davor vielleicht nicht gut gelaufen ist oder nicht so, wie es sich die anderen Vereine gewünscht haben, und wir da einfach damit anfangen, das jetzt besser zu machen. Wir hatten jetzt auch die Anfrage eines Vereins, die A-Jugend hier spielen zu lassen, das können wir natürlich nicht bedienen, weil, wenn wir es bei einem Verein zulassen, dann müssten wir es bei mehreren Vereinen zulassen und wir haben am Sonntag dann selbst drei oder vier Spiele. Aber allein, dass die sich trauen, auf uns zuzukommen, das spricht ein bisschen dafür, dass wir mit allen anderen Vereinen hier gut im Austausch sind.

Früher war das Motto hier „Neid ist die höchste Form der Anerkennung“, Neid und Ablehnung, das wollen Sie ändern?

Tim Daseking: Das muss unser Auftrag sein, das zu ändern. Ich sehe das eher so, dass wir auf die anderen Vereine zugehen müssen. Und da dann vielleicht die „Altlasten“, die da vielleicht bestehen, abzubauen und die davon überzeugen, dass, wenn wir hier eine gewisse sportliche Entwicklung nehmen und auch gut ausbilden, dann profitieren am Ende auch die Vereine im Kreis. Ob es nur die Spieler im Jugendbereich sind, die bei uns vielleicht nicht den Sprung in die erste oder zweite Mannschaft schaffen, aber auch im Nachwuchsbereich, dann wird am Ende vielleicht ein Schuh draus, dass die Entwicklung des größeren Vereins dann für die kleineren Vereine auch grundsätzlich positiv sein kann.

Genauer Beobachter: Tim Daseking (rechts, mit Co-Trainer Janis Kaspelherr) plant den neuen FC Preußen Espelkamp. Foto: Thomas F. Starke

Sie sind auch schon entlassen worden, zuletzt in Rödinghausen. Jetzt sind Sie in einer Position, wo Sie selbst Leute entlassen müssen. Was ist schwieriger: eine Entlassung zu akzeptieren oder Entlassungen auszusprechen?

Tim Daseking: Die Entlassung in Rödinghausen lasse ich so nicht stehen. Ich spreche trotzdem ungerne darüber: Da ging es darum, dass die Position, die ich damals hatte, dass die umfunktioniert werden sollte. Wo ich gesagt habe, aufgrund einer gewissen Dynamik, die es da innerhalb von wenigen Tagen gegeben hat, möchte ich das so nicht zulassen, war das so nicht für mich vereinbar. Da waren auch persönliche Gründe letztendlich das Motiv, dass ich dann dem Herrn Finkemeier gesagt habe, dass ich das so mit mir nicht machen lasse. Das ist etwas, was ich jetzt über Jahre versucht habe, vom Gedankengang gar nicht mehr zuzulassen, ich habe gemerkt, wie wichtig das einfach ist, dass Sponsoren von der Wichtigkeit der eigenen Arbeit überzeugt sind und dass es wichtig ist, auch das Wohlwollen der Sponsoren zu behalten. Das ist in einem Verein wie Rödinghausen natürlich etwas ganz anderes als in Bielefeld. Bei Bielefeld war es dadurch, dass die Akzeptanz des Erfolgs deiner Mannschaften und die Begleitung weiterer Projekte ein großes Standing in den eigenen Reihen hatte, und ein Sponsor wie Herr Finkemeier dich dann für viel Geld abwirbt, als ich noch einen Vertrag in Bielefeld hatte, aber Herr Finkemeier mich unbedingt haben wollte und am Ende sogar noch eine Ablöse bezahlt hat. Das war in der Kommunikation nicht ganz glücklich, das ist dann halt so, wenn Sponsoren oder so große Menschen etwas unbedingt haben wollen, dann wollen sie es auch sofort haben. Ich habe mich damals überzeugen lassen und ich habe aus der Zeit damals unheimlich viel gelernt. Am Ende wäre es eine ganz simple Erklärung, woran es in Rödinghausen gescheitert ist, aber das ist dann das, was ich mit mir ausmachen muss, wo ich dann letztlich von den eigenen Prinzipien, die ich mir selber zuschreibe, selber sagen kann, dass ich noch in den Spiegel gucken kann. Aus der Erfahrung sollte man natürlich lernen und sollte versuchen, diese Dinge, die damals dazu geführt haben, dass dort eine gewisse Skepsis von zwei, drei Leuten aufgebaut wurde, das darf einem dann nicht wieder passieren.

Für welche Prinzipien stehen Sie?

Tim Daseking: Für einen unglaublich großen Einsatz für die Aufgabe, die ich übernehme. Vor allen Dingen auch dafür, dass ich dann für das, was ich tue, wenn ich es verantworten kann, auch dafür einstehe. Die Geradlinigkeit und die Ehrlichkeit in diesen Dingen sind für mich total wichtig. Das war dann damals so ein Knackpunkt, wo ich davon überzeugt war, das nicht so mit mir machen lassen zu müssen. Dann war es so, dass es dann dort deswegen auseinander ging. Daran merkt man auch, dass Fußball nicht immer nur auf den Erfolg aus ist, die sportliche Entwicklung des Vereins war damals gigantisch, zum damaligen Zeitpunkt waren wir in Rödinghausen schon Tabellenführer in der Regionalliga, nicht mit ganz soviel Vorsprung wie jetzt, der Verein war damals auf dem Sprung in die A-Jugend-Bundesliga, wir hatten im sportlichen Bereich alles gewonnen, was man gewinnen kann – dass es dann Leute schaffen, eine gewisse Angriffsfläche aufzubauen, das ist etwas, woraus ich die Lehren ziehen möchte. Trotzdem sage ich: Wenn es sportlich noch so gut ist, muss man es nicht unbedingt weitermachen, wenn man davon überzeugt ist, dort schlecht behandelt worden zu sein, wenn die Konstellation zwischenmenschlich zwischen den Leuten dann nicht mehr gepasst hat, war es meine volle Überzeugung zu sagen: Das lasse ich nicht mit mir machen. Deswegen würde ich heute, auch wenn ich viele Dinge anders machen würde, wieder zur gleichen Entscheidung kommen, dass ich sagen würde, ich bin davon überzeugt, dass man sich zu dem damaligen Zeitpunkt dann trennen sollte.

Der FC Preußen hat in den vergangenen Jahren auch und gerade mit – mindestens stilistisch fragwürdigen – Trainerentlassungen einen großen Teil seiner DNA verloren: angefangen mit Heinrich Dyck über Uwe Korejtek bis hin zu Alexander Lang. Drei große Namen, deren Entlassungen viel Substanz gekostet haben. Haben Sie sich mit einem oder allen drei, die hier in den vergangenen 20 Jahren maßgeblich die Erfolgsgeschichte des FC Preußen aufgebaut haben, ausgetauscht, bevor oder nachdem Sie das Abenteuer FC Preußen eingegangen sind? Was bewahrt Sie davor, das selbe Schicksal zu erleiden, irgendwann vom Hof gejagt zu werden, nachdem man etwas aufgebaut hat?

Tim Daseking: Ich glaube die Akzeptanz der Sponsoren, der eingeschlagene Weg und die Überzeugung, dass wir versuchen, die Strukturen innerhalb des Vereins zu verändern. Das geht natürlich nicht immer ohne Reibung, aber wir haben dann schon einige positive Dinge getan, dass wir strukturell einige Dinge tun, dass der Verein sich ein bisschen mehr festigt. Ich glaube, das ist nämlich unser Auftrag, wenn wir das komplette Potenzial dieses Vereins hier nutzen wollen, dass wir versuchen, dann auch Altverdiente für diesen Verein, die dann auch viel Herzblut in diesen Verein investiert haben, vielleicht sogar wieder zurückholen können.

Gibt es bereits Gespräche in diese Richtung?

Tim Daseking: Ja, ich kann schon davon berichten, dass wir zumindest von Vereinsseite aus da aktuell dran interessiert wären, vielleicht den einen oder anderen von den eben genannten irgendwann mal wieder in diesen Verein zu holen. Ich glaube, gerade wenn Leute hier aus dem Kreis kommen, Fußballkompetenz bewiesen und es Jahre gut gemacht haben, dass man gewisse Dinge dann besser auf mehreren Schultern verteilen kann.

In erster Linie geht es, höre ich dabei heraus, um Alexander Lang, der als einziger der drei genannten Ex-Preußen-Trainer derzeit keine Aufgabe im Fußball übernommen hat?

Tim Daseking: Wir wollen alle Leute im Fußballkreis Lübbecke, die eine Affinität zum FC Preußen haben! Die sollte man doch zumindest darauf ansprechen, in einer gewissen Konstellation, die auch für den Verein gut sein kann, hier wieder mit ins Boot zu holen. Deren Erfolge sind ja unbestritten. Ich habe sie vor meinem Engagement hier nicht kennengelernt, aber ich habe schon sehr viele positive Dinge von ihnen gehört und ich glaube, dass wir hier grundsätzlich mehr Fachkompetenz auf allen Ebenen brauchen, deswegen sollten wir uns dem nicht verschließen, sondern eher dann auch auf diese Leute zugehen und zumindest Möglichkeiten ausloten, ob nicht eine Mitarbeit, in welcher Form auch immer, dann nicht zukünftig wieder für beide Seiten passen könnte. In diesen Gesprächen sind wir zurzeit.

Für viele wirkte der FC Preußen über Jahre als kalter Kopfverein, von dem viele gar nicht glauben wollten, dass er überhaupt ein Herz hat. Bauen Sie ausgerechnet diesen Verein jetzt um zum warmen Herzverein?

Tim Daseking: Das kann ich ja nicht beurteilen, aber ich glaube, dass alle, die das über Jahre mit soviel Aufwand betrieben haben wie zum Beispiel Alexander Lang oder Uwe Korejtek, dann haben die bestimmt ein Herz für Preußen Espelkamp. Es ist großartig, wenn man solche Menschen hat, die sich so mit einem Verein identifizieren, deswegen würde ich immer sagen: Beides wäre wünschenswert: Leute zu haben, die an dem Verein hängen, die gerne hier sind, die aber auch versuchen, das Ganze mit einer gewissen Strategie zu tun. Deshalb, ja, diese Leute, die ein Herz für Preußen haben, müssen wir möglichst in eine Position bringen, die für Verein und die Leute dann vielleicht gut sein kann. Aber eins ist natürlich auch klar: Es muss so sein, dass es ein gewisses harmonisches Geflecht miteinander ist und das merke ich natürlich hier, dass der Verein da viele Altlasten noch vor sich her schiebt. Das ist dann vielleicht bei mir dann eher das Positive, dass ich auf alle Leute einfach zugehen kann, weil da keine Altlasten oder irgendwelche Erbhöfe bestehen, sondern dass ich einfach versuche, im Vereinsinteresse möglichst viele Leute für den Fußball, für den FC Preußen zu gewinnen, die großes Interesse daran haben, die Entwicklung des Vereins jetzt mitzubeleben. Da haben wir echt viele positive Gespräche geführt, weil wir schon eine Aufbruchstimmung für Fußball in Espelkamp haben – und die gilt es zu nutzen. Und das sage ich intern wie extern: Dass wir da einiges, was früher vielleicht mal war, versuchen, aus der Welt zu räumen und man sich, bei den großen Möglichkeiten, die dieser Verein hat, irgendwie gemeinsam arrangieren kann im Interesse des Vereins – oder ob man nicht doch sagt: Gut, dann passt es vielleicht doch nicht zusammen. Aber zumindest sollten wir von Vereinsseite aus das initiieren und versuchen, uns da breiter aufzustellen mit mehr Leuten, die die Affinität für diesen Verein haben oder mal gehabt haben.

Die alte Neid- und Hass-Debatte erwarten Sie nicht mehr? Das ist vor allem eine Frage der Kommunikation?

Tim Daseking: Auf jeden Fall. Ich erhoffe mir das. In Rödinghausen war es vielleicht nicht ganz so verfestigt, dass es zwischen den Vereinen schon einen gewissen Zwist gab, aber mit den umliegenden Vereinen wie Muckum, Holsen, Bruchmühlen, Bünder SV, da waren schon große Probleme, da war der Neid unheimlich groß. Über die Zusammenarbeit im Nachwuchsbereich hat es der Verein da geschafft, das Image zu verbessern, das könnte hier auf jeden Fall ähnlich werden.

Kommunikator: Tim Daseking legt viel Wert auf eine offene Kommunikation mit seinen Spielern. Foto: Thomas F. Starke

Rödinghausen haben Sie auf Platz eins der Regionalliga geführt. Bauen Sie sich in Espelkamp nun eine Kopie, Ihr persönliches Rödinghausen, um zu vollenden, was Sie dort nicht zu Ende bringen konnten?

Tim Daseking: Nein, nein. Das sind völlig unterschiedliche Vereine, mit auch ganz anderen Möglichkeiten. Dass hier natürlich beide Sponsoren aufgrund ihrer Größe auch dann ähnliche finanzielle Möglichkeiten hätten, eine Entwicklung im Verein zu begleiten, dadurch, glaube ich, kommt dieser Vergleich, aber die aktuelle Zielsetzung in Espelkamp ist eine ganz andere als beim SV Rödinghausen und auch die Interessen der beiden Sponsoren an der Entwicklung dieses Vereins sind ganz andere. Unsere Ziele sind schon sehr ambitioniert, aber sie sind am Ende dann auch realistisch. Wir haben gesagt, dass wir uns in den nächsten drei Jahren auch an gewissen Spielklassen messen lassen wollen, aber die Art und Weise der Gestaltung dieser sportlichen Wege ist schon mal eine ganz andere als in Rödinghausen, wo man sich auch nur diesem leistungsorientierten Weg verschrieben hat, wo man die dritte Mannschaft hat fallen lassen. Rödinghausen ist ein Verein von Externen. Ausschließlich. Nur noch Externe. Und das ist hier eine ganz, ganz wichtige Zielsetzung, dass wir das hier vermeiden. Dass sich hier der Stadtverein Espelkamp sich aus der Stadt und dem Kreis rekrutiert. Dass wir Oberligafußball in Espelkamp nicht nur mit Espelkampern oder Spielern aus dem Kreis Lübbecke machen können, ist auch allen klar...

Aber Sie haben es schon in der Landesliga geändert...

Tim Daseking: Das ist nicht ganz richtig. Natürlich haben wir gesagt, wir brauchen externe Spieler dafür, die schon in höheren Spielklassen gespielt haben, dass wir hier eine ganz andere Balance finden. Es gibt in der Landesliga und nächstes Jahr, wenn wir dann hoffentlich in der Westfalenliga spielen dürfen, immer noch zehn Spieler, die eine lange Vergangenheit im Verein haben, die selber hier ausgebildet wurden, dazu versuchen wir mit drei Sprungbrettplätze im Kader, die nächsten Nachwuchsspieler zu integrieren, wo die Verzahnung zwischen diesen Mannschaften eine große Rolle spielt – so dass die Idee des Tuns hier eine ganz, ganz andere ist. Die Vergleichbarkeit kommt nur aufgrund der Finanzkraft und der räumlichen Nähe.

Ist Ihr Erfolg käuflich auf dieser Ebene?

Tim Daseking: Im sportlichen Bereich kann man Erfolg immer kaufen, das hat ja Rödinghausen gezeigt. Wer weiß, wo der Verein hier in drei, vier oder fünf Jahren hin möchte, aber grundsätzlich tut es dem ganzen Kreis und der Stadt Espelkamp gut und deshalb fördern die Sponsoren den Verein mit etwas mittelfristigeren Zielen, um den Verein erst mal grundsätzlich sportlich entwickeln zu wollen, ohne direkt „höher, schneller, weiter“ rufen zu wollen, sondern erst mal das Image des Fußballs in dieser Stadt in kleinen Schritten zu korrigieren.

Sie waren in Lübbecke Gast einer Diskussion über die Kommerzialisierung des Fußballs. Dort wurde nicht zuletzt die Oberliga als Grab des Amateurfußballs, als Geldgrab dargestellt. Wer geht freiwillig in sein eigenes Grab, das er sich auch noch selbst schaufelt?

Tim Daseking: Das ist ja nicht so ganz richtig. Was dabei heraussprang, das war ja, dass der Sprung von der Oberliga zur Regionalliga dann der ist, wo sich auch dieser Verein, wenn wir die Ziele erreichen sollten, noch mal neu orientieren müsste. Eins ist klar, in der Regionalliga West, und da ist der größte Sprung, da hast Du 50 bis 60 Prozent der Mannschaften, die professionell spielen, dieser Grat zwischen Oberliga und Regionalliga ist dann der zwischen semiprofessionellem und professionellem Fußball. Im Oberligabereich, gemessen an unseren aktuellen Möglichkeiten, sind wir wirklich gut aufgehoben, wo man hier in der Region ambitioniert Fußball spielen kann, ohne dafür seinen Hauptjob aufgeben zu müssen, wo man abends dann drei, viermal zum Training kommen und am Wochenende auf einem tollen Gelände in einer möglichst hohen Liga zu spielen. Deshalb will ich auf keinem Fall sagen, dass die Oberliga das Grab für Amateurvereine ist.

Seit 2018 der Verantwortliche im Albert-Pürsten-Stadion und im Sportpark Mittwald: Tim Daseking. Foto: Volker Krusche

Sie sehen es auch nicht als Verbrennung von Sponsorengeldern?

Tim Daseking: Es ist dann die Frage: Was möchte ein Verein? Was möchte das Umfeld? Natürlich investieren wir in unsere erste Herrenmannschaft, aber dieser Invest ist dann im Vergleich zu jetzt gar nicht so groß, der entscheidende Sprung ist dann der zwischen Ober- und Regionalliga, wenn du den Großteil deiner Leute hauptamtlich bezahlen müsstest, dann könntest Du das natürlich nicht mit einem Etat wie dem unseren, das ist klar. Da müsste man sich überlegen, ob ein Verein bereit ist, den Schritt zu tun, weil dann auch die Auflagen ganz andere sind. Oberliga ist hier aber machbar.

Was ist am Saisonende machbar? Wo steht Preußen nach dem letzten Spieltag?

Tim Daseking: Hoffentlich auf Platz eins in der Landesliga und dann so aufgestellt, dass wir frohen Mutes in die nächste Saison gehen können, dass wir auch in der Westfalenliga eine gute Rolle spielen können. Aber auch, dass wir dann unsere zweite Mannschaft und unsere Nachwuchsmannschaften so besetzt haben werden, dass wir einen Schritt weiter und einen Schritt besser sind als dieses Jahr.

Apropos zweite Mannschaft: Die ist auf dem Blasheimer Markt als Preußen-Schweine bezeichnet worden, beim Dart-Turnier in Varl wurde es leicht abgewandelt in Preußen-Scheine. Wenn man beim FC Preußen unterschreibt, muss man es dann lieben, gehasst zu werden?

Tim Daseking: Ja, das scheint ja fast so, ne? Aber da sind wir ja wieder bei dem, was unser Auftrag ist, was wir ändern wollen. Dass wir für die fußballerischen Aspekte des Klubs stehen, für vorzeigbare Ausbildungsstrukturen, für recht seriöse Abläufe, für einen Verein, der unheimlich viel für Kinder, für Jugendliche, aber auch für seine Seniorenmannschaften tut!

Stichwort Transparenz?

Tim Daseking: Ja. Transparenz gegenüber den Leuten im Kreis. Vielleicht kriegen wir es ja auch hin, dass uns Union Varl nächstes Jahr auch zum Dartturnier einlädt, das war ein Vorschlag von Till Wriedt, wir haben ja auch Dominik Bokel als Trainer hier, der auch ganz gut Darts spielen soll, der hat das Turnier mal gewonnen, so dass wir gesagt haben: Vielleicht fahren wir auch da einfach mal hin. Wenn man mit denen in Kontakt kommt und sich dem hier öffnet im Fußballkreis und den Leuten, das hat ja auch diese Podiumsdiskussion in Lübbecke gezeigt, dass wir in vielen Bereichen berechtigt kritisch gesehen werden – und damit, mit der Kritik, müssen wir uns auseinandersetzen. Wir müssen das, was wir hier versuchen zu verändern, so nach außen repräsentieren, dass das auch Anerkennung findet. Deswegen müssen wir da jetzt durch. Unsere zweite Mannschaft ist mit den Geschehnissen auf dem Blasheimer Markt auch sehr ordentlich umgegangen. Dass wir als Verein kritisch gesehen werden oder mit einer gewissen Skepsis bei den Zielen, die wir ausgerufen haben, ein gewisser Neidfaktor mag auch dabei sein, ist unbestritten, aber darauf darf man nicht anspringen. Und wenn man selber mal in einem kleineren Verein gespielt und zu einem größeren Verein geguckt hat, war man ja vielleicht auch ähnlich. Man muss versuchen, über diesen Dingen zu stehen – ich will nicht sagen, das mit sich machen zu lassen, aber damit recht souverän umzugehen.

Apropos Transparenz: Die Jahreshauptversammlung des Vereins war seit vielen Jahren immer im Herbst, im Kalenderjahr 2019 haben die Mitglieder vergeblich auf eine Jahreshauptversammlung gewartet. Hat der Verein Angst vor Fragen oder keine Antworten auf Fragen, die dort gestellt werden könnten?

Tim Daseking: Da bin ich der falsche Ansprechpartner. In meiner Rolle ist es wichtig, die Dinge hier für den Sportlichen Bereich zu akzentuieren, dafür Verantwortung zu übernehmen und das dann nach außen zu repräsentieren. Aufgrund der sportlichen Zielsetzung ist es aber auch elementar wichtig, an den Strukturen des Vereins zu arbeiten, damit meine ich gar nicht das Mitspracherecht von Sponsoren, da sind wir als Verein aktuell in einer gewissen Findungsphase, das ist ganz normal, dass nicht alles in eine Richtung gehen kann, gerade in einem Verein mit solchen Altlasten und vielleicht auch so einer Historie. Ich habe hier viele Menschen kennengelernt, denen es unheimlich um diesen Verein geht.

Erklärt das auch die mitunter starken Reaktionen? Im Moment kann man teilweise den Eindruck gewinnen, dass der FC Hollywood zurück ist...

Tim Daseking: Aufgrund eines Interviews ist das vielleicht zum Teil berechtigt, aber das war in 15 Monaten ein einziger Fall und das ist nicht das, was wir nach außen repräsentieren wollen, aber trotzdem muss man auch dazu stehen, Das sind strukturelle Dinge, ich würde mir natürlich wünschen, dass Dinge, die intern sind, auch intern bleiben, aber es ist doch ganz klar: So wie wir hier gesehen werden, und so wie die Vergangenheit auch Einfluss auf den Verein genommen hat, dass man das nicht von jetzt auf gleich komplett abstreift. Alle Leute sprechen gerne über Fußball, die, die früher mal hier waren, die, die jetzt hier sind, die sind alle noch miteinander bekannt, Fußball ist doch sowieso so, dass alle, die zu unserem Sportplatz kommen, gerne darüber sprechen, dann nimmt auch das immer eine gewisse Eigendynamik...

Klare Anweisungen: Tim Daseking lässt seine Mannschaft offensiv spielen. Foto: Stefan Pollex

Stört Sie das, dass Stress künstlich von außen in die Mannschaft getragen wird? Die Jungs sprechen auch darüber...

Tim Daseking: Ja, natürlich stört mich das. Es wär verkehrt, wenn ich sagen würde, es stört die Jungs nicht und es stört mich nicht. Man muss gucken, welche Einflussfaktoren hat man dann immer und wie kann man am besten damit umgehen und nicht nur gegenüber unseren Spielern, sondern allen Leuten intern, wenn man eine gewisse Rolle und Funktion in diese Verein hat, ist man verpflichtet, auch darüber zu sprechen und seine Meinung zu sagen und möglichst nach Lösungen zu suchen. Das sollten wir dann möglichst intern machen. Dass das dann nicht immer geht, aufgrund von..., was ich auch gar nicht weiter ausführen möchte. Es ist jetzt letztendlich so wie es ist, das muss man dann versuchen, schnellstmöglich zu ändern, da ist die Jahreshauptversammlung, die jetzt kommt, eine Möglichkeit, das nach außen etwas besser darzustellen, dass wir uns in diesen Bereichen da klar positionieren und möglichst gut aufstellen.

Werden Sie auf der Jahreshauptversammlung für Positionen kandidieren? Auch da gibt es Gerüchte...

Tim Daseking: Dazu will ich auch gar nichts sagen. Wir brauchen mehr Leute, dass wir die Verantwortung in diesem Verein auf mehreren Schultern verteilen, und dass wir insgesamt nicht nur mehr Fußballkompetenz brauchen, sondern, wenn wir in höheren Ligen spielen wollen, und insgesamt dann auch mit einem ganz anderen Einfluss von außen belegt sind, müssen wir versuchen, unsere Führungsgremien so zu besetzen, dass wir mehr fähige Menschen haben, die dann gerne diese verantwortlichen Positionen hier bekleiden. Aktuell ist es dann schon so, dass wir an diesem Führungsgremium arbeiten, da geht es um Einflussmöglichkeiten und die Partizipation beider Sponsoren an dieser gewissen Entwicklung.

Demnach wird künftig jeweils ein Vertreter der beiden Großsponsoren im Vorstand des FC Preußen vertreten sein werden?

Tim Daseking: Wie schnell man das so umsetzen kann, das weiß ich noch gar nicht. Ich bin natürlich involviert, aber ich möchte vor allem für die sportlichen Dinge stehen und mich dazu äußern, aber natürlich sind wir aktuell noch nicht optimal aufgestellt und wir sollten diese Einflussmöglichkeiten den Sponsoren schon mitgeben, wenn sie es denn machen wollen. Es gibt ein paar ganz gute Ideen, die uns auch weiterbringen könnten, aber inwiefern das auch kurzfristig umsetzbar ist, das wird dann die Zeit bis zur nächsten Jahreshauptversammlung zeigen. Mir ist einfach wichtig zu sagen: Nee, es wäre zu einfach, jetzt dann zu sagen, bei uns läuft alles rund und ist alles perfekt, das wäre unehrlich, aber es ist auch nicht so, dass wir jetzt fürchterlich schlecht aufgestellt sind. Wenn wir uns im sportlichen Bereich verändern und verbessern wollen, dann ist es auch unsere Pflicht, diese Dinge zu überprüfen, und da dann auch mal zu reflektieren, warum ist das in der Vergangenheit vielleicht so gewesen, wenn ein Verein versucht, größer zu werden, dass dann auch andere Dinge auf einen zukommen, gerade das Administrative drumherum. Grundsätzlich ist in unserer Gesellschaft Ehrenamtlichkeit und da Leute zu finden, die sich im Verein engagieren, nicht ganz so einfach und es kommen immer mehr Aufgaben auf den Verein zu, wenn wir mal überlegen, um was wir uns die ganze Woche kümmern oder kümmern müssen, dann ist es ja sicherlich ganz sinnvoll, wenn man mal überlegt, ob man dann im strukturellen Bereich dann auch personell Leute, ob in Teilzeit oder wie auch immer, anstellt, um den ganzen Dingen dann auch nachzukommen, weil es irgendwann nur mit ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern schwierig ist. Aber da muss jeder Verein seinen eigenen Weg finden, da sind wir gerade dabei, die passende Lösung dafür zu suchen. Ich wünsche mir natürlich schon, dass wir das möglichst konsensfähig so gestalten, dass wir auch beide Sponsoren mit im Boot haben, dass wir mit dem, wie wir uns dann anders aufstellen, zufrieden sind. Ich möchte darin dann auch möglichst keine Rolle spielen. Man tut immer gut daran in einem Verein,, wenn man die strukturellen von den sportlichen Dingen trennt – das ist aktuell ja wirklich noch unmöglich aufgrund der Situation im Tagesgeschäft, wo wir ja nur eine Handvoll Leute sind, die versuchen, den Alltag für diesen Verein umzusetzen, aber ich glaube schon, dass es nicht verkehrt wäre, wenn man diese Bereiche zukünftig wieder besser voneinander trennt.

Zurück zum Sportlichen, ihrem Kerngeschäft. Sie haben bereits einige Neuzugänge vorgestellt – wie viele kommen noch?

Tim Daseking: Wir wollen den Kader für die nächste Saison nicht vergrößern. Wir hatten 20 Feldspieler, zwei Torhüter plus Nachwuchsspieler, da sind wir auch wieder dabei, uns für die nächste Saison so aufzustellen. Wir haben auch aus dem eigenen Nachwuchs wieder den einen oder anderen Sprungbrettspieler gefunden, dem wir wieder eine Rolle zutrauen, der oben trainieren und unten spielen kann, wir überlegen auch, ob es der eine oder andere Spieler aus der zweiten Mannschaft werden kann – wenn ich von der Verzahnung von Mannschaften spreche, macht das sicher Sinn. Für die erste Mannschaft haben wir sicher noch vor, den einen der anderen Spieler hinzuzugewinnen. Das liegt eigentlich daran: Vorm Winter habe ich allen Spielern gesagt, dass wir alle Spieler des Kaders der ersten Mannschaft behalten wollen...

Eingespieltes Team: Mit Janis Kaspelherr bildet Tim Daseking (rechts) das Trainergespann des FC Preußen Espelkamp. Foto: Stefan Pollex

Wenn Neuzugänge kommen, wird das aber zuviel...

Tim Daseking: Bei einen oder anderen Spieler kommen dann aber berufliche Dinge hinzu oder er fühlt sich nicht so wohl, wie auch immer, dann ist unser Wunsch ja nicht immer auch der Spielerwunsch. Das gestaltet sich so, dass wir es aktuell noch nicht geschafft haben, alle davon zu überzeugen, nächste Saison bei uns zu spielen.

Im Gegenteil, es stehen mit Kevin und Robin Reimer, „Toni“ Islamaj und Bennett Heine nach Dominik Flaake vier weitere Abgänge fest.

Tim Daseking: Ja, korrekt.

Sind diese Spieler zu schlecht für den neuen FC Preußen?

Tim Daseking: Das sind vier Spieler, die wir sehr gerne behalten hätten, da gehe ich auch ehrlich mit um. Bei zwei Spielern hat es berufliche Gründe, dass sie sich da umorientieren. Bei Toni ist es so, er ist Projektleiter geworden in seiner Firma in Vlotho, der Weg ist unglaublich, er muss eigentlich auch länger arbeiten, hat Schulungen. Da ist es sehr schade, und jetzt fallen ihm auch noch Leute aus seiner Fahrgemeinschaft weg, er ist immer mit Dominik Flaake und den beiden Reimers gefahren. Bei Dominik hatte es sportliche Gründe, aber Toni hat gesagt wegen dem Beruflichen, er wäre unheimlich gern geblieben, aber es liegt an der Konstellation. Dieses Jahr ist er Leistungsträger, das hätte ich ihm auch nächstes Jahr zugeschrieben, er sich dann aber bei einer gewissen beruflichen Belastung vielleicht nicht, also ist es bei Toni leider so, dass er gesagt hat: Tim, ich wäre wirklich gerne bei Euch geblieben, aber das klappt deswegen nicht. Bei den beiden Reimers ist es so, dass sich Kevin diese Saison schon noch als Stammspieler sehen kann, aber schafft er es nächstes Jahr mit den Zielen für die Westfalenliga? Dann der Aufwand aus Oeynhausen, immer hierhin zu kommen. Bei Kevin war es so, dass wir gesagt haben: Sportlich hätte er hier bleiben können, aber, ich bin da immer sehr ehrlich zu den Spielern, ich kann ihm für nächstes Jahr dann wenig versprechen und „wenn alle da sind, wirst Du in der Regel nicht spielen“, weil wir da dann auch wirklich sehr gut aufgestellt sind. Bei Robin kommt dann die Kombination aus Bruder und eigener Verletzungsanfälligkeit dazu, bei beiden ist es letztendlich auch so, dass die aktuelle Situation bei uns... Kevin kommt aus einem Verein wie Bad Oeynhausen, wo der Klub eine andere Atmosphäre hat als hier, wenn er als neuer Spieler hier dazu kommt. Bei allen Spielern sind wir sehr traurig, aber gerade bei einem Spieler wie Robin, den ich viele Jahre kenne und seine sportliche Entwicklung in Rödinghausen begleiten durfte, da bin ich natürlich schon echt traurig, weil er ein Riesenpotenzial besitzt, aber man muss auch gucken, wie viele Spiele er diese Saison machen konnte, wie häufig er überhaupt fit war, in Rödinghausen hat er das Jahr davor auch fast komplett ausgesetzt. Als sein Bruder dann sagte, ich sehe das kritisch, sind uns die Beiden dann von der Fahne gegangen. Bei Bennett liegt es an beruflichen Gründen. Er möchte zur Polizei nach Niedersachsen und weiß da nicht ganz genau, wo er da eingesetzt wird, er hat sich beruflich umorientiert, er hat ein Studium gemacht und die Abschlussarbeit bei der Firma Mittwald geschrieben, das hat aus unterschiedlichen Gründen aber nicht geklappt, dann war er auf der Suche und bei der Polizei in Niedersachsen glaubt er da fündig geworden zu sein. Wer dann 60 oder 70 Kilometer pro Weg hat, der konnte uns das nicht zusagen. Sonst hätten wir vielleicht zwei oder drei Spieler dazugenommen und hätten geguckt, dass der eine oder andere vielleicht in die zweite Mannschaft geht, jetzt ist es so, dass wir versuchen, das möglichst gut nachzubesetzen, das ist uns sicher von der Qualität der Spieler schon gelungen, um dann fürs nächste Jahr noch besser aufgestellt zu sein. Von der Herangehensweise bin ich etwas traurig, dass wir es nicht geschafft haben, alle zu behalten. Trotzdem ist es ja so, dass uns 15 oder 16 Spieler erhalten bleiben, alle anderen Spieler haben zugesagt und stehen auch nächstes Jahr zur Verfügung.

Es bleibt also definitiv bei den vier Abgängen?

Tim Daseking: Ja. Gut, vielleicht verändert sich in der Rückrunde noch einmal die sportliche Situation und einer ist unzufrieden, dann sollten wir die Letzten sein, die sagen: Ja, aber du hast hier Vertrag oder hier zugesagt. Die vier Abgänge – gerade drei, die hier auch nächste Saison eine wichtige sportliche Rolle gespielt hätten – tun uns sportlich weh, aber auch menschlich. Zu der Entwicklung solch einer Mannschaft gehört es auch, möglichst einen Großteil zu behalten. Das Teambuilding ist uns wichtig und wir glauben, tolle Jungs hier zu haben, die auch vielen Einflüssen von außen standgehalten haben und weiter guten Fußball gespielt haben. Deshalb waren wir auch daran interessiert, möglichst alle zusammenzuhalten – aber: Das ist halt nicht so. Das ist im Fußball aber ganz normal, gerade im Amateursport, wenn berufliche Dinge dazu kommen. Das Andere ist: Wenn sich ein Spieler hier nicht so wohl fühlt, dann kann ich das verstehen, aber das ärgert mich dann schon ein bisschen.

Gehen optimistisch in die Zukunft: Janis Kaspelherr (links) und Tim Daseking. Foto: Thomas F. Starke

Fühlt sich jemand nicht wohl?

Tim Daseking: Wenn jemand nicht regelmäßig spielt, ist das in jedem Verein normal. Die Atmosphäre im Klub ist dann auch noch nicht die, wie wenn der Verein über Jahre immer das Gleiche getan hätte, das bringt hier auch eine gewisse Besonderheit mit rein. Es ist schon so, wenn du so einen großen Aufwand hast, wenn alle immer erzählen, bei uns bekommen die so viel... Ich denke, die hätten das nicht infrage gestellt, wenn das so wäre. Deswegen muss man dann immer gucken, ob Aufwand und Ertrag für die Jungs passen. Die wohnen nicht alle um die Ecke. Aber das ist dann so und das muss man dann eher wieder als Chance nehmen, um den Umbruch mit einem vierten oder fünften externen Spieler mit einer tollen Qualität dazunehmen zu können. Da sind wir wieder auf einem super Weg, wo wir wirklich sagen können, der Kader in der nächsten Saison, dann hoffentlich in der Westfalenliga, aber auch, wenn es Landesliga sein sollte, der ist für eine Mannschaft hier im Kreis Minden-Lübbecke grandios, da können sich alle drauf freuen. Die Jungs freuen sich auch total darauf. Man merkt den Jungs schon eine Vorfreude an, zusammenspielen zu können, bei dem einen der anderen darauf, wieder zusammenspielen zu können. Da kann der Verein auch stolz drauf sein, diese Jungs dann wieder so zusammenzuhaben. Da folgen jetzt demnächst ja vielleicht noch ein, zwei oder drei, wo wir uns Gedanken machen, dass es auch da passt. Wir hätten den Umbruch lieber kleiner gehalten. Eigentlich war es unsere Zielsetzung, einmal im letzten Jahr den etwas größeren Umbruch mit zehn Neuzugängen zu haben, was schon recht viel ist für eine Landesliga-Mannschaft, und danach nur noch zu sagen: Zwei oder drei Spieler kommen jedes Jahr hinzu, die wirklich richtig gut sind und das verstärken, aber im Gros bleibt das so zusammen – das hat jetzt einfach nicht geklappt.

Welche Rolle spielt die zweite Mannschaft, gerade auch für den Verein, wenn die Erste sich Richtung Leistungssport entwickelt?

Tim Daseking: Die zweite Mannschaft soll auf jeden Fall so sein, dass sie hoffentlich Bezirksliga spielt nächstes Jahr. Der Unterbau für eine erste Mannschaft ist immer wichtig. Der Unterbau soll sich natürlich möglichst mit vielen Spielern hier aus Espelkamp und dem eigenen Nachwuchsbereich zusammensetzen.

Die zweite Mannschaft als Herz und die erste Mannschaft als sportlicher Kopf des Vereins?

Tim Daseking: Ich würde schon sagen, wenn Spieler für dreieinhalb Jahre hierher kommen, dann müssen sie sich schon mit ihrer Aufgabe hier identifizieren und dann merke ich schon, dass einer wie Langemann oder wie auch andere Spieler, wie der Dennis Schmidt, der hängt sogar mehr an diesem Verein, als es bei manchen Spielern der zweiten Mannschaft ist, für die ist nicht nur der sportliche Erfolg wichtig, sondern die sind wirklich bereit, gerade bei Dennis, der ist bereit, für seinen Verein alles zu tun. Das macht dann auch den Reiz im Amateursport aus, genau diese Leute, die sich auch sportlich in diesem Verein mitentwickeln können, die so gerne da sind, wo das ein Stück IHR Verein ist – vielleicht werden wir davon in der zweiten Mannschaft mehr haben, wobei ich das mittlerweile schon mit einer gewissen gegenläufigen Tendenz sehen würde, dass ja immer weniger kleine Vereine geben wird nach dem Motto „Da spiele ich einmal und dann spiele ich da immer weiter“, sondern dass auch in der zweiten Mannschaft die Jungs gucken, da geht mal einer nach Vehlage oder nach Fabbenstedt oder wie auch immer. Das ist heutzutage mit der Vereinstreue dann nicht mehr so groß, man guckt dann eher Jahr für Jahr: Wo habe ich meine Kumpels, wo habe ich die besten Möglichkeiten. Ein guter Unterbau für die Erste ist total wichtig. Die Kriterien sollten möglichst schon so sein: Tendenz Richtung U23. Tendenz für eine Mannschaft, wo man dann sagt: Ja, das ist ein Unterbau für die Erste.

Dann muss man die zweite und dritte Mannschaft hochziehen, damit das Herz weiter im Verein schlägt – und nicht zu anderen Vereinen abwandert?

Tim Daseking: Jeder soll die Möglichkeit bekommen, weiter hier spielen zu können. Wie schnell man so etwas umsetzen kann, muss man sehen. Wir haben einige A-Jugendspieler, die interessiert wären, hier auch in der Zweiten zu spielen, wir wollen unsere Zweite auch möglichst zusammenhalten, wo wir dann sagen: Zwei, drei Jüngere bauen wir dann mit ein, das ist dann perspektivisch gesehen irgendwann mal eine U-Mannschaft, aber aktuell unsere zweite Mannschaft mit vielen eigenen Spielern und ein möglichst guter Unterbau für die Erste und wird deshalb hoffentlich Jahr für Jahr wichtiger werden.

Wo steht Preußen 2023 – am Ende der ersten großen Planetappe?

Tim Daseking: Hoffentlich dann da, wo wir es uns erwünschen, möglichst im Herrenbereich in der Oberliga, aber ich hoffe auch, dass wir von den Minis bis zur zweiten Mannschaft im gesamten Vereine eine positive Entwicklung nehmen – das ist ja unser Auftrag. Man merkt gerade hier im Kreis, wie wichtig die zweite Mannschaft und wie wichtig der Nachwuchs ist, dass man da vorzeigbare Arbeit leistet. Da haben wir noch viele Dinge zu tun, deswegen ist es noch mit vielen Unwägbarkeiten belegt, wo Preußen 2023 steht, aber am Ende hoffentlich ansatzweise da, wo das Potenzial, was wir aktuell hier zum Greifen haben, dann so genutzt wurde, um dann diese Entwicklung genommen zu haben.

 

Hier geht es zu den bisher erschienenen “Winterviews”:

Emir Kurtagic (Trainer TuS N-Lübbecke)

Stephan Rehling (Vorsitzender Baskets 96 Rahden)

Christian Pawlak (Box-Weltmeister)

Ingo Seidel (Turnierchef Girls Snow Cup)

Jörg Uphoff (Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Fußball-Kreis)

 

 

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