Mo., 23.03.2020

Weltmeister Christian Pawlak und DM-Gürtelträger Riza Baydilli sind kampflos Zwei Champions müssen zittern

Champions im Wartestand: Riza Baydilli (links) und Weltmeister Christian Pawlak aus Espelkamp dürfen wegen Corona erstmal nicht mehr boxen.

Champions im Wartestand: Riza Baydilli (links) und Weltmeister Christian Pawlak aus Espelkamp dürfen wegen Corona erstmal nicht mehr boxen. Foto: Ingo Notz

Von Ingo Notz

Espelkamp (WB). Weltmeister im Wartemodus: Die Corona-Krise hat auch die beiden Espelkamper Box-Asse schwer erwischt. Normal treffen sie hart, diesmal sind sie hart getroffen worden: Christian Pawlak und Riza Baydilli mussten ihre jüngsten Kämpfe absagen – und zittern jetzt um Weltmeisterschaften und andere internationale Titelkämpfe.

Die beiden Champions aus Espelkamp befanden sich seit Januar in der gezielten Vorbereitung auf ihre ersten Kämpfe des Jahres, die am Samstag stattfinden sollten. Zunächst schienen die Kämpfe auch mit reduzierter Zuschauerzahl durchzuführen zu sein, dann allerdings wurden auch die Box-Stars von der großen Corona-Welle und deren Auswirkungen auf die Allgemeinheit und nicht zuletzt den Sport erwischt. Die Folge: Die Kämpfe wurden komplett abgesagt. Nach ersten Plänen sollen sie voraussichtlich am 25. April in Elmshorn nachgeholt werden – ob es dazu kommen wird, ist nach derzeitigem Stand allerdings offen.

Besonders bitter ist die aktuelle Absage für den Weltmeister Christian Pawlak: Er lebt nicht nur für das Boxen, sondern er lebt auch vom Boxen. „No Show, no Snow“: Ohne die Kämpfe brechen auch dem amtierenden Weltmeister aus dem Mühlenkreis Einnahmen weg – und das mitten in seiner Vorbereitung auf die Heim-WM, für die der 40-Jährige als Organisator auf Sponsorensuche ist.

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Ich hoffe, dass es den Leuten noch auffällt, dass in diesem Jahr eine Weltmeisterschaft im Profiboxen hier vor Ort geben wird.

Christian Pawlak zum geplanten WM-Kampf im Bürgerhaus

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Um die WM auf jeden Fall auf die Beine gestellt zu bekommen, hat sich Pawlak schon zu einem besonderen Schritt entschieden: „Ich boxe ohne Börse“, sagt der Weltmeister und ehemalige Schützling der mittlerweile verstorbenen Box-Ikone Graciano Rocchigiani. „Ich hoffe, dass es den Leuten noch auffällt, dass es in diesem Jahr eine Weltmeisterschaft im Profiboxen hier vor Ort geben wird“, appelliert der Espelkamper an die heimische Wirtschaft, dieses besondere Sportereignis entsprechend zu unterstützen. Und obwohl der aktuelle Kampf in Elmshorn ausfallen musste, zeigt sich Christian Pawlak mit Blick auf den Herbst und sein Heimspiel im Bürgerhaus sehr optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass der Kampf stattfinden wird!“

Im Espelkamper Bürgerhaus soll dann auch Riza Baydilli im Ring stehen. Ebenfalls im doppelten Sinne schwerwiegende Folgen könnte die Corona-Krise für den Cruiser- beziehungsweise Schwergewichtler haben. Der 39-Jährige ist im Dezember erst erstmals in seiner noch jungen Profi-Karriere Deutscher Meister im Schwergewicht nach Version der GBA (German Boxing Association) geworden und hat sich für dieses Jahr internationale Ziele gesteckt. Ob er die erreichen kann, steht derzeit allerdings in den Sternen. Der Hintergrund: Baydilli muss ernsthaft um die Zulassung zu seinem ersten internationalen Titelkampf bangen.

Geplant ist der, wie auch die Titelverteidigung von Christian Pawlak, im Rahmen der großen Box-Nacht im Espelkamper Bürgerhaus am 3. Oktober. Baydilli hat dabei allerdings noch zusätzliche Probleme: Um die Zulassung zu seinem ersten internationalen Wettbewerb zu bekommen, muss er sieben absolvierte Profikämpfe vorweisen können. Nach seinem Wechsel ins Profilager hat er erst vier Kämpfe auf seinem Konto, die er allesamt durch K.o. gewonnen hat.

Baydilli benötigt bis zum 3. Oktober noch zwei weitere Kämpfe

Der Titelgewinn im Dezember wird dabei doppelt gezählt – was bedeutet, dass der 39-Jährige bis zum 3. Oktober noch zwei Profi-Kämpfe absolvieren muss, um den Statuten des Weltverbandes Global Boxing Council (GBC) beziehungsweise der UBO (Universal Boxing Organization) zu entsprechen. Ob es im Fall der Fälle eine Corona-bedingte Ausnahme geben könnte – offen.

Sparring verboten: Christian Pawlak kann sich in Zeiten von Corona nur individuell in Form halten Foto: Notz

Bei der GBC, einem der kleineren Weltverbände im internationalen Box-Geschäft, soll Baydilli im Oktober um den derzeit vakanten Interkontinental-Champion-Titel im Schwergewicht kämpfen. „Ich hoffe, dass ich die Chance dazu bekommen werde“, zittert Baydilli jetzt angesichts der historischen und nicht einkalkulierten Umstände um seine Chance. Theoretisch müsste Baydilli auch innerhalb eines Jahres seinen Deutschen Meistertitel verteidigen, da zeigt sich der Espelkamper aber entspannt: „Der Deutsche Meistertitel sollte für mich eh eher das Sprungbrett für die internationalen Kämpfe und in höhere Klassen sein“, blickt der 39-Jährige nach vorne und sucht neue Herausforderungen. Ob und wann er diese dann auch im Ring angehen kann, ist aktuell nicht absehbar. Im Blick haben die beiden Espelkamper Boxer zunächst den Nachholtermin Ende April in Elmshorn, sollte der nicht realisiert werden können, würde im Mai die nächste Chance warten. Alles hängt aber nicht zuletzt auch bei den beiden Kontaktsportlern derzeit vom weiteren Verlauf der Corona-Krise ab.

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Das Warten ist schlimm. Das Wichtigste ist zurzeit aber, dass wir alle gesund bleiben.

Christian Pawlak über die Corona-Pause

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„Das Warten und die Ungewissheit sind schlimm“, ärgert sich Christian „Champ“ Pawlak über die derzeitige unfreiwillige Kampfpause, betont aber gleichermaßen, dass es Wichtigeres gebe als den Sport: „Das Wichtigste ist zurzeit, dass wir alle gesund bleiben. Danach können wir dann wieder an unseren Sport denken.“ Derzeit können sich die beiden Profi-Boxer aus Espelkamp fast ausschließlich mit Läufen und individuellen Übungen fit halten. Angetrieben von der einen Hoffnung, dass sie schon bald wieder bei ihrem geplanten Heimspiel im Espelkamper Bürgerhaus Wirkungstreffer bei ihren Gegnern erzielen können – und nicht von einem unsichtbaren Gegner in die neutrale Ecke geschickt werden. Als Weltmeister im Wartestand...

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