Di., 24.03.2020

Torjäger Stefan Langemann freut sich im „Homeoffice“ über die Vorzüge der Krise Voll im Papa-Modus

Vorzüge von Homeoffice und Fußball-Verbot: Stefan Langemann kann mehr Zeit als gewöhnlich mit Sohnemann Samuel (7 Monate) verbringen – und das freut offenkundig auch den Knirps.

Vorzüge von Homeoffice und Fußball-Verbot: Stefan Langemann kann mehr Zeit als gewöhnlich mit Sohnemann Samuel (7 Monate) verbringen – und das freut offenkundig auch den Knirps.

Von Alexander Grohmann

Bad Oeynhausen/Espelkamp (WB). Es geht auch ohne Fußball. Das stellt Stefan Langemann gerade fest. In der Corona-Krise befindet sich der Torjäger des Landesliga-Spitzenreiters FC Preußen Espelkamp überwiegend im Homeoffice – und bewahrt sich trotz extremer Einschränkungen im Alltag seine positive Einstellung: „Durch Fußball und Beruf bleibt sonst nicht viel Zeit für die Familie. Daher ver­suche ich, die Zeit zu Hause zu genießen“, sagt der 29-Jährige, der vor etwa sieben ­Monaten zum ersten Mal Vater geworden ist.

Im ­Gespräch mit Sportredakteur ­Alexander Grohmann schildert der frühere Drittliga-Kicker, wie er sich in der Zwangspause auch ­ohne Teamtraining fit hält, dass die Kondition leiden wird und dass es gerade in der jetzigen Zeit Wichtigeres gibt als Fußball.

Wie ist das Leben ohne Fußball? Schmerzt dieser ­Verzicht am meisten im Corona-Alltag?

Stefan Langemann: Es ist ­sicher ungewohnt so ganz ohne Fußball, aber da ich vor einem halben Jahr Papa geworden bin, mangelt es zu Hause nicht an Beschäftigung. Ich muss auch sagen, ich habe gar nicht das Gefühl, im Moment einen großen Verzicht in Kauf nehmen zu müssen. Ich sehe es eher als Hilfe, die jeder Einzelne mit dem Zu-Hause-bleiben leisten kann, um das Virus einzudämmen.

Gehen Sie denn noch geregelt ins Büro oder hat es auch bei Ihrem Arbeitgeber (Gauselmann/Anm. der Red.) bereits Veränderungen gegeben?

Langemann: Natürlich gab es diesbezüglich bei uns in der Gauselmann-Gruppe Veränderungen und Maßnahmen, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen. Als Marketing-Projektmanager kann ich aktuell weitestgehend von zu Hause aus arbeiten.

Corona hält Deutschland in Atem. Die negativen Schlagzeilen bestimmen den Alltag. Wie schaffen Sie es, positiv zu bleiben?

Langemann: Bei einer weltweiten Krise, in der viele Menschenleben in Gefahr sind, ist es natürlich schwierig, positive Aspekte zu finden. Aber ich denke, dass wir in Deutschland gerade zumindest eine kleine Erholungspause vom schnelllebigen Alltag, in dem keiner mehr Zeit für nichts hatte, bekommen. Und ich glaube, die tut vielen von uns ganz gut!

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Den Lagerkoller wird es bei uns zu Hause nicht so schnell geben.

Stefan Langemann

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In Trainingslagern von Fußballteams ist oft vom Lagerkoller die Rede. Wie vermeidet man den im Hause Lange­mann?

Langemann: Den wird es bei uns nicht so schnell geben. Durch Fußball und Beruf bleibt sonst nicht viel Zeit für die Familie. Daher versuche ich gerade, die Zeit zu Hause zu genießen. Jeden vierten Tag bin ich im Büro.

Die Ausgangsbeschränkungen wurden jetzt noch einmal verschärft. Wie oft verlassen Sie die Wohnung – und wie halten Sie sich ohne Training eigentlich fit?

Langemann: Ich gehe fast nur noch zum Einkaufen aus dem Haus oder wenn ich ins Büro fahre. Ich halte die Maßnahmen für absolut vernünftig! Außerdem ist es ja nur vorübergehend und solange es hilft, unsere Gesundheit und die unserer Mitmenschen zu schützen, finde ich es gut. Meine Fitness ­versuche ich mit Stabilisations- und Kraftübungen zu Hause aufrechtzuerhalten. Da kommt man mit einer Matte als Hilfsmittel eigentlich schon ganz gut aus. ­Sicher bleibt die Kondition ohne das ständige Training ein wenig auf der Strecke, aber aktuell gibt es halt Wichtigeres.

Dynamisch und zielsicher: Stefan Langemann (links) hat für Preußen Espelkamp in der laufenden Saison schon 20 Mal ins Schwarze getroffen. Foto: Alexander Grohmann

Was hat sich in Ihrem Alltag bislang sonst signifikant geändert?

Langemann: Natürlich wasche ich mir jetzt auch öfter die Hände, aber am meisten spüre ich die Veränderung im Umgang mit den Menschen. Abstand hat ja sonst eher Abneigung widergespiegelt. Dass man nun damit Respekt und Verantwortung zeigt, ist etwas gewöhnungsbedürftig.

 

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Fußballspielen ist das, was ich mein ganzes Leben schon mache, das fehlt mir logischerweise sehr.

Stefan Langemann über die Zwangspause

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Kein Fußball im Fernsehen, Spiel- und Trainingsverbot für die Vereine: Wie groß sind bei ­Ihnen schon die Entzugserscheinungen? Und Hand aufs Herz: Waren Sie überhaupt jemals ein Trainingsweltmeister?

Langemann: Das kam immer auf die Trainingsinhalte an (lacht). Am meisten fehlen mir dann aber doch die Spiele am ­Wochenende. Letztlich ist Fußballspielen das, was ich schon mein ganzes Leben mache, und das fehlt mir aktuell logischerweise sehr!

Mittlerweile wird im Amateurfußball schon über einen Saison-Abbruch diskutiert. Mit Preußen Espelkamp liegen Sie in der Landesliga souverän an der Spitze. Muss Ihr Verein jetzt trotzdem um den Aufstieg zittern?

Langemann: Die Saison-Fortsetzung hängt natürlich vom Stand der Corona-Krise ab. Wie viele Andere auch denke ich aber, dass man nach zwei Dritteln der Saison nicht einfach so tun kann, als wäre die Saison nicht gespielt worden. Wenn nicht weitergespielt werden kann, sollte eine möglichst faire Lösung für alle Vereine gefunden werden. Für mich heißt das: Die Mannschaften auf den Aufstiegsplätzen steigen auf und die auf den Abstiegsplätzen bleiben drin.

Niemand weiß, wie lange der „Shutdown“ dauern wird und wann auch im öffentlichen Leben – bildlich gesprochen – der Ball wieder rollt. Was ist Ihr Wunsch für die nächsten Monate?

Langemann: Ich hoffe einfach, dass wir als Gesellschaft alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen so klein wie möglich zu halten. Und dass im Lokalsport-Teil so schnell wie möglich wieder über richtigen Sport berichtet werden kann!

Schienbeinbruch kostet Langemann 2013/2014 den Profi-Traum

Von der „Rehmer Insel“ zum gestandenen Regionalliga-Spieler: Stefan Langemann blickt bereits auf eine bewegte Laufbahn zurück. Als Jugendlicher war der Bad Oeynhausener vor der Haustür für RW Rehme am Ball, danach ging es über die Stationen FC Bad Oeynhausen (2009), Sportfreunde Lotte (2009-2010) und SC Herford (2010/11) zu Arminia Bielefeld. Dort kickte Langemann vor allem für die U23, gehörte aber zum erweiterten Profi-Kader und kam in zwei Jahren auf vier Drittliga-Einsätze.

Nach dem Bielefelder Zweitliga-Aufstieg wurde er 2013 an den SC Wiedenbrück ausgeliehen, um beim Regionalligisten Spielpraxis zu sammeln und sich für einen Profi-Vertrag auf der „Alm“ zu empfehlen. Doch statt Karriere-Kick gab’s den Karriere-Knick. „Es war das schlimmste Jahr meiner Laufbahn“, erinnert sich der Torjäger, den erst ein Muskelbündelriss und dann ein Schienbeinbruch stoppten.

Laktattest bei Arminia: Im Jahr 2014 kämpfte Stefan Langemann beim Drittligisten noch um einen Profi-Vertrag, im Winter wechselte er nach Rödinghausen. Foto: Thomas F. Starke

 

Konsequenz: 2015 schlug der Linksfuß beim Regionalligisten SV Rödinghausen ein neues Kapitel auf. „Bis dahin hatte ich voll auf die Karte Fußball gesetzt. Danach bin ich zweigleisig gefahren.“ In Bielefeld belegte Langemann den Bachelor-Studiengang Sportökonomie. Es folgte 2018 noch ein kurzer Abstecher zum SC Verl, Anfang 2019 lockte ihn Preußen Espelkamp dann in die Landesliga. „Ich bin heute auf allen Ebenen happy – beruflich, sportlich und familiär“, sagt der junge Vater, der für die Preußen in der laufenden Saison schon 20 Mal getroffen hat – und das bei nur 15 Einsätzen.

 

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