Fußball-Landesliga: FC Preußen Espelkamp feiert Meisterschaft und Aufstieg
Erst kalt erwischt, dann heiß gelaufen

Espelkamp (WB). Der Start verlief wenig verheißungsvoll. Kaum war die Saison losgegangen, stand für den FC Preußen Espelkamp auch schon die erste Niederlage zubuche. 0:1 beim FC Bad Oeynhausen, eine schallende Ohrfeige vom frechen Aufsteiger für den selbst ernannten Titelfavoriten. Am dritten Spieltag der zweite Wirkungstreffer: Das 0:1 in Nieheim vergrößerte die Unruhe bei den Preußen. Die Anspannung war in dieser Phase zum Greifen.

Donnerstag, 18.06.2020, 10:43 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 10:46 Uhr
Mit 20 Ligatreffern Preußens Meisterschütze: Stefan Langemann war mit dem FC Preußen Espelkamp die unangefochtene Nummer eins der Landesliga. Fotos: Ingo Notz

Sechs Punkte lagen die Preußen zu diesem Zeitpunkt schon hinter dem damaligen Spitzenreiter zurück. „Der vierte Spieltag war im Nachhinein der Knackpunkt für uns“, blickt Stefan Langemann auf die Partie gegen den SC Verl II zurück, in der es bis kurz vor Schluss 1:1 stand. Es drohte der nächste Rückschlag, ehe Michael Wessel gerade rechtzeitig doch noch die Weichen für den restlichen Saisonverlauf stellen konnte.

Wessel sorgt für den Weckruf

Die entscheidende Szene in der 92. Minute hat sich bei allen Beteiligten eingeprägt: ein langer Ball auf den längst aufgerückten Abwehrchef, der kurz aus der Balance gerät, zu Boden geht und seinen Gegenspieler damit verwirrt. Während dieser nicht entschlossen genug zum Ball geht, handelt Wessel gedankenschnell und versenkt das Leder zum erlösenden 2:1-Siegtreffer in den Maschen. Die Last, die das neu zusammengestellte Preußen-Team in den ersten Wochen zu erdrücken schien, war abgefallen. Der Dreier läutete einen Preußen-Lauf ein, der erst nach zwölf weiteren Erfolgen im letzten Spiel vor der Winterpause beim 0:0 in Hövelhof endete.

Man muss die PS immer erst auf die Straße bringen!

Stefan Langemann (Torschützenkönig FC Preußen Espelkamp)

Doch bis sie ins Rollen kamen, musste der Motor zunächst warmlaufen. „Man muss die PS immer erst auf die Straße bringen“, sagt Stefan Langemann über den holprigen Saisonstart der Preußen, die sich angesichts ihres Kaders vollmundig und realistisch selbst zum Aufstiegsanwärter Nummer eins ausgerufen hatten – und sich in der Rolle des Gejagten zunächst nicht wohlzufühlen schienen. Bis zum Verl-Spiel. Kurios: Dass sich der 1. September in Langemanns Gedächtnis eingebrannt hat, hat mit dem richtungsweisenden Sieg nur am Rande etwas zu tun. Als sich die Teamkollegen in den Armen lagen, weilte Langemann nämlich längst im Krankenhaus bei der Geburt seines Sohns. Die zweite Halbzeit hatte er schon gar nicht mehr verfolgen können. Zum Jubeln war ihm trotzdem zumute.

Direkt am Anfang einen Dämpfer zu kriegen, war vielleicht sogar ganz gut für uns!

Stefan Langemann (FC Preußen Espelkamp)

Der Leistungsträger blickt nicht nur deshalb auf eine Spielzeit mit vielen Wendungen zurück. Die im März erfolgte Unterbrechung aufgrund der Corona-Pandemie setzte dem Ganzen aus Preußen-Sicht die Krone auf. „Direkt am Anfang einen Dämpfer zu kriegen, war vielleicht sogar ganz gut für uns“, sagt Langemann, mit 20 Treffern erfolgreichster Schütze im Espelkamper Kader. Die Entwicklung der Mannschaft nahm nach dem unbefriedigenden Start Fahrt auf. Dass sich die Preußen von den Rückschlägen nicht hatte unterkriegen lassen, sieht Langemann als entscheidenden Faktor beim Sturm an die Spitze. „Wir haben gesehen, dass es nicht immer so leicht ist, wie auf dem Papier. Wir standen am Anfang etwas unter Druck. Aber ich hatte durchweg das Gefühl, dass wir eine intakte Mannschaft haben. Das hat man gerade in den Trainingseinheiten gesehen. Der Charakter, jedes Spiel gewinnen zu wollen, hat uns ausgezeichnet“, so Langemann.

Unser bestes Saisonspiel war ­sicher das in Peckeloh. Da haben wir gezeigt, dass wir eine Führung nicht nur verwalten wollen, sondern uns nie zufrieden gegeben.

Tim Daseking (Trainer und Sportlicher Leiter FC Preußen Espelkamp)

Das kann Tim Daseking unterstreichen. „Die Mannschaft hat eine gute Mentalität“, streicht der Coach und Sportliche Leiter mit Verweis auf den Durchmarsch ab dem vierten Spieltag heraus. „Die Erwartungen waren am Anfang relativ hoch, die Konstanz zu dem Zeitpunkt aber noch niedrig. Wir waren am Anfang mit der neuen Mannschaft wenig eingespielt“, sagt Daseking. Doch das änderte sich von Woche zu Woche in Rekordgeschwindigkeit. Die Gegner waren dabei oftmals überfordert. „Unser bestes Saisonspiel war ­sicher das in Peckeloh. Da haben wir gezeigt, dass wir eine Führung nicht nur verwalten wollen, sondern uns nie zufrieden gegeben“, erinnert sich Daseking gerne an den 7:1-Kantersieg beim Tabellenzweiten (!) zurück, der die Ausnahmestellung der Espelkamper in dieser Saison wohl wie kein anderes Ergebnis unterstreicht. „Auswärts war es für uns aber ohnehin oft leichter, weil die Gegner mehr mitgespielt haben.“

Wir dürfen schon stolz auf uns sein. Wir sind nach jeder Rechnung Erster, sowohl nach der Hinrunde als auch in der Abschlusstabelle. Auch wenn das alle von uns im Vorfeld erwartet hatten: Wir haben gut etwas geleistet.

Stefan Langemann (FC Preußen Espelkamp)

Zehn Punkte Vorsprung standen – ungeachtet der überraschenden 1:3-Niederlage bei Kellerkind Maaslingen am 20. Spieltag – zum Zeitpunkt des Corona-bedingten Saisonabbruchs zu Buche. Dass die Meisterschaft nicht mehr fortgesetzt wird, war eigentlich schon seit Wochen beschlossene Sache. Fakten wurden aber erst am 8. Juni geschaffen, als die Delegierten des Verbandstages über den Abbruch und die Wertungen in den Ligen entscheiden mussten. Bei den Preußen ging man seit längerem davon aus, dass der Tabellenführer den Aufstieg in die Westfalenliga zugesprochen bekommen wird. So kam es dann auch. Trotzdem hat die Meisterschaft am grünen Tisch einen Haken. „Eigentlich kann man so einen Erfolg ja nur auf ‚Malle‘ feiern“, grinst Langemann. Reif für die Insel sind viele, doch die Mannschaftsfahrt musste früh abgesagt werden. Die Preußen können froh sein, wenn in absehbarer Zeit überhaupt irgendeine Form von Aufstiegsparty steigen kann. Auch wenn zehn Spieltage noch auszutragen gewesen wären, lässt der einstige Regionalliga-Akteur Stefan Langemann keinen Zweifel daran, dass er den Aufstieg der Preußen auch nach nur zwei Dritteln absolvierter Spielzeit für verdient erachtet. „Wir dürfen schon stolz auf uns sein. Wir sind nach jeder Rechnung Erster, sowohl nach der Hinrunde als auch in der Abschlusstabelle. Auch wenn das alle von uns im Vorfeld erwartet hatten: Wir haben gut etwas geleistet.“

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