Fußball: SC Blau Weiß Vehlage schafft den Bezirksliga-Klassenerhalt
Erfolgreiches Ende einer Ära

Vehlage (WB). Erst gezittert, dann gejubelt: Der SC Blau Weiß Vehlage hat erneut den Klassenerhalt in der Fußball-Bezirksliga geschafft. Mit dem Blick auf BW Vehlage beenden wir unsere dreiteilige Serie, in der wir Rückschau auf die Saison der heimischen Fußball-Bezirksligisten halten.

Donnerstag, 25.06.2020, 09:44 Uhr aktualisiert: 25.06.2020, 09:46 Uhr
Watschagan Harutjunjan (rechts, im Duell mit Tengerns Marcel Nuyken) war Vehlages bester Torschütze der Bezirksliga-Saison. Foto: Ingo Notz
Watschagan Harutjunjan (rechts, im Duell mit Tengerns Marcel Nuyken) war Vehlages bester Torschütze der Bezirksliga-Saison. Foto: Ingo Notz

Mit bescheidenen Mitteln und gutem Zusammenhalt hat BW Vehlage auch in der zweiten Saison nach dem Aufstieg in die Bezirksliga den Klassenerhalt geschafft. Egal, welche Wertung der Fußball- und Leichtathletikverband bei Abbruch der Corona-Saison zu Rate gezogen hätte – ob Quotient, ob Punkte: Die Mannschaft von Trainer Heinrich Dyck stand in beiden Fällen als Tabellen-13. knapp über dem Strich und erreichte somit verdient ihr Klassenziel.

„Ich hätte nie gedacht, dass es mal neun Jahre werden. Und dass wir mit Vehlage mal in der Bezirksliga landen, damit hätte auch keiner von uns gerechnet. Umso schöner war es.

Heinrich Dyck (Trainer und Fußball-Obmann SC Vehlage)

Das war aber auch das Mindeste, was die Mannschaft ihrem scheidenden Coach nach neun Jahren in Vehlage mit auf den Weg in den Trainerruhestand geben konnte. „Ich hätte nie gedacht, dass es mal neun Jahre werden“, sagt Dyck: „Und dass wir mit Vehlage mal in der Bezirksliga landen, damit hätte auch keiner von uns gerechnet. Umso schöner war es.“ Und doch hätte sich der 54-jährige einen Abschied unter andern Bedingungen gewünscht – für sich und seine Spieler, von denen mit Sergej Lauer, Gerd Penner, Vitalij Klunk sowie den Trainersöhnen Jan-Guido (Union Minden) und Marc-Oliver (Referendariat als Lehrer) auch die letzten Spieler die erste Mannschaft verlassen, die von Anfang an den Trainer auf dem unglaublichen Vehlager Weg aus der Kreisliga in die Bezirksliga mitgegangen waren. „Solch eine abgebrochene Saison zum Abschluss – das ist weder für die Spieler noch für mich schön“, sagt der Coach: „Man hätte sich natürlich gewünscht, dass man die Saison zu Ende spielen kann – mit einem ‚richtigen‘ Klassenerhalt. So bleibt ein komisches Gefühl.“

Die Bezirksliga ist schon ein bisschen nervenaufreibender als die Kreisliga, vor allem, wenn du gegen den Abstieg spielst. Dann bist du als Trainer immer im Stress. Die vergangenen anderthalb Jahre haben mich geschlaucht und ausgelaugt.

Heinrich Dyck (Trainer und Fußball-Obmann SC Vehlage)

Für Dyck ist nun Schluss – neun Jahre, nachdem er vom FC Preußen Espelkamp zu BW Vehlage gewechselt war, und nach 26 Jahren, in denen er fast ununterbrochen im Jugend- oder Seniorenbereich an einer Seitenlinie Anweisungen gab. Jetzt ist der Akku erst einmal leer, obwohl er als Fußballobmann weiter für die Blau-Weißen zur Stelle ist: „Die Bezirksliga ist schon ein bisschen nervenaufreibender als die Kreisliga, vor allem, wenn du gegen den Abstieg spielst. Dann bist du als Trainer immer im Stress. Die vergangenen anderthalb Jahre haben mich geschlaucht und ausgelaugt“, gibt Dyck zu und sagt: „Ich habe ganz klar gesagt, dass ich erst einmal ein komplettes Jahr Pause mache. Was dann kommt, muss man sehen. Aber im Moment glaube ich nicht, dass ich noch mal Bock darauf habe, eine Mannschaft zu trainieren. Jetzt freue ich mich schon darauf, in der nächsten Saison mal ganz ohne jede Verpflichtung auf den Sportplatz zu gehen und mir einfach mal ein Spiel anzuschauen.“

Eigentlich war es ein richtiges Durcheinander. Am Anfang haben wir immer übelste Packungen bekommen. Das war echt bitter!

Heinrich Dyck

Der Rückblick auf sein letztes Trainerjahr fällt gemischt aus. Heinrich Dyck: „Eigentlich war es ein richtiges Durcheinander. Am Anfang haben wir immer übelste Packungen bekommen. Das war echt bitter“, erinnert sich Dyck. Nach dem 4:3 im ersten Saisonspiel gegen Petershagen kassierte Vehlage fünf Packungen am Stück. Dabei kassierten die Vehlager immer mindestens drei Gegentreffer, drei Mal sogar fünf. Aber sie bekamen die Sache in den Griff. Dabei erwies sich Dycks Idee, den 36 Jahre alten Sergej Lauer (Dyck; „Unser ewiger Stürmer“) vom Angreifer zum Innenverteidiger umzuschulen, als Glücksgriff. „Er hat das zunächst etwas widerwillig gemacht, aber er hat es gut gemacht“, urteilt der Trainer: „Plötzlich hatte die ganze Geschichte bei uns nach hinten etwas Sicherheit.“

Aber nur Qualität alleine reicht halt nicht. Da gehört auch ein bisschen Fleiß dazu. Und das war nicht bei allen so gegeben wie gewünscht.

Heinrich Dyck

Mit der Stabilität stellte sich auch der Erfolg ein. Vehlage stabilisierte sich knapp oberhalb der Abstiegsränge – und blieb dort, obwohl die Leistungsschwankungen blieben. Die waren dem Trainer ein ständiges Ärgernis, denn Licht und Schatten wechselten mitunter munter während einer Partie. Heinrich Dyck im Rückblick: „Ich erinnere mich an das Spiel in Dielingen (1:1). Meiner Meinung nach hätten wir klar gewinnen müssen, weil wir in der zweiten Halbzeit deutlich überlegen waren. In Kutenhausen (2:2) war es jedoch genau umgekehrt. Da haben wir die erste Halbzeit so dominiert und hätte mit 3:0 oder 4:0 in die Kabine gehen müssen. Es stand aber nur 2:0, und in der zweiten Halbzeit war bei uns der Ofen völlig aus. Von diesen Schwankungen spreche ich, wenn ich zurückblicke. Die waren bei uns zu heftig.“ Und eines schrieb er seinen Spielern zum Abschied noch ins Stammbuch. Die Qualität sei auf jeden Fall dagewesen, betont der Trainer: „Aber nur Qualität alleine reicht halt nicht. Da gehört auch ein bisschen Fleiß dazu. Und das war nicht bei allen so gegeben wie gewünscht.“

Ausblick

Bei BW Vehlage gibt es einen gewaltigen personellen Umbruch. Ernie Joerend und Thorsten Korejtek treten als Trainerteam die Nachfolge von Heinrich Dyck an. Mit Jan-Guido Dyck (Union Minden), Marc-Oliver Dyck (Referendariat als Lehrer), Watschagan Harutjunjan (VfL Klosterbauerschaft), Ibrahim Jarra (Türk Gücü Espelkamp), Dominik Schütz (Querheim), Sebastian Koch (Alswede II), Marcel Löwen (Vehlage II), Sergej Lauer, Vitalij Klunk, Dennis Kröcker, Gerhard Penner, Ivan Demin und Willi Reimer (alle Vehlage III) stehen 13 Akteure nicht mehr zur Verfügung. Dafür kommen Miguel Pache (JSG Mittwald), Cengiz Yakizz (Türk Gücü Espelkamp), Lucas Gehrke (SC Isenstedt), Alexander Grauberger (TuS Tengern), Andre Schmidt (Lemförde), Dennis Grauberger (vereinslos), Marlon Joerend (SC Isenstedt), Jannis Bollmeier (VfB Fabbenstedt), Niklas Grabeschow (SC Isenstedt), Elias Dück (VfB Fabbenstedt), Giovanni Ronzetti (TuS Dielingen), Christian Schmidt (TuS Lemförde), Berkan Pelivan (TuSpo Rahden), Janis Sonnenberg (FC Lübbecke) und Benjamin Rossel (TuS Eintracht Tonnenheide).

Statistisches

Vehlages bester Torschütze der abgelaufenen Saison war Watschagan Harutjunjan mit zwölf Treffern. Ligaweit belegte der 29-Jährige damit einen ausgezeichneten vierten Platz. Mücahit Celik traf vier Mal. Die übrigen Tore verteilten sich auf Kevin Joerend (2) sowie Ibrahim Jarra, Phil Joerend, Sergej Lauer, Marcel Löwen und Gerhard Penner (je 1).

Mücahit Celik und Sergej Lauer standen in allen 15 Vehlager Partien auf dem Platz. Jan-Guido Dyck sowie Phil und Kevin Joerend waren bei 14 Partien dabei. Ibrahim Jarra und Watschagan Harutjunjan kamen auf 13 Einsätze, Hasan Sevkan Beyhan auf 12 (alle Zahlen laut fussball.de).

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