Hinterm Fußball-Tor: Das Bezirksliga-Derby-Wochenende sorgt für Spannungen
„Ein Armutszeugnis“

Altkreis Lübbecke (WB). Das dritte Derby war das intensivste: In der Fußball-Bezirksliga hallt das Aufeinandertreffen des TuS Dielingen mit dem SC Vehlage auch noch Tage später nach. Sprachlosigkeit erzeugte dagegen eher das zweite Derby zwischen dem FC Preußen Espelkamp II und dem TuS Tengern II – zumindest auf Seiten der Gastgeber.

Dienstag, 22.09.2020, 11:02 Uhr aktualisiert: 22.09.2020, 11:06 Uhr
Im Derby zwischen dem TuS Dielingen und dem SC BW Vehlage kam es zu etlichen hitzigen Situationen – und einigen verletzten Spielern. Foto: Ingo Notz
Im Derby zwischen dem TuS Dielingen und dem SC BW Vehlage kam es zu etlichen hitzigen Situationen – und einigen verletzten Spielern. Foto: Ingo Notz

Hitziges Derby zwischen Dielingen und Vehlage

Das hitzigste aller bisherigen Derbys sorgte am Samstag in Dielingen nicht nur für zahlreiche Emotionen. Schiedsrichter Dominik Kapetschny machte – wie einige Spieler auch – dabei nicht die beste Figur, so dass das Spiel zu lange aus dem Ruder laufen konnte. Ein energischeres Durchgreifen und Unterbinden der vielen Verbalfouls und Nickligkeiten hätte sicher zu – mindestens – einem Platzverweis geführt, aber auch die Chance eröffnet, dass die Partie sich dann beruhigt hätte. Die beruhigte sich auch nicht nach dem Abpfiff nennenswert, denn die Analysen der Trainer hatte es in sich. Vehlages Ernie Joerend war schon während der Partie mit seinem Dielinger Pendant Carsten Schubert wegen der rauen Gangart verbal aneinandergeraten. In der Aufarbeitung der Partie, aus der seine Spieler verletzt herausgekommen sind (Nasenbeinbruch Miguel Pache, Schulterprellung Marlon Joerend – Kevin Joerends Verdacht auf Bänderriss hat sich nicht bestätigt, die ärztliche Diagnose ergab eine Bänderreizung und Blockade im Sprunggelenk), sparte der Holzhauser in Vehlager Diensten dann nicht mit Klartext: „Ich bin enttäuscht, dass eine so leistungsstarke Truppe wie Dielingen so holzen muss. Das ist der Unterschied zum Fußballkreis Herford: Da schieben sich die Vereine die Punkte gegenseitig zu und hier wirst Du kaputt getreten! Wenn man so eine Söldnertruppe hat wie Dielingen und dann nur darauf aus ist, drei meiner Spieler aus dem Spiel zu kriegen, wenn man vom Trainer darauf angesetzt wird und wenn man gegen Vehlage so etwas nötig hat, ist es traurig. Ein Armutszeugnis!“

Ich will meine Mannschaft jedenfalls zum Spielen anhalten und nicht, dass sie gezielt auf Leute geht. Ein richtiges Spiel gab es ja gar nicht, weil immer einer von denen lag...

Ernie Joerend (Trainer SC Vehlage)

Auch Dielingens spielender Co-Trainer Maxim Dyck ist schon während der Partie auf Joerends Radar gelandet: „Da habe ich kein Verständnis für, dass er rumschreit wie ein kleines Kind“, sah Joerend den Ex-Espelkamper als ständige Provokation für seine Spieler. „Das hat er meiner Meinung nach bei seiner spielerischen Klasse gar nicht nötig! Aber anscheinend versteht der Trainer seine eigene Mannschaft nicht... Ich will meine Mannschaft jedenfalls zum Spielen anhalten und nicht, dass sie gezielt auf Leute geht. Ein richtiges Spiel gab es ja gar nicht, weil immer einer von denen lag...“

Gegenseitige Vorwürfe

Aber auch hier gibt es, wie so oft, zwei Sichtweisen – denn auch einige Dielinger fühlten sich von manchem Vehlager jenseits aller Fairness-Grenzen attackiert – körperlich wie verbal. Von Tritten hinter dem Rücken des Schiedsrichters bis zu Beleidigungen reichte hier die Bandbreite der Anschuldigungen – wobei vor allem Matthias Ewert und Benjamin Rossel den Unmut mancher Dielinger auf sich gezogen haben. Ewert wechselte sich, rotgefährdet, unmittelbar vor der Pause kurzerhand selbst aus, um eine weitere Eskalation zu verhindern, Rossel, der nicht zuletzt wegen eines Nachtretens auch nicht mehr auf dem Platz hätte stehen müssen, wurde später mit seinem Fehler vorm vorentscheidenden 2:0 der Dielinger – „ausgerechnet“ durch Maxim Dyck – auf andere Art „bestraft“. Kevin Joerend soll Mitan Bal am Kragen gepackt haben, als dieser am Boden saß – auch da hätten sich die Dielinger ein Eingreifen des Schiedsrichters gewünscht.

Natürlich war es auch ein Mittel, Max gezielt auf einige anzusetzen, auch das gehört dazu. So ist Fußball.

Carsten Schubert (Trainer TuS Dielingen)

Die Unruhe habe „gefühlt eher Vehlage reingebracht“, meinte TuS-Trainer Carsten Schubert nach dem Schlusspfiff, der dann mit dem ersten Sieg im Rücken aber auch offen zugab: „Natürlich war es auch ein Mittel, Max gezielt auf einige anzusetzen, auch das gehört dazu. So ist Fußball.“ Allerdings landete nach dem Spiel auch Maxim Dyck auf der Verletztenliste – mit einem zweifachen Zehenbruch nach einem rüden Einsteigen von Matthias Ewert, nach dem Dyck von einigen Zuschauern erstmals lautstark „Schauspielerei“ unterstellt worden war... Als ob der Derby-Ärger nicht gereicht hätte, folgte gestern die nächste Hiobsbotschaft für den TuS: Bei der Knieverletzung von Giorgio Ronzetti aus dem Lohe-Spiel – übrigens auch dort war dem Dielinger, soviel zum Thema Fairplay, Schauspielerei unterstellt worden... – handelt es sich nach aktueller Diagnose doch um einen Riss des vorderen Kreuzbandes – die Saison ist für den Stürmer damit beendet.

Espelkamp II war chancenlos gegen Tengern II

Wie der Fußball manchmal sein kann, das wurde auch am Tag danach im zweiten Derby zwischen dem FC Preußen Espelkamp II und dem TuS Tengern II deutlich. Wie sehr die Espelkamper Preußen-Reserve derzeit personell aus dem letzten Loch pfeift, wurde selten so deutlich wie im Heimderby gegen Tengern II. In der Schlussphase kam der Ersatztorwart Mahmud Salin ins Spiel – als Stürmer... Zu ähnlichen Personalkniffen war auch Dielingens Carsten Schubert gegen Lohe gezwungen gewesen, nun blieb Markus Möller keine andere Wahl, nachdem sich Deljar Omar schon früh angeschlagen auswechseln ließ und sonst nur noch Nikolai Wiens aus der Kreisliga D auf der Bank saß... „Dazu sagen wir mal gar nichts, das war 100 Prozent gar nichts“, ärgerte sich Markus Möller aber auch über das Auftreten der Spieler, die zum ersten Mal in dieser Saison mit einem Rückstand konfrontiert waren und sich spätestens nach dem 0:2 mit hängenden Köpfen wehrlos in ihr Schicksal fügten. Abstiegskampf sieht anders aus. Für Preußens Reserve geht es schon am Freitag in Lahde/Quetzen weiter, wo das nächste richtungsweisende Spiel wartet.

Für uns war es das Wichtigste, dass wir den ersten Sieg geschafft haben!

Jörn Paulsen (Trainer TuS Tengern II)

Richtungsweisend könnte auch das Kreisduell für den TuS Tengern II gewesen sein. Auch wenn es auf dem Weg zum 5:0 teilweise zu „hanebüchenen“ Szenen kam, als ein Tengeraner den nächsten auf der Espelkamper Torlinie angeschossen hat statt ins leere Tor zu treffen – das Gesamtergebnis stimmte zum ersten Mal in dieser Saison und dank des guten Torverhältnisses fiel der Sprung vom vorletzten auf den zehnten Platz enorm aus. „Für uns war es das Wichtigste, dass wir den ersten Sieg geschafft haben“, wollte Trainer Jörn Paulsen dem Ganzen nicht zuviel Bedeutung beimessen: „Wir arbeiten ganz normal weiter.“ Sonntag wartet schließlich das nächste Derby – gegen den TuS Dielingen mit dem verletzten Ex-Tengeraner Maxim Dyck...

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