Mo., 22.07.2019

Fußball: Das von der Europäischen Union geplante Verbot von Mikroplastik bedroht die Kunstrasenplätze der Fußballvereine. In Hüllhorst und Espelkamp wird auf die vorgeschlagene Übergangsfrist von sechs Jahren gehofft Kleine Körner mit großer Wirkung

Auf dem Kunstrasenplatz in Hüllhorst ist das Gummi-Granulat zu finden. Laut der Europäischen Union soll es ab dem Jahr 2022 nicht mehr zulässig sein.

Auf dem Kunstrasenplatz in Hüllhorst ist das Gummi-Granulat zu finden. Laut der Europäischen Union soll es ab dem Jahr 2022 nicht mehr zulässig sein. Foto: Marc Schmedtlevin

Von Marc Schmedtlevin

Hüllhorst/Espelkamp (WB). Die kleinen Körner haben es in sich: Das von der Europäischen Union geplante Verbot von Mikroplastik bedroht die Kunstrasenplätze der Fußballvereine. Ab dem Jahr 2022 soll das darauf verwendete Gummi-Granulat nicht mehr zulässig sein. Im Altkreis Lübbecke wird die Entwicklung aufmerksam, allerdings noch ohne die ganz großen Sorgen verfolgt.

Kunstrasenplätze sind im Fußballkreis Lübbecke seit Jahren ein beliebtes Thema. In erster Linie, weil es von ihnen in dieser Region so wenige gibt. In nahe gelegenen Kreisen wie Herford oder Bielefeld ist das Spielen auf Kunstrasen mittlerweile vollkommen normal. Im Lübbecker Land eben noch lange nicht – nur in Hüllhorst und Espelkamp. Hinzu kommen wenige Kunstrasen-Trainingsplätze und Kleinspielfelder.

Hoffen auf die Politik

Genau bei den dazu gehörigen Vereinen wird bei der aktuellen Debatte um das Mikroplastik natürlich besonders genau hingehört. Schließlich ist zum Beispiel beim FC Preußen Espelkamp mit vielen Mannschaften unterschiedlicher Altersklassen der Sportpark Mittwald mit seinem Kunstrasenplatz ein zentraler Baustein. »Gerade in den Wintermonaten ergibt sich für uns ein großer Vorteil. Spiel- und Trainingsbetrieb wären nur auf Rasen in der jetzigen Form nicht möglich«, sagt Präsident Hendrik Wiegmann, der mit Blick in die Zukunft auf die richtigen Entscheidungen der Politik und den Einsatz zu Gunsten der Vereine hofft.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollen sich für eine sechsjährige Übergangsfrist einsetzen. Bedeutet, dass das Gummi-Granulat-Verbot erst ab 2028 gelten würde. Dieses Modell würde den heimischen Klubs wohl am meisten helfen. Denn bei einer Übergangszeit könnten zumindest bestehende Anlagen weiter genutzt werden, bis sie sowieso saniert werden müssen.

Der Kunstrasenplatz des SV Hüllhorst-Oberbauerschaft, auf dem auch der TuS Tengern regelmäßig trainiert, wurde im Jahr 2009 errichtet. Größere Sanierungsarbeiten seien dort – unabhängig von regelmäßigen kleinen Reparaturen – nach etwa 15 Jahren notwendig. »Wir hätten also erst einmal noch fünf Jahre. Sollte es die Übergangsfrist geben, würden unsere Maßnahmen in diesen Zeitraum fallen«, sagt der SVHO-Vorsitzende Lothar Schlüter.

"

Bei uns würde das jetzige Granulat herausgesaugt und mit Kork aufgefüllt werden.

Preußen-Präsident Hendrik Wiegmann

"

Ganz ähnlich sieht es bei den Preußen in Espelkamp aus. Deren Platz wurde im Jahr 2012 eröffnet. »Sollte es die Übergangszeit geben, wäre für uns dann sowieso der Zeitpunkt für den Wechsel des Oberbelags gekommen«, sagt Präsident Wiegmann, der auch schon die Zeit danach konkret geplant hat: »Bei uns würde dann das jetzige Granulat herausgesaugt und mit Kork aufgefüllt werden.« Auch in Hüllhorst wird ein Umstieg zum Kork angestrebt. Ersten Schätzungen zufolge würden in Espelkamp Kosten in Höhe von 35 000 Euro entstehen. Je nach Umrüstmethode kann auf anderen Plätzen des Landes aber auch schon einmal ein Betrag bis zu einer halbe Million Euro anfallen.

Eine ganz andere Situation ergibt sich beim TuS Nettelstedt. Dort wird gerade ein Trainings-Kunstrasenplatz gebaut. »Einen Baustopp wird es aufgrund der aktuellen Diskussion und Nachrichtenlage nicht geben. Wir machen erst einmal so weiter, wie es geplant war«, berichtet der Vorsitzende Volker Arning. Sollte es schließlich eine Übergangsfrist bis 2028 geben, könne der Platz erst einmal genutzt werden. Die Nettelstedter sind auf den neuen Kunstrasenplatz besonders angewiesen. Einen zweiten Platz zum Ausweichen gibt es derzeit nämlich nicht.

Fest steht: Das Mikroplastik ist ein Umweltproblem und dürfte keine Dauerlösung sein. Das sieht auch Volker Arning so: »Die Umwelt und natürlich auch die Gesundheit unserer Spieler steht natürlich im Vordergrund.« Ähnlich sieht es auch Preußens Hendrik Wiegmann: »Wir dürfen die Problematik natürlich nicht herunterspielen, aber sie darf auch nicht skandalisiert werden.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6798597?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352979%2F4029428%2F