Mo., 12.08.2019

Spielabbruch in Oberbauerschaft: Trainer von Türk Gücü Espelkamp entschuldigt sich Tretende Fans »zum Fremdschämen«

Tatort Sportplatz: In Oberbauerschaft flogen am Sonntag die Fetzen. Ausgelöst worden sein soll das Handgemenge, das zum Spielabbruch führte, von Türk-Gücü-Fans.

Tatort Sportplatz: In Oberbauerschaft flogen am Sonntag die Fetzen. Ausgelöst worden sein soll das Handgemenge, das zum Spielabbruch führte, von Türk-Gücü-Fans. Foto: Fynn Flömer

Von Alexander Grohmann

Hüllhorst (WB). Nach nur 75 Minuten hatte die Saison im Fußballkreis Lübbecke ihren ersten Skandal. Beim Abbruch der B-Liga-Partie zwischen BW Oberbauerschaft und Türk ­Gücü Espelkamp musste am Sonntag sogar die Polizei an­rücken. Zuvor war es an der Außenlinie zu einem Handgemenge zwischen Spielern und Zuschauern gekommen. Auslöser war beim Spielstand von 1:1 eine gelb-rote Karte gegen Türk-Gücü-Kicker Enes Topaloglu (75.).

Jörg Uphoff (KSA) kritisierte die Vorfälle scharf. Foto: WB

Zwar hatte sich die Lage nach kurzer Zeit wieder beruhigt. Schiedsrichter Anatol Asmus fühlte sich aber von Türk-Gücü-Spie­lern bedroht und pfiff somit nicht wieder an. Er schickt nun einen Sonderbericht an den Staffelleiter. In Kürze wird dann das Sportgericht tagen. »Dass es noch in dieser ­Woche zu einer Sitzung kommt, wage ich aber zu bezweifeln«, sagt Jörg Uphoff, Vorsitzender des Kreisschiedsrichter-Ausschusses.

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Das, was einige Zuschauer von uns gemacht haben, ist zum Fremdschämen. Die gehören auch bestraft.

Tevfik Cengiz, Spielertrainer von Türk Gücü Espelkamp

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Doch wie kam es zu der Eskalation? Tevfik Cengiz, Trainer von Türk Gücü Espelkamp und zum Zeitpunkt der Vorfälle selbst als Einwechselspieler auf dem Rasen, versuchte gestern, Licht ins Dunkel zu bringen. »Zuerst einmal: Was passiert ist, tut mir unheimlich leid«, sagt Cengiz, der seine Mannschaft allerdings in Schutz nimmt. Es habe von seinen Spielern allenfalls ein paar Schubser gegeben, aber nicht mehr. Nicht zu tolerieren seien dagegen die Ausfälle einiger Fans. »Es waren zwei, drei unserer Zuschauer, die plötzlich dazukamen und getreten haben. Das ist nicht zu entschuldigen. Was sie gemacht haben, ist zum Fremdschämen«, so Cengiz, der hofft, dass alles auf den Tisch kommt. »Sollte es Spieler gegeben haben, die doch etwas gemacht haben, gehören auch die bestraft«, stellt der 49-Jährige fest.

Streit um den Ball führt zur Hinausstellung von Topaloglu

Tevfik Cengiz nimmt die Spieler in Schutz. Foto: WB

Es sei eine harte, aber nicht unfaire Partie gewesen. Espelkamps Führung durch Hüseyin Özal (38.) hatte im Gegenzug Kevin Wölfer ausgeglichen (39.). »Das Spiel stand auf des Messers Schneide«, sagt Cengiz. In der 75. Minute kommt es zum Gerangel zwischen Enes Topaloglu (Türk Gücü) und einem Oberbauerschafter, der einen Einwurf schnell ausführen will. Topaloglu hält den Ball aber noch in den Händen. »Daher kam es zu einer leichten Schubserei mit dem gegnerischen Spieler«, beschreibt Cengiz die Szene.

Hat ein Schlag eines BWO-Spielers die Auseinandersetzungen ausgelöst?

Schiedsrichter Anatol Asmus zeigt beiden Streithähnen daraufhin die gelbe Karte. Weil Topa­loglu bereits in der ersten Halbzeit verwarnt worden ist, sieht er Gelb-Rot. »Wir haben uns natürlich aufgeregt. Enes ist aber ganz normal vom Platz gegangen«, sagt Cengiz. Trotzdem entstehen plötzlich Tumulte. Nach Angaben des Türk-Gücü-Trainers könnten diese auch durch einen BWO-Spieler ausgelöst worden sein. »Ein Oberbauerschafter soll unserem Spieler Mustafa Doganer von hinten einen Schlag versetzt haben«, berichtet Cengiz, der den Vorfall selbst nicht beobachtet habe. »Es gibt aber Zeugen.«

Mehrere Fans mischen sich ein, gehen mit Tritten auf BWO-Spieler los

Daraufhin treten einige Türk-Gücü-Fans auf den Plan, gehen auf BWO-Kicker los. »Es waren maximal aber drei Zuschauer, nicht sieben oder acht. Auch ein Spieler von uns ist ausgerastet, wir konnten ihn aber mit zwei Leuten festhalten«, betont Cengiz, der anmerkt, dass keine Ordner am Platz gewesen seien, die für Ruhe hätten ­sorgen können. Der Schiedsrichter habe das Spiel zudem nicht abgepfiffen, sondern sei einfach in die Kabine gegangen.

Wie geht es jetzt weiter? »Die Spieler, die im Sonderbericht beschuldigt werden, werden vorläufig gesperrt«, erläutert KSA-Vorsitzender Jörg Uphoff. Die Sperre von Enes Topaloglu hat bis zur Spruchkammer-Entscheidung Bestand. Kurios: Eigentlich hätte die Partie nicht Anatol Asmus, sondern »Gez« Walker pfeifen sollen. »Er musste aber wegen einer Verletzung kurzfristig absagen«, bestätigt Uphoff. Das spiele hier aber keine Rolle. »Anatol hat schon häufiger Spiele von Türk Gücü gepfiffen, ohne dass etwas passiert ist. Da gab es keine Vorbehalte«, so Uphoff, der sich natürlich einen friedvolleren Saisonauftakt gewünscht hätte. »Das, was in Oberbauerschaft passiert ist, braucht kein Mensch. Mich ärgert, dass wir auf dem Staffeltag immer viel über Fairplay sprechen, das bei den Beteiligten aber nicht ankommt.«

Immerhin: Verletzte gab es am Sonntag keine zu beklagen. Als die von einer Zuschauerin verständigte Polizei am Platz eintraf, hatte sich die Lage längst beruhigt. Fußballer beider Mannschaften standen sogar einträchtig zusammen und unterhielten sich über die Vorkommnisse. Ein Nachspiel wird das Ganze dennoch haben, in erster Linie wohl für Türk Gücü.

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