Sportgericht: B-Liga-Spiel zwischen BWO und Türk Gücü Espelkamp wird wiederholt
Tritte fallen unter den Tisch

Stemwede-Levern (WB). Mit diesem Ausgang war nicht zu rechnen: Türk Gücü Espelkamp hat am Montag vor dem Sportgericht des Fußballkreises einen Sieg davongetragen. Das am 11. August nach tätlichen Angriffen von Türk-Gücü-Zuschauern und daraus resultierenden Tumulten abgebrochene B-Liga-Duell bei Blau-Weiß Oberbauerschaft muss wiederholt werden, weil der Schiedsrichter nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hatte. BWO will intern noch einen Einspruch prüfen.

Dienstag, 27.08.2019, 17:58 Uhr aktualisiert: 27.08.2019, 19:00 Uhr
Kronzeuge: Schiedsrichter Anatol Asmus (vorne) musste sich vor dem Sportgericht des Fußballkeises immer wieder den Fragen von Dietmar Meier (2. von links) stellen. Dieser kam mit seinem Gremium zu dem Schluss, dass der Abbruch der B-Liga-Partie am 11. August trotz tumultartiger Zustände auf dem Platz voreilig erfolgt war. Foto: Grohmann
Kronzeuge: Schiedsrichter Anatol Asmus (vorne) musste sich vor dem Sportgericht des Fußballkeises immer wieder den Fragen von Dietmar Meier (2. von links) stellen. Dieser kam mit seinem Gremium zu dem Schluss, dass der Abbruch der B-Liga-Partie am 11. August trotz tumultartiger Zustände auf dem Platz voreilig erfolgt war. Foto: Grohmann
Dietmar Meier (rechts) leitete die Verhandlung.

Dietmar Meier (rechts) leitete die Verhandlung. Foto: Grohmann

»Die Auflösung des Falls war nicht so einfach«, leitete Dietmar Meier nach mehr als dreistündiger Verhandlung im Gasthaus Jobusch (Levern) sein Urteil ein, das aber nicht mehr überraschen konnte. Zu wenig Handfestes war bei den Befragungen der insgesamt sechs Zeugen beider Seiten zu erfahren gewesen. Schläge? Tritte? Bedrohungen? Viele konnten sich nur schemenhaft an die Umstände am 11. August erinnern, die Anatol Asmus beim Stand von 1:1 aus Angst um seine Gesundheit zum Rückzug in die Kabine bewogen hatten (73.). Auf dem Weg dahin hatte der Schiri bei BWO-Zuschauern Unterschlupf gesucht.

Hatte der Schiedsrichter richtig gehandelt?

Die Tumulte waren aber am Montag eher zweitrangig. Dem Vorsitzenden des Sportgerichts ging es zentral um die Frage, ob der Spielabbruch berechtigt war. Und in diesem Punkt kam Dietmar Meier mit seinen drei Kollegen zu einer anderen Auffassung: »Das Gericht hegt Zweifel daran, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden. Der Schiedsrichter hätte das Spiel unterbrechen oder kurz die Kabine aufsuchen können.« Auch die Kapitäne hatte Asmus nicht zu sich zitiert.

Asmus kam am Montag als Kronzeuge immer wieder ausführlich zu Wort. »Aggressivität war in der Luft, minütlich gab es Proteste«, hatte er schon in seinem Bericht die Emotionen im B-Liga-Duell beschrieben. Dazu trugen auch Espelkamper Zuschauer bei. Einer von ihnen war mit Kampfhund zum Platz gekommen und soll ­Asmus nach dem Spielabbruch ebenfalls bedroht haben.

Auf Gelb-Rot für Türk Gücü folgt der erste Schlag (72.)

Eine gelb-rote Karte für Türk-Gücü-Spieler Enes Topaloglu (72.) brachte das Fass zum Überlaufen. Beim folgenden Einwurf sei ­Marcel Noltemeyer (BWO) von einem Zuschauer geschlagen worden. »Das war der Auslöser«, schilderte Anatol Asmus, der auch mit »lautem Pfeifen« nicht für Ordnung sorgen konnte. »Die Tumulte waren flächen­deckend. Es fehlte nicht viel, dass ich angegriffen werde. Es war unmöglich, das Spiel fortzusetzen.«

Türk-Gücü-Trainer sah keine Gefahr für Schiedsrichter

Türk-Gücü-Trainer Tevfik Cengiz gab zu, im Moment des Spielabbruchs ebenfalls unter Strom gestanden zu haben. »Ich habe Anatoli gefragt, warum er das jetzt macht«, sagte Cengiz, für den die Attacken eigener Zuschauer »nicht zu entschuldigen« gewesen seien. Diese hatten vornehmlich Tritte ausgeteilt, wie beide Trainer bereits nach dem Spiel erklärt hatten. Nach Meinung von Cengiz hätte die Partie aber fortgesetzt werden können. »Der Schiedsrichter war nie in Gefahr. Keiner ist ihn angegangen. Natürlich waren da Tumulte, aber es ging nicht um den Schiri«, versicherte Cengiz.

Türk-Gücü-Spielführer Hüseyin Özal musste sich zum Vorwurf äußern, er habe Asmus als »Rassist« bezeichnet. »Warum sollte ich das tun? Ich wollte mit ihm nur als Kapitän sprechen«, dementierte er. Das Sportgericht drückte ein Auge zu und verhängte eine Sperre von zwei Wochen wegen unsportlichen Verhaltens. Die hat Özal jetzt schon abgesessen. Strafmildernd wurde gewertet, dass Özal aufgebrachte Teamkollegen und Zuschauer vom Schiri fernhielt. »Er hat mich beschützt«, hielt Asmus dem Spieler zugute.

Tritt ausgeteilt? BWO beschuldigt gegnerischen Torhüter

Torhüter Ersan Erdogan verteidigte sich gegen die Behauptung, er habe versucht, einen Zuschauer zu attackieren. Zwei BWO-Spieler beschuldigten Erdogan aber ebenfalls: »Ich habe einen Tritt wahrgenommen«, so BWO-Kapitän Dario Seuthe. Ehe Marcel Noltemeyer bestätigte: »Der Torwart hat mich getreten.« Trotzdem sah Dietmar Meier von einer Bestrafung ab. »Im Zweifel für den Angeklagten«, erklärte er überraschend.

Zumal den Keeper auch ein Statement von BWO-Trainer Henning Siebers, der nicht an der Sitzung teilnehmen konnte, belastete. »Der Torwart rannte aus dem Tor und hat meinem Spieler einen Kick auf den Oberschenkel verpasst«, schrieb Siebers in seiner Stellungnahme. Für den Abbruch zeigte der Coach, dem ebenfalls ein »Zuschauer mit Kampfhund« aufgefallen war, Verständnis. In der Schlüsselszene sei laut Siebers Enes Topaloglu »mit Ball durch die Gegend gelaufen« und habe die Ausführung des Oberbauerschafter Einwurfs verzögert (72.). Den folgenden Platzverweis für Topaloglu ­habe sein Spieler Marcel Noltemeyer mit einem Grinsen quittiert. Ließ das die ­Sicherungen einiger Gäste-Fans, die in der Nähe standen, durchbrennen?

Die Espelkamper gaben an, den ersten Schlag (an den Hinterkopf) habe ihr Spieler Mustafa Doganer abbekommen. Vieles blieb unklar. Stunde um Stunde wurden Zeugen hinaus und wieder herein gebeten, nur um Sätze zu hören wie »Ich habe von der anderen Seite aus nichts erkennen können, weil ich mit dem Rücken zum Geschehen stand«. So kam es zum milden Urteil. Dietmar Meier: »Die Spielwiederholung ist unter Verbandsaufsicht zu stellen, Hunde sind am Platz nicht zugelassen.«

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