Do., 16.01.2020

Boxen: Weltmeister Christian Pawlak bildet Philipp Dabelstein aus – mit Video Blindes Vertrauen

Besondere Boxer: Weltmeister Christian Pawlak (links) trainiert in seinem Gym den blinden Philipp Dabelstein.

Besondere Boxer: Weltmeister Christian Pawlak (links) trainiert in seinem Gym den blinden Philipp Dabelstein. Foto: Ingo Notz

Von Ingo Notz

Oberbauerschaft/Espelkamp (WB). Er ist blind. Und er ist Boxer. Was sich auf den ersten Blick völlig unmöglich anhört, wird in Oberbauerschaft derzeit Wirklichkeit. Philipp Dabelstein kann nicht sehen, steht aber als Boxer trotzdem im Ring – dank der Hilfe des Weltmeisters Christian Pawlak.

Christian Pawlak ist amtierender Weltchampion im Profiboxen. Seit Jahren ist der Supermittelgewichtler aus Espelkamp ungeschlagen. Und ein Mann mit einem großen Herzen für soziale Projekte. So ist es kein Wunder, dass der Kontakt zum blinden Sportfan Philipp Dabelstein auch über einen Mitarbeiter der Parität Lübbecke, Pascal Rühmeier, entstanden ist. Das erste Training war ein Geschenk zum Geburtstag: „Wir haben einen gemeinsamen Freund, und über den bin ich auf Christian aufmerksam geworden. Dann haben die mir ein Probetraining ermöglicht und das hat mir gleich gut gefallen. Wir haben mit Pratzen gearbeitet und an den Boxsäcken und nach dem ersten Training habe ich gleich gemerkt: Das ist etwas für mich.“

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Im Boxen gibt es das so sonst nicht, dass Blinde die Sportart ausüben.

Christian Pawlak (Box-Weltmeister)

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Dass Philipp blind ist, war für seinen berühmten und erfolgreichen Trainer dabei von Anfang an kein Hindernis: „Im Boxen gibt es das so sonst nicht, dass Blinde die Sportart ausüben“, erklärt Christian Pawlak einen Unterschied zwischen seiner Sportart und anderen, in denen auch Sehbehinderte bei den Paralympics in mitunter modifizierten Ausführungen klassischer Sportarten antreten. Ein Problem sei das für ihn aber nie gewesen.

Im Kampfsport ist das Training mit verbundenen Augen schließlich schon seit Jahrzehnten kein ungewöhnlicher Bestandteil mehr, wenn es um besondere Trainingsformen geht. So sollen die Sinne geschärft werden, um dann im Extremfall, also einem Kampf, noch schneller agieren und reagieren zu können. Das identische Prinzip hat Weltmeister Christian Pawlak jetzt auch auf sein Spezialtraining mit dem 19-Jährigen angewandt: „Blinde Boxer gibt es noch nicht. Aber wir machen Schattenboxen, Pratze und Sandsack. Er kann fast alles, was wir auch machen. Bei einem blinden Boxer ist es nicht viel anders als bei Boxern, die sehen können: Ich muss ihnen erst einmal das Vertrauen geben. Das hat bei einem Blinden natürlich noch einmal mehr mit Vertrauen zu tun und mit Gefühl, mit Instinkt. Ich hoffe, dass es ihm gefällt.“ Das ist untertrieben: Philipp ist begeistert und lächelt glücklich, als er seinen Trainer über sich reden hört. Nicht nur Philipp ist nämlich von der Zusammenarbeit insgesamt und auch dem aktuellen Trainingsabend begeistert. Fan seines neuen Freundes ist er natürlich ebenso, umgekehrt ist es mittlerweile allerdings mindestens genauso.

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Durch Philipp habe ich gelernt, das Leben anders zu sehen!

Christian Pawlak (Box-Weltmeister)

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Auch der Weltmeister Christian Pawlak schwärmt von seinem neuen Freund: „Durch Philipp habe ich gelernt, das Leben anders zu sehen“, meint der 40-jährige Espelkamper nachdenklich. „Pawlak hör auf zu heulen, es gibt Schlimmeres“, habe er nach dem Kennenlernen zu sich selbst gesagt – und spricht längst voller Hochachtung vor seinem körperlich gehandicapten Freund, der sich aber voller Leidenschaft in das Abenteuer Boxen stürzt und keine Angst vor dem zeigt, was er nicht kommen sieht. Das funktioniert nur, weil zwischen Pawlak und Dabelstein mittlerweile ein im wahrsten Wortsinn „blindes“ Vertrauen herrscht: „Wir haben uns übelst gern“, freut sich der Oberbauerschafter nicht nur über die sportliche Herausforderung im Gym des Weltmeisters, sondern auch über die Herzlichkeit, die der im Ring so eiskalte Boxer abseits seiner Kämpfe ausstrahlt. Warum er den Weltmeister so mag, fasst Philipp Dabelstein mit einem verschmitzten Lächeln zusammen: „Christian Pawlak ist ein Harter!“ Ein harter Kerl mit weichem Herz – in dem sein neuer Schützling längst einen festen Platz gefunden hat.

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