Mo., 18.05.2020

Der SV Hüllhorst-Oberbauerschaft ist als einer der ersten Vereine wieder im Training „Geiles Gefühl“ auch ohne Dribbling

Immer schön auf Abstand bleiben: Sebastian Dietz erklärt seiner neuen Mannschaft eine Übungsform. Die Spieler stehen den Corona-Auflagen entsprechend mehrere Meter auseinander.

Immer schön auf Abstand bleiben: Sebastian Dietz erklärt seiner neuen Mannschaft eine Übungsform. Die Spieler stehen den Corona-Auflagen entsprechend mehrere Meter auseinander. Foto: Alexander Grohmann

Von Alexander Grohmann

Hüllhorst (WB). Das lang ersehnte Wiedersehen ist mit einigen Vorschriften verbunden. Bevor die Spieler des SV Hüllhorst-Oberbauerschaft nach zweimonatiger Zwangspause den Platz betreten dürfen, müssen sie erst einmal die Hände waschen und sich in eine Liste eintragen. Dribblings und Zweikämpfe stehen in der ersten Einheit nach dem Lockdown ganz oben auf der Verbotsliste. Dennoch: Für die B-Liga-Kicker ist die Rückkehr auf den Rasen eine kleine Befreiung. Ein Stück Alltag ist zurück.

Sebastian Dietz orientiert sich beim Comeback auf dem Sportplatz am 16-seitigen Leitfaden des DFB, den dieser für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs herausgegeben hat. Der neue Coach der Hüllhorster hatte am vergangenen Montag, nachdem das Land NRW das kategorische Verbot für Mannschaftssportarten aufgehoben hatte, sofort zum Handy gegriffen und seine Spieler gleich für den nächsten Abend zusammengetrommelt. „Dafür, dass ich erst um 20 Uhr ich in unsere Whatsapp-Gruppe geschrieben hatte, finde ich, sind zwölf Spieler eine richtig gute Quote“, sagt der 35-Jährige über die rege Beteiligung bei der ersten Einheit am Dienstag.

Händewaschen, Unterschrift: DFB-Leitfaden dient als Orientierung

Für Dietz ist es eine Premiere unter veränderten Vorzeichen, denn angesichts der immer noch grassierenden Corona-Gefahr ist die Zusammenkunft mit einigen Sicherheitsmaßnahmen verbunden. So kommen seine Kicker bereits umgezogen am Platz vorgefahren. Die Nutzung von Umkleidekabinen und Duschen ist vorerst untersagt, um dem Virus keine Angriffsfläche zu bieten.

Umziehen müssen sich die Akteure am Platz. Foto: Grohmann

So muss improvisiert werden: Die Schuhe streifen die Spieler neben dem Platz über. Zum neuen Regelkatalog gehört auch die vom DFB empfohlene „gewissenhafte Dokumentation der Trainingsbeteiligung“. Ehe die Kicker den Ball ­zirkulieren lassen, kreist daher erst einmal der Kuli: Dietz lässt seine Spieler auf einer Anwesenheitsliste unterschreiben. Nach dem Desinfizieren der Hände kann es endlich losgehen – allerdings unter Einhaltung des Mindestabstands. Der DFB empfiehlt anderthalb bis zwei Meter. Die klassische Spielform entfällt. Den direkten Körperkontakt wie im Dribbling gilt es zu vermeiden.

Passübung statt Zweikämpfe: Trainingsprogramm entspricht Corona-Auflagen

Kicken auf Bewährung – das scheint aber niemanden zu stören. Spaß haben die Spieler trotzdem. Dietz hat ein buntes Auftaktprogramm zusammengestellt. Angefangen vom intensiven Aufwärmen mit Hopser-Lauf und Seit-Steps über anspruchsvolle Pass-Übungen bis zum Torabschluss werden die Akteure gut gefordert. Der Ein oder Andere kommt nach monatelanger Pause schneller als gewohnt aus der ­Puste. Von Verunsicherung ist im Training – trotz Corona – aber nichts zu spüren.

Hauptsache wieder auf dem Platz: Die Spieler des SV Hüllhorst-Oberbauerschaft scheinen nach monatelangem Fußballverbot sogar am Aufwärmprogramm Gefallen zu finden. Foto: Grohmann

Stattdessen wird in den Verschnaufpausen gescherzt. „Mit meiner Plauze ist es schwerer, den Mindestabstand einzuhalten“, blödelt Tobias Wedel, der die Rückkehr ins Teamtraining ansonsten in vollen Zügen genießt: „Es ist ein geiles Gefühl, wieder gegen den Ball treten zu können.“

 

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Wer sich mit dem Training noch nicht wohlfühlt, muss nicht kommen. Dafür habe ich vollstes Verständnis.

Der neue SVHO-Trainer Sebastian Dietz

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Dietz gibt ebenfalls Vollgas. Zwischen den Übungen macht der zweimalige Paralympics-Sieger (Kugel, Diskus) lautstarke Ansagen. Besonders wichtig ist ihm die Kommunikation. „Ihr müsst mehr miteinander reden. Wenn man das im Training nicht macht, macht man es im Spiel auch nicht“, verklickert er seinen Jungs. Auch bei den Pass-Übungen erhebt Dietz nach einigen Stockfehlern die Stimme. Zu streng tritt Hüllhorsts Leichtathletik-Hero aber nicht auf und streut von Zeit zu Zeit einen lockeren Spruch ein: „Männer, wir haben jetzt viel Zeit, um an den Defiziten zu arbeiten.“ Die nächste Saison ist schließlich noch lange nicht in Sichtweite.

Zwölf von 24 Akteuren sind bei der Premiere dabei

Zwölf Akteure sind bei der ersten Einheit anwesend, die andere Hälfte des 24-Mann-Kaders fehlt somit noch. Einige Spieler hätten die kurzfristig anberaumte Trainingseinheit nicht mit ihrer Arbeit vereinbaren können, so Dietz. Andere sind auf Nummer sicher gegangen. Sie wollen die weitere Entwicklung in der Corona-Krise abwarten. „Dafür habe ich vollstes Verständnis. Das Ganze ist ja freiwillig. Wer sich mit dem Training noch nicht wohlfühlt, muss nicht kommen“, sagt Dietz.

Dem leidenschaftlichen Coach kann es dagegen gar nicht schnell genug gehen. „Ich hatte richtig Bock. Ich konnte es kaum erwarten, meine neue Mannschaft endlich das erste Mal zu trainieren.“ Dietz, der davor einige Jahre die Landesliga-Frauen des SC Enger trainierte, will mit dem verstärkten Hüllhorster Kader etwas bewegen. Seine Spieler ziehen bei der ersten Einheit voll mit – und genießen trotz vieler neuer Regeln die Rückkehr auf den Rasen.

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