Sa., 14.03.2020

Sport: Coronavirus-Pandemie bringt das Sportleben zum Erliegen Corona erschüttert den heimischen Sport

Nichts geht mehr: Corona sorgt, wie hier vor den Lübbecker Sporthallen, für eine unfreiwillige „Pause“ im heimischen Sportbetrieb. Auch die Tischtennis-Spiele und -Turniere müssen verschoben beziehungsweise abgesagt werden..

Nichts geht mehr: Corona sorgt, wie hier vor den Lübbecker Sporthallen, für eine unfreiwillige „Pause“ im heimischen Sportbetrieb. Auch die Tischtennis-Spiele und -Turniere müssen verschoben beziehungsweise abgesagt werden..

Von Ingo Notz

Lübbecke (WB). Die Corona-Schockwellen erschüttern jetzt auch den heimischen Sport. Im Altkreis ­Lübbecke kommt der Sportbetrieb nahezu komplett zum Erliegen. Wettkampfsport ist zumindest für die nächsten Wochen ausgeschlossen. Wie es danach weitergeht, ist unterschiedlich. So planen die einzelnen Sportarten!

Handball

Die Bundesliga pausiert. Geplant ist, am 23. April wieder mit dem Spielbetrieb fortzufahren. Sollte nach der Pause keine Fortsetzung der Saison möglich sein, könnte Paragraf 52 zu Folge die spielleitende Stelle die Entscheidung über Meister sowie Auf- und Absteiger aus “sportlichen Gesichtspunkten” treffen. In der 2. Bundesliga wird der Spielbetrieb für fünf Spieltage ausgesetzt. Die Fortsetzung soll ab dem 22. April stattfinden. Die ausgefallenen Spieltage 25 bis 29 der laufenden Saison sollen nachgeholt werden, auch hier ist noch keine Generalabsage der Spielzeit geplant. 

Der Spielbetrieb im Kinder- und Jugendbereich ist seit Donnerstag, 12. März, für die Saison 2019/2020 eingestellt. Der Erwachsenenspielbetrieb ruht bis auf Weiteres. Spätestens zum 19. April wird über eine mögliche Wiedereinsetzung des Spielbetriebs der Seniorenmannschaften entschieden und veröffentlicht. Darüber hinaus werden im Bereich der Talentförderung alle Trainingsmaßnahmen, Sitzungen, Besprechungen und Veranstaltungen ab sofort ausgesetzt. Auch im Bereich der Schiedsrichter sind alle Schulungen gestrichen. Der Handballverband Westfalen empfiehlt, den Trainingsbetrieb vorerst einzustellen, jedoch sollte hierbei vor allem ein enger Austausch mit den örtlichen Gesundheitsämtern und Ordnungsbehörden stattfinden.

Fußball

Der Fußballbetrieb ruht ab ­sofort. Wegen des Coronavirus’ sind alle Fußball-Veranstaltungen vom 13. März bis zum 19. April abgesagt worden. Dies teilte am Freitagvormittag der Vorsitzende des FLVW Kreis Lübbecke, Karl-Heinz Eikenhorst mit. „Wir sind in ständigem Kontakt mit dem Verband. Wir müssen gucken, welche Lösungen wir finden für Auf- und Abstiege und die Meisterschaften“, riet der Kreisvorsitzende zu einem besonnenen Umgang mit der Thematik. „Wir müssen die Gesamtgemengelage in aller Ruhe analysieren“, sagt Eikenhorst und wollte aktuell nicht ausschließen, dass die Pause eventuell noch verlängert werden könnte. „Der Spielbetrieb ruht bis zum 19. April. Was danach kommt, können wir jetzt noch nicht sagen, das wären Mutmaßungen.“ Fakt ist damit: Ab sofort findet in keiner Liga, in keiner Altersklasse und in keinem Wettbewerb, ob in der Halle oder unter freiem Himmel, Fußball als Wettkampfsport statt. Und auch darüber hinaus hat Eikenhorst ein Anliegen, das er den Vereinen mit auf den Weg geben möchte: „Ich lege den Vereinen ans Herz, in dieser Zeit auch keinen Trainingsbetrieb durchzuführen!“ Die Entscheidung müsste dann individuell vor Ort von den Vereinen und den Sportlern selbst getroffen werden.

Tischtennis

Der Deutsche Tischtennis-Bund setzt den Spielbetrieb wegen der Ausbreitung des Coronavirus’ bis zunächst einschließlich 17. April aus. Die Aussetzung gilt für den kompletten Individual- und Mannschaftsspielbetrieb in Verantwortung des DTTB. Davon betroffen ist auch die Frotheimer Bundesliga-Spielerin Nadine Bollmeier, die mit dem TuS Bad Driburg in der 1. Liga spielt. Die DTTB-Führung wird nun Kontakt zu allen 18 Mitgliedsverbänden und den zuständigen Gremien aufnehmen, um möglichst eine bundeseinheitliche Regelung zu erwirken sowie die Folgewirkungen zu besprechen, zum Beispiel die Verschiebung von Wettkämpfen, deren Streichung sowie Auf- und Abstiegsregelungen. Heißt: Auch im Zuständigkeitsbereich des Westdeutschen Tischtennis-Verbandes (WTTV) ist im ­Extremfall nicht nur mit Verschiebungen zu rechnen, sondern auch mit dem vorzeitigen Ende der Saison. In Bayern ist die Saison bereits mit sofortiger Wirkung beendet worden. Der WTTV hat am Freitag seinen Spielbetrieb zunächst bis 17. April eingestellt. Der Kreis Minden-Lübbecke hat sofort nachgezogen: „Wir haben entschieden, den Spielbetrieb ab sofort, im Rahmen der Gesundheitsvorsorge vorerst bis nach den Osterferien, also bis 19. April auszusetzen“, erklärt der Kreisvorsitzende Harald Wiese. „Das hängt damit zusammen, dass wir unsere Verantwortung sehen, dass sich das Virus so langsam wie möglich ausbreitet, indem wir größere Versammlungen von Menschen so gut wie möglich zu vermeiden helfen. Ob und wie die Vereine dies auch auf ihren Trainingsbetrieb ausweiten, bleibt momentan diesen selbst überlassen. Wir empfehlen, die Trainingsaktivitäten für den Zeitraum ebenfalls einzustellen.“

Volleyball

Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) hat beschlossen, den laufenden Spielbetrieb in den dritten Ligen sowie Regionalligen aufgrund der aktuellen Entwicklung des Coronavirus’ (Covid-19) mit sofortiger Wirkung zu beenden. Darunter zählen auch alle Veranstaltungen der Deutschen Volleyball-Jugend (DVJ) und im Seniorenbereich. Für den Spielbetrieb im Hallen-Volleyball unterhalb der Regionalligen sowie im Beach-Volleyball, der im Zuständigkeitsbereich der Landesverbände liegt, wird eine sofortige Beendigung ebenfalls empfohlen. Darauf haben sich das DVV-Präsidium sowie der DVV-Vorstand am Donnerstagmittag verständigt.

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Die kurzfristige Verlegung der Spiele in andere Hallen wäre zwar grundsätzlich realisierbar gewesen, allerdings mit einem sehr hohen Aufwand für die ausschließlich ehrenamt­lichen Mannschafts- und Vereinsverantwortlichen verbunden. Trotz dieser Vorkehrungen ist zudem nicht sichergestellt, dass es zu keiner Übertragung zwischen den Spielerinnen und Spielern und darüber hinaus kommt. Aus diesem Grund ist eine weitere Durchführung nicht vertretbar.

Gerald Kessing (Bundesspielwart des Deutschen Volleyball-Verbandes)

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Gerald Kessing, Bundesspielwart des DVV, sagt: „Mich haben in den letzten Tagen immer mehr Nachrichten aus den verschiedenen Landesverbänden erreicht, dass von kommunalen Einrichtungen Sporthallen für den Trainings- und Spielbetrieb gesperrt werden, was eine geregelte Durchführung nicht möglich macht. Die kurzfristige Verlegung der Spiele in andere Hallen wäre zwar grundsätzlich realisierbar gewesen, allerdings mit einem sehr hohen Aufwand für die ausschließlich ehrenamt­lichen Mannschafts- und Vereinsverantwortlichen verbunden. Trotz dieser Vorkehrungen ist zudem nicht sichergestellt, dass es zu keiner Übertragung zwischen den Spielerinnen und Spielern und darüber hinaus kommt. Aus diesem Grund ist eine weitere Durchführung nicht vertretbar.“

 

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Ich gehe davon aus, dass die Saison beendet ist.

Peter Mehwald (Vorsitzender des Volleyball-Kreises)

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Auch die Volleyball-Bundesliga hat auf die Entwicklungen reagiert und am Donnerstagnachmittag den Spielbetrieb in der ­2. Bundesliga eingestellt. Nach Rücksprache mit allen Bundesligisten am Abend wurde auch ein sofortiges Ende der 1. Liga beschlossen. Das Präsidium des WVV hat daraufhin beschlossen: „Der komplette Spielbetrieb im Erwachsenen-, Jugend- und BFS-Bereich sowie den Senioren wird im WVV mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Derzeit berät der Bundesspielausschuss sowie unser Verbandsspielausschuss den Umgang mit Auf-, Absteigern beziehungsweise Relegationsteilnehmern.“ Der Kreisvorsitzende Peter Mehwald macht sich keine Illusionen: „Ich gehe davon aus, dass die Saison beendet ist.“

Leichtathletik

Die ersten Laufveranstaltungen in Ostwestfalen-Lippe sind bereits abgesagt worden, darunter mit dem Hermannslauf und dem Paderborner Osterlauf die zwei Flaggschiffe der Region. Auch die Mühlenkreis-Serie hat es erwischt: Der Weser-Werre-Lauf, traditionell die Start-Veranstaltung der Serie, ist wegen einer entsprechenden Empfehlung der Stadt Bad Oeynhausen abgesagt worden. Ob der Lauf nachgeholt oder für diese Jahr ganz gestrichen wird, steht noch nicht fest. Der zweite Lauf der Serie ist für den 17. Mai in Preußisch Oldendorf geplant, zuvor soll am 9. Mai der Citylauf in Espelkamp über die Bühne gehen.

Tennis

Der Westfälische Tennis-Verband hat den für dieses Wochenende geplanten Verbandstag abgesagt. Der Tenniskreis verfährt ebenso und hat seinen Kreistag am 23. April abgesagt.

Badminton

Der Badminton-Landesverband NRW hat in einer Telefonkonferenz am Freitag die Absage zahlreicher Turniere am Wochenende beschlossen, darunter das Bezirksranglistenturnier in Bielefeld. Am Nachmittag ist dann auch der Spielbetrieb abgesagt worden.

Basketball

Der Westdeutsche Basketball-Verband (WBV) hat sich in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbörden, dem DBB und den anderen Landesverbänden dazu entschlossen, den Spielbetrieb ab sofort bis auf Weiteres auszusetzen. Geplant ist aktuell noch, den Spielbetrieb nach Ostern wieder aufnehmen zu können.

Rollstuhlbasketball

An diesem Wochenende sollte in Rahden um den Europapokal gespielt werden. Das Turnier ist bereits abgesagt. „Meines Wissens nach ist das Turnier ersatzlos gestrichen“, kann Rahdens Baskets-Vorsitzender Stephan Rehling auch nicht auf eine Nachholtermin spekulieren. Hier hofft er auf eine finanzielle Entschädigung durch den europäischen Verband, da den Rahdenern für die Organisation bereits etliche Kosten entstanden sind. Wie es in den Bundesligen weitergeht, ist noch offen.

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Wir möchten die Saison schon noch zuende spielen!

Stephan Rehling (Vorsitzender Baskets 96 Rahden)

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Hier hat Rahden als Viertelfinalst gute Chancen, nach dem Sieg in Wiesbaden auch ins Halbfinale zu kommen – wenn das denn noch stattfinden sollte... Aktuell ist der Spielbetrieb in sämtlichen Ligen abgebrochen worden. „Wir möchten die Saison schon noch zuende spielen“, hofft Stephan Rehling auf eine Fortsetzung in einigen Wochen.

Reiten

Der Vorstand des RuFV Wehdem-Oppendorf hat den für diesen Samstag geplanten Aktionstag mit Lisa Röckener abgesagt. Eine Generalabsage der FN für die kommenden Turniere ist bisher nicht erfolgt. Das Late-Entry-Turnier in Vehlage, klassischer Startschuss für die Freiluftsaison im Altkreis, soll allerdings in diesem Jahr nicht stattfinden.

Faustball

Der Deutsche Turnier-Bund hat am Donnerstag alle nationalen Wettkampfveranstaltungen bis einschließlich 5. April abgesagt.

Radsport

Die Toptalente aus dem Lübbecker Land müssen um ihre Bundesliga-Einsätze zittern. Das erste Rennen war für den 22. März geplant – am Freitagnachmittag folgte aber doch die kurzfristige Absage. Der Bund Deutscher Radfahrer überlässt dies – aktuell noch – den örtlichen Veranstaltern und Gesundheitsämtern. Dagegen sind alle geplanten Rennen in Belgien und den Niederlanden, bei denen die Lübbecker auch starten, bereits bis Ende März ausgesetzt. Nicht nur das für diesen Samstag in Paderborn geplante Rennen fällt aus: Ersatzlos und sofort beendet ist der gesamte OWL-Nachwuchscup, bei dem mehrere Altkreis-Talente gestartet sind.

Bogenschießen

Die Deutsche Meisterschaft ­ in Hof an diesem Wochenende muss kurzfristig abgesagt werden. Zwar war für die DM nicht mit mehr als 1000 Personen zu rechnen, die erforderliche Einzelfallentscheidung bei mehr als 500 Personen wurde vom Landratsamt unter Abwägung aller Umstände jedoch negativ bewertet. Zuletzt hatte es in Hof zwei bestätigte Corona-Fälle gegeben.

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