Mo., 16.03.2020

„Corona-frei“: Beim TuS N-Lübbecke bleiben die Spieler in dieser Woche zu Hause Der Trainer liest ein Buch

Time-Out beim TuS N-Lübbecke: Emir Kurtagic muss die grüne Karte zücken. Weil die Hallen für Amateursportler und Profis gleichermaßen gesperrt sind, schickt der Coach seine Handballer in dieser Woche nach Hause. Dort sollen diese auch möglichst bleiben.

Time-Out beim TuS N-Lübbecke: Emir Kurtagic muss die grüne Karte zücken. Weil die Hallen für Amateursportler und Profis gleichermaßen gesperrt sind, schickt der Coach seine Handballer in dieser Woche nach Hause. Dort sollen diese auch möglichst bleiben. Foto: Krusche

Von Alexander Grohmann

Lübbecke (WB). Sie kommen nicht mehr an ihren Arbeitsplatz: Der neue Beschluss der Landesregierung NRW, in der Corona-Krise die Nutzung von Sporthallen ab sofort zu untersagen, verdonnert die Zweitliga-Handballer des TuS ­N-Lübbecke endgültig zum Nichtstun. „Die Jungs haben in dieser Woche komplett frei“, gibt Trainer Emir Kurtagic bekannt.

Etwas Anderes bleibt dem Coach auch nicht übrig, die Kreissporthalle ist vorerst tabu. Die Liga hatte ihren Spielbetrieb bereits in der vergangenen Woche bis zum 22. April ausgesetzt. Nun kommt auch der Trainingsbetrieb zum Stillstand. „Wir sind Handballer, dürfen aber nicht in die Halle. Wir sind Athleten, können aber kein Fitnessstudio nutzen“, beschreibt Emir Kurtagic die Problematik, die jede Form von Mannschaftssport aktuell unmöglich macht.

"

Es ist eine ungemütliche Zeit. Wir müssen jetzt abwarten, wie weiter entschieden wird. Als Trainer kann man seine Aufgabe zurzeit nicht bewältigen.

Emir Kurtagic

"

Über allem steht das richtige Verhalten der Bevölkerung zur Eindämmung der Corona-Seuche. Die Auflagen schrecken auch vor dem Profi-Sport nicht zurück. „Es ist eine ungemütliche Zeit. Wir müssen jetzt abwarten, wie weiter entschieden wird, um dann planen zu können, wie man die Mannschaft auf die mögliche Fortsetzung der Saison vorbereitet. ­Aktuell ist es eine Aufgabe, die man als Trainer nicht bewältigen kann“, gibt der Coach zu. „Man kann keine Pläne machen.“

Die Maßnahme, die Handballer für eine Woche vom Dienst „freizustellen“, ist daher aufgrund der neuen Corona-Regeln alternativlos. Zusammen mit dem beim TuS für den sportlichen Bereich zuständigen Rolf Hermann hat Kurtagic die einwöchige Auszeit festgelegt. „Das Ziel ist, die Spieler ab der nächsten Woche mit individuellen Trainingsplänen auszustatten“, ergänzt Hermann.

Kurtagic empfiehlt Spielern, die Playstation anzuschalten

Auch aus Selbstschutz haben die Handballer strenge Auflagen vom Verein an die Hand bekommen. „Das ist kein Urlaub. Die Jungs sollen in dieser Woche zu Hause bleiben. Wir wollen nicht, dass sie sich in der Freizeit der Gefahr einer Infektion aussetzen und in der Gegend rumfahren. Sie sollen meinetwegen daheim an der Playstation spielen“, findet Emir Kurtagic humorvolle Worte in den für alle turbulenten Tagen.

Rolf Hermann wird noch etwas deutlicher: „Die Jungs sollen alle zu Hause bleiben. Dazu zählt auch, dass keiner auf die Idee kommt, jetzt Verwandte in Deutschland zu besuchen oder irgendwas dergleichen“, unterstreicht er in ernstem Ton. „Das sind klare Auflagen vom Verein und wir gehen davon aus, dass sich alle daran halten.“

Rolf Hermann hat Verständnis für das pauschale Hallen-Verbot

Die Handball-Pause mitten in der Saison nervt Kurtagic. Das merkt man dem leidenschaftlichen Coach, der mit seinem Team eine starke Rückrunde spielt, an. Dennoch steht für ihn der Sport im weltweiten Ausnahmezustand nur an zweiter Stelle. „Wir sind Sportler, Handball ist unser Beruf. Aber hier geht’s darum, die Gesundheit der Bevölkerung ­sicherzustellen“, sagt der 39-Jährige, der die Situation mit dem nötigen Optimismus angeht. Kurtagic: „Es geht darum, dass man so positiv wie möglich bleibt und das befolgt, was die Regierung vorgibt.“

Auch Rolf Hermann akzeptiert die Hallenschließung als ärger­liches, aber notwendiges Übel. „Für uns als Berufssportler ist das hart. Aber im Großen und Ganzen ist alles richtig so. Es geht darum, Menschen zu schützen“, so der TuS-Funktionär. Auch Emir Kurtagic wird in dieser Woche viel Zeit zu Hause verbringen. Die Langeweile vertreibt er ohne Playstation. Er beschäftigt sich stattdessen mit einem Trainerkollegen aus dem Fußball. Kurtagic: „Ich lese zurzeit ein Buch über Carlo Ancelotti. Da geht es um Führungsqualitäten. Das ist sehr interessant. 60 Seiten habe ich schon gelesen.“ Gut möglich, dass er schneller durch ist als gedacht. Die Zeit hat er.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7330103?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352979%2F2514622%2F