Fr., 15.05.2020

Corona: Die SG Freibauer Lübbecke hat sich im Internet ein virtuelles Vereinslokal eingerichtet Kluger Schachzug

Online-Schach: Thorsten Schlegel aus dem Vorstand der SG Freibauer Lübbecke findet seine Gegner zurzeit im Internet.

Online-Schach: Thorsten Schlegel aus dem Vorstand der SG Freibauer Lübbecke findet seine Gegner zurzeit im Internet.

Von Hans Peter Tipp

Lübbecke (WB). Die Corona-Pandemie stellt auch die Schachsportler vor große Herausforderungen. Schachmatt setzen lassen sie sich vom neuartigen Virus allerdings nicht. Weil der Spielbetrieb in den Ligen und im Verein seit Mitte März ruht, hat die SG Freibauer Lübbecke ihre Aktivitäten ins Internet verlegt und auf der Plattform lichess.org ein virtuelles Vereinslokal eingerichtet.

„Bei Lichess kann man Teams bilden und dadurch seinem Schachverein auch eine digitale Heimat geben“, berichtet SG-Vorstandsmitglied Thorsten Schlegel: „Da man online sonst nur gegen anonyme Spieler weltweit spielt, finde ich eine digitale Heimat für den eigenen Schachverein und den Schachbezirk sehr schön. So kann man auch virtuell gegen die Spieler aus dem eigenen Verein und dem normalen Umfeld spielen.“ Kosten entstehen der SG dadurch nicht: Die aus Frankreich stammenden Betreiber der Plattform stellen ihr System kostenlos und werbefrei zur Verfügung. Finanziert wird das Angebot durch Spenden.

Schach im Altkreis

Mit der SG Freibauer Lübbecke und dem SC Springer Schnathorst gibt es zwei Schachvereine im Altkreis Lübbecke.

Die SG Freibauer Lübbecke (www.freibauer-luebbecke.de) hat 70 Mitglieder und nimmt mit vier Erwachsenen- und drei Jugendmannschaften am Wettspielbetrieb teil. Übungs-und Spielabend ist in normalen Zeiten freitags (außer in den Ferien) im „Alten Amtsgericht“ ab 18 Uhr. Zunächst trainieren dort die Kinder und Jugendlichen, ab 20 Uhr spielen die Erwachsenen. Zudem bietet die SG jeden zweiten Donnerstag ein qualifiziertes Training für Jugendliche und Erwachsene an.

Der SC Springer Schnathorst (www.springer-schnathorst.de) zählt 44 Mitglieder. In Schnathorst sind zwei Erwachsenen- und zwei Jugendmannschaften aktiv. Übungs- und Spielabende sind in normalen Zeiten der Dienstag und der Donnerstag. Im Dorfgemeinschaftshaus übt ab 17 Uhr der Nachwuchs. Ab 19 Uhr sitzen die Fortgeschrittenen und die Älteren an den Brettern.

Von den 70 Mitgliedern der Lübbecker Schachgemeinschaft, die sich auch auf Schulebene stark engagiert , sind bislang 24 bei Lichess registriert. Gesellschaft finden die heimischen Brettsportler auch virtuell in der Nachbarschaft, denn der Schachbezirk Porta, der die politischen Kreise Minden-Lübbecke und Herford umfasst, ist ebenfalls auf Lichess aktiv. Schlegel: „Auch unsere Nachbarvereine aus Bünde, Enger-Spenge, Löhne und Hücker-Aschen sind dort vertreten. Wir haben neulich einen Teamkampf gegen Löhne ausgetragen und zuletzt einen Teamkampf gegen alle anderen Vereine nach dem Modus Jeder-gegen-Jeden.“ Gespielt werden im Internet hauptsächlich Blitzpartien mit Bedenkzeiten zwischen drei und sieben Minuten.

Insgesamt bilden 17 Vereine den Schachbezirk Porta. „Von den ungefähr 800 Schachspielern unserem Bezirk sind circa 50 bei Lichess registriert“, berichtet Schlegel, der diesbezüglich noch Steigerungspotenzial sieht: „Aus meiner Sicht müssten das eigentlich doppelt so viele sein. Aber manche haben verständlicherweise Hemmungen, online zu spielen, weil dort die Möglichkeit des Tricksens größer ist als am richtigen Schachbrett.“ Wer kann schon nachhalten, ob der anonyme Gegner sich von einem professionellen Programm unter die Arme greifen lässt und dadurch unschlagbar scheint? Bei Lichess sollen spezielle Algorithmen Schummeleien auf die Spur kommen. „Aber ob die immer zuverlässig funktionieren, ist eine ganz andere Frage“, bleibt Schlegel skeptisch.

Davon, dass auch Schach seit kurzem unter freiem Himmel wieder möglich wäre, profitieren die Denksportler nicht wirklich. „Das Problem sind die Abstandsregel und die gegenseitige Inanspruchnahme der Bretter und der Figuren“, erklärt Schlegel. Augenzwinkernd entwirft er eine Idee, wie ein Schachduell in Corona-Zeiten ablaufen könnte: „Nach jedem Zug müsste man immer wieder vom Brett zurücktreten. Dann geht der andere Spieler nach vorn, um seinen Zug zu machen. Wenn man eine Figur schlagen möchte, zieht erst der Gegner seine Figur, und anschließend müsste ich meine selber vom Brett herunternehmen.“ Eine bizarre Vorstellung.

"

Die meisten wollen doch sehen, wie der Gegner verzweifelt.

Thorsten Schlegel (SG Freibauer Lübbecke)

"

Ganz ernsthaft hat sich dagegen der Vorsitzende der SG Freibauer mit den Vorgaben des Landessportbundes NRW für Schachtrainer und -spieler beschäftigt. Gefunden hat Walter Hallmann wenig, was den Lübbeckern in ihrer aktuellen Situation hilft. Sein Kurzfazit fällt so aus: „Die dort beschriebenen Anforderungen sind immens hoch. Sie zu erfüllen, ist für unseren Verein utopisch.“

So bleibt das Schachspielen im virtuellen Raum vorerst ohne Alternative. Das hat Schlegel akzeptiert: „Wir müssen uns nicht krampfhaft an den 30. Mai klammern, um vor Ort eine begrenzte Anzahl von Schachspielern beschulen zu können. Im Moment investieren wir die Zeit lieber in Online-Schach, spielen dort Turniere, verschicken auch mal Schach-Aufgaben und versuchen, online Training anzubieten.“

Als Dauerlösung sieht der Blasheimer den Umzug der Freibauern ins Virtuelle freilich nicht. „Wir werden das Online-Angebot künftig sicherlich niederschwellig beibehalten“, sagt Schlegel: „Aber für unser Training und unseren normalen Spielbetrieb werden wir uns den Freitag zurückerobern. Denn die meisten von uns wollen doch gegen echte Gegner spielen, gegen Menschen, die sie sehen und hören können – und bei denen sie sehen können, wie sie verzweifeln, wenn man einen guten Zug macht.“

Wer online mitspielen möchte, muss auf der Plattform lichess.org ein Benutzerkonto erstellen. Das Lübbecker Team findet man unter lichess.org/team/sg-freibauer-lubbecke-ev, den Schachbezirk Porta unter lichess.org/team/schachbezirk-porta.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7409625?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352979%2F2514622%2F