Fußball: Nik Jonas Deubel (18) aus Lübbecke wechselt von Dortmund nach Bielefeld
„Der Traum vom Profi lebt“

Lübbecke (WB). Fußballprofi werden: Davon träumen viele junge Kicker. Einer, der diesen Traum weiterhin verfolgen darf, ist Nik Jonas Deubel aus Lübbecke. Der beidfüßige Torwart spielt seit fast drei Jahren beim Traditionsklub Borussia Dortmund in der U19. In der neuen Saison wechselt er zurück zum Bundesliga-Aufsteiger DSC Arminia Bielefeld.

Donnerstag, 18.06.2020, 10:31 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 10:34 Uhr
Die Nummer eins war der Lübbecker Nik Jonas Deubel (unten, Vierter von links) auch schon im Trikot der deutschen U16-Nationalmannschaft. Foto:
Die Nummer eins war der Lübbecker Nik Jonas Deubel (unten, Vierter von links) auch schon im Trikot der deutschen U16-Nationalmannschaft.

Schon als kleines Kind sind Nik Jonas Deubel und der Fußball beste Freunde. So ist es kein Wunder, dass Deubel schon früh zu Arminia Bielefeld wechselt. Dort spielt er sich nicht nur in die U-16-Nationalmannschaft von Deutschland, für die er insgesamt ein Spiel gemacht hat, sondern seine Leistungen werden mit einer Einladung zum Torwart-Elite-Camp des DFB mit Bundestorwarttrainer Andreas Köpke belohnt. Der nächste Schritt in seiner Karriere heißt Borussia Dortmund. Dort gewinnt er 2017/2018 die Meisterschaft der U17. Internationale Erfahrungen mit Borussia Dortmund kann er im Zuge der UEFA Youth League sammeln. Die mittlerweile beendete Spielzeit 2019/2020 verlief jedoch trotz Platz zwei in der A-Junioren- Bundesliga-West nicht Nik Deubels seinen Vorstellungen: Nach nur einem Pflichtspiel-Einsatz (im Derby gegen FC Schalke 04) folgt nun der Wechsel zurück auf die Alm zu Arminia Bielefeld. Ein Rückschritt für den Gehlenbecker „Goalie“? „Auf keinen Fall, der Traum vom Profi lebt weiterhin!“

Sie stammen aus Lübbecke: Welche Verbindung gibt es noch zur Heimat?

Nik Jonas Deubel: Meine Familie, Freundin und Freunde leben da, der Kontakt hat sich nie aufgelöst und die Verbindung ist immer dagewesen. Ich bin zuhause praktisch nie ausgezogen...

Wie waren Ihre ersten Schritte auf dem Fußballplatz?

Nik Jonas Deubel: Zuerst habe ich in Gehlenbeck in der Mannschaft meines großen Bruders mitgespielt, welche mein Vater trainiert hat. In der D-Jugend wurde ich dann von Marcel Grothe und Thomas Gerdom gecoacht. Dadurch, dass ich in der Kreisauswahl gespielt habe, waren wir schon früh auf Sichtungsturnieren und ich habe schon früh Angebote von größeren Vereinen bekommen.

Die Sie jedoch vorerst abgelehnt haben?

Nik Jonas Deubel: Ja, der Wechsel wäre wegen Schule und sonstigem zu früh gekommen. Also bin ich zu SV Kutenhausen/Todtenhausen gewechselt, da die zu der Zeit in der Bezirksliga gespielt haben.

Wie haben Sie den Sprung zur Arminia und dann zum BVB geschafft?

Nik Jonas Deubel: Von dort (SVKT) bin ich dann zur Arminia gewechselt. In der U14 und U15 habe ich in der Westfalenauswahl gespielt und in der U15-Saison hatte ich bereits mehrere Angebote vorliegen und habe mich dann schlussendlich für Borussia Dortmund entschieden.

Sind Sie in Dortmund auf ein Internat gegangen?

Nik Jonas Deubel: Ich habe im BVB-Jugendhaus gewohnt und habe in Dortmund jetzt auch mein Abitur gemacht.

Wie schwer war die Schule für Sie neben der Fußballkarriere?

Nik Jonas Deubel: In der Schule war ich eigentlich immer sehr gut und hatte keine Probleme, zumal wir auch riesige Unterstützung vom Verein bekamen. Wenn ich mal gefehlt habe, war das meistens nicht so schlimm, weil es vom Verein entschuldigt wurde. Zum Beispiel hatten wir zwei mal in der Woche Frühtraining statt Unterricht.

Bei uns hieß es auch immer: Wer nicht Schule macht, darf auch nicht spielen!

Nik Jonas Deubel (Borussia Dortmund)

Das klingt nach einem harten Alltag mit viel Training und dazu Schule: Wie motivieren Sie sich täglich?

Nik Jonas Deubel: Das Ziel war eigentlich immer klar, also musste ich mich nicht motivieren weil man sich einfach aufs Spiel am Wochenende freut. Bei uns hieß es auch immer: Wer nicht Schule macht, darf auch nicht spielen! (lacht)

Wie gehen Sie grundsätzlich mit Druck um?

Nik Jonas Deubel: Den Druck, immer gewinnen zu müssen gibt es in Dortmund, das ist natürlich klar. Persönlich probiere ich mir keinen zu großen Druck zu machen, wobei ein Mindestdruck erforderlich ist, um gute Spiele absolvieren zu können. Meine Familie steht aber total hinter mir und macht keinen zusätzlichen Druck.

Wo liegt Ihr Fokus außerhalb von Schule und Fußball?

Nik Jonas Deubel: Außerhalb von Schule pflege ich meine sozialen Kontakte, sonst bleibt ja nicht so viel...

Seit wann kicken Sie?

Nik Jonas Deubel: Mit vier Jahren bin ich bei meinem Bruder mit zum Training gegangen. So richtig kicke ich seit den Minikickern.

Was zeichnet Sie als Torwart aus?

Nik Jonas Deubel: Das moderne Torwartspiel, weil ich immer mitspielen möchte. Ich habe den Anspruch an mich selbst der erste Angreifer meines Teams zu sein

Sie sind beidfüßig: Wie wichtig ist das als Torwart?

Nik Jonas Deubel: Das ist sehr wichtig, weil man so beim Spielaufbau mithelfen kann. Heutzutage muss man mit dem schwächeren Fuß – also bei mir der linke – genaue Pässe zum Mitspieler spielen können.

Sie spielen in der U19: Wie nah trainiert man an den Profis?

Nik Jonas Deubel: Das ist total getrennt. Beide Mannschaften arbeiten jedes Jahr fokussiert auf die Meisterschaft als klares Ziel hin. Gio Reyna ist dieses Jahr häufig hochgezogen worden, aber sonst gibt es wirklich keinen Kontakt.

Das war natürlich sehr cool für uns, mal zu erleben, wie das bei den Profis ist, da wir dort hinreisen, wo auch die Profimannschaften spielen. Wir waren unter anderem auch im Camp Nou, bei Manchester United oder Inter Mailand, das ist natürlich extrem cool.

Nik Jonas Deubel (Borussia Dortmund)

Sie haben dieses Jahr in der europäischen Youth League gegen große Vereine gespielt: Wie sind Ihre Eindrücke?

Nik Jonas Deubel: Das war natürlich sehr cool für uns, mal zu erleben, wie das bei den Profis ist, da wir dort hinreisen, wo auch die Profimannschaften spielen. Wir waren unter anderem auch im Camp Nou, bei Manchester United oder Inter Mailand, das ist natürlich extrem cool.

Sie haben in dieser Saison erst ein Spiel in der U19-Bundesliga gemacht. Ist das der Grund für Ihren Wechsel?

Nik Jonas Deubel: Mein Vertrag ist ausgelaufen und ich sehe in Bielefeld die beste Perspektive für meine Weiterentwicklung. Nächste Saison spiele ich in der gleichen Liga (U19-Bundesliga-West) wie bisher beim BVB und da ich mit der Schule fertig bin, wird es dann für mich wahrscheinlich etwas einfacher.

Würden Sie Ihren Wechsel weg vom großen BVB als Rückschritt betiteln?

Nik Jonas Deubel: Nein, auf keinen Fall.

Lebt der Profi-Traum weiterhin?

Nik Jonas Deubel: Ja, auf jeden Fall, da ich denke, dass die Karten nach der U19 noch mal neu gemischt werden und jeder seine Chance hat.

Glauben Sie in Bielefeld an eine höhere Durchlässigkeit?

Nik Jonas Deubel: Jeder Verein sieht das, wenn du richtig Qualität hast. Beim BVB hatte in der vergangenen Saison ein „2001er“ im Tor gestanden, der eigentlich schon einen Profivertrag hat, jedoch von Verletzungen zurückgeworfen wurde. Bei uns hat er dann Spielpraxis gesammelt und man kann sagen, dass die meiste Zeit eigentlich kein Torwart aus unserer Mannschaft gespielt hat. So wurde es für mich natürlich extrem schwer, an Einsatzzeiten zu kommen.

Vor Ihrem Wechsel haben Sie in der Jugend von Arminia Bielefeld gespielt. Dabei wurden Sie auch für ein Torwart-Elite-Camp nominiert. Wie sieht so ein Camp aus?

Nik Jonas Deubel: Ich war da jetzt mittlerweile schon öfter. Der DFB geht bei dem Camp spezifisch auf die Torwartposition ein. Da beim Camp mehrere Torhüter sind, gibt es eine größere Möglichkeit zu trainieren als beispielsweise in der Nationalmannschaft.

Es ist einfach cool, den Adler auf der Brust zu tragen. Ich sehe das jedoch als Bonus und keine Selbstverständlichkeit an. Man kann auch so Fußballprofi werden. Die Hauptarbeit wird im Verein geleistet.

Nik Jonas Deubel (Torwarttalent aus Gehlenbeck)

Sie haben in der U16-Nationalmannschaft gespielt: Wie wichtig sind solche Erfahrungen, was war das Beeindruckendste?

Nik Jonas Deubel: Es ist einfach cool, den Adler auf der Brust zu tragen. Ich sehe das jedoch als Bonus und keine Selbstverständlichkeit an. Man kann auch so Fußballprofi werden. Die Hauptarbeit wird im Verein geleistet.

Wie sehen Sie Ihre Perspektiven, irgendwann einmal in der A-Nationalmannschaft zu spielen?

Nik Jonas Deubel: Das kann man nicht abschätzen. Natürlich ist es ein Traum, ein Wunsch dort irgendwann zu stehen, doch man kann das nicht als klares Ziel formulieren. Erst mal ist es für mich wichtig, bei Arminia Bielefeld in der kommenden Saison und dann auch bei den Senioren Fuß zu fassen.

Wie ist es, wenn sich in so jungen Jahren wegen so viel Talent fast alles nur um Fußball dreht?

Nik Jonas Deubel: Natürlich hat man wenig Freizeit, doch das nimmt man in Kauf. Ich habe nicht eine Sekunde daran gezweifelt, den richtig Weg eingeschlagen zu haben und stehe voll hinter der Entscheidung. Außerdem habe ich schon einiges erlebt und viele Erfahrungen sammeln können.

Sehnen Sie sich manchmal trotzdem nach einem „normalen“ Leben? Partys machen oder Ähnliches fällt als Fußballprofi vermutlich weg?

Nik Jonas Deubel: Ja, natürlich hat man sich anfangs geärgert wenn man nicht mit auf die Party gehen konnte, doch irgendwann habe ich darüber weg geschaut. Der Fokus wird umgelegt und man freut sich am Wochenende eben nicht auf die nächste Party sondern aufs nächste Spiel. Mit der Zeit wächst man auch als Mannschaft zusammen.

Ich habe ein zweites Standbein, man kann meiner Meinung nach nicht voll auf den Fußball setzen, weil es irgendwo auch immer etwas mit Glück zu tun hat. Im September starte ich mein Duales Studium parallel zum Fußball.

Nik Jonas Deubel (Torwarttalent)

Setzen Sie künftig alles auf die Karte Profifußball oder haben Sie auch noch ein zweites Standbein?

Nik Jonas Deubel: Ich habe ein zweites Standbein, man kann meiner Meinung nach nicht voll auf den Fußball setzen, weil es irgendwo auch immer etwas mit Glück zu tun hat. Im September starte ich mein Duales Studium parallel zum Fußball.

Wie ticken Sie privat?

Nik Jonas Deubel: Ich bin sehr kommunikativ, gelassen und ausgeglichen. Die Ausgeglichenheit kommt vom Fußball, ich setze mich einfach nicht unter Stress.

Fußballer in Corona-Zeiten: Wie schwer fällt Ihnen die Zwangspause?

Nik Jonas Deubel: Aus schulischer Sicht war das natürlich nicht ganz so schlecht, weil ich mehr Zeit zum Lernen hatte. Fußballerisch war es nicht so optimal und ich hatte keinen richtigen Abschied vom BVB.

Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre?

Nik Jonas Deubel: Ich möchte mehr Spielpraxis sammeln und das große Ziel ist der Sprung in den Seniorenkader. Der Seniorenbereich ist ein ganz anderer, dass sehe ich auch bei meinen Freunden gerade.

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