Mitgliederstatistik des Kreissportbundes, Teil 2: Der Blick auf den Altkreis
Klubs in der Klemme

Lübbecke (WB). Mit insgesamt 44.001 Mitgliedern bleibt der organisierte Sport im Altkreis Lübbecke weiterhin eine Macht. Aber auch in Lübbecke, Espelkamp, Stemwede, Rahden, Hüllhorst und Preußisch Oldendorf verlieren die Sportvereine Mitglieder – und das in einer nicht unerheblichen Zahl. Überwiegend sind es wie im Gesamtkreis (wir berichteten am 2. Juli) die Jugendlichen, die den Vereinen verloren gehen.

Donnerstag, 30.07.2020, 06:00 Uhr
Mit Kennenlernangeboten wie dem Kindertag des Jugendfördervereins (JFV) TuS Stemwede in der Sporthalle Wehdem gelingt es in Stemwede, das Interesse an den Sportvereinen hochzuhalten. Die Zahl der Mitglieder ist in der „Sporthauptstadt des Altkreises“ nur geringfügig gesunken. Foto: JFV
Mit Kennenlernangeboten wie dem Kindertag des Jugendfördervereins (JFV) TuS Stemwede in der Sporthalle Wehdem gelingt es in Stemwede, das Interesse an den Sportvereinen hochzuhalten. Die Zahl der Mitglieder ist in der „Sporthauptstadt des Altkreises“ nur geringfügig gesunken. Foto: JFV

Das geht aus einer Analyse der Vergleichzahlen hervor, die der Kreissportbund Minden-Lübbecke (KSB) für den Zeitraum 2011 bis 2020 vorgestellt hat (www.ksb-ml.de). Demnach ist der Mitgliederrückgang im Altkreis Lübbecke mit 6,38 Prozent zwar nicht ganz so stark ausgeprägt wie im Kreisgebiet (-8,51 Prozent), dennoch haben die Sportvereine im Altkreis zurzeit 2994 Mitglieder weniger als vor zehn Jahren.

Nur ein Teil dieser Entwicklung lässt sich auf den demografischen Wandel zurückführen. Die sechs Kommunen des Altkreises haben laut Landesdatenbank NRW seit 2011 rund 2,5 Prozent Einwohner verloren. Und so greift dieser Erklärung für den dramatischen Rückgang der Zahl jugendlicher Mitglieder in den Sportvereinen greift zu kurz. Die Zahl der Unter-18-Jährigen, die sich in den Klubs des Altkreises sportlich betätigen, hat sich seit 2011 um fast 3000 verringert – von 13.044 auf 10.139. Das ist ein deutliches Minus von 22,3 Prozent, und es liegt sogar minimal höher als im gesamten Kreisgebiet (-20,6 Prozent).

Das muss überraschen, denn die Vereinsstruktur zwischen Stemwede und Hüllhorst gilt als intakt, und der Organisationsgrad ist immer noch vergleichsweise hoch. In Stemwede ist er in den vergangenen zehn Jahren sogar noch leicht angestiegen – von 58,3 in 2011 auf jetzt 60,7 Prozent. In Rahden (2020: 49,3 Prozent – 2011: 51,8), Espelkamp (39,9 – 40,6), Hüllhorst (36,4 – 37,6), Preußisch Oldendorf (29,6 – 30,4) und selbst in Lübbecke (39,2 – 44,9) ist die Zahl der Menschen, die einem Sportverein angehören, im Vergleich zur Einwohnerzahl noch recht stabil.

Keine Kommune bleibt vom Trend verschont

Dennoch ist keine der sechs Kommunen im Berichtszeitraum vom Trend verschont geblieben, dass vor allem immer weniger 7- bis 18-Jährige einen Mitgliedsausweis in einem Sportverein besitzen. Ihre Zahl hat im Altkreis seit 2011 um mehr als 25 Prozent abgenommen. Espelkamp und Hüllhorst liegen mit minus 15 Prozent in dieser Altersgruppe noch „gut“ im Vergleich mit Rahden (–20 Prozent), Stemwede (-25 Prozent) oder Lübbecke (-28 Prozent).

Negativer Spitzenreiter ist aber Preußisch Oldendorf, wo von 1206 Mitgliedern im Alter von 7 bis 18 Jahre im Jahr 2011 nur noch 770 übrig geblieben sind. Das entspricht einem Verlust von mehr als einem Drittel aller Jugendlichen in diesem Alter. Besonders dramatisch ist die Entwicklung in der Gemeinde bei den 7- bis 14-Jährigen: In diesem Alter gehen aktuell in Preußisch Oldendorf 41 Prozent weniger als 2011 zum Sport in einen Verein.

Es gibt auch positive Signale

Doch es gibt auch positive Signale: So darf sich Stemwede nicht nur wegen des außergewöhnlichen Organisationsgrades weiter als Sporthauptstadt des Altkreises fühlen. In der Gemeinde haben es die Sportvereine geschafft, seit 2011 die Zahl der Gesamtmitglieder fast konstant zu halten (-1,3 Prozent).

Verantwortlich dafür ist ein rasanter Zuwachs bei den jüngeren Erwachsenen, vor allem in der Altersgruppe 27 bis 40 Jahre. Anders als andernorts hat aber auch die Zahl der 19- bis 26-Jährigen signifikant zugenommen – um mehr als acht Prozent. Insgesamt sind in Stemwede seit 2011 330 Menschen im Alter von 19 bis 40 Jahre in einen Sportverein eingetreten. Offenbar ist es in dort gelungen, mit entsprechenden Angeboten die jüngeren Erwachsenen an die Vereine zu binden oder wieder für die Klubs zu begeistern. Ähnliches haben auch die Klubs in Hüllhorst vollbracht – die Zahl der 27- bis 40-Jährigen in ihren Reihen hat um 23,4 Prozent zugenommen.

Neue Nummer eins im Altkreis, was die absolute Zahl an Mitgliedern in Sportvereinen betrifft, ist übrigens Espelkamp. Mit aktuell 10.047 Menschen im organisierten Sport hat die junge Stadt im Grünen Lübbecke (10.002) überholt und dank eines moderaten Mitgliederrückgangs (-1,82 Prozent) an der Spitze abgelöst. In Lübbecke haben die nur noch 31 Sportvereine seit 2011 1609 Mitglieder verloren. Auch prozentual gesehen (-13,9 Prozent) ist dieser Rückgang der größte im Altkreis. Es gibt weitere statistische Auffälligkeiten: In Hüllhorst ist der Zuwachs in den Altersgruppen 0 bis 6 Jahre (+42,2 Prozent) und 60+ (+34,6 Prozent) am größten. In Rahden fällt der Rückgang bei den 15- bis 18-Jährigen mit 30,9 Prozent am deutlichsten aus.

Im ersten Teil unserer Berichterstattung ging es um die Situation im gesamten Kreis Minden-Lübbecke: Die Jugend kehrt den Vereinen den Rücken .

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