Mitgliederstatistik des Kreissportbundes, Teil 3: Volleyball, Leichtathletik und Badminton in Not
Bedrohte Sportarten

Lübbecke. Volleyball ist eine tolle Sportart. Athletisch, dynamisch und voller Action. Die deutschen Nationalmannschaften zählen zur erweiterten Weltspitze. Und doch haben die heimischen Volleyballklubs ein Riesenproblem. Geht es in den kommenden zehn Jahren so weiter wie in den vergangenen, dürfte bald kaum noch jemand blocken, pritschen und baggern.

Sonntag, 09.08.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 13.08.2020, 09:14 Uhr
32,6 Prozent minus: Die Zahl der Volleyballerinnen und Volleyballer hat sich im Kreis seit 2011 um ein Drittel reduziert. Foto: Stefan Pollex
32,6 Prozent minus: Die Zahl der Volleyballerinnen und Volleyballer hat sich im Kreis seit 2011 um ein Drittel reduziert. Foto: Stefan Pollex

Die Zahl der Volleyballerinnen und Volleyballer ist im Kreis Minden-Lübbecke seit dem Jahr 2011 von 2356 auf 1588 zurückgegangen, was einem Rückgang von einem Drittel entspricht. Das geht aus der jüngsten Vereinsstatistik hervor, die der Kreissportbund (KSB) Minden-Lübbecke für die Jahre 2011 bis 2020 vorgelegt hat.

KSB-Statistik

Dies ist der dritte Teil unserer kleinen Serie zur aktuellen Mitgliederstatistik des Kreissportbundes Minden-Lübbecke. Der erste Teil beschäftigte sich mit der großen Zahl der Jugendlichen, die die Vereine verlassen: Jugend kehrt Sportvereinen den Rücken. Im zweiten Teil haben wir speziell auf die Vereine in den sechs Kommunen des Altkreises Lübbecke geschaut: Klubs in der Klemme.

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Besonders alarmierend für alle Volleyballfreunde: Die Zahl der Jugendlichen in den Klubs hat sich in diesem Zeitraum nahezu halbiert. Waren es 2011 noch 732 Mädchen und Jungen, die auf Netzhöhe waren, so ist deren Zahl aktuell auf 373 zusammengeschrumpft – ein Minus von exakt 49 Prozent. Eine weitere Zahl ist ebenso bedenklich: Momentan gibt es in der Altersgruppe U18 gerade noch 98 Jungen, die Spaß am Volleyball haben.

Ihr Problem haben die Volleyballer nicht exklusiv. In der Leichtathletik, der olympischen Kernsportart mit einer langen Tradition an deutschen Olympiasiegern und Weltrekordlern, sieht das Gesamtbild ähnlich aus. Die Zahl der organisierten Leichtathleten hat im Kreis seit 2011 von 3401 auf 2184 abgenommen – das Minus ist mit 35,8 Prozent sogar einen Hauch größer als im Volleyball.

Anders als die schmetternden Kollegen hat die Leichtathletik eher ein Erwachsenenproblem. Von 1345 Männern und Frauen im Alter von 27 bis 60 Jahren, die sich vor knapp zehn Jahren noch betätigten, ist mit 687 nur noch die Hälfte übrig geblieben. Es scheint, als würde der viel beschworene und durch steigende Teilnehmerzahlen bei Volksläufen belegte Laufboom an den Klubs vorbeilaufen. Immerhin ist die Zahl der 15- bis 18-Jährigen in den vergangenen Jahren fast stabil geblieben. Mal schauen, was passiert, wenn sie im Erwachsenenbereich an den Start gehen.

Für beide Sportarten, die traditionell im Kreis verankert sind und zugleich auch Landesleistungsstützpunkte haben, konstatiert der KSB einen „bedenklichen Abwärtstrend“ bei den Mitgliederzahlen, der aber in den Individualsportarten – neben Leichtathletik werden Tischtennis und Reiten genannt – noch nicht „gänzlich existenzgefährdend“ sei.

Auch die Badmintonvereine müssen sich Sorgen um ihre Zukunft machen. Hier herrscht Frauenschwund. Das Minus im weiblichen Bereich beträgt 40,3 Prozent, die Zahl der Mädchen unter 18 Jahren ist unter die 100er-Grenze gerutscht.

Gegen den Trend: Schwimmen und Tischtennis

Bei diesen drei Sportarten ist der Mitgliederschwund am größten, doch Minuszeichen gibt es fast überall – auch bei den Top-Sportarten. Fußball ist mit aktuell 28.454 Mitgliedern im Kreis vor Handball (12.652) und Turnen (10.914) weiterhin deutlich die Nummer eins. Aber auch die Großen sind kleiner geworden. Im Fußball sind es 877 Mitglieder weniger als im Jahr 2011, im Handball 1025, im Turnen 1116. „Allerdings sind diese Rückgänge zum überwiegenden Teil auf die Verluste im Kinder- und Jugendbereich zurückzuführen (Fußball: -18,4 Prozent; Handball: -21,6 Prozent)“, heißt es im KSB-Bericht, der vollständig unter www.ksb-ml.de einzusehen ist.

Minuszeichen regieren in fast allen Sportarten im Erhebungszeitraum, aber es gibt zwei Ausnahmen. Ein Plus in sämtlichen Altersgruppen können dabei nur die Schwimmer/DLRG vorweisen. Schwimmen verlernt man nicht, weiß der Volksmund. Und offenbar bleiben die Schwimmer, wenn sie den Weg in einen Verein gefunden haben, dieser Gemeinschaft auch lange treu. Auch die Zahl der Mitglieder in Tischtennisvereinen ist größer geworden. Hier macht die Zunahme der Zahlen im Bereich der älteren Erwachsenen (über 40 Jahre) das Minus im Jugendbereich momentan noch mehr als wett. Doch ein Freibrief für die Zukunft ist auch das nicht.

Die ersten Teil dieser Serie

Der erste Teil unserer Serie beschäftigte sich mit der großen Zahl der Jugendlichen, die die Vereine verlassen: Jugend kehrt Sportvereinen den Rücken . Im zweiten Teil haben wir speziell auf die Vereine in den sechs Kommunen des Altkreises Lübbecke geschaut: Klubs in der Klemme .

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