Rollstuhl-Basketball: Corona beendet Rahdens Play-off-Traum
Odysseen und Saisonende

Rahden (WB). Das Coronavirus zieht weltweit eine Schneise der Infizierung hinter sich her. Sportler aus dem Altkreis sind zwar noch nicht erkrankt, aber trotzdem unmittelbar betroffen. Gleich sieben Spieler der Baskets 96 Rahden haben nun mit immer härter werdenden Reisebeschränkungen zu kämpfen.

Freitag, 20.03.2020, 10:42 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 10:44 Uhr
Baskets-Macher Stephan Rehling musste das vorzeitige Saisonende akzeptieren. Foto: Ingo Notz
Baskets-Macher Stephan Rehling musste das vorzeitige Saisonende akzeptieren. Foto: Ingo Notz

Der Ligabetrieb der Rollstuhlbasketballer wurde umgehend eingestellt, die Saison für beendet erklärt. Angesichts der aktuellen Entwicklung rund um das Thema Coronavirus (COVID-19) hat der Fachbereich Rollstuhlbasketball gemeinsam mit den Vereinen der RBBL1 und RBBL2 das sofortige Ende der Rollstuhlbasketball-Saison beschlossen. Die laufenden Play-offs und Play-downs sowie die Aufstiegsspiele zur 1. Bundesliga können nicht mehr durchgeführt werden. Mit dieser Entscheidung ist der gesamte Spielbetrieb im deutschen Rollstuhlbasketball eingestellt und die Saison 2019/2020 beendet. Welche Auswirkungen das auf etwaige Auf- und Abstiege hat, soll in den kommenden Wochen diskutiert werden, um eine bestmögliche Entscheidung treffen zu können.

Die Beiden haben am Freitagabend erfahren, dass Polen am Sonntag die Grenzen schließt. Wir mussten schnell handeln.

Tarik Cajo (Baskets 96 Rahden)

Eine Infektion ist bekanntlich bei vorgeschädigten und älteren Menschen hochgradig gefährlich, so dass ans Spielen nicht gedacht werden kann. Die Akteure des international besetzten Rahdener Bundesliga-Kaders versuchen nun, schnellstmöglich in die Nähe ihrer Familien zu kommen. Doch das stellt eine „logistisch krasse Aufgabe“ dar, wie Tarik Cajo erklärt. Der dienstälteste Rahdener Spieler lebt seit vielen Jahren in Deutschland und bleibt auch während der Corona-Pandemie vor Ort, hilft aber gleich sieben Mannschaftskollegen aus dem internationalen „Multi-Kulti-Vorzeigeunternehmen“ Baskets 96 bei deren Heimkehr. Fünf davon haben es bereits in die Heimat geschafft: Die Briten Kallum Stafford und Jake Robinson machten sich am Dienstag auf Richtung Großbritannien, der Lette Agris Lasmans kam der Grenzschließung am Montag noch zuvor und die beiden Polen Krzysztof Bandura und Krzysztof Kozaryna schafften es ebenfalls. Cajo berichtet: „Die Beiden haben am Freitagabend erfahren, dass Polen am Sonntag die Grenzen schließt. Wir mussten schnell handeln.”

Abreise um zwei Uhr nachts

Umgehend wurden Tickets gebucht, um zwei Uhr Nachts fuhr Mitspieler Nermin Hujic seine Teamkameraden zum Flughafen nach Düsseldorf, von dort ging es dann erfolgreich nach Polen. „Beide sind gut angekommen”, berichtet Cajo. Auch Hujic selber versucht dieser Tage, in seine Heimat zurückzukehren. Er ist Bosnier, konnte sich eines der letzten Bus­tickets für den Dienstag buchen. Der Bus sollte über die Stationen Österreich, Slowenien und Kroatien dann in Bosnien enden.

Mehrtägige Reise nach Bosnien

Stundenlange Grenzkontrollen einberechnet, wartete damit eine mehrtägige Reise auf den Baskets-Center. „Ich hoffe, dass alles gut geht”, erklärt Hujic im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Und schiebt gewohnt optimistisch hinterher: „Bis bald!” Wohlwissend, mit großer Sicherheit auf der Zwischenstation Kroatien für 14 Tage in Quarantäne zu kommen.

Wir stehen vor einem großen Fragezeichen. Niemand kann sagen, wie es weitergeht.

Stephan Rehling (Präsident Baskets 96 Rahden)

Wann „bald“ sein wird, das weiß in diesen Tagen niemand wirklich. Auch 96-Präsident Stephan Rehling nicht: „Wir stehen vor einem großen Fragezeichen. Niemand kann sagen, wie es weitergeht.” Dies gilt besonders auch für den Amerikaner Victor Meza. Er kommt aus Texas, hatte ein Flugticket für den 27. April. Dieses kann aktuell frühestens auf den 17. April umgebucht werden. US-Präsident Donald Trump, der das Virus lange Zeit komplett auf die leichte Schulter nahm, hat dann plötzlich doch alle Grenzen dicht gemacht für sämtliche Schengenstaaten, zu denen auch Deutschland gehört. Noch starten vereinzelt Flüge Richtung Amerika, auch, um US-Bürger nach Haus zu bringen. Meza müsste dort direkt in 14-tägige Quarantäne – wenn die Heimreise gelingt. „Ich versuche jetzt, über die Niederlande nach Hause zu kommen”, hofft Meza. Am Freitag (20. März) soll sein Flieger von Amsterdam-Shiphol aus starten.

Wir machen alles für unsere Spieler, aber im Vordergrund steht vor allem die Gesundheit. Es ist wichtig, dass alle gesund bleiben – und die Ruhe bewahren. Nur gemeinsam können wir diese schwere Zeit überstehen.

Stephan Rehling (Präsident Baskets 96 Rahden)

Eine Mammut-Aufgabe für die Verantwortlichen der Baskets 96 Rahden, die aktuell täglich viele Stunden in Hotlines und Warteschleifen verbringen. Für Baskets-Macher Stephan Rehling zählt aber vor allem eines: „Wir machen alles für unsere Spieler, aber im Vordergrund steht vor allem die Gesundheit. Es ist wichtig, dass alle gesund bleiben – und die Ruhe bewahren. Nur gemeinsam können wir diese schwere Zeit überstehen.”

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7335921?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352979%2F4029432%2F
FC Bayern überrollt Barça - Nach irrem 8:2 auf Endspielkurs
Der FC Bayern München hatte keine Mühe mit dem FC Barcelona und erreichte locker das Halbfinale.
Nachrichten-Ticker