Mi., 15.05.2019

Fußball: Der FC Oppenwehe III wartet in der Kreisliga D3 immer noch auf sein erstes Erfolgserlebnis der Saison. Doch die Motivation bei den Kickern ist ungebrochen Erfolglos glücklich

Ansprache vor dem Spiel: D-Liga-Schlusslicht FC Oppenwehe III schwört sich auf seine bevorstehende Aufgabe ein.

Ansprache vor dem Spiel: D-Liga-Schlusslicht FC Oppenwehe III schwört sich auf seine bevorstehende Aufgabe ein. Foto: Marc Schmedtlevin

Von Marc Schmedtlevin

Stemwede-Oppenwehe  (WB). Es ist eigentlich zum Verzweifeln: Nach 16 Spieltagen wartet der FC Oppenwehe III immer noch auf den ersten Punkt der Saison. Das Torverhältnis steht mittlerweile bei 8:105. Mehr als sechs Gegentreffer pro Partie. Doch aufgeben ist keine Option für das Teams aus der Fußball-Kreisliga D3.

Es ist Freitagabend, Spieltag. Mit einem Lächeln im Gesicht kommen die Spieler des FC Oppenwehe III am Schnathorster Sportplatz an. Fokussiert geht es in Richtung Kabine, es gilt keine Zeit zu verlieren. Denn es sind nur noch 39 Minuten bis zum Anpfiff. Schnell umziehen, dann ein paar Bahnen zum Warmlaufen auf dem Ascheplatz und ein bisschen dehnen. Das muss reichen. Die folgende Passübung wird eher zum Diskutieren über der Startformation genutzt. »Wollen wir mit Libero oder Viererkette spielen?«, fragt Trainer Henrik Heselmeier, der sein 9er-Team zwar defensiv, aber auch nicht nur auf Verteidigung ausrichten will.

Kleiner Kreis unter dem Grillhäuschen

Den endgültigen Plan verkündet Heselmeier seinen Spielern nach der Passkontrolle. In die Kabine geht es dafür nicht extra noch einmal. Ein kleiner Kreis unter dem Grillhäuschen genügt. »Denkt daran, heute zwischendurch auch mal was zu trinken. Wir müssen alle durchhalten«, sagt Heselmeier, der dieses Mal auch selbst von Beginn an auf dem Platz steht. Alternativen auf der Bank hat er nicht. »Wir haben einen Stamm von 15, 16 Leuten. Heute fehlen leider einige«, sagt der Coach, der seine Mannschaft sowieso hauptsächlich an Spieltagen sieht: »Wir trainieren ein halbes bis kein Mal pro Woche.« Neben Fußball gehe es bei den schwierigen Platzverhältnissen in den Wintermonaten auch mal gemeinsam zum Schwimmen. »Die Hauptsache ist ja, dass wir uns alle ein bisschen bewegen«, sagt Heselmeier.

Das »Wir« ist dabei der entscheidende Faktor. Beim FC Oppenwehe III hat sich eine funktionierende Einheit mit vielen Fußball-Quereinsteigern ohne technische und taktische Ausbildung aus dem Jugendbereich gefunden – mit Abstrichen auf dem Platz. »Die meisten Jungs kennen sich vom Fußball. Darüber sind gute Freundschaften entstanden. Das ist die große Motivation – trotz der Ergebnisse«, sagt Heselmeier, für den und dessen Team das Warten auf einen Zähler nichts Neues mehr ist. Schon die vergangene Spielzeit schloss der FCO III ohne Punkt ab. Wie man das wegstecken kann? »Wir sind in dieser Spirale drin, haben uns daran gewöhnt. Wenn es nicht so gut läuft, lachen wir darüber und schauen nach vorn«, sagt Heselmeier.

Pils an der Tankstelle

Genau deswegen macht dem FCO III eine Partie wie in Schnathorst auch wenig aus. Schon nach sechs Minuten muss Torhüter Patrick Schneider den Ball das erste Mal aus dem Netz holen. Der Frust hält sich aber in Grenzen. »Kommt, es geht weiter, Jungs«, ruft Abwehrspieler Dennis Schomaeker seinen Teamkollegen zu. Einbahnstraßen-Fußball können sie in der ersten Hälfte aber nicht verhindern.

Nach einer halben Stunde sind die Gegentreffer zwei bis vier gefallen. Deswegen sind es die kleinen Highlights, die bei den Oppenwehern bejubelt werden. Spielertrainer Heselmeier düpiert einen Gegenspieler kurz vor der Mittellinie mit einem Tunnel. Dafür gibt es vom Drei-Mann-Fanblock an der Seitenlinie Szenenapplaus. Und die Aktion ist auch noch mal Thema in der Pause. »Ich muss noch einmal anmerken, dass ich meinen Gegenspieler getunnelt habe«, sagt Heselmeier und grinst.

Die »Halbzeitanalyse« wird aber vor allem von einer Frage bestimmt: Steht es 0:4 oder 0:5? Der Überblick scheint ein wenig verloren gegangen zu sein bei all den Gegentoren in dieser Saison. Zwei werden an diesem Abend noch hinzukommen. Mehr als neun sind es immerhin bisher noch an keinem Spieltag geworden.

»Wir geben jedes Mal unser Bestes«, sagt Heselmeier, für dessen Team das Resultat auch gar nicht unbedingt an erster Stelle steht. Vielmehr geht es um den gemeinsamen Abend. Und der klingt bei Auswärtsspielen geradezu klischeehaft für einen Tabellenletzten der Kreisliga D3 aus – mit einem Pils an der Tankstelle.

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