Heimische Fußballtrainer äußern sich zum Tod der argentinischen Legende – Toni Trucco geht‘s besonders nah
Diego-Fan aus Dielingen: Maradona lief auf der Mittelwelle

Lübbecke -

Ein Großer ist gegangen. Der Tod von Fußball-Legende Diego Maradona beschäftigt auch die Fußballtrainer aus dem Altkreis Lübbecke.

Donnerstag, 26.11.2020, 22:20 Uhr aktualisiert: 27.11.2020, 09:44 Uhr
Toni Trucco, Trainer des TuS Stemwede, präsentiert sein Maradona-Trikot. Der 43-Jährige ist seit kleinauf Neapel- und Maradona-Fan. Die SSC-Spiele verfolgte er als Kind mit seinem Vater, einem gebürtigen Neapolitaner, am Radiogerät – auf dem Dielinger Klei, wo der Empfang am besten war.
Toni Trucco, Trainer des TuS Stemwede, präsentiert sein Maradona-Trikot. Der 43-Jährige ist seit kleinauf Neapel- und Maradona-Fan. Die SSC-Spiele verfolgte er als Kind mit seinem Vater, einem gebürtigen Neapolitaner, am Radiogerät – auf dem Dielinger Klei, wo der Empfang am besten war. Foto: privat

Einer, dem die Nachricht richtig nahe ging, ist Toni Trucco. Der Coach des TuS Stemwede (Kreisliga A) ist zwar in Dielingen geboren und aufgewachsen, seine Eltern stammen aber aus Neapel. „Wir sind alle glühende SSC-Fans. Als Maradona damals nach Neapel kam, war das eine Gurkenmannschaft. Er hat den Unterschied gemacht“, sagt Trucco, der als Kind die italienischen „Maradona-Festspiele“ aus der Ferne gebannt verfolgt hat. „Mein Vater ist mit mir sonntags häufig zum Klei gefahren. Da oben war der einzige Punkt weit und breit, auf dem wir mit dem Radio Mittelwelle empfangen konnten. Da haben wir dann bei den Live-Reportagen der Neapel-Spiele mitgefiebert“, erzählt Trucco, der Maradona in den 80ern in einem Testspiel im Hamburger Volksparkstadion auch einmal live bestaunen konnte.

„Für alle SSC-Fans war die Nachricht jetzt ein Schock“, sagt der 43-Jährige, für den bei seinen regelmäßigen Trips nach Neapel ein Stadionbesuch immer dazugehört. „Es gibt eine Bar, in der sich eine Pilgerstätte für Maradona-Fans befindet – mit einem eingerahmten Haar von Diego“, so der Stemwede-Coach, für den Maradona aus mehreren Gründen der beste Fußballer aller Zeiten war: „Er musste sich noch mit Manndeckung herumschlagen und hatte nicht die Nebenleute wie Messi und Ronaldo heute – trotzdem hat er seine Mannschaften zu den Titeln geführt“, schwärmt Trucco.

Dem kann sich Stefan Studtrucker anschließen: „Für mich war Maradona der größte Fußballer, den es je gab“, sagt der Coach des TuS Tengern über den kleinen Argentinier, der in seiner Karriere etliche Großtaten vollbrachte. So auch bei der WM 1986, als Maradona gegen England zwei Tore für die Ewigkeit erzielte. „Sein Solo über den halben Platz habe ich vor Augen, wenn ich an Maradona denke“, so „Studti“, der den Argentinier aber nicht nur technisch für genial hielt: „Er war ein Kugelblitz, trotz seiner Statur extrem schnell“, so der frühere Erstliga-Angreifer von Arminia Bielefeld, der noch eine Qualität erwähnt: „Maradona hat in jedem Spiel auf die Socken bekommen und war trotzdem nicht zu stoppen.“ Dass Maradona nun so früh verstorben ist, ist für „Studti“ traurig, aber leider auch keine Überraschung: „Er hat Raubbau an seinem Körper getrieben, wie es schlimmer nicht geht.“

Ähnlich sieht es Carsten Schubert, Trainer von Bezirksligist TuS Dielingen: „Maradona hat in Extremen gelebt. Mittelmaß gab es für ihn weder auf noch neben dem Platz“, sagt Schubert, der die enormen Gefälle im Leben der Legende – sinnbildlich – auf den Punkt bringt: „Maradona war entweder Gott oder in der Gosse. Er hat nichts ausgelassen“, so Dielingens Coach über die Drogen-Eskapaden des Weltmeisters. Die sportlichen Taten seien dagegen unerreicht: „Prinzipiell muss man sagen, dass er wohl der beste Fußballer aller Zeiten war, noch vor Messi oder Ronaldo“, sagt Schubert und verweist neben der Klasse auch auf die Erfolge: „Er hat Neapel im Alleingang zu zwei Meisterschaften geführt – genau wie Argentinien 1986 zum WM-Titel. Maradona hat im Verein UND in der Nationalmannschaft Erfolge gefeiert. Das unterscheidet ihn zum Beispiel von Messi.“

Auch Daniel Bönker hat der Tod Maradonas beschäftigt. „Mein erster Gedanke war: ‚Mensch, da ist gerade ein Großer von uns gegangen“, sagt der Trainer des A-Ligisten SuS Holzhausen. Auch für Bönker gab es allerdings „zwei“ Maradonas. „Es ist schade, dass er sein Leben neben dem Platz so hat den Bach runtergehen lassen. Aber die Skandale und Drogen – das gehörte wohl auch zu ihm dazu“, sagt der Coach, der erst vier war, als Maradona in Mexiko seine Magie versprühte. „Trotzdem kann ich mich noch daran erinnern, wie ich das Viertelfinale gegen England vor dem Fernseher verfolgt habe“, sagt Bönker, der den legendären Maradona-Doppelpack somit nicht nur aus Youtube-Schnipseln kennt. Ganz klar Tore und Taten für die Ewigkeit.

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