Do., 10.01.2019

TuS N-Lübbecke: Aaron Ziercke spricht Klartext vor dem Start der Vorbereitung am Freitag »Zu viele Spiele leichtfertig abgegeben«

Aaron Ziercke nimmt mit seinen Lübbecker Handballern am Freitag das Training wieder auf.

Aaron Ziercke nimmt mit seinen Lübbecker Handballern am Freitag das Training wieder auf. Foto: Oliver Schwabe

Lübbecke (WB). Die kurze Pause ist vorbei. Ab Freitag bereitet sich Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke auf den zweiten Teil der Saison 2018/2019 vor. Bevor Aaron Ziercke seine Jungs zur ersten Einheit erwartet, sprach er mit Sportredakteur Volker Krusche über die Hinrunde, wagte einen Ausblick auf die noch ausstehenden 18 Punktspiele und gab auch persönliche Einblicke.

 

Einige Tage des Durchatmens liegen hinter Ihnen. Haben Sie etwas Abstand zum Handball-Alltag finden können?

Aaron Ziercke: Nicht wirklich. Durchatmen ist relativ, da ich vom 27. bis 29. Dezember auf meiner A-Lizenz-Verlängerung war und mir dann auch noch das Turnier in Merzig mit zahlreichen Jugend-Nationalmannschaften angeschaut habe. Danach ging es zur Familie nach Sindelfingen, wo wir dann unsere Tochter Mia beim Deutschland-Cup mit der Westfalenauswahl angefeuert und uns über die Vizemeisterschaft gefreut haben. Für meine Frau Anika war es auch eine Reise in die Vergangenheit, hat sie doch in allen drei Sporthallen, in denen der Cup ausgetragen wurde, bis hin zur Bundesliga gespielt.

 

Das klingt ja so, als wenn sich auch in Pausen, in denen andere die Füße hochlegen, bei Ihnen alles nur um den Handball dreht?

Ziercke: Irgendwie schon, was bei einer Familie, wo alle Vier im Handball aktiv sind, aber nicht verwundert – und auch nicht stört. Ich für meine Person nehme ja aus den Tagen auch viel mit. Es war in Merzig sehr interessant zu sehen, was an Talenten nachkommt. Immerhin greift man irgendwann auf sie zurück, entwickelt sie im Verein, bildet sie entsprechend aus. Da ist ein Blick auf mögliches künftiges Personal schon interessant.

 

Kommen wir zum TuS N-Lübbecke. Wie fällt Ihr Fazit aus, wenn sie auf die erste Saisonhälfte zurückschauen?

Ziercke: Es war eine Saisonhälfte der ausgelassenen Chancen. Eine, in der wir häufig sehr knapp verloren haben. Da waren viel zu viele einfache Fehler in unserem Spiel, Passfehler und technische Schwächen. Wir haben zu viele Spiele leichtfertig abgegeben.

 

»Wir haben den Kopf verloren«

Was waren die Gründe, dass es gerade in der Fremde nicht wie erwartet lief?

Ziercke: In fast allen Spielen, die wir verloren haben, hatten wir den Gegner unter Druck gesetzt und in Schach gehalten, haben dann aber nicht nachgelegt, sondern den Kopf verloren. Es lief solange bei uns, wie wir mit dem Mannschaftsspiel den Erfolg gesucht haben. Haben Spieler aber auf ihre individuellen Entscheidungen gesetzt und damit den Mannschaftsweg verlassen, passierten Fehler und wir bauten den Gegner unnötigerweise wieder auf. Das führte dann dazu, dass viele Spiele kippten und wir die Punkte verpassten. Dabei wäre es wohl ein Leichtes gewesen, diese Partien für uns zu entscheiden.

 

War nicht auch die Einstellung der Spieler ein Grund für die Misere?

Ziercke: Mag sein, zumindest was die Umstellung nach dem Abstieg von der ersten auf die zweite Liga angeht. Obwohl ich immer wieder gesagt habe, dass die zweite Liga kein Zuckerschlecken wird, scheint das anfänglich nicht in allen Köpfen verinnerlicht worden zu sein. Zu denken, dass wir das mit Links locker schaffen, war für die so Denkenden zweifellos ein Trugschluss. Unser Spiel war zu fehlerbehaftet, weil wir teilweise auch die letzte Konsequenz haben vermissen lassen.

 

Aber das Team war ja noch in der 1. Liga mit Blick auf eine weitere Spielzeit im Handball-Oberhaus zusammengestellt worden...

Ziercke: Ja. Und ich glaube, es wäre den Jungs auch einfacher gefallen, sich dort zurecht zu finden. Man darf aber auch nicht vergessen, dass, als wir gerade unsere Formation gefunden hatten, Marian Orlowski verletzt ausfiel und bis heute fehlt. Dass ein Youngster wie Valentin Spohn noch schwankend in seinen Leistungen ist, Jan-Eric Speckmann den Ausfall von Jens Bechtloff offensiv zwar gut kompensierte, seine Schwächen in der Defensive aber nicht zu übersehen sind. Und dann war von vornherein klar, dass die Bildung des Abwehr-Innenblocks mit Marko Bagaric und Patryk Walczak Zeit braucht. Doch als sich Beide gefunden hatten, verletzte sich Marko. Das war unbefriedigend.

 

»Mehr Tore aus dem Tempospiel«

Heute beginnt die Vorbereitung auf den zweiten Saisonteil. Wo liegen die Schwerpunkte? Welchen Anteil wird der Bereich Kraft/Ausdauer haben?

Ziercke: Wie bislang werden die Athletik- und Laufsequenzen, die speziell an den Vormittagen stattfinden, gemeinsam mit den Einheiten, in denen der Ball in den Vordergrund rückt, ein gemeinsames Paket bilden. Bei den handballspezifischen Einheiten gilt es aus der Defensive heraus den Gegenstoß zu verbessern, um zu mehr einfachen Toren zu kommen. Vorn muss der Spielfluss im aufgebauten Angriff verbessert werden. Gerade durch einfachere Auslösehandlungen, die dann aber besser gespielt werden. Durch die Tatsache, dass wir in der Vorbereitung immer einen Rhythmus Training-Spiel-Training haben, können wir Erarbeitetes gleich umsetzen oder Auffälligkeiten in den Spielen umgehend korrigieren.

 

Wann wird der Kader wieder komplett sein?

Ziercke: Ich hoffe, dass ich sowohl Marko Bagaric als auch Marian Orlowski in der Vorbereitung zurückbekomme und sie zum ersten Spiel im Februar wieder voll einsatzfähig sind. Das letzte Wort haben aber die Ärzte und Physiotherapeuten. Man muss zudem abwarten, wie schnell sie wieder in Form kommen.

 

Was erwarten Sie fortan von ihren Spielern?

Ziercke: Dass wir gerade auswärts stabiler auftreten. Bislang war es so, dass wir in der Fremde immer geführt haben und die Halle ruhig war. Dann machten wir Fehler, weckten die Fans und von den Tribünen wurde Druck aufgebaut. Dann wirst du nervös, verlässt deinen Pfad und versuchst es mit anderen Dingen als abgemacht. Das gilt es abzustellen. Zudem muss es uns gelingen, auch eine klare Führung mal konsequent auszubauen. Wir müssen lernen, nicht immer wieder die gleichen Fehler zu machen. Ein Kind packt auch nur einmal auf eine heiße Herdplatte!

 

»Sehe gegen starke Gegner besser aus«

Die Rückrunde ist mit Gastspielen in Essen, Lübeck, Balingen, Hamm, Nordhorn und Hüttenberg mit Topteams gepflastert. Bislang hat man aber schon bei den schwächeren Gegnern verloren. Was macht Hoffnung, dass es ausgerechnet jetzt besser wird?

Ziercke: Eine gute Frage. Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. Wir haben in der Hinrunde gerade gegen die starken Gegner immer bessere Leistungen abgerufen als gegen die schwächeren Teams. Meine Spieler wissen, dass in der Rückrunde starke Gastgeber auf uns warten. Jedem sollte klar sein, dass die Trauben weiter sehr hoch hängen. Wir können nur erfolgreich sein, wenn der Kopf mitspielt. Bei unseren guten Vorstellungen haben wir unsere Außen und den Kreis mit eingebunden. Das brauchen wir einfach, um erfolgreich zu sein. Hier erwarte ich von den älteren Spielern, dass sie Verantwortung übernehmen.

 

Wie gehen Sie damit um, dass sich die Zeit in Lübbecke dem Ende zuneigen wird?

Ziercke: Das ist eine gegebene Tatsache. Ich kann nichts daran ändern, auch wenn ich gern weitergemacht hätte. Ich versuche weiter mein Bestes zu geben. Letztlich ist eine Trainertrennung normal im Leistungssport.

 

Hatten Sie das Gefühl, dass man sich vielleicht auch in der Winterpause von Ihnen trennen würde?

Ziercke: Nein, hatte ich nicht. Denn bei der damaligen Verkündung wurde klar der Sommertermin kommuniziert. Und zwischendurch hieß es ja auch, dass man keinen Grund sehe, irgendeine Reißleine zu ziehen.

 

Gibt es schon einen Hinweis, wo Sie künftig tätig werden?

Ziercke: Bislang zeichnet sich da nichts ab. Die meisten Vereine befinden sich gerade in der Phase, in der sie eine Bestandsaufnahme machen. Das braucht seine Zeit. Danach wird man sehen. Irgendwo tut sich eigentlich immer was auf. Aber noch gibt es gar nichts zu meiner Zukunft zu sagen.

 

Donnerstagabend begann in Berlin die Handball-Weltmeisterschaft. Was erwarten Sie von der WM im eigenen Land?

Ziercke: Ich erwarte gar nichts, will mich einfach nur überraschen lassen. Die Zeit nach der letzten Europameisterschaft bestimmten ausnahmslos Diskussionen. Ich habe aber keine Lust auf dieses Gerede. Lasst die Jungs doch einfach machen. Die werden uns schon viel Spaß bereiten. Klar ist träumen erlaubt, wünscht man sich ein schönes Turnier, in dem unsere Mannschaft weit kommt. Auch, weil ein Erfolg wichtig für den deutschen Handball wäre.

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