So., 24.02.2019

Der TuS N-Lübbecke verliert 25:32 beim TuSEM Essen Ziercke schützt keine Egoisten mehr

Da kann man den feiernden Essenern nur neidisch zuschauen. Allerdings hatten die Lübbecker zu keinem Zeitpunkt den Sieg verdient.

Da kann man den feiernden Essenern nur neidisch zuschauen. Allerdings hatten die Lübbecker zu keinem Zeitpunkt den Sieg verdient. Foto: Eibner

Von Volker Krusche

Lübbecke/Essen (WB). Aaron Ziercke war nicht zu halten. Der Trainer des TuS N-Lübbecke konnte kaum in Worte fassen, was ihm nach der 25:32 (12:16)-Pleite im Zweitligaspiel bei TuSEM Essen alles durch den Kopf ging. Eines aber machte er frühzeitig klar: »Nach einer solch frustrierenden Vorstellung werde ich mich definitiv nicht mehr vor meine Spieler stellen!«

Wohl nicht zu unrecht, denn nachdem, was seine vor der Saison so hochgelobten Profis in den zurückliegenden Monaten auf die Platte brachte, haben sie es auch kaum verdient, dass jemand für sie den Windabweiser spielt. Der Sturm muss ihnen wohl kräftig ins Gesicht blasen, damit man im Umfeld zumindest die Hoffnung nicht aufgeben muss, dass sie irgendwann einmal aufwachen. Voraussetzung ist aber auch die korrekte Selbsteinschätzung. Und an der fehlte es zu oft. Kritik von außen war für einige Spieler nicht nachvollziehbar. Beim nochmaligen Anschauen ihre Fehlleistungen müssten sie allerdings kennen, wo die Tür klemmt.

Ziercke zeigt großes Unverständnis

Schon nach der indiskutablen Vorstellung im Testspiel gegen Lübeck-Schwartau hatte Trainer Ziercke seinem Unmut deutlich geäußert. Aufgrund der Pleite am Freitag in Essen, wo seine Mannschaft zu keinem Zeitpunkt für den Sieg in Frage kam, platzte dem im Sommer scheidenden Coach nun aber auch nach einem Punktspiel der Kragen. Viel zu oft hatte er in vergleichbaren Situationen schützend die Hand über seine Spieler gehalten. Diesmal aber nahm er kein Blatt vor den Mund. »Wenn Egoismus unser Spiel prägt, kann man keine Erfolge erwarten. Hier müssen sich einige Spieler fragen, warum sie ihre eigenen Ideen immer wieder in den Vordergrund stellen. Teamspiel wird hier durch Egoismus bezwungen!« Er könne es einfach nicht verstehen. »Wir haben eine Mannschaft mit viel Potenzial und Qualität. Aber warum bringt nicht jeder Spieler auch alles für die Mannschaft ein?«

In Essen war schnell zu sehen, dass den auf der Platte stehenden Akteuren der von ihnen selbst mit erarbeitete Matchplan für die Partie egal zu sein schien. Jedenfalls hielt sich kaum jemand daran, in erster Linie natürlich der Rückraum, dessen unbedachtes Spiel die Außen und den Kreisläufer regelrecht verhungern ließen. »Unser Außen sind nur hoch und runter gelaufen, wurden überhaupt nicht mit eingebunden.«

Gleich nach der Pause mit 12:19 hintengelegen

Als es zwischendurch dann klappte, lag das daran, dass sich seine Spieler des Matchplans besannen, miteinander spielten – und schon fiel auch mal ein Tor von Außen. »Da haben wir das Spiel mal breit gemacht, haben unsere Rückraumspieler Druck ausgeübt. Und schon kamen wir wieder etwas heran. Doch dann folgen wieder egoistische Aktionen. Da werden Würfe über den Doppelblock versucht, wird bereits nach dem ersten Kreuzen abgeschlossen. Plötzlich steht wieder nur die eigene Aktion im Vordergrund. Da glaubt man fest, man kann es allein besser. Und ruck, zuck sind wir auf der Verliererstraße.«

Völlig entnervend war für Aaron Ziercke der Start in die zweite Hälfte. »Das steht es zur Pause 12:16. Wir nehmen uns in der Halbzeit viel vor, besprechen, was wir ändern und wie wir es dann angehen wollen. Doch statt es dann umzusetzen, macht jeder wieder was er will. Und nach drei Minuten liegen wir schon mit 12:19 hinten. Es tut mir leid, aber irgendwann kann kein Trainer für so was die Verantwortung übernehmen. Der erwartete Lerneffekt wird ständig mit Ignoranz beantwortet! Das ist schließlich nicht das erste Mal, dass einige Leute meinen, sie können hier tun, was sie wollen. Man kann doch im ernst nicht so naiv sein, dass, wenn man zehnmal einen auf die Schnau.. kriegt, es beim elften Mal funktioniert. Die Beharrlichkeit, mit der einige Spieler ihr eigenes Ding drehen, kann ich nicht nachvollziehen.« Beim TuS N-Lübbecke scheint das Feuer unterm Dach außer Kontrolle. Der Trainer hat endlich mal Tacheles geredet. Jetzt sind auch andere gefordert, die Spieler auf Kurs zu bringen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6417967?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352979%2F4850251%2F