Di., 26.02.2019

Geschäftsführer des TuS N-Lübbecke schließt disziplinarische Maßnahmen aus Was tun?

Die Pleite in Essen löste harsche Kritik an den Spielern des TuS N-Lübbecke aus. Konsequenzen hat das für die Akteure aber nicht.

Die Pleite in Essen löste harsche Kritik an den Spielern des TuS N-Lübbecke aus. Konsequenzen hat das für die Akteure aber nicht. Foto: Eibner

Von Volker Krusche

Lübbecke (WB). Guter Rat ist teuer. Das weiß auch Torsten Appel, Geschäftsführer des TuS N-Lübbecke: »Sagt mir, welchen Schritt wir gehen sollen! Wir haben immer und immer wieder mit den Spielern geredet. Im Kreis mit allen, aber auch in Einzelgesprächen. Jedes Mal zeigten sie sich einsichtig, waren selbstkritisch.« Doch Besserung trat dann zumeist nur für ein Spiel ein. Danach verfielen die Lübbecker Akteure wieder in die alten, miesen Muster.

Disziplinarische Maßnahmen schließt Appel aus. »Wir werden weder vorzeitig vom Trainer trennen, noch Spieler auf die Tribüne setzen. Für uns gilt es jetzt, diese Saison einigermaßen vernünftig zu Ende zu bringen.« Vielmehr setzt der Geschäftsführer weiter auf das Wort. »Wir haben am Freitag, direkt nach dem Spiel, geredet, haben am Montag gesprochen und werden auch heute Vormittag und Nachmittag Gespräche führen«, sagte Torsten Appel im Gespräch mit dieser Zeitung.

Jeder Stein wird umgedreht

Er bestätigte zugleich, dass man sich sehr intensiv damit beschäftige, wie man die Mannschaft für die kommende Spielzeit zusammenstellt. In welche Richtung diese Gedankengänge gingen, dazu wollte er zum jetzigen Zeitpunkt keine genauen Angaben machen. Nur soviel: »Wir drehen jeden, aber wirklich jeden Stein um!« Ob das auch bedeutet, dass man darüber nachdenkt, sich möglicherweise im Sommer von Spielern zu trennen, die noch einen über das Saisonende hinaus gültigen Vertrag besitzen, wollte Appel nicht bestätigen. Es scheint aber nicht ausgeschlossen.

Der Begriff »Mannschaft« trifft auf den TuS N-Lübbecke 2018/2019 jedenfalls nur bedingt zu, was allein schon die jüngsten offenen Worte von Trainer Aaron Ziercke deutlich machten, der den Egoismus einiger Spieler über deren Teamgeist ansiedelt. Zugleich brachte er aber auch sein Unverständnis zum Ausdruck, »dass wir eine Mannschaft mit viel Potenzial und Qualität besitzen. Warum aber nicht jeder Spieler alles für die Mannschaft einbringt, ist mir ein echtes Rätsel!« Eine Aussage, die beim Blick auf die Vita vieler Spieler nachvollziehbar ist:

Spieler mit Qualität und Erfahrung

Peter Tatai spielte bei Champions League-Teilnehmern wie Pick Szeged oder MKB Veszprem, hütete 87 Mal das Tor der ungarischen Nationalmannschaft.

Patryk Walczak gehörte dem polnischen Topklub Vive Kielce an, ist aktueller Nationalspieler.

Jens Bechtloff trug viermal das Trikot der DHB-Auswahl, spielte eine Ewigkeit für den TBV Lemgo in der 1. Bundesliga.

Lukasz Gierak nahm als polnischer Nationalspieler an den Olympischen Spielen 2016 und der Weltmeisterschaft 2017 teil.

Marko Bagaric war 2015 Vizeweltmeister mit Katar.

Peter Strosack war für den SC DHfK Leipzig in der 1. Liga auf der rechten Außenbahn im Einsatz.

Luka Rakovic kam viel herum, spielte unter anderem für Benfica Lissabon und Vadar Skopje.

Valentin Spohn war im Trikot der SG Leutershausen bester Torschütze der 2. Bundesliga.

Dener Jaanimaa lief in Deutschland für den HSV Hamburg, THW Kiel und die MT Melsungen auf.

Marian Orlowski war für den VfL Gummersbach und den TVB Stuttgart in der 1. Liga aktiv.

Geballte Kraft also, über die der TuS N-Lübbecke mit dem höchsten Etat aller Zweitligisten und einer reinen Profitruppe verfügt. Einzelkönner, die auf dem Spielfeld allerdings nur äußerst selten als Mannschaft aufgetreten sind und sich daher nicht zu unrecht der Kritik des Umfelds ausgesetzt sehen. Mit Blick auf die Vergangenheit der meisten Spieler war die Zielsetzung der sofortigen Rückkehr ins Bundesliga-Oberhaus daher auch nur logisch.

Blickt man auf die Vertragssituation und die Tatsache, dass eine Verlängerung mit Jo Gerrit Genz, der wie Moritz Schade trotz langer Zeit am Wiehen immer noch nicht über die Rolle des Talents hinauskam, so steht im Rückraum nur eine Position zur Disposition: die von Kenji Hövels. Und den treffen die Egoismus-Vorwürfe des Coaches sicherlich am wenigsten. So wäre es nachvollziehbar, wenn sich die TuS-Verantwortlichen auch Gedanken darüber machen würden, den einen oder anderen Akteur (wie Jaanimaa oder Gierak) von der Kaderliste streichen zu wollen und mit Teamplayern zu ersetzen. Sonst könnte schnell ein »weiter so« entstehen.

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