So., 10.03.2019

2. Handball-Bundesliga: Der TuS N-Lübbecke verschenkt im Gastspiel beim VfL Lübeck-Schwartau einen sicheren Sieg. Von Lerneffekt ist nichts zu spüren

Was ist nur aus Torjäger Dener Jaanimaa geworden? Auch in Lübeck war der Linkshänder nur ein Schatten seiner selbst.

Was ist nur aus Torjäger Dener Jaanimaa geworden? Auch in Lübeck war der Linkshänder nur ein Schatten seiner selbst. Foto: Oliver Schwabe

Von Volker Krusche

Lübeck/Lübbecke (WB). Wie deutlich muss Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke eigentlich führen, um in einem Auswärtsspiel die Oberhand zu behalten? In der Hansehalle begnügten sich die Schützlinge von Aaron Ziercke jedenfalls damit, Gastgeber VfL Lübeck-Schwartau beim 20:21 (11:9) die Punkte brav zu überlassen. Und das nach einer satten 17:12-Führung nach 43 Minuten!

Drei magere Törchen in 17 Minuten – übrigens allesamt durch Marian Orlowski – waren die blamabele Ausbeute der Ostwestfalen. Mal wieder wurde einem schwer angeschlagenen Gegner nicht der finale Gnadenstoß verpasst. Klar, dass Trainer Ziercke die Schlussviertelstunde kaum in Worte fassen konnte. »Ich verstehe irgendwann die Welt nicht mehr. Meine Mannschaft macht gut 45 Minuten lang fast alles richtig, hält sich an die ausgegebene Marschroute, spielt diszipliniert und geduldig, fightet, hat alles, aber auch wirklich alles im Griff. Wir haben den Gegner genau da, wo wir ihn haben wollen, verfallen dann völlig grundlos in alte Muster. Man konnte förmlich die Schablone nehmen und auf unser Spiel legen«, so ein frustrierter Coach, der vor allem eins nicht versteht: »Wo ist da der Lerneffekt?«

Leidensfähigkeit

Innerlich tobte Ziercke, hielt seine Gefühle aber im Zaum. »Das ist nicht das erste Mal, dass es so läuft, diesmal vielleicht nur noch viel krasser. Die Regelmäßigkeit, in der wir so auftreten, ist nicht zu begreifen. Ebenso wenig die Leidensfähigkeit meiner Spieler. Ich verstehe das einfach nicht!«

Dass man in der »Hansehölle« kein Angriffsspektakel erwarten durfte, war schon vor dem Anpfiff klar. Und so war es auch kein Wunder, dass die Abwehrreihen und die Torhüter beider Mannschaften dem Spiel ihren Stempel aufdrückten. Hüben wie drüben verzweifelten die Angreifer und leisteten sich viele Ballverluste. Lübbecke lag zunächst zurück, drehte einen 6:8-Rückstand (21.) in eine 9:8-Führung und mischte in der Folge Beton an. Den Hausherren gelangen in den nächsten 24 Minuten ganze vier Treffer, so dass Lübbecke über den 11:9-Pausenstand auf 17:12 nach dem Wechsel enteilen konnte. Dabei lief im Angriff weiterhin nicht alles nach Wunsch – beim VfL aber noch weniger. Immer wieder war auch Joel Birlehm auf dem Posten. Ihm unterliefen in dieser Phase aber drei gravierende Fehler, als er nach Ballgewinnen zweimal das leere Schwartauer Tor anvisierte. Ein Wurf wurde aber schon an der Mittellinie abgefangen, der zweite verfehlte das gegnerische Gehäuse. Zudem musste Birlehm von Außen einen haltbaren Ball passieren lassen.

»Spielen wilde Sau«

Eine Zeitstrafe für Patryk Walczak, einer von erneut vielen Fehlern von Lukasz Gierak, ein Ballverlust von Lukja Rakovic, der den diesmal enttäuschenden Peter Strosack abgelöst hatte, und ein Fehlpass Richtung Kreisläufer ins Niemandsland durch den völlig indisponierten Dener Jaanimaa – beim TuS scheren sich die Spieler einen Dreck um die klaren Ansagen von Aaron Ziercke in einer Auszeit, verließen den Pfad des erfolgreichen Spiels. Der Ego-Trip hielt wieder mal Einzug. »Urplötzlich spielen wir wilde Sau! Und aus dieser Schleife kommen wir wieder nicht mehr raus«, begreift Coach Ziercke die immer wieder aufkommenden Selbstzerstörungsphasen nicht. »Da kann man vor dem Spiel, in der Halbzeit oder in den Auszeiten dagegenwirken wie man will. Die Korrekturen zeigen, wenn überhaupt, nur kurzfristig Wirkung, weil einige Spieler schnell wieder in ihre persönlichen Verhaltensmuster verfallen!«

Aus dem 17:12 wird in der Folge ein 17:14, 18:16 und nach dem 19:16 ein 19:19. Zwar sorgt Orlowski wieder für die Führung, doch als Gierak nicht trifft und auch Orlowski mal scheitert, nimmt Jan Schult 18 Sekunden vor Schluss die Lübbecker Einladung zum nie und nimmer mehr möglich gehalten Siegtreffer dankend an. Marian Orlowski kommt zwar noch mal zum Wurf. Allerdings nicht bei einer klaren Chance, so dass zwei Sekunden später in Stein gemeißelt ist: Der TuS N-Lübbecke hat sich selbst für seine Leichtfertigkeit bestraft!

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