Di., 12.03.2019

2. Handball-Bundesliga: TuS N-Lübbecke trennt sich von Aaron Ziercke. Als Grund nennt der Verein »unüberbrückbare Differenzen zwischen Mannschaft und Trainer«, nicht die sportliche Situation Früher als geplant

Aaron Ziercke.

Aaron Ziercke. Foto: Oliver Schwabe/Archiv

Von Marc Schmedtlevin

Lübbecke (WB). Vorzeitige Trennung: Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke hat auf die aktuelle Situation reagiert und Trainer Aaron Ziercke mit sofortiger Wirkung freigestellt. Der Vertrag des 47-Jährigen wäre am Saisonende sowieso ausgelaufen und nicht verlängert worden.

Als Grund für Zierckes Entlassung nannte der Verein »unüberbrückbare Differenzen zwischen Mannschaft und Trainer im Anschluss an das Auswärtsspiel beim VfL Lübeck-Schwartau «. »Wir mussten handeln«, sagte Geschäftsführer Torsten Appel, der allerdings nicht weiter ins Detail gehen wollte und ergänzte: »Es muss nicht jedes Thema nach draußen gelangen.«

Die Partie hatte der TuS trotz einer Fünf-Tore-Führung in der Schlussphase noch mit 20:21 verloren. Interessant: Das Resultat sei nicht ausschlaggebend gewesen. Ohne die Vorfälle im Nachgang wäre Ziercke laut Appel weiterhin der Trainer geblieben.

»Der gewählte Zeitpunkt für die Verkündung war weiterhin richtig«

Ein angespanntes Verhältnis innerhalb des Lübbecker Teams war schon seit mehreren Wochen zu vernehmen. Trainer Ziercke hatte sich nach schwachen Auftritten auch nicht mehr – wie aus der Vergangenheit gewohnt – vor seine Spieler gestellt. Er wies immer wieder darauf hin, dass manche Spieler sich nicht an zuvor getroffene Absprachen gehalten und stattdessen lieber ihr Ego in den Vordergrund gestellt hätten. Einen negativen Höhepunkt lieferte das Remis daheim gegen Emsdetten vor zehn Tagen, als Ziercke nach der Partie eine Wutrede in der Kabine hielt. Dass das Zusammenspiel zwischen Ziercke und Mannschaft aber auch noch funktionieren konnte, machten 46 gute Minuten am vergangenen Samstag in Lübeck deutlich.

Die Zusammenarbeit zwischen TuS N-Lübbecke und Trainer Ziercke wäre am Saisonende sowieso ausgelaufen . Die Vereinsverantwortlichen hatten bereits im November verkündet, den auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. »Es war aber unsere oberste Maxime, den eingeschlagenen Weg gemeinsam bis zum Saisonende zu gehen und ihn erfolgreich abzuschließen. Wir haben uns allen diese schwere Situation zugetraut. Es hat aber nicht funktioniert – und das macht uns traurig«, sagte Appel, der die damalige Entscheidung aber nicht bereut: »Der gewählte Zeitpunkt für die Verkündung war weiterhin richtig.«

»Ich wollte mich bei jedem Spieler noch einmal persönlich verabschieden«

Aaron Ziercke erfuhr am Montagabend von seiner Freistellung, am Dienstagmorgen kam er noch ein letztes Mal zum Training. »Ich wollte mich bei jedem Spieler noch einmal persönlich verabschieden«, sagte Ziercke, der den Abgang professionell hinnahm: »Trennungen gehören in unserem Geschäft dazu. Dass wir alle nicht zufrieden sind, ist doch klar.«

Wichtig sei Ziercke allerdings, die Zeit in Lübbecke nicht nur auf die aktuelle Situation zu beschränken. »Schließlich waren auch viele schöne und erfolgreiche Momente dabei«, stellte Ziercke klar. Ähnlich sieht es Geschäftsführer Appel: »Wir hatten zusammen gute Zeiten und schwere Zeiten.« Gleich in seiner ersten Saison beim TuS war Ziercke der souveräne Aufstieg in die 1. Bundesliga gelungen. Danach ging es allerdings bergab – zunächst mit dem direkten Wiederabstieg, dann mit der bisher schwachen Saison und dem derzeitigen sechsten Tabellenplatz in Liga zwei.

Der Trainerposten beim TuS wird erst einmal intern besetzt. Beim Heimspiel am Samstag (19 Uhr) gegen den HSV Hamburg werden die bisherigen Co-Trainer Nikola Blazicko und Hans-Georg »Schorse« Borgmann auf der Bank sitzen. Eine fixe Lösung für den restlichen Saisonverlauf sei dieses Gespann aber noch nicht. »Wir sind nicht handlungsunfähig«, sagte Appel. Emir Kurtagic, der zur neuen Saison den Posten in Lübbecke übernehmen wird, schon früher zu integrieren, sei keine Option. Der 38-Jährige sei noch per Vertrag beim TV Hüttenberg gebunden.

Kommentar von Marc Schmedtlevin

Die Trennung von Trainer Aaron Ziercke kommt nicht vollkommen überraschend, der Zeitpunkt allerdings schon. Eine Freistellung aufgrund der Ergebnisse hätte anhand der höheren Erwartungshaltung und Ziele beim TuS N-Lübbecke schon früher erfolgen können. Die Vereinsverantwortlichen wollten die Saison nach eigener Aussage gerne noch mit Ziercke zu Ende bringen – durchaus glaubwürdig. Am Ende ist es eine »Differenz zwischen Mannschaft und Trainer«, die zu Zierckes Aus führte. Dass es sich dabei um die gesamte Mannschaft handelt, die sich gegen den Trainer gestellt hat, ist kaum vorstellbar. Dass es zuletzt häufiger Probleme mit einzelnen Charakteren gab, ist bekannt. Diese scheinen den internen Machtkampf nun für sich entschieden zu haben. Gewiss hatte Aaron Ziercke während seiner Amtszeit nicht immer nur ein glückliches Händchen, was Personalentscheidungen oder Weiternentwicklung der Mannschaft angeht. Doch mit der bereits im November verbreiteten Nachricht des Vereins, den Vertrag des Trainers nach der laufenden Saison nicht mehr zu verlängern, war die Entwicklung bis zur Explosion in den vergangenen Tagen geradezu vorgezeichnet. Zierckes Position war deutlich geschwächt. Speziell in einem Team mit speziellen Charakteren ein großes Problem. Der beste Beleg: Die Spieler dürfen bleiben, der Trainer muss gehen.

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