So., 17.03.2019

2. Handball-Bundesliga: Beim TuS N-Lübbecke ist ein neuer Tiefpunkt erreicht. Gegen den Aufsteiger HSV Hamburg blamiert man sich beim 22:29-Debakel Erniedrigt und vermöbelt!

Sie können es nicht fassen, sind aber selbst schuld am Debakel. Lübbeckes Spieler haben gegen Hamburg völlig versagt.

Sie können es nicht fassen, sind aber selbst schuld am Debakel. Lübbeckes Spieler haben gegen Hamburg völlig versagt. Foto: Oliver Krato

Von Volker Krusche

Lübbecke (WB). Die Leidenszeit hält an, nimmt einfach kein Ende. Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke ist an einem neuen Tiefpunkt angelangt. Vorgeführt, erniedrigt, vermöbelt. Gegen den abstiegsbedrohten Aufsteiger HSV Hamburg erlebten 1.747 völlig frustrierte Fans in der Merkur-Arena eine peinliche 22:29 (13:14)-Pleite. Die Spieler verspielten damit auch ihre letzte Ausrede.

Man muss wohl schmerzresistent sein, um in dieser Saison den Weg in die Halle zu finden. Denn die Zuschauer, die es nie an Unterstützung mangeln lassen, werden immer wieder auf eine harte Probe gestellt und mussten nach den vielen schmachvollen Vorstellungen feststellen, dass ihr TuS sich dort wiederfindet, wo er hingehört: im Niemandsland der Tabelle. Passend auch, dass die Schlappe gegen Hamburg die höchste Heimniederlage in der 2. Liga seit 29 Jahren ist! Damals hieß es 14:22 gegen Hameln, wobei seinerzeit aber kein Titelaspirant auf einen bedrohten Neuling traf.

Arbeitsverweigerung

Die Zeit des Schweigens ist seit Samstag vorbei. Wahrscheinlich hielt sie viel zu lange an, kommt das Erwachen nun zu spät. Und der Schuldige ist nicht der Trainer, denn nach der Ära Ziercke konnten auch dessen Nachfolger Nikola Blazicko und Hans-Georg »Schorse« Borgmann den stotternden Kutter nicht auf Kurs bringen. Mit einem defekten Antrieb ist eben kein Rennen zu gewinnen. Entsprechend groß war auch die Wut, die sich gleich nach Spielschluss breitmachte. Allen voran bei Armin Gauselmann. Der Hauptsponsor und Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats war nicht zu halten. »Das war eindeutig Arbeitsverweigerung. Die Spieler haben Aaron Ziercke erfolgreich rausgestreikt und geben dann so eine Antwort. Das war eine einzige Frechheit! Das ist kein Team, das ist eine Nicht-Mannschaft!«

Die Spieler wurden sofort nach Spielende in die Kabine gerufen, wo sie harsche Kritik über sich ergehen lassen mussten. Später beorderte Geschäftsführer Torsten Appel das gesamte Team in den VIP-Raum, um sich dort den Sponsoren zu stellen. „Da wird keiner den Schwanz einkneifen!«

Sportlicher Offenbarungseid

Es war ein sportlicher Offenbarungseid, den die Akteure mit dem TuS-Emblem auf der Brust auf dem Parkett ablieferten. Blutleer, ohne jegliche Emotionen. Einstellung Fehlanzeige. Körpersprache war nur beim Gegner zu erkennen. Das Duo Blazicko/Borgmann zog gegen die Leichtgewichte im Hamburger Rückraum mit vier unterschiedlichen Besetzungen im Innenblock der 6:0-Abwehr alle Register, versäumte es der Zwei-Mann-Show des HSV höchstens mit offensiverer Deckungsvariante Einhalt zu gebieten. Spielmacher Philipp Bauer (12) und sein Halblinker Finn Wullweber (10) wurden zum Albtraum der Lübbecker Defensive, die zu keinem Zeitpunkt der Partie deren Wege zu stören verstand. Und das, obwohl Beide erst sechs, sieben Meter kreuzen, dann ohne Gegenwehr zum Sprung ansetzen und schließlich unbedrängt werfen durften. 22 von 29 Toren – ohnehin viel zu viel gegen einem harmlosen Gegner, der ohne Linkshänder im rechten Rückraum agierte – gingen auf das Konto des Hamburger Duos. Und wären Joel Birlehm (10 Paraden) und Peter Tatai (6) nicht gewesen, die eigentlich harmlose und ausrechenbare Sieben von Ex-Weltmeister Torsten »Toto« Jansen hätten durchaus ein Schützenfest in Ostwestfalen feiert können.

Aaron-Aaron-Rufe

Die Gäste übernahmen gleich das Kommando, legten stets vor. Bezeichnend für das Niveau der Partie war die Phase zwischen der siebten und 15. Minute, als sich beide Teams durch Unzulänglichkeiten übertrafen und zusammen zehn Fahrkarten und fünf technische Fehler – aber kein Tor fabrizierten. Letztlich war es dem einzig überzeugenden Lübbecker Feldspieler, Valentin Spohn, zu verdanken, dass beim 13:14 zur Pause noch alles drin war.

Nach dem Wechsel glich der TuS zwar durch Marian Orlowski zum 15:15 aus, stellte dann das Handballspielen aber gänzlich ein, so dass der HSV binnen acht Minuten vorentscheidend auf 22:15 enteilte. Längst hallten »Aaron, Aaron-Rufe« durch die Arena, die aber nicht dem Lübbecker Ex-Trainer , sondern Hamburgs Torhüter Aaron Rafn Edvardsson galten, der bei 14 Paraden auch zwei TuS-Siebenmeter entschärfte. Nach 60 Minuten hatte das Leiden für die Abwesenden ein Ende, für die Protagonisten des TuS dürfte sie aber ein Nachspiel haben.

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