Di., 11.06.2019

Ab Mai 2020 soll die Sanierung der Kampa-Halle beginnen Erstliga-Handball in Lübbecke

Die Lübbecker Kreissporthalle könnte in der Hinrunde der Saison 2020/21 nicht nur für den TuS N-Lübbecke Heimspielstätte sein, sondern auch für GWD Minden.

Die Lübbecker Kreissporthalle könnte in der Hinrunde der Saison 2020/21 nicht nur für den TuS N-Lübbecke Heimspielstätte sein, sondern auch für GWD Minden. Foto: Thomas F. Starke

Von Volker Krusche und Marcus Riechmann

Lübbecke (WB). »Das ist ja was ganz Neues. Davon habe ich noch gar nichts gehört!« Torsten Appel war ziemlich baff, als er auf eine Entwicklung angesprochen wurde, die ein echter Paukenschlag wäre. Es ist nämlich wahrscheinlich, dass in der kompletten Hinrunde der Saison 2020/21 in Lübbecke sowohl Zweitliga-, als auch Erstligahandball geboten wird, neben dem TuS N-Lübbecke auch GWD Minden in der Kreissporthalle spielen wird!

»Mit uns hat es zu einem solchen Thema seitens des Kreises Minden-Lübbecke weder Informationen noch Gespräche gegeben«, so der TuS-Geschäftsführer. »Auf uns ist bislang noch niemand zugekommen.« Torsten Appel erfuhr von unserer Zeitung vom möglichen Szenario, das natürlich viel mehr als nur die zusätzlichen 60 Minuten Bundesligahandball in Lübbecke beinhalten wird.

Hintergrund dieses einmaligen Umzugs der Grün-Weißen ist die dringend erforderliche Sanierung der Mindener Kampa-Halle. Und die ist sehr umfänglich. Bereits 2014 hatte der Kreis Minden-Lübbecke, dem die Halle – wie auch die in Lübbecke – gehört, einen Masterplan aufgestellt, in dem sie die erforderlichen Maßnahmen zur Herrichtung auflistete. 15 Projekte davon seien bereits ausgeführt worden, der Schwerpunkt lag im Bereich des Brandschutzes (Brandschutztüren, Rauchabzugsanlage). Damit sind aber nicht einmal die Hälfte der erforderlichen Arbeiten durchgeführt. Weitere 25 stehen auf der Liste. Den größten Posten nimmt dabei in der inklusive Planungskosten auf rund sechs Millionen Euro bezifferten noch ausstehenden Gesamtmaßnahme das rund eine Million Euro teure Lüftungssystem ein.

Sechs-Millionen-Maßnahme

Da derzeit aber noch nicht feststeht, welche Projekte aus dem Masterplan realisiert werden können und sollen, ist der zeitliche Ablauf noch nicht in Stein gemeißelt. Ein Arbeitskreis mit den im Kreistag sitzenden Fraktionen soll Entscheidungen vorbereiten, die dann von den Politikern zeitnah nach der Sommerpause auf den Weg gebracht werden sollen. Der Kreis Minden-Lübbecke will die Kampa-Halle mit dem Masterplan für mindestens das nächste Jahrzehnt »fit« machen. Ob auch neue Duschen und Toiletten zur Umsetzung kommen oder aber die Attraktivität der Halle durch Maßnahmen verbessert wird, ist derzeit noch offen.

Am Ende ist alles eine Frage des Geldes. Und da erhielten die Hoffnungen des Kreises einen herben Dämpfer. Bei der Bewerbung um Fördermittel des Bundes für die Kampa-Halle und die benachbarte und ebenfalls in die Jahre gekommene, 1975 erbaute Kreisschwimmhalle ging der Kreis Minden-Lübbecke leer aus. Statt der erhofften drei Millionen Euro gibt es nichts! Zuschüsse sind möglicherweise nur für Einzelmaßnahmen zu erwarten.

Ende 2019 TÜV-Untersuchung

Vor sich herschieben kann die Politik die Sanierung aber nicht. Denn Ende 2019 steht die nächsten TÜV-Untersuchung an. Angesichts der offenkundigen Mängel wäre dann das schlimmste Szenario, dass die Bauaufsicht der Stadt Minden die Kampa-Halle stilllegen würde.

Deutlich wurde, dass die geplanten Maßnahmen in keinem Zusammenhang mit der in Minden geplanten Multihalle stehen würde. Die Aussichten auf deren Umsetzung wird in der Weserstadt derzeit sehr viel positiver gesehen als noch vor Monaten.

Wenn die Kampa-Halle umgebaut wird, gibt es für GWD Minden inzwischen nur eine Lösung: »Wir werden dann wohl nach Lübbecke in die Kreissporthalle ausweichen«, sagt Geschäftsführer Markus Kalusche. Man habe verschiedene Modelle durchgespielt, auch die Rattenfängerhalle in Hameln als Spielort erwogen, doch die erfülle die Bundesliga-Standards nicht. Daher biete sich keine andere Lösung an, als in der Heimspielstätte des Mühlenkreiskonkurrenten zu spielen: »Das ist das wahrscheinlichste Szenario.«

Hoher planerischer Aufwand

Falls Anfang Mai 2020 der Umbau begönne, wäre noch ein Heimspiel in der bereits am 14. Mai 2020 endenden Saison betroffen. Vor allem aber geht es um die erste Hälfte der anschließend folgenden Spielzeit, in der die Heimspiele von GWD und des TuS sorgsam koordiniert werden müssten.

»Ein Umzug bedeutet einen extremen planerischen Aufwand für uns. Das wird uns herausfordern«, sagt Kalusche. Dauerkartenplätze müssten adäquat in die 3200 Zuschauer fassende und damit um rund 600 Plätze kleinere Lüb­becker Halle transferiert werden. Neben der mobilen LED-Bande müssen auch die weiteren Werbemittel in der Kreissporthalle aufgebaut werden. Ein Problem stellt auch die von der Handball-Bundesliga geforderte Technik dar: Im Sommer wird in der Kampa-Halle viel Elektronik (darunter auch eine Video-Wand) installiert – auch, weil künftig die Laufwege der Handballer über Sender in den Trikots erfasst werden. Das muss auch in Lübbecke gewährleistet werden. Vor allem aber muss der VIP-Raum umziehen. »Das ist nicht einfach«, sagt Kalusche, denn für die rund 400 VIP-Gäste der Mindener ist der Raum in Lübbecke zu klein. »Da müssen wir Lösungen finden«, sagt der Geschäftsführer, der mit dem Gedanken an ein VIP-Zelt spielt.

Er erkennt im bevorstehenden Umzug aber auch Chancen: »Wir haben so die Möglichkeit, mal ein paar neue Sachen auszuprobieren.« Das gilt auch für die Erweiterung des Einzugsgebietes: »Wir nähern uns dem Hiller und Lübbecker Raum ein wenig.«

Es gibt auch Vorteile

Spannend dürfte die Planung insbesondere dann werden, sollten beide heimische Aushängeschilder in der 1. Bundesliga spielen. Dann müsste die HBL ganze Arbeit bei der Spielplangestaltung leisten. Ein Team in Liga eins und eins in Liga zwei könnte beide Teams derweil sogar finanziell entlasten. Da der TuS nämlich in erster Linie den Samstag für seine Heimspiele ausgewählt hat (neben vereinzelten Partien am Freitag) und GWD aufgrund der Übertragungen den Sonntag präferieren dürfte, müsste der Hallenboden nicht zweimal verlegt und die Zusatztribünen nicht erneut aufgebaut werden. »Das wäre zweifellos ein Vorteil. Aber auch nur, wenn beide Teams am gleichen Wochenende ihre Heimspiele hätten«, betont Torsten Appel.

Da der Bundesligaboden vor jedem Heimspiel neu mit Werbeaufklebern versehen werde, wäre das im Zusammenspiel mit den Mindenern auch kein Problem. Unwahrscheinlicher wäre allerdings ein Verbleib von Boden und Tribünen, sollte GWD am Donnerstag spielen. »Die Halle wird nun mal auch für den Schulsport genutzt. Ich glaube nicht, dass dann alles bis Samstag so bleiben kann. Aber das müsste man dann mit dem Kreis besprechen.« Kein Problem stelle auch die erforderliche Technik für Sky dar. Appel: »Wir senden zwar derzeit für Sportdeutschland-TV, aber Kabel und alles andere für Sky ist nach wie vor vorhanden.«

Kommentare

Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6683209?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352979%2F4850251%2F