Mi., 12.06.2019

Beiratsvorsitzender des TuS N-Lübbecke im Interview Gauselmann: »Ich fand die Saison einfach peinlich«

Wenn es um die abgelaufene Spielzeit geht, wird der Blick beim Beiratsvorsitzenden Armin Gauselmann nachdenklich.

Wenn es um die abgelaufene Spielzeit geht, wird der Blick beim Beiratsvorsitzenden Armin Gauselmann nachdenklich. Foto: Alexander Grohmann

Von Volker Krusche und Marc Schmedtlevin

Lübbecke Die Handball-Saison ist beendet. Aus Sicht des Zweitligisten TuS N-Lübbecke konnte sie die Erwartungen keinesfalls erfüllen. Deswegen findet der Beiratsvorsitzende Armin Gauselmann deutliche Worte. Im Interview spricht er über die Einstellung der Spieler, die zukünftigen Chancen des Vereins und das eigene Engagement.

Herr Gauselmann, die Saison hat einen bleibenden – negativen – Eindruck hinterlassen. Sind Sie froh, dass sie vorbei ist?

Armin Gauselmann: Ja, absolut. Das ist jeder von uns und den Zuschauern, weil das, was teilweise geboten wurde, nicht zweitligareif war. Es war eine Saison zum Vergessen. Wir haben sehr viel Porzellan zerschlagen. Es wird eine ganze Zeit dauern, bis wieder Vertrauen aufgebaut sein wird. Das geht natürlich in erster Linie über sportliche Leistung.

 

Die Fans haben in den Foren von einer »Saison des Schreckens« geschrieben. Wie würden Sie es nennen?

Gauselmann: Ich glaube, jeder Begriff, den wir wählen und der negativ ist, passt. Ich fand die Saison einfach peinlich.

Nur das Maskottchen zeigt Einsatz

Was hat Sie denn am meisten an den Auftritten der Spieler gestört?

Gauselmann: Die mangelnde Bereitschaft oder vielleicht auch Fähigkeit, sich der Situation zu stellen, sich damit auseinanderzusetzen, und dagegen anzukämpfen. Ich habe häufig leere Gesichter und hilfloses Schulterzucken der Spieler gesehen. Und ich habe in keiner Weise – auch bei Einzelgesprächen – gespürt, dass sie es ändern wollen. Es wurden ja auch Maßnahmen eingeleitet: Effi Kompodietas ist dazu gekommen. Wir haben mit Heidmar Felixson jemanden geholt, der bis zum Ende eine unglaublich positive Einstellung zeigte. Doch zum Beispiel am letzten Heimspieltag waren Heidmar und unser Maskottchen LuziTuS die einzigen, die Emotionen gezeigt haben.

 

Was muss mit Blick auf die nächste Saison also besser werden?

Gauselmann: Jeder einzelne Spieler, der bei uns bleibt, ist jetzt gefordert zu hinterfragen, ob er sich wie ein Profi verhalten hat und ob er überhaupt Handballprofi bleiben will.

Trainer tun Gauselmann leid

Sie haben vor einigen Wochen auch gesagt, dass die Spieler den Begriff »Mannschaft« nicht verdienen. Hatte diese Aussage bis zum Saisonende Bestand?

Gauselmann: Ja, und das ist natürlich erschreckend. Am Anfang der Saison war es noch in Ordnung, es wurde aber immer schlechter. Und dann gab es auch Unstimmigkeiten in den Hierarchien und am Ende eine Lücke mit dem Trainer, die nicht mehr zu schließen war. Es tut mir aber jeder Trainer leid, der die Verantwortung übernommen hat. Jeder, der versucht hat, seine Philosophie umzusetzen. Es ist vergebene Liebesmühe gewesen. Es wäre wohl ein Dissertationsthema: Wie kann eine Handball-Mannschaft so auseinanderbrechen?

 

Kann man beim Saisonrückblick also festhalten, dass es gar kein Trainerproblem vor der Entlassung von Aaron Ziercke war?

Gauselmann: Da kann ich nur meine Sichtweise wiedergeben. Ich bin der Meinung, dass es keine Trainerproblematik gab. Wenn ich damals in Lübeck beim Auswärtsspiel mit gewesen wäre, wäre es anders gelaufen. Ich hätte Maßnahmen ergriffen, nach denen der eine oder andere Spieler nicht mehr für uns gespielt hätte. Mehr möchte ich gar nicht dazu sagen.

 

Hatten Sie sich von der Verpflichtung von Heidmar Felixson noch mehr als eine positive Ausstrahlung erhofft?

Gauselmann: Am Anfang hatten wir alle den Eindruck, dass die Mannschaft voll mitzieht. Das war zu Beginn der übliche Effekt nach einem Trainerwechsel. Das hat leider nicht lange angehalten. Es war nicht möglich, das Team auf ihn einzustellen. Die Saison war vielleicht schon zu weit fortgeschritten.

Gut genug für die besten Drei

Wenn man sich die Vita einiger Spieler anschaut, tauchen Prädikate wie »Vize-Weltmeister« oder »Nationalspieler« sowie zahlreiche Erstligaeinsätze auf. Dennoch monierten die Profis, mit der Zielsetzung »sofortige Rückkehr in die 1. Liga« zu sehr unter Druck gesetzt worden zu sein. Können Sie das nachvollziehen?

Gauselmann: Nein. Jeder unserer Spieler der abgelaufenen Saison ist gut genug, um unter den ersten Drei in der 2. Liga mitzuspielen. Wenn sie es denn wollen und umsetzen. Was ich uns allerdings vorwerfe: Wir haben es nicht geschafft, einen Spielgestalter wie früher Drago Vukovic zu verpflichten, der in solchen Situationen sagt: »Ruhig bleiben, wir machen das schon.«

 

War es vor allem der Rückraum, der nicht sein Potenzial abgerufen hat?

Gauselmann: Bei gewissen Spielern habe ich keine Weiterentwicklung gesehen. Und zum Beispiel Dener Jaanimaa hat bei weitem nicht das gebracht, was er für sein Geld hätte bringen müssen. Die sportlichen Qualitäten brachte er mit, doch ihm sind andere Sachen wichtiger – da muss man nur auf seine Instagram-Seite schauen. Er ist ein kleiner Glitzer-Boy. Und er hat sicherlich auch Unruhe in die Mannschaft gebracht.

 

Wird man künftig bei einer vergleichbaren Entwicklung disziplinarisch eher reagieren müssen?

Gauselmann: Ich würde sowas machen, ich bin aber nicht immer ganz nah dran. Die verbleibenden Spieler wurden jedenfalls eingeteilt: In diejenigen, die sich weitestgehend bemüht haben und diejenigen, bei denen wir Verbesserungspotenzial sehen. Es gab deutliche Einzelgespräche mit der Androhung, dass man notfalls auch noch zu Saisonbeginn getrennte Wege geht, wenn es nicht besser wird. Da hat es einige lange Gesichter gegeben. Zunächst einmal müssen sich Trainer und Mannschaft aber kennenlernen.

Umgang mit Feric »unmöglich«

Müssen nach so einer Saison auch die Verantwortlichen hinterfragt werden?

Gauselmann: Komischerweise wurde immer nur die Mannschaft als Mannschaft kritisiert. Da wurden nie einzelne Spieler herausgehoben. Wie oft aber habe ich Feric-raus-Rufe gehört. Das hat ihn tief getroffen. Was mit ihm gemacht wurde, fand ich unmöglich. Er ist nicht alleine durch die Weltgeschichte gefahren und hat Spieler verpflichtet. Das lief immer in Abstimmung mit den Trainern.

 

Hinterfragen Sie als Hauptsponsor und Beiratsvorsitzender auch das eigene Engagement?

Gauselmann: Auch wir als Geldgeber wurden im Internet häufig beleidigt. Wenn ich mich beleidigen lassen muss, frage ich mich schon, ob es auf Dauer überhaupt noch sinnvoll ist, dass wir Geld geben. Man darf nicht vergessen: Wir machen das nicht für uns, sondern für die Region – und machen das auch gerne. So schnell werden wir uns auch sicherlich nicht zurückziehen, dennoch kommt man manchmal ins Grübeln.

Absprachen mit Kurtagic

Dener Jaanimaa und andere Spieler haben den Verein nun verlassen, vier neue kommen hinzu. Sind die Transferaktivitäten damit abgeschlossen?

Gauselmann: Da halte ich mich raus, aber wir haben nicht vor, noch jemanden zu verpflichten. Sämtliche Verpflichtungen sind mit dem neuen Trainer Emir Kurtagic abgesprochen, alle Verbleibe auch. Wir wären auch bereit gewesen, laufende Verträge aufzulösen. Emir ist sich aber sicher, die Spieler entwickeln zu können. Das wird er zeigen müssen und wird auch daran gemessen.

 

Muss man sich vielleicht längerfristig an Zweitliga-Handball in Lübbecke gewöhnen?

Gauselmann: Trainer Emir Kurtagic traut sich zu, mit den vorhandenen Spielern etwas zu entwickeln. Es wird aber nicht gleich in der ersten Saison so sein, dass wir oben um den Aufstieg spielen, sondern er muss erstmal seine Philosophie umsetzen. Das wird sicherlich eine oder eineinhalb Saisons dauern. Außerdem wird sich das Budget in Zukunft sicherlich nicht nach oben bewegen. Damit können wir mal eine Zeit in der 1. Liga mitspielen – wenn alles super läuft. Aber wir müssen auch immer damit rechnen, dass es auch wieder nach unten geht. Die Infrastruktur für ein ganz großes Ding ist hier einfach nicht vorhanden.

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