Mi., 17.07.2019

Rolf Hermann skizziert seinen Arbeitsbereich, seine Vorstellungen, aber auch seine Forderungen ans Team »Ich nehme kein Blatt vor den Mund!«

Sie sollen fortan ein starkes Team im sportlichen Bereich bilden: Ex-Nationalspieler Rolf Hermann (links) und Coach Emir Kurtagic.

Sie sollen fortan ein starkes Team im sportlichen Bereich bilden: Ex-Nationalspieler Rolf Hermann (links) und Coach Emir Kurtagic.

Von Volker Krusche

Lübbecke (WB). Seit Freitag ist es offiziell: Ex-Nationalspieler Rolf Hermann verstärkt die sportliche Führung von Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke. Zunächst beratend, später wahrscheinlich als Sportlicher Leiter. Im Interview spricht Hermann über seine Vorstellungen, Forderungen und Ziele.

Wann ist die intensive Zusammenarbeit mit dem TuS N-Lübbecke entstanden?

Rolf Hermann: Kontakt hatte ich eigentlich immer, insbesondere zu Zlatko Feric. Während meiner Lemgoer Zeit war es stets ein respektvoller, freundschaftlicher Umgang, den ich mit dem TuS gepflegt habe. Im Mai sind dann erste Gespräche über eine Zusammenarbeit geführt worden. Da hat man sich in Lübbecke gefragt: Wo wollen wir eigentlich hin? Die gleiche Frage habe ich mir nach meinem verletzungsbedingten Karriereende gestellt und für mich auch beantwortet. Ich wollte dem Handball abseits des Spielfeldes erhalten bleiben.

 

Wie sehen Ihre beruflichen Ziele aus?

Hermann: Aufgrund meiner Umschulung mit Studium, an deren Ende der Sportfachwirt stehen soll, wird von der Berufsgenossenschaft gefordert, dass man Projekt bezogen auch Praxiserfahrungen sammelt. Da ist die jetzige Lösung für beide Seiten optimal. Wenn sich der TuS dann auch noch in die richtige Richtung entwickelt, wäre das natürlich optimal. Ich hatte sicherlich auch die Option, weiter was mit Musik zu machen. Von daher kam mir der Abstand, den ich nach meinem sportlichen Aus habe nehmen müssen, im Endeffekt gerade recht. Denn in diese Zeit fiel auch die Familienplanung, war unser Nachwuchs unterwegs. Da konnte ich durchschnaufen. Und jetzt bin ich wieder absolut motiviert.

»Musik auch als Beruf möglich«

Apropos Musik. Die war ja immer mehr als nur ein Hobby für Sie?

Hermann: Das stimmt. Ich habe mir die Musik auch immer als Beruf vorstellen können. Ich habe gerade erst vor 12000 Zuschauern im Rahmen der NDR1-Sommertour als Keyboarder in der Dire Straits Tribut -Band als Vorgruppe von Manfred Manns Earthband gespielt. Das war schon ein tolles Erlebnis. Entschieden habe ich mich nun aber erst mal für eine andere berufliche Richtung. Die Musik wird aber zumindest immer mein Hobby bleiben.

 

Wann steigen Sie komplett ein, dann als Sportlicher Leiter?

Hermann: Zunächst einmal bin ich parallel zu meiner Umschulung begleitend und beratend für den TuS tätig. Was nach dem Studium kommt, wird man sehen. Natürlich schwebt mir vor, mein Studium und den Handball zu verbinden. Aber soweit denke ich noch nicht. Jetzt will ich erst einmal alles geben, damit wir die Wende einleiten werden.

 

Wie definieren Sie Ihre Aufgabe?

Hermann: Noch mal, zunächst Emir Kurtagic und Torsten Appel beratend zur Seite zu stehen, allerdings unter Einbeziehung meiner Vorstellungen über den sportlichen Bereich hier in Lübbecke.

»Habe Höhen und Tiefen erlebt«

Was nehmen Sie aus Ihrer aktiven Zeit als langjähriger Bundesligaspieler für die Arbeit neben dem Parkett mit?

Hermann: Mit der Zeit in der 2. Liga waren es 15 Jahre, die ich als Bundesligaspieler aktiv war. Da hat man alle Extreme mitgemacht. Ich bin aufgestiegen, habe den Europapokal gewonnen, habe aber auch schwere Zeiten, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich erlebt. Hinzu kamen und gingen viele Spieler. Und alle hatten unterschiedlichen Charaktere. Ich habe viele Krisensitzungen mitgemacht, weiß also genau, was in solchen Situationen in den Spielern vorgeht, wie man sie erreicht. Mir fehlen heute ein wenig die Werte der vergangenen Generation. Wir haben jetzt eine andere Zeit, die Social Media-Zeit. Da laufen viele Dinge anders.

 

Wie haben Sie die zurückliegenden Saison des TuS gesehen?

Hermann: Ganz ehrlich: Ich habe richtig Bock darauf, darüber zu reden. Und das meine ich ehrlich. Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein Blatt vor den Mund nehme. In vielen Gesprächen habe ich festgestellt, dass die Mannschaft eine große Menge an Kredit verspielt hat. Und das Gros des Teams ist weiterhin hier. Wenn das für die Jungs kein Ansporn ist, das Gewesene zu korrigieren und vergessen zu machen, dann weiß ich es nicht. Da stehen alle ganz klar in der Pflicht! Aus den Fehlern lernen, maximalen Einsatz geben, als Einheit auftreten, ehrliche und harte Arbeit abliefern und Stück für Stück das Vertrauen zurückgewinnen – das erwarte ich von den Spielern. Ich wünsche mir nur, dass uns die Fans dazu die Chance geben.

 

Was muss sich aus Ihrer Sicht verändern, was sich definitiv verbessern?

Hermann: Egoistisches Denken und Handeln gehört nicht auf die Platte. Wir müssen als geschlossene Mannschaft auftreten, dürfen, wenn mal ein Fehler passiert, nicht gleich alle den Kopf hängen lassen. Da sind wir alle gefordert: Wir Verantwortliche, die Geschäftsstelle, der Trainer und die Spieler. Alle müssen eine Einheit bilden. Ich erwarte, dass der Wille und die Bereitschaft dazu deutlicher zu erkennen sind. Über andere Sachen muss ich gar nicht sprechen. Denn genau das ist unser größtes Ziel!

»Bin immer gerade heraus«

Welchen Typ Rolf Hermann dürfen die Fans denn überhaupt als Funktionär erwarten?

Hermann: Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich immer gerade heraus und direkt bin. Und ich sehe keinen Grund, das zu ändern. Nur so bin ich authentisch. Ich werde nun zwar etwas professioneller reden, aber nicht minder deutlich. Mit Blick auf die sozialen Netzwerke wünsche ich mir nur eine vernünftige Art und Weise, einen respektvollen Umgang miteinander.

 

Werden Sie künftig auch auf die Zusammenstellung des Kaders Einfluss haben?

Hermann: Im Rahmen meiner beratenden Tätigkeit sicherlich, denn aus meiner aktiven Zeit kenne ich viele seriöse Spielerberater, mit denen ich perspektivisch in einem ständigen offenen Dialog stehe. Es gehört aber auch dazu, das Ansehen des TuS für Spieler attraktiver zu machen, insbesondere für junge Talente. Dazu muss das gesamte Drumherum hier in Lübbecke auf den Prüfstand.

 

Obliegt Ihnen auch das Scouting, zum Beispiel bei Spielen der Jugend- oder Juniorennationalmannschaft, der 2. und 3. Liga oder internationalen Events?

Hermann: Ein ganz wichtiges Thema für mich. Natürlich werde ich verstärkt meine Augen aufhalten, mich bei Großveranstaltungen ebenso umschauen, wie bei diversen Spielen unterschiedlicher Ligen oder im Nachwuchsbereich. Da werde ich bestimmt das eine oder andere Mal auf der Tribüne sitzen und mir Spieler ansehen. Zudem werde ich meine Kontakte zu ehemaligen Mitspielern im Ausland aktivieren.

 

Gilt Ihr Augenmerk auch einer weiteren qualitativen Verbesserung des Nachwuchses der JSG NSM-Nettelstedt?

Hermann: Ganz ehrlich, in diesem ersten Step noch nicht. Da sind andere Aufgaben vorrangig. Aber das ist dennoch ganz gewiss ein Thema für die Zukunft. Ich lege schließlich sehr viel Wert auf einen guten Unterbau. Aber zunächst gilt es mit dem Bundesligateam verloren gegangenen Kredit zurückzugewinnen. Das ist unsere wichtigste Aufgabe.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6785621?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352979%2F4850251%2F