Sa., 10.08.2019

Zweitligisten düpieren das Erstliga-Duo beim 30. Spielo-Cup – GWD Minden blamiert sich gegen Coburg Favoritenstürze

Da gab’s kein Halten mehr: Nach dem überraschenden Halbfinalerfolg gegen Leipzig war der Lübbecker Jubel grenzenlos.

Da gab’s kein Halten mehr: Nach dem überraschenden Halbfinalerfolg gegen Leipzig war der Lübbecker Jubel grenzenlos. Foto: Volker Krusche

Lübbecke (WB). Favoritensterben beim 30. Spielo-Cup: Nicht die hochgelobten Erstligisten aus Minden oder Leipzig erreichten das Endspiel in der Kampa-Halle (17 Uhr), nein, beide Underdogs aus der 2. Liga behaupteten sich – und das absolut verdient! Während sich der SC DHfK Leipzig bei seiner 19:21 (10:11)-Halbfinalniederlage vor 800 begeisterten Fans in der Merkur-Arena gegen den TuS N-Lübbecke zumindest in kämpferischer Hinsicht nichts vorzuwerfen hatte, war das, was GWD Minden bei der 20:23 (8:10)-Pleite gegen den HSC Coburg ablieferte nicht nur brotlose Kunst, sondern emotionslos und blutleer.

Obwohl schon beim Linden-Cup gegen diesen Gegner mit 26:28 unterlegen, war von Revanchegelüsten bei den Grün-Weißen nicht viel zu spüren. Ganz im Gegenteil: 31 Ballverluste sorgten dafür, dass die Truppe von Jan Gorr beim 23:17 sogar mit sechs Treffern Differenz in Front lag.

Nicht einmal zurückgelegen

Der TuS N-Lübbecke begeisterte hingegen die 800 Besucher des ersten Turniertags von der ersten Minute an. Nicht ein einziges Mal lagen die Mannen von Emir Kurtagic gegen die mit deutlich gestiegenen Ambitionen in die in zwei Wochen beginnende Saison startenden Leipziger hinten. Die Schmach der zurückliegenden Spielzeit im Hinterkopf, wollten sich die Hausherren bei ihrem ersten Auftritt vor eigenen Fans in einem anderen Kleid präsentieren. Und das, was sie vorstellten, fand auf den Rängen durchaus Zustimmung, ja sogar Begeisterung. Kampfbetont, einsatzfreudig und – was vielleicht am wichtigsten war – äußerst diszipliniert auftretend gingen die Lübbecker zu Werke.

Dabei stachen zwei Akteure besonders heraus: Spielmacher Roman Becvar und Torhüter Peter Tatai. Der Mittelmann führte gekonnt Regie, setzte Leipzigs offensive 6:0-Deckung durch Explosivität und Aggressivität immer wieder unter Druck und zugleich seine Nebenleute auf den Halbpositionen gut ins Szene. Auch in schwierigen Situationen behielt er kühlen Kopf und fand zumeist die richtigen Antworten. Der TuS-Keeper hingegen stach nicht nur seinen ehemaligen Teamkollegen und Neu-Leipziger Joel Birlehm deutlich aus, er war vielmehr stets in den richtigen Momenten auf der Höhe, hielt gegen freistehend vor ihm auftauchende Gegner und wehrte beim 19:18, zweieinhalb Minuten vor dem Ende, sogar einen Siebenmeter des bis dahin fehlerfrei vom Punkt agierenden Viggo Kristjansson ab. Letztlich war es aber eine starke Mannschaftsleistung, die für die Überraschung verantwortlich zeichnete.

Erst Siegtor, dann rote Karte

Das 1:1 der Leipziger beantwortete der Zweitligist mit einem 3:1 und 6:2 (11.) Allerdings stellte sich der Favorit mit den kompromisslosen Philipp Müller und Bastian Roschek im Abwehrinnenblock nun besser auf Marian Orlowski, der anfänglich regelrecht zauberte ein, und schaffte zehn Minuten später beim 7:7 den Gleichstand. Zur Wende sollte es nicht reichen. Bis zur Pause konnte der SC lediglich einen ständigen Zwei-Tore-Rückstand verkürzen. Nach dem Wechsel schien es so, als sollte der Erstligist nach seinem 13:13-Ausgleich nun das Kommando übernehmen. Aber nicht gegen den TuS. Der legte wieder stets auf zwei Tore vor, nur diesmal kam Leipzig nicht mehr zu Gleichstand. Nach Tatais gehalten Siebenmeter sorgte Patryk Walczak 30 Sekunden vor Schluss für den Siegtreffer. Oder nicht? Ein Wurf des Ball zum Mittelkreis traf den Polen am Rücken, der daraufhin wegen Vereitelung einer Torchance »Rot« sah und der Gegner umgehend einen Siebenmeter zugesprochen bekam. Den verwandelte Patrick Larsen zum 19:20. Die verbliebenen 28 Sekunden ließ sich Lübbecke den Ball aber nicht mehr abjagen und zog verdient ins Finale der 30. Auflage des Spielo-Cups ein.

Trainer Emir Kurtagic lobte insbesondere die aufopferungsvolle Abwehrarbeit seiner Mannschaft. »Wir haben eine extrem bewegliche Defensive gespielt. Darauf lag ja auch der Fokus unserer Vorbereitung. Dadurch kann man sich im Angriff auch mal den einen oder anderen Fehler erlauben. Aber auch vorne haben wir größtenteils gut und diszipliniert gespielt. Aber die 19 Gegentore interessieren mich viel mehr. Es hat mir auch gefallen, dass wir es immer besser lernen, mit Roman zu spielen.«

TuS N-Lübbecke : Tatai (11/1 Paraden), Gerloff (n.e.); Becvar (3), Genz (1), Walczak (3), Gierak, Bagaric, Strosack (4/3), Mundus, Spohn (3), Schade (1), Orlowski (3), Speckmann (3), Lengauer (n.e.).

 

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