Do., 22.08.2019

Emir Kurtagic blickt in einem Interview auf die Vorbereitung zurück »Angriff ist der Anfang der Abwehr«

Die Ansagen von Lübbeckes Trainer Emir Kurtagic an seine Spieler sind deutlich und prägnant.

Die Ansagen von Lübbeckes Trainer Emir Kurtagic an seine Spieler sind deutlich und prägnant. Foto: Volker Krusche

Von Volker Krusche

Lübbecke (WB). Spieler und Verantwortliche stehen in den Startlöchern. Am Samstag starten die Zweitliga-Handballer des TuS N-Lübbecke in die Saison 2019/2020. Trainer Emir Kurtagic hat die Mannschaft gut vorbereitet. In einem Interview blickt er auf seine ersten fünf Wochen am Wiehen zurück, zieht eine Zwischenbilanz und sagt, wo er noch Verbesserungspotenzial sieht.

Die Vorbereitung neigt sich dem Ende, der Serienstart steht bevor. Kommt bei Ihnen so etwas wie Unruhe auf?

Emir Kurtagic: Nein, Unruhe will ich das nicht nennen. Es ist vielmehr Vorfreude, die geweckt und durch ein Heimspiel noch mal gesteigert wird. Zudem habe ich das Gefühl, dass sich das Umfeld, speziell die Leute hier in Lübbecke, nach guten Spielen sehnen. Und die wollen wir ihnen natürlich bieten. Wir sehen es als unsere vorrangige Aufgabe an, wieder für positive Schlagzeilen zu sorgen.

 

Man merkt, Sie sind bereit. Gilt das nach der verkorksten Saison auch für Ihre Spieler?

Kurtagic: Natürlich. Schließlich haben wir eine Mannschaft, die nicht erst seit gestern Handball spielt. Die Jungs sind ja auch nicht unerfahren und wissen alle genau, warum sie beim TuS sind. Sie wollen den Erfolg. Und sie wollen Spaß haben.

Aber wie bekommt man es als Trainer hin, den Schalter bei den Spielern umzulegen?

Kurtagic: Im Sport geht es in erster Linie nicht um die Qualität, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Es geht vielmehr darum, dass jeder seine Einstellung findet und dabei ehrlich zu sich selbst ist. Die war für mich in den zurückliegenden gut fünf Wochen extrem wichtig. Natürlich blieben zwischendurch auch härtere Töne nicht aus. Allerdings nur, wenn es einen konkreten Grund gab. Ich glaube schon, dass ich den Spielern mit dem aufgezeigten Weg geholfen habe, um als Mannschaft Erfolg haben zu können.

»Nur Teilerfolge«

Jetzt wurden in der Vorbereitung einige Achtungserfolge erzielt. Also haben Ihre Schützlinge die Vorgaben angenommen?

Kurtagic: Ich habe mich für einen Weg entschieden. Dennoch sind das bislang Erreichte nur Teilerfolge, die wir haben feiern dürfen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Ich wäre zweifellos nicht der Richtige hier in Lübbecke, wenn ich mich damit zufrieden geben würde, dass wir mit zwei Toren gegen die Füchse verlieren. Wir hatten die Chance, das Pokalspiel zu gewinnen, hatten es in unseren Händen, haben sie aber nicht genutzt. Da müssen wir selbstkritisch sein und beim nächsten Mal versuchen, es besser zu machen.

 

Aber die Vorbereitung dürfte Sie doch zufriedengestellt haben?

Kurtagic: Klar bin ich nicht unzufrieden. Wir haben einiges geschafft. Vor allen Dingen haben wir klare Strukturen und Hierarchien in allen Bereichen aufgebaut – auf und neben dem Parkett. Wir haben die Grundlagen für unser Spiel geschaffen. Die gilt es jetzt aber noch endgültig zu etablieren.

 

Zu Beginn Ihrer Tätigkeit haben Sie davon gesprochen, dass die Defensive für Sie im Mittelpunkt stehen wird und gegenüber der Vorsaison verbesserungswürdig ist. Sind Sie mit der bisherigen Entwicklung zufrieden?

Kurtagic: Wir sind auf einem guten Weg. Als Trainer freut man sich darüber, wenn man das Gefühl hat, dass Abwehr den Jungs Spaß macht. Das war jedenfalls bislang der Fall. Ich wusste vorher schon, dass wir genug individuelle Qualität besitzen, um eine körperlich robuste Deckung zu stellen, die entsprechenden Druck auf den Gegner ausüben kann. Das hat die Mannschaft in der Vorbereitung unter Beweis gestellt. Schließlich wird es für uns eine extreme Notwendigkeit sein, dass wir in jedem Spiel viel in unsere Abwehrarbeit investieren. Wir wollen schließlich nicht davon abhängig sein, im Angriff unbedingt immer erfolgreich sein zu müssen. Wir können uns aktuell auf die Abwehr und unsere Torhüter verlassen, müssen uns aber dennoch weiterentwickeln. Nur dadurch können wir in die Angriffe mehr investieren.

»Am Anfang der Entwicklung«

Also läuft zumindest in der Defensive alles nach Plan?

Kurtagic: Bis zum bisherigen Zeitpunkt ja. Wir sind nach fünf Wochen aber erst am Anfang unserer Entwicklung. Man wird sehen, wie wir mit unterschiedlichen Situationen umgehen. Das ist ein Prozess, dem wir uns noch zu stellen haben.

 

Und Marko Bagaric findet hinten zu alter Form zurück, präsentiert sich als Abwehrchef?

Kurtagic: Marko ist zweifellos ein wichtiger Spieler im Abwehrzentrum. Aber eben nur einer, der allein die Last in der Deckung nicht wird tragen können. Wir sind in der Defensive personell gut aufgestellt und jeder einzelne Spieler muss zur Stabilität beitragen. Ich bin aber nicht nur mit dem Innenblock zufrieden, sondern auch mit beiden Halben. Sie üben viel Druck auf die Gegner aus. Und auch unsere Außen passen gut in unser Gesamtkonstrukt. Dennoch haben wir in allen Bereichen noch Entwicklungspotenzial.

 

Sie fordern einfache Tore nach Ballgewinnen über die erste und zweite Welle.

Kurtagic: Das ist korrekt, denn die müssen wir dann nicht aus dem aufgebauten Angriff heraus erzielen. Aber unser Gegenstoßverhalten mit schnellen Kontern oder der zweiten Welle ist aktuell noch nicht das Gelbe vom Ei. Daran werden wir noch zu arbeiten haben. Allerdings hängt ein erfolgreiches Tempospiel auch immer vor der Disziplin des Gegners ab.

»Tatai extrem motiviert«

Nun fielen Mats Grzesinski mit einem Fingerbruch und Johannes Jepsen durch seine Teilnahme an der U19-Weltmeisterschaft einen großen Teil der Vorbereitung aus. Macht sich das negativ bemerkbar?

Kurtagic: Nein, das empfinde ich nicht so. Johannes kommt als Vize-Weltmeister mit einer Silbermedaille und einem guten Gefühl zurück. Sein Erfolg schlägt sich auch auf die Mannschaft nieder. Durch ihr Fehlen hatte Peter Tatai den Vorteil, in der Vorbereitung allein auf weiter Flur zu sein. Und er hat das sehr gut gemacht. Man hat ihm aber auch angemerkt, dass er extrem motiviert war. Ich werde ihn in seiner Emotionalität daher auch nicht bremsen. Er braucht sie. Seine starken Leistungen kommen für mich aber nicht überraschend. Peter hat nicht umsonst in der ungarischen Nationalmannschaft gespielt und im Europapokal Erfahrungen sammeln können. Wir brauchen ihn, aber auch Johannes in guter Verfassung.

 

Sie monierten in den ersten Tests, dass die Spieler noch zu sehr auf ihre individuellen Fähigkeiten setzen, anstatt das Mannschaftsspiel zu forcieren. Hat sich hier Besserung eingestellt?

Kurtagic: Da befinden wir uns in einem laufenden Prozess. Ich glaube aber, wir sind auf einem guten Weg. Die Spieler haben verinnerlicht, dass der Angriff für mich der Anfang der Abwehr ist. Die Entwicklung ist gut, wir agieren vorne viel disziplinierter, haben die Zahl der übermütigen Würfe deutlich reduziert. Die Laufwege sind klarer, die Genauigkeit ist größer und die Erarbeitung klarerer Chancen besser geworden. Der Fokus der Vorbereitung lag aber nicht auf dem Angriff, sondern auf der Abwehr. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir aber intensiver auch an unserem Spiel vorne arbeiten.

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