So., 08.09.2019

Emir Kurtagic ist nach der bitteren 19:27-Pleite seines TuS N-Lübbecke in Coburg enttäuscht »Müssen unserem Spiel treu bleiben«

Die knallharten Würfe von Valentin Spohn waren die einzige Gefahr, die der Coburger Abwehr als dem Lübbecker Rückraum drohte.

Die knallharten Würfe von Valentin Spohn waren die einzige Gefahr, die der Coburger Abwehr als dem Lübbecker Rückraum drohte. Foto: Oliver Krato

Von Volker Krusche

Lübbecke/Coburg (WB). Die Voraussetzungen hätten besser nicht sein können. Der Schwung des Auswärtssieges in Emsdetten, ein gesteigertes Selbstvertrauen, eine auf den Punkt ausgerichtete Vorbereitung mit einem entsprechenden Matchplan und eine frühzeitige Anreise bereits am Freitag – alles passte, um einen optimalen Saisonstart hinzulegen. Die Umsetzung gelang aber nicht. Vielmehr kam Handball-Zweitligist beim ambitionierten HSC Coburg überraschend deutlich mit 19:27 (9:11) unter die Räder.

Sofort wurden Erinnerungen an das Vorjahr wach, als die Handballer vom Wiehen in des Gegners Halle zu oft chancenlos waren. Der Eindruck wurde zudem noch verstärkt durch die kritische Bilanz von Trainer Emir Kurtagic: »Wenn jeder Spieler es auch nur an wenigen Prozenten mangeln lässt, hasst du in dieser Klasse keine Chance!« Es war vor allen Dingen das Rückraumspiel, das den Coburgern in die Karten spielte. Einzig Valentin Spohn, der für den weiter seine Form suchenden Marian Orlowski eingewechselt wurde, stellte seine Wurfgewalt ein ums andere Mal unter Beweis und verhinderte mit seinen neun Treffern (bei 16 Versuchen) ein völliges Debakel. Der Rest brachte allerdings nicht die Leistung, die erforderlich ist, um in einem vermeintlichen Spitzenspiel in der Fremde bestehen zu können.

Unsicher gewirkt

»Wir haben von Anfang an vorne unsicher gewirkt. Das konnte unsere Abwehr in den ersten zehn Minuten noch kaschieren, weil sie Coburg einige Würfe abgekauft hat. Wir schmeißen vorn aber zu viele unnötige Bälle weg, haben selbst überhaupt nichts für die Sicherheit in unserem eigenen Spiel getan«, ärgerte sich Coach Kurtagic. »Die Wurfquote aus der zweiten Reihe war einfach katastrophal. Wo willst du mit 20 Fehlwürfen und sechs technischen Fehlern beim Gegner 26 Bälle finden?«

Nachdem die Lübbecker in den letzten Wochen immer mehr verinnerlicht zu haben schienen, dass im Angriff nur das Spiel miteinander und füreinander den Erfolg garantiert, war davon beim Aufstiegsaspiranten herzlich wenig zu spüren. Der Rückraum zog immer wieder zur Mitte, rannte sich in der starken 6:0-Abwehr des Gegners fest, während die Außen regelrecht verhungerten. Lübbecke zeigte über 60 Minuten Angriffshandball, wie er nicht sein soll.

Coburger Lehrstück

Dabei wollte man eine mögliche Verunsicherung der Coburger nach deren sensationeller Pleite in Aue nutzen. Doch die Mannen von Jan Gorr gingen mit dem Druck sehr gut um, wandelten ihn in ihre bekannte Disziplin, Einstellung und Konzentration, mit der sie die Lübbecker aggressiv bekämpften. Zudem gewann HSC-Keeper Jan Kulhanek das Torhüter-Duell mit Peter Tatai (14:6) deutlich. Mit seinen Paraden nach teilweise unvorbereiteten TuS-Würfen, sorgte er für viel Unruhe in den Lübbecker Reihen. Und das nicht erst nach der Pause, als das Ergebnis deutlich wurde. Schon vorher lieferte Coburg ein Lehrstück ab, mit welcher Konstanz man auftreten muss, will man in der 2. Bundesliga eine gute Rolle spielen.

»Wir sind unter Druck immer hektischer geworden. Das müssen wir unbedingt abstellen«, so Emir Kurtagic, der mit ansehen musste, wie sein Team über 3:6, 6:9 und 7:11 mehr und mehr den Anschluss verlor.

Emotionen fehlen

Nach dem Wechsel schaffte der TuS zwar schnell das 10:11, bevorzugte dann aber immer wieder individuelle Aktionen, statt temporeichem Mannschaftsspiel. Coburg spulte sein Pensum wie ein Schweizer Uhrwerk zuverlässig herunter und hatte die Gefahr über 13:10 spätestens beim 17:11 (41.) gebannt. Fortan gerieten die Hausherren zu keinem Zeitpunkt mehr in Gefahr, dafür war ihre Leistung im Gegensatz zum Gast einfach zu konstant.

»Um Erfolg zu haben, musst du deinem Spiel treu bleiben. Das ist uns während des gesamten Spiels nicht gelungen. Mir haben auf unserer Seite zudem auch die Emotionen gefehlt«, merkte man dem Trainer Kurtagic die Enttäuschung deutlich an. »Wir fahren mit einer Packung nach Hause und müssen daraus jetzt unsere Lehren ziehen. Das bedeutet auch, dass jeder Einzelne einfach mehr investieren muss. Das fängt schon damit an, dass man wissen muss, wie man auswärts bei so einem Gegner aufzutreten hat. Das muss man dann auch auf die Platte bringen.«

Der TuS N-Lübecke ist erst einmal auf dem Boden der Tatsachen gelandet und hat erkannt, das Bäume nun mal nicht in den Himmel wachsen.

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