So., 22.09.2019

TuS N-Lübbecke bekommt für Spiel ohne Leidenschaft beim 24:31 in Dormagen die Quittung Und es geht schon wieder los

Da konnte selbst Trainer Emir Kurtagic nicht mehr hinsehen. Die Vorstellung seiner Mannschaft in Dormagen war indiskutabel.

Da konnte selbst Trainer Emir Kurtagic nicht mehr hinsehen. Die Vorstellung seiner Mannschaft in Dormagen war indiskutabel. Foto: Krato

Von Volker Krusche

Lübbecke/Dormagen (WB). Kopflos, planlos, hilflos – vor allen Dingen aber leidenschafts- und herzlos. Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke ist beim TSV Bayer Dormagen wieder in jene Muster verfallen, die bei Verantwortlichen, Fans und Sponsoren als überwunden angesehen wurde. Daran änderte auch der jüngste Appell von Rolf Hermann nichts, als er um Ruhe und Zeit für die Entwicklung des Teams bat. Am Rhein ging das allerdings mit 24:31 (12:16) unter. Und das nicht einmal mit fliegenden Fahnen, denn dazu fehlte es diesmal einfach am Charakter!

Keine Frage: Die Hausherren, denen man einen schweren Stand in der 2. Handball-Bundesliga prognostiziert hatte, sicherten sich ihre drittes Punktepaar in eigener Halle absolut verdient. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase waren sie es, die mit der besseren Einstellung aufwarteten, die bessere Abwehr stellten und vorn die besseren Lösungen parat hatten. Bis auf eine kurze Phase nach dem 16:24, als Lübbecke über 19:24 auf 21:25 verkürzen konnte, war nichts Positives von den favorisierten Gästen zu sehen.

Nicht am Gegner gescheitert

Zwölf Minuten vor Schluss auf besagte vier Tore herangekommen, scheiterten Jens Bechtloff, Peter Strosack und Valentin Spohn hintereinander binnen 70 Sekunden dreimal frei an TSV-Keeper Bartmann und vergaben damit die Chance, zumindest auf drei Tore zu verkürzen. In den folgenden vier Minuten registrierte man zudem noch drei ausgelassene Siebenmeter von Marian Orlowski, Peter Strosack und »Valle« Spohn. In ihrer Gesamtheit genau das passende Spiegelbild für einen an Konzentration, Spieldisziplin, Klarheit und Einstellung mangelhaften Auftritt.

»Wir sind hier nicht am Gegner gescheitert, sondern an uns selbst. Nach dieser Vorstellung muss man auch nicht über taktische Dinge sprechen, sondern einzig um den Charakter eines jeden Spielers. Da war nichts von Leidenschaft und Herz zu spüren. Und das stört mich persönlich ungemein. Ich habe kein Problem damit, wenn man ein Spiel verliert. Das ist in dieser Liga ganz normal. Wir können uns aber nicht so dermaßen unserem Schicksal ergeben. Ein Trainer kann seine Spieler vorbereiten, kann ihnen Dinge lehren und sie besser machen. Aber er kann ihnen nicht die richtige Einstellung beibringen. Die muss jeder Leistungssportler selbst mitbringen.«

Solange, bis es passt!

Wie Kurtagic sieht auch Rolf Hermann die Möglichkeiten, zu reagieren, sehr begrenzt. »Wir können nur mit den Spielern arbeiten, ihnen helfen. Aber der Charakter ist keine Frage des Trainings. Der ist entweder da oder er nicht. Und ich stehe fest zu meiner Aussage, dass derjenige, der unserer Auffassung nicht folgt, dauerhaft damit klar kommen muss, dass wir solange Veränderungen schaffen, bis es bei uns passt!« Heißt: In Lübbecke wird man sich schon früh mit der Personalplanung für die folgende Serie beschäftigen. Solange, bis es passt!

Beim TuS brennt mal wieder der Baum. Und die Einzigen, die ihn löschen können, sind die Spieler. Die Fehler die im Bayer-Sportcenter gemacht wurden, waren in erster Linie auf fehlenden Willen zurückzuführen. So hatte es Dormagen, das alles andere als unbezwingbar war, leichtes Spiel, sich immer wieder gegen eine diesmal extrem schwache Lübbecker Defensive vielversprechend in Szene zu bringen – allen voran der 25-jährige TSV-Neuzugang Ante Grbavac, dem zehn Treffer gelangen – und mit der eigenen stabilen 6:0-Abwehr das mangelnde TuS-Angriffsverhalten sicher im Griff zu haben.

Hermann geht zu den Fans

Vom 6:6 setzte sich der Underdog auf 9:6 und 11:7 ab und erhöhte direkt nach der Pause auf 18:12, was Emir Kurtagic bereits nach drei Minuten dazu veranlasste, in einer Auszeit seinen Unmut kundzutun. Am indiskutablen Auftritt der Gäste änderte das aber nichts, so dass der TuS-Trainer seine Mannen schon in der 42. Minute bei seiner dritten Auszeit erneut um sich scharte. Das Problem: Kurtagic’ Worte schienen ins Leere zu gehen. Zwar verkürzte seine Mannschaft, wirkte in ihren Abschlüssen dann aber zu gedankenlos, um Dormagen sogar noch einmal auf die Pelle zu rücken. Es wäre aber auch unverdient gewesen.

Rolf Hermann wusste, wo er nach dem grausamen 60 Minuten hinzugehen hatte. Bevor sich der Bus auf den Heimweg machte, sprang der für den sportlichen Bereich Mitverantwortliche in den Fan-Bus und entschuldigte sich in aller Form bei den eigenen Anhängern für den leidenschaftslosen Auftritt der Mannschaft. Das habe nichts mit seinen Aussagen in der Woche zu tun, dazu stehe er nach wie vor, betonte Hermann. »Das hier in Dormagen ist eine reine Charakterfrage. Und die können sich nur die Spieler stellen. Die Vorstellung blutleer und ohne Herz.« Ganz anders die Hausherren, die das Beste aus ihren begrenzteren Möglichkeiten herausholten. »Die Spieler haben in Lübbecke das Privileg sich im Gegensatz zu vielen Kollegen anderer Vereine nur um den Handball kümmern zu müssen. Es geht also auch im ihren Job!«

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