So., 29.09.2019

2. Handball-Bundesliga: Erneute Pleite des TuS N-Lübbecke Jetzt drohen Maßnahmen

Sie sind enttäuscht, haben wieder eine schwache Leistung abgeliefert: (von links) Marian Orlowski, Jo-Gerrit Genz und Valentin Spohn.

Sie sind enttäuscht, haben wieder eine schwache Leistung abgeliefert: (von links) Marian Orlowski, Jo-Gerrit Genz und Valentin Spohn. Foto: Oliver Krato

Von Volker Krusche

Lübbecke (WB). Was haben Regierungs-Flieger und der TuS N-Lübbecke gemeinsam? Beide heben kaum noch vernünftig vom Boden ab. So ist es inzwischen schwer, Woche für Woche Worte zu finden, für das, was die Akteure des heimischen Handball-Zweitligisten auf die Platte bringen. Das geht dem Trainer so, den Verantwortlichen nicht anders, und auch Fans oder dem neutralem Beobachter fehlt langsam der Wortschatz für das, was  nicht abgeliefert wird. Der nächste Tiefflug fand am Samstag statt, mit 1182 Passagieren an Bord, die angesichts des 21:24 (11:10)-Desasters gegen den TuS Ferndorf kräftig durchgeschaukelt wurden und in zahlreiche Luftlöcher gerieten.

5:7 Punkte sind auf gar keinen Fall das, was man sich nach einer selten so vielversprechend verlaufenen Saisonvorbereitung versprochen hatte, zumal bis auf Coburg im Auftaktprogramm nichts von der Creme de la Creme der Liga enthalten war. Nun folgt für den TuS ein Dreierpack mit ausnahmslos Erstligaabsteigern der letzten beiden Jahre: zunächst spielt man in Gummersbach, dann kommt Hüttenberg nach Lübbecke und anschließend geht’s nach Bietigheim. Als aktueller Tabellenzwölfter (!) mit nur zwei Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz, ist das Eis, auf dem man sich bewegt, unbestritten dünner geworden.

Keinen Schutz mehr

»Ich weiß nicht, warum jemand den Aufstieg in den Mund nimmt. Das ist vermessen. Wir haben dieses Ziel jedenfalls nie publiziert«, ärgert sich Hauptsponsor Armin Gauselmann über jüngste Aussagen von Lukasz Gierak. »Ich habe schon im Vorjahr gesagt, dass ich diese Mannschaft als untrainierbar ansehe. Und die meisten der letztjährigen Spieler sind ja noch dabei.« Auch Trainer Emir Kurtagic und Rolf Hermann, als im Sportlichen Verantwortungsbereich eingesetzter Fachmann, sind mit ihrem Latein am Ende und sehen angesichts der Geschehnisse auch keinen nachvollziehbaren Grund, sich weiter ständig schützend vor die Mannschaft zu stellen. »Wenn jemand gefordert ist, die Karre aus dem Dreck zu ziehen, dann sind es doch wohl die Spieler«, so Hermann, der am Montag gemeinsam mit dem Coach und Geschäftsführer Torsten Appel beraten wird, wie die weitere Vorgehensweise des Klubs ist. »Mit Samthandschuhen gehen wir jedenfalls nicht zu Werke.«

Denn auch die Fans sind fassungslos, gehen in den sozialen Medien inzwischen auf die Barrikaden, werfen den Spielern vor, keine positive Reaktion zu zeigen, sondern stattdessen einen unterirdischen Auftritt abzuliefern. Da ist sogar von den Treuesten der Treuen zu lesen, dass sie es »erbärmlich finden, wie ihr (Die Spieler, Anm. d. Red.) den Profihandball hier repräsentieren«.

Passgenauigkeit und Abschluss

Gegen den TuS Ferndorf, der wahrlich keine Übermannschaft in Liga zwei darstellt, dafür aber – wie schon zuvor Gastgeber Dormagen – Leidenschaft, Kämpferherz und Disziplin in die Waagschale warf, was inzwischen gegen Lübbecke schon ausreichend erscheint, gingen gleich mehrere Köpfe nach zwei, drei Fehlaktionen runter. Den Willen zur Besserung konnte man den Hausherren sicherlich nicht absprechen, aber wo waren die Mittel jener Spieler, denen man aufgrund ihrer Erfolge so viel Qualität nachsagt? »Die Qualität liegt schon ein paar Jahre zurück«, wird Trainer Kurtagic deutlich. Der hatte von seiner Mannschaft immer wieder gefordert, effektiver mit klaren Chancen umzugehen, es nicht so häufig an der Passgenauigkeit fehlen zu lassen und das Spiel breiter anzulegen. Seine Worte verpufften. Umsetzung gleich Null. Einzig Linkshänder Dominik Ebner, der sich voll reinwerfende Jens Bechtloff und ein, bis auf die letzten 15 Minuten, als er von Rechtsaußen einen Ball nach dem anderen kassierte, ordentlich aufgelegte Peter Tatai entgingen – die Bänkler ausgenommen – der Kritik aller.

Dabei waren die Lübbecker nach fast ausnahmslosen Rückständen in Halbzeit eins anschließend gleich mit 12:10 in Führung gegangen, »Nur durch unsere Naivität laden wir Ferndorf aber wieder ein«, ärgert sich Trainer Kurtagic. Aus der Führung wird trotz zwischenzeitlicher Auszeit ein 13:15-Rückstand. Schwächen frei vor dem Tor, vom Siebenmeterpunkt (wieder wurden drei Strafwürfe vergeben), bei eigener Überzahl ... – dem Gegner wurde es überaus leicht gemacht, als nächstes Team nicht mit leeren Händen aus Lübbecke abreisen zu müssen. Eine Tatsache, die für die Ferndorfer spätestens in dem Moment zur Realität wurde, als sie aus dem 21:20 mit Leichtigkeit ein 24:20 machen durften.

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