Mo., 30.09.2019

Emir Kurtagic erwartet von jedem seiner Spieler, dass er mit Blick auf die augenblickliche Misere zunächst sich selbst hinterfragt Es geht um Ehrlichkeit

Was ist da passiert, scheint ein niedergeschlagener Moritz Schade direkt nach dem Schlusspfiff nach der Ferndorf-Pleite zu denken.

Was ist da passiert, scheint ein niedergeschlagener Moritz Schade direkt nach dem Schlusspfiff nach der Ferndorf-Pleite zu denken. Foto: Krato

Von Volker Krusche

Lübbecke (WB). »Die Situation ist sehr gefährlich. Wir müssen das Problem in den Griff kriegen, und zwar schnell. Das gilt für mich genauso wie für alle Spieler. Dabei ist das Wir entscheidend!« Eigentlich sollte es in der Spieltags-Pressekonferenz des Handball-Zweitligisten TuS N-Lübbecke am Montag um das am Mittwoch folgende Gastspiel in Gummersbach gehen. Das rückte angesichts der jüngsten 21:24-Schmach gegen Ferndorf aber erst einmal in den Hintergrund .

»Ich verlange Ehrlichkeit von meinen Spielern. Sie müssen ehrlich sein, vor allem zu sich selbst. Jeder muss sich hinterfragen, muss bei sich anfangen. Wir ­stecken inzwischen bis zum Hals in der Sch....!« Klare Worte, die Trainer Emir Kurtagic vor dem Dreier-Gespräch mit Geschäftsführer Torsten Appel und dem für den sportlichen Bereich zuständigen Rolf Hermann äußerte. Letzterer kündigte noch gestern an, »dass wir die Thematik in aller Ausführlichkeit besprechen werden!« Die Ergebnisse sind allerdings noch nicht bekannt.

Diskrepanz zwischen Training und Spiel

Emir Kurtagic steht als Trainer zu seinen Spielern, auch wenn ihm längst nicht alles gefällt, was er von ihnen zu sehen bekommt. »Gerade die Diskrepanz zwischen Training und Spiel ist gewaltig.«

Es sei inzwischen natürlich auch eine Frage des Selbstvertrauens. »Das beinhaltet aber die Worte Selbst und Vertrauen. Jeder muss das zunächst bei sich suchen und mit sich klären.« Allerdings werde ein Einzelner es nicht schaffen, »die Karre aus dem Mist zu ziehen. Das schaffe ich nicht, das schafft auch kein Spieler allein. Das schaffen nur wir gemeinsam.«

Das Entscheidende sei die Chancenverwertung. »Da muss sich jeder an die eigene Nase fassen, warum er freistehend vergibt. »Wir verwerfen in Coburg 20 Bälle, in Dormagen 18 und daheim gegen Ferndorf auch 18. Wie will man mit solchen Quoten Spiele gewinnen? Wir verfallen nach Fehl­würfen dann immer wieder in die gleichen Mechanismen. Die, die uns zerstören. Das liegt aber nur an uns, an keinem anderen, auch nicht am Gegner.«

15 verschiedene Charaktere

Es sei leider schon fast ein festes Schema, wie die Spiele beginnen würden. »Gegen Ferndorf gibt’s im ersten Angriff einen Siebenmeter – wir verwerfen ihn. Beim zweiten Angriff kommt unser Rechtsaußen frei zum Wurf – scheitert. Im dritten Angriff werfen wir den Ball beim Gegenstoß weg. Und so weiter. Wir schenken Ferndorf Tore, obwohl die eigentlich machtlos sind. Das war ein Spiegelbild der Partien in Coburg und Dormagen. Dadurch kehrt Unsicherheit ein, die dann zum Zitterhändchen führt. Gegen Ferndorf vergeben wir im ersten Abschnitt sechsmal freistehend und führen dennoch zur Pause. Wir rammen uns also das Messer selbst in den Bauch«, so Kurtagic’ bildlicher Vergleich.

Natürlich wollte er im ersten Training nach der Ferndorf-Pleite, das gestern Abend stattfand, klare Worte an die Truppe richten. »Wir müssen uns darauf besinnen, was wir gut machen und was nicht.« Für 15 unterschiedliche Charaktere gelte es eine Basis zu finden, »um als Mannschaft zu funktionieren.«

Das allerdings schnellstmöglich, denn schon am Mittwoch in Gummersbach stehen diese 15 Spieler auf dem Prüfstand.

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