Handball: Zweitligist TuS N-Lübbecke spielt beim Schlusslicht Krefeld
TuS will „Coburg“ vergolden

Lübbecke (WB). Nach der Kür folgt die Pflicht: Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke steht nach dem Heimsieg gegen den Tabellenführer Coburg vor der Auswärtsaufgabe beim Tabellenletzten HSG Krefeld. Für Jens Bechtloff ist es ein weiteres Spiel auf seiner Abschiedstour im TuS-Trikot: “Feile” wechselt nach Bielefeld zum Oberligisten TSG AH.

Freitag, 14.02.2020, 19:04 Uhr aktualisiert: 14.02.2020, 22:00 Uhr
Im Heimspiel siegte Jens Bechtloff mit dem TuS N-Lübbecke souverän gegen den Tabellenletzten Krefeld. Bechtloff wechselt zur TSG Altenhagen-Heepen nach Bielefeld. Foto: Oliver Krato
Im Heimspiel siegte Jens Bechtloff mit dem TuS N-Lübbecke souverän gegen den Tabellenletzten Krefeld. Bechtloff wechselt zur TSG Altenhagen-Heepen nach Bielefeld. Foto: Oliver Krato

Nach dem guten Start mit zwei Siegen inklusive des Erfolgs über Spitzenreiter Coburg will der TuS nun den dritten Sieg im dritten Spiel des Jahres einfahren. Gegen Schlusslicht Krefeld stehen die Chancen gut, wie schon in eigener Halle zwei Punkte auf der Habenseite zu verbuchen: Im Hinspiel war die starke Defensive die Basis für den souveränen 24:19-Sieg. „Die Einstellung und Herangehensweise werden entscheidend sein – ob Erster oder Letzter“, möchte TuS-Trainer Emir Kurtagic die Partie gar nicht auf die Tabellenposition der Krefelder reduzieren lassen. „Für mich spielt das jetzt gar keine Rolle, gegen wen wir spielen.“ Und dieses Denken scheint mittlerweile auch im Team angekommen zu sein: „Das macht die Mannschaft ganz gut.“ Mit dem Rückenwind des Coburg-Spiels soll nun auch in Krefeld gepunktet werden – nicht nur einfach, sondern doppelt: „Klar, es ist immer ein Erlebnis, wir haben es auch nicht zum ersten Mal gemacht, dass wir den Tabellenführer geschlagen haben. Beim letzten Mal war es TuSEM und da haben wir eher davon profitiert“, setzt Kurtagic auch diesmal darauf, dass der Sieg gegen die Nummer eins der Liga weitere Kräfte freisetzt und dem TuS frischen Rückenwind bei seinem Sturm auf die Ligaspitze verleiht und er auf dem Weg dahin nicht in Krefeld stolpern wird: „Ich sehe keine Gründe, warum das jetzt anders sein sollte. Fakt ist, dass wir uns gut vorbereiten und dieses Spiel sehr seriös angehen werden. Das verdient der Gegner erst mal auch. Klar, die stehen mit vier Punkten abgeschlagen da, aber die können auch Handball spielen und wenn man das nicht seriös angeht, dann kann es auch unangenehm werden. Aber das sind nicht wirklich meine Gedanken, wir werden bestmöglich vorbereitet sein und am Samstag ein gutes Spiel zeigen.“

Es gibt keinen Grund, sie auf die leichte Schulter zu nehmen.

Emir Kurtagic (Trainer TuS N-Lübbecke)

Beim Gegner hat Kurtagic einige Stärken ausgemacht: „Es gibt keinen Grund, sie auf die leichte Schulter zu nehmen. Sie haben zwei gute Kreisläufer, das Spiel mit dem Kreis ist extrem ausgeprägt, da müssen wir halt wach sein. Fakt ist aber: Wir sind Favorit und wir wollen die zwei Punkte holen, das ist überhaupt kein Thema, aber das da jetzt erst einmal 60 Minuten gespielt werden müssen, das ist auch Fakt.“ Personell kann der TuS nicht auf seine volle Mannschaft bauen: Lukasz Gierak ist angerschlagen, Marian Orlowski ist gerade erst nach seiner Verletzung wieder eingestiegen und trotz seines Einsatzes gegen Coburg noch nicht bei 100 Prozent. Lukasz Gierak wird wegen seiner Rückenprobleme aller Voraussicht nach gegen Krefeld ausfallen. Zweimal hat der TuS bisher den Tabellenführer geschlagen – ein Indiz dafür, dass die Spieler für den Titel und Aufstieg infrage kommen. Die Qualität seiner Mannschaft streitet Emir Kurtagic auch nicht ab – im Gegenteil: „Grundsätzlich muss man festhalten, dass wir sehr viel Potenzial in der Truppe haben. Das war von vornherein klar, dass es nicht darum geht, ob wir genug Qualität haben oder nicht, sondern es geht um eine gewisse Art von Konstanz, es geht darum, wie wir auftreten. Ich habe auch mit der Mannschaft viel darüber gesprochen, Fakt ist, dass wir uns selbst, was unsere Einstellung angeht, wenig Vorwürfe machen können. Das waren zwei, drei Spiele, klar, wo es vielleicht ein bisschen fahrlässig war, wie wir in die Spiele gegangen sind.”

Wenn ich gekommen wäre und wir 20 Spiele in Folge gewonnen hätte, wäre das nicht etwas, womit ich zufrieden wäre oder womit ich mir irgendwas an die Fahne schreiben würde.

Emir Kurtagic (Trainer TuS N-Lübbecke)

Aktuell zeigt sich der Chef-Übungsleiter des Zweitligisten zufrieden mit der Entwicklung seiner Mannschaft: „Wenn ich gekommen wäre und wir 20 Spiele in Folge gewonnen hätte, wäre das nicht etwas, womit ich zufrieden wäre oder womit ich mir irgendwas an die Fahne schreiben würde. Das ist eine Arbeit, die wird nicht in einer Woche bewertet, das ist immer ein Prozess. Ein Prozess ist es auch, dass man die Jungs besser kennenlernt, dass man an den Problemen arbeiten kann. Prozess heißt aber auch, dass die Mannschaft sich entwickelt, das spricht eher für etwas Stabileres, als mal eben drei Spiele zu gewinnen und dann wieder in die alten Muster zu verfallen. Das, was wir hier gemacht haben, ist, dass wir über einen längeren Zeitraum eine gewisse Entwicklung hervorgebracht haben und diese Entwicklung ist auf einer solideren Basis aufgebaut und darum geht es einfach. Deswegen bin ich schon der Überzeugung gewesen, dass es hart wird – so hart jetzt vielleicht nicht, aber es ist jetzt nichts, was mich überrascht oder womit ich nicht gerechnet habe. Ich bin sehr zufrieden, wie das jetzt alles verlaufen ist, es ist immer noch nichts passiert, aber die Vorzeichen stehen gut und wir müssen jetzt alles daran setzen, diesen Weg weiter so zu beschreiten, wir haben noch knapp vier Monate vor uns.“

Stand heute würde ich keine Prognose abgeben, wer aufsteigt.

Emir Kurtagic (Trainer TuS N-Lübbecke)

Dabei geht der Blick weiter nach oben: Lübbecke kommt den Spitzenteams immer näher, rückt auch Hamm immer weiter auf die Pelle – jenem Verein also, zu dem mit Marian Orlowski und Jo-Gerrit Genz zwei aktuelle Lübbecker wechseln. Eine besonderre Motivation oder Konstellation sei das allerdings nicht: „Stand heute würde ich keine Prognose abgeben, wer aufsteigt“, sagt Emir Kurtagic, „klar, ich sehe Coburg mit zehn Minuspunkten, aber man darf auch nicht vergessen, dass Gummersbach, Essen, Bietigheim, wir – das sind zwei Spiele und wir spielen alle noch untereinander und gegeneinander. Jetzt irgendwelche Prognosen zu geben, oder Träume oder Wünsche – das ist eigentlich nicht wichtig. Wichtig ist, dass wir überzeugt sind, dass die Spieler, die hier bleiben, sowieso alles geben werden, wichtig ist auch, dass wir der Überzeugung sind, dass Spieler, die mittlerweile bekannt gegeben haben, dass sie gehen werden, mit neuen Zielen, da sind wir auch überzeugt, dass sie alles geben werden und genau das ist das, was diese Mannschaft jetzt vielleicht neu entdeckt hat, dass sie halt extrem viel Spaß miteinander haben kann. Dass sie dann auch noch erfolgreich ist. Es ist ja jetzt nicht viel passiert. Wir haben zwei Spiele gewonnen in der Rückrunde, es sind noch 15 zu spielen, es können auch noch Tiefpunkte kommen, es können auch noch weitere Höhepunkte folgen, von daher sind wir einfach gut beraten, wenn wir Samstag gegen Krefeld ein gutes Spiel abliefern und die Punkte mitnehmen und auf die vier, die wir schon geholt haben, noch draufpacken. Das ist das, worum es geht – und dann gibt es die nächste Aufgabe, die dann nächsten Samstag auf uns wartet. Da jetzt zuviel zu überlegen, zu denken, ist genau das, was diese Mannschaft jetzt drei Jahre lang gemacht hat und ich glaube, dass wir uns sehr, sehr gut befreit haben davon und das spiegelt sich auch in der Leistung.“

Wir bereiten uns auf Krefeld fast noch intensiver vor als auf Coburg, weil wir alle wussten, dass wir gegen Coburg richtig motiviert sind und es gegen Krefeld wieder bestätigen müssen.

Valentin Spohn (TuS N-Lübbecke)

Die nächste gute Leistung soll nun in Krefeld folgen, fahrlässige Punktverluste sollen jedenfalls nicht mehr vorkommen, auch nicht und erst recht nicht gegen Krefeld, hat sich auch Valentin Spohn fest vorgenommen: „Wir bereiten uns auf Krefeld fast noch intensiver vor als auf Coburg, weil wir alle wussten, dass wir gegen Coburg richtig motiviert sind und es gegen Krefeld wieder bestätigen müssen. Es ist unser eigener Anspruch, dass wir noch eine Schippe drauflegen wollen. Das ist gerade so die Einstellung. Nach Essen waren wie eher ein bisschen zufriedener, würde ich sagen, aber das haben wir gerade nicht, deshalb bin ich da schon optimistisch, aber Optimismus ist im Sport auch gefährlich, risikoreich...“ Wie risikoreich das Spiel für den TuS N-Lübbecke tatsächlich wird, zeigt sich am Samstag ab 19 Uhr – dann erfolgt der Anwurf in der Glockenspitzhalle. Der Anwurf zur ersten Pflicht nach der Kür.

Dass wir ab der kommenden Saison einen Spieler wie Jens Bechtloff bei uns begrüßen können, ist für die gesamte TSG sowie den Handball in Bielefeld mit Sicherheit eine große Bereicherung.

Christian Sprdlik (TSG-Geschäftsführer)

Für Jens Bechtloff hat sich vor dem Spiel in Krefeld geklärt, wo er nach dieser Saison Handball spielen wird, nachdem sein Vertrag beim TuSN-L nicht mehr verlängert worden war. “Feile” bleibt Ostwestfalen treu und hat bei der TSG A-H Bielefeld in der Leineweberstadt einen Vertrag bis 2022 unterschrieben. „Dass wir ab der kommenden Saison einen Spieler wie Jens Bechtloff bei uns begrüßen können, ist für die gesamte TSG sowie den Handball in Bielefeld mit Sicherheit eine große Bereicherung. Ein Spielertyp mit seinen Fähigkeiten in Zweikampf, Dynamik und Schnelligkeit ist ein absoluter Gewinn für uns. Hinzu kommen seine enorme Erfahrung und seine Einsatzbereitschaft. Ich kenne Jens schon seit einigen Jahren und weiß, dass er uns in allen Belangen auf und neben dem Spielfeld gut tun wird. Wir freuen uns sehr auf die gemeinsame Zeit mit ihm”, sagte TSG-Geschäftsführer Christian Sprdlik.

OWL ist mittlerweile meine Heimat. Hier fühle ich mich wohl und in dem Projekt, Handball in OWLs Hauptstadt zu etablieren, steckt Sinn und Verstand. Die Gespräche mit Leif und Christian waren von Anfang an sehr gut und professionell. Das Gesamtkonzept, also strukturell und sportlich, passt absolut und hat mich vollends überzeugt.

Jens Bechtloff (TuS N-Lübbecke)

Bechtloffs erste Station im Seniorenbereich war nahe seines Geburtsorts Waiblingen der TV Bittenfeld, mit dem er erst in die Regionalliga und dann direkt in die 2. Bundesliga aufstieg. Es folgte der Wechsel nach Lemgo, wo Bechtloff acht Serien spielte und mit dem er 2010 den EHF-Pokal gewann. 2015 ging es dann zum Ligakonkurrenten TuS N-Lübbecke. Nach fünf Jahren im Mühlenkreis kommt Bechtloff jetzt nach Bielefeld: „Ich war schon einige Male in der Seidensticker Halle und habe mir die Heimspiele angeschaut. Es ist einfach super, was hier entsteht und ich möchte gerne mit anpacken und meinen Teil dazu beitragen, dass es hier weiter in die richtige Richtung geht. OWL ist mittlerweile meine Heimat. Hier fühle ich mich wohl und in dem Projekt, Handball in OWLs Hauptstadt zu etablieren, steckt Sinn und Verstand. Die Gespräche mit Leif und Christian waren von Anfang an sehr gut und professionell. Das Gesamtkonzept, also strukturell und sportlich, passt absolut und hat mich vollends überzeugt.”

Er wird mit seiner Erfahrung einer der absoluten Führungsspieler sein. Es ist klasse, dass Jens sich für unseren Weg entschieden hat.

Leif Anton (Trainer TSG A-H Bielefeld)

Trainer Leif Anton sieht einen großen Gewinn in der Verpflichtung von Bechtloff: „Ich denke, ich muss über die unbestrittenen sportlichen Qualitäten von Jens wenige Worte verlieren. Es freut mich insbesondere, dass wir in ihm einen Spieler gewinnen konnten, der weiß, worauf es in engen Spielsituationen ankommt und der in Angriff und Abwehr vielseitig einsetzbar ist. Er hat extrem viel Erfahrung und ist ein bodenständiger Typ, für den mannschaftliche Geschlossenheit und seine Familie besonders wichtig sind. Er wird mit seiner Erfahrung einer der absoluten Führungsspieler sein. Es ist klasse, dass Jens sich für unseren Weg entschieden hat.”

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