Sa., 15.02.2020

Handball-Zweitligist TuS N-Lübbecke setzt auf Valentin Spohn Die Grundstimmung ist eine andere

Klare (Wurf-)Ziele: Valentin Spohn will mit dem TuS N-Lübbecke in die Erste Liga aufsteigen.

Klare (Wurf-)Ziele: Valentin Spohn will mit dem TuS N-Lübbecke in die Erste Liga aufsteigen. Foto: Oliver Krato

Von Ingo Notz

Lübbecke (WB). Er ist einer der jungen Hoffnungsträger im Team des Handball-Zweitligisten TuS N-Lübbecke: Valentin Spohn ist eines der Gesichter, die für den Neuaufbau stehen und mit denen der TuS langfristig plant – und mit denen er in die Erste Liga aufsteigen will. Diesen Ehrgeiz trägt auch der 22-Jährige in sich – entsprechend froh ist er, dass die Formkurve seines Teams noch rechtzeitig vor der entscheidenden Phase der Saison nach oben zeigt. Nach oben – Richtung Spitze.

Diese Momente hat es in der laufenden Saison allerdings auch schon gegeben, dass der TuS auf dem besten Weg schien, die Spitze anzugreifen – und dann doch die nötige Konstanz vermissen ließ. Vor allem nach dem Sieg über den damaligen Spitzenreiter TuSEM Essen. Die Gesamtsituation sei mittlerweile aber eine andere, verspricht Valentin Spohn nach dem erneuten Sieg über einen Spitzenreiter, diesmal Coburg, und sieht eine Weiterentwicklung im Vergleich zur Hinrunde und zum ersten Sieg über einen Spitzenreiter: „Ich würde sagen, dass wir im Training geerdeter sind – wir werden auch geerdet, auf jeden Fall!"“, weist er auf die korrigierenden Maßnahmen seitens des Trainers hin.

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Die Grundstimmung ist eine andere, generell als 2019, eine Mischung aus Freude im Training, Leidenschaft für das, was wir tun, und Erfolgsgeilheit, das, was wir in der Vergangenheit ein bisschen missen lassen haben.

Valentin Spohn (TuS N-Lübbecke)

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Nicht zuletzt der hat auch noch etwas anderes in der Mannschaft bewirkt: „Die Grundstimmung ist eine andere, generell als 2019, eine Mischung aus Freude im Training, Leidenschaft für das, was wir tun, und Erfolgsgeilheit, das, was wir in der Vergangenheit ein bisschen missen lassen haben.“ Solchen Einstellungsproblemen hat der TuS mittlerweile allerdings deutlich den Kampf angesagt – nicht nur, aber auch im Training, aber auch durch klare Ansagen der sportlichen Leitung. Und das scheint angekommen zu sein. „Wir bereiten uns auf Krefeld fast noch intensiver vor als auf Coburg, weil wir alle wussten, dass wir gegen Coburg richtig motiviert sind und gegen Krefeld es wieder bestätigen müssen. Es ist unser eigene Anspruch, dass wir noch eine Schippe drauflegen wollen. Das ist gerade so die Einstellung. Nach Essen waren wir eher ein bisschen zufriedener, würde ich sagen, aber das haben wir gerade nicht, deshalb bin ich da schon optimistisch, aber Optimismus ist im Sport auch gefährlich, risikoreich...“, zeigt Valentin Spohn eine Reflexion, die für die Entwicklung des jungen Rückraumschützen, aber auch für die der ganzen Mannschaft steht.

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Das sind nicht Sachen, die du direkt an einem Punkt festmachen kannst, das ist die Grundstimmung, das sind die Gesichtsausdrücke, das sind die Emotionen.

Valentin Spohn (TuS N-Lübbecke)

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Der Hauptunterschied zwischen der Mannschaft 2019 und der Mannschaft 2020 sei dabei aber unübersehbar: „Das ist generell, wenn Du den Leuten ins Gesicht schaust: Das sind nicht Sachen, die du direkt an einem Punkt festmachen kannst, das ist die Grundstimmung, das sind die Gesichtsausdrücke, das sind die Emotionen. Klar wird mal jemand einen Ball durch die Halle kicken oder jemand anderen anschreien, aber das ist auf einer anderen Ebene gerade und das sollten wir beibehalten. Je länger wir das beibehalten können, desto weiter wird unser Weg nach oben gehen, davon bin ich überzeugt.“ Wie weit das nach etlichen unnötigen Punktverlusten imm ersten Saisonteil im zweiten noch nach oben korrigierbar ist, erscheint komplett offen – das heißt aber auch, dass noch einiges möglich ist. Diese Sichtweise sei auch im ganzen Team angekommen, betont Spohn, die Mannschaft habe verstanden, dass auf dem Weg nach ganz oben noch etwas möglich sei: „Das glaube ich auf jeden Fall. Woher die Motivation kommt, ist in unserer Mannschaft verschieden, denke ich mal. Der eine macht sein letztes Jahr vielleicht, generell in der Karriere, der andere möchte unbedingt hoch, der nächste kämpft noch für die letzten paar Euro oder die nächsten Jahre Vertrag oder sonst irgendwas, das sind Motivationsarbeiten, die alle zusammen kommen und die uns gerade gut dastehen lassen. Da geht es darum, das aufrecht zu erhalten.“

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Ich würde hier nicht verlängern, wenn ich nicht daran glauben würde, dass es nach oben geht oder gehen könnte. Als Sportler hat man immer die Ziele, ganz oben zu sein, und ich möchte ganz oben ankommen. Eher früher als später, aber gut Ding will Weile haben, wie man so schön sagt...

Valentin Spohn (TuS N-Lübbecke)

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Der persönliche Motivationsanreiz des 2018 von der HBW Balingen-Weilstetten nach Lübbecke gewechselten Ex-Junioren-Nationalspielers, der mit dem deutschen Team 2016 immerhin Vize-Europameister geworden ist, ist klar: „Ich habe ja verlängert und ich habe schon mal gesagt: Ich würde hier nicht verlängern, wenn ich nicht daran glauben würde, dass es nach oben geht oder gehen könnte. Als Sportler hat man immer die Ziele, ganz oben zu sein, und ich möchte ganz oben ankommen. Eher früher als später, aber gut Ding will Weile haben, wie man so schön sagt...“

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Die spielen vielleicht nach dem Motto: Wir haben eh nichts zu verlieren, spielen wir halt Handball! Das macht es für uns umso gefährlicher.

Valentin Spohn (TuS N-Lübbecke)

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Auf dem Weg nach ganz oben liegen nicht nur, aber auch in der Zweiten Handball-Bundesliga etliche Stolpersteine – manchmal Stolperkiesel, aber eben potenzielle Stolperfallen. Das weiß Valentin Spohn aus eigener Erfahrung und nimmt daher auch einen Tabellenletzten Krefeld sehr ernst, zumal er auch solche Phasen aus seiner eigenen Laufbahn kennt: „Vor vier Jahren war ich in derselben Situation, mit Leutershausen aufgestiegen, klar wird man dann nicht so gekannt, aber es gibt auch da genug Spieler, die schon für andere Vereine gespielt haben, das sind gute Handballer, die gerade aber halt keinen guten Lauf haben. Die spielen vielleicht nach dem Motto: Wir haben eh nichts zu verlieren, spielen wir halt Handball! Das macht es für uns umso gefährlicher, aber als Tabellenletzter macht das tendenziell keinen Spaß, man weiß, dass alle nach unten auf einen gucken, für mich wäre das kein schönes Gefühl.“

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Wir haben gegen den Tabellenersten gewonnen und spielen jetzt gegen den Tabellenletzten, das ist diese Zweite Liga, da ist es egal, ob Du gegen die Tabellen-Eins oder gegen den Letzten spielst, weil Du eh gegen jeden verlieren kannst.

Valentin Spohn (TuS N-Lübbecke)

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Die Gefahr, bei einem Tabellenletzten anzutreten, der in dem einen Spiel und in der gesamten Saison auch nichts mehr zu verlieren hat, birgt Risiken: „Ich sehe auf jeden Fall eine Gefahr: Wir haben gegen den Tabellenersten gewonnen und spielen jetzt gegen den Tabellenletzten, das ist diese Zweite Liga, da ist es egal, ob Du gegen die Tabellen-Eins oder gegen den Letzten spielst, weil Du eh gegen jeden verlieren kannst. Wir fahren nach Aue und gewinnen mit Ach und Krach einen Punkt und dann gewinnen wir in Essen – ich meine: Was ist denn das? Das ist die Zweite Liga! Wenn wir da denken, wir fahren nach Krefeld und das wird ein Selbstläufer, dann Guten Morgen...“

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Nicht nur ein Kopfproblem. Viele Probleme!

Emir Kurtagic (Trainer TuS N-Lübbecke)

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Diese Formschwankungen will das ganze Team abstellen. Eigentlich hat die Mannschaft aber auch ein Potenzial, das größer ist, als einige einzelne Ergebnisse es vermuten lassen würden. Die Diskrepanz zwischen dem Potenzial und dem Punktestand hat Gründe: Hat die Mannschaft phasenweise ein Kopfproblem gehabt? „Garantiert, klar!“, spricht Spohn gar nicht um das Thema herum. „Nicht nur ein Kopfproblem. Viele Probleme!“, ergänzt sein Trainer Emir Kurtagic, „das muss man ganz klar sagen, aber es ist schon so, dass wir uns mit der Vergangenheit nicht beschäftigen wollen, zu weit mit der Zukunft auch nicht, es ist Jetzt und jetzt ist diese gewisse Freude, die man dann anerkennt. Ich bin jetzt sechs, sieben Monate hier, ich kenne nicht vielem Leute, aber man spürt einfach eine gewisse Veränderung, die Menschen freuen sich in der Stadt und sagen „Das war ein schönes Spiel, das hat Spaß gemacht“. Ich glaube, dass es nur zusammen geht, die Mannschaft mit der Umgebung, darauf müssen wir jetzt weiter aufbauen und das genießen, weil die andere Seite der Medaille kennen die Jungs ja auch, wir alle auch, es ist trotzdem schöner, wenn Dir einer auf die Schulter klopf und sagt: Es hat Spaß gemacht, als wenn man aufpassen muss, wie man was wo sagt. Das ist halt gerade der Luxus, den wir haben. Ich glaube, dass die Jungs auch gerade honoriert werden vom Umfeld und vor allem auch dieses eigene Gefühl kann eine sehr, sehr große Rolle spielen, wenn man das hat und wenn man das nicht leichtfertig aus der Hand gibt.“

Der Blick geht nach oben

Ebenso wenig wie einen Ball im Spiel will Valentin Spohn diese Situation und die Möglichkeit, in Lübbecke Großes zu erreichen, aus der Hand geben. Vieles ist Kopfsache, im Spitzensport erst recht, wo Nuancen den Unterschied machen. An den Wiehen gekommen, um hier den nächsten Schritt seiner Karriere gehen, hat der gebürtige Pfinztaler es zusammen mit seinen Mannschaftskameraden nun selbst in der Hand, diese Nuancen in die richtige Richtung zu steuern. Valentin Spohn ist eines der Zukunftsgesichter des TuS – geerdet, mit einem klaren Kopf, aber auch mit dem Blick nach oben. Nach ganz oben.

 

 

 

 

 

 

 

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