Do., 20.02.2020

Torsten Appel und Rolf Hermann sprechen beim TuS N-Lübbecke über das „Projekt Neuanfang“ „Mittelmaß ist nicht unser Anspruch“

Rolf Hermann (rechts) ist beim TuS N-Lübbecke für die sportliche, Torsten Appel für die kaufmännische Seite verantwortlich.

Rolf Hermann (rechts) ist beim TuS N-Lübbecke für die sportliche, Torsten Appel für die kaufmännische Seite verantwortlich. Foto: Ingo Notz

Lübbecke (WB). Fünf Neuzugänge stehen bereits fest, mindestens sieben Spieler werden oder müssen den Verein nach dieser Saison verlassen: Im Sommer wird es beim TuS N-Lübbecke einen großen personellen Umbruch geben. Von einem „Projekt Neuanfang“ beim Handball-Zweitligisten sprechen Geschäftsführer Torsten Appel und der für das Sportliche zuständige Rolf Hermann in unserem „Winterview“. Dafür setzen sie überwiegend auf junge, hungrige und teamorientierte Spieler. Der Blick soll aber weiterhin nach oben gerichtet bleiben.

Wie groß wird der Umbruch beim TuS N-Lübbecke in diesem Sommer ausfallen?

Torsten Appel: Es gab zehn Verträge, die nach dieser Saison auslaufen oder ausgelaufen wären. Also hatten wir zehn Mal die Pflicht, uns ganz genau zu überlegen, wo wir den Weg gemeinsam weitergehen können und an welchen Stellen wir etwas verändern müssen – immer mit dem Ziel, die Mannschaft weiterzuentwickeln, sie zukunftsfähig zu machen. Mit zwei jungen Kräften, Valentin Spohn und Jan-Eric Speckmann, haben wir ja inzwischen die Verträge verlängert. Das zeigt, wohin die Reise künftig gehen soll.Rolf Hermann: Valentin Spohn ist ein gutes Beispiel. Er ist ein viel umworbener Spieler, jung, deutsch, auf der Königsposition zu Haus und mit großem Potenzial, sich noch für ganz andere Aufgaben zu empfehlen. Valentin hat sich entschlossen, seinen Weg mit uns weiterzugehen, weil er von dem überzeugt ist, was wir hier gerade in Lübbecke aufbauen.

 

Warum ist eine Neuausrichtung in diesem Umfang erforderlich?

Hermann: Da so viele Verträge auslaufen, hatten wir die große Chance, einige Dinge zu korrigieren. So wie unsere Mannschaft momentan zusammengestellt ist, steht aus dem letzten Jahr ein Platz sieben und momentan ein sechster Platz zu Buche. Das ist nicht der Anspruch, den wir haben. Deshalb haben wir ganz genau hingeschaut, wer wirklich bereit ist und uns diese Bereitschaft auch signalisiert, unseren Weg mit uns weiterzugehen. Wir haben versucht herauszufinden, wer nach Lübbecke passt und sich mit uns und unserem Weg identifizieren kann. Und wir glauben, dass wir diese Chance gut genutzt haben.

 

Was ist der Weg, was der Anspruch des TuS N-Lübbecke?

Appel: Unser Anspruch ist es, den Blick nach oben zu richten. Es kann und darf in der 2. Liga nicht der Anspruch des TuS N-Lübbecke sein, auf die Mitte der Liga zu gucken. Wir möchten als TuS N-Lübbecke immer in der Lage sein, an die Tür zur ersten Liga klopfen zu können.Hermann: Wir wollen eine Mannschaft, die hungrig ist und über den Teamgedanken kommt. Wir wollen Spieler, die alle hinter unserem Projekt Neuanfang stehen, die mit uns Schritt für Schritt systematisch nach oben schauen und sich dadurch selber sportlich weiterentwickeln wollen. Ludwigshafen, Balingen, auch der Bergische HC – das sind gerade in jüngerer Vergangenheit gute Beispiele. So etwas passt auch gut nach Lübbecke, wo es uns wichtig ist, wieder nahbarer für die Fans, für das Umfeld zu werden. Uns ist allerdings bewusst, dass ein solcher Riesenumbruch seine Zeit braucht.

 

Warum verlassen mit Marian Orlowski oder Jo Gerrit Genz auch Spieler den Verein, die der TuS gern gehalten hätte?

Hermann: Dafür gibt es immer mehrere Gründe, zum einen sportlicher, zum anderen finanzieller Art. Aus sportlicher Sicht wird jeder Spieler für sich einschätzen, ob oder wie schnell sich in welchem Verein seine persönlichen Vorstellungen, meistens Handball in der 1. Liga, verwirklichen lassen. Punkt zwei ist im Profigeschäft die finanzielle Komponente. Da muss man feststellen: Je professioneller die 2. Liga wird, desto größer ist auch die Zahl der Vereine, die mit uns mithalten können und bereit sind, auch mal etwas draufzulegen.Appel: Es ist aber nicht so, dass wir in tiefe Trauer verfallen sind, als feststand, dass die beiden Spieler gehen. Alle Gespräche sind von beiden Seiten durchweg transparent und positiv geführt worden. Wir hatten Angebote auf den Tisch gelegt, die angemessen und fair waren. Als sie nicht angenommen wurden, haben wir keineswegs tagelang Trübsal geblasen. Im Gegenteil: Auch das war eine Antwort, mit der wir arbeiten konnten, bietet sie uns doch eine Chance, unseren Kader an diesen Stellen zu optimieren.

 

Serie „Winterviews“

Der Winter und der Jahreswechsel sind willkommene Gelegenheiten, um in ausführlichen Interviews auf Vergangenes zurückzublicken und Ziele für das neue Jahr zu formulieren – in unserer Serie „Winterviews“. In der achten Folge stellen sich mit Torsten Appel und Rolf Hermann die für den wirtschaftlichen und den sportlichen Bereich entscheidenden Personen des TuS N-Lübbecke den Fragen der Sportredakteure Ingo Notz und Hans Peter Tipp.

Sie haben die Finanzen angesprochen. Bislang galt der TuS als Krösus der 2. Liga. Ist das noch so?

Appel: Unsere jetzige Situation wird immer noch mit der nach dem Abstieg im Jahr 2016 verglichen, als wir 2017 sofort wieder aufgestiegen sind. Aber damals gab es noch drei Aufsteiger, jetzt sind es nur noch zwei. Auch sonst hat sich viel verändert in der 2. Liga. Wir sind nicht mehr die Einzigen, die auf einem soliden wirtschaftlichen Untergrund stehen. Es gibt andere, die deutlich aufgerüstet haben. Es gibt vier weitere Vereine, die finanziell ebenfalls durchaus eine Daseinsberechtigung in der 1. Liga hätten. Die Konkurrenz ist größer geworden.

 

Ändert sich der finanzielle Spielraum des TuS zur neuen Saison?

Appel: Das geschieht zwangsläufig. Angesichts der wirtschaftlichen Gesamtlage könnte der Gesamtetat zur kommenden Saison sogar minimal niedriger ausfallen. Gleichzeitig steigen in allen Bereichen die Kosten. Aber wir gehen fest davon aus, dass wir den Spieleretat in gleicher Höhe halten können. Und genau darauf liegt unser Fokus. Das heißt aber auch, dass wir im Umfeld schauen müssen, wo wir den einen oder anderen Euro sparen können.

 

Wie sucht der TuS N-Lübbecke unter diesen Bedingungen die richtigen Spieler?

Hermann: Wir tun gut daran, nicht das Auslaufmodell der 1. Liga zu suchen, sondern zu schauen, welche Spieler in der 2. Liga das Potential haben, den nächsten Schritt zu machen. Und wir müssen herausfinden, wer in unser Umfeld, in unsere Region passt. Da kann ich den Großstadtmenschen vielleicht weniger begeistern als den jungen Familienvater oder den jungen Spieler im Fernstudium. Aber weil hier etwas ganz Neues entsteht, kann jeder Spieler von Anfang an durch seine Leistung bestimmen, wie seine Rolle in unserem Team aussieht. Für jemanden, der anderswo in zweiter oder dritter Reihe stand, bietet das eine Riesenchance. Wir dürfen nicht vergessen: All das geschieht beim TuS N-Lübbecke, einem Verein mit großer Tradition, der finanziell sehr solide arbeitet, in einer Handballregion beheimatet ist und Fans besitzt, die mit diesem Klub durch dick und dünn gegangen sind. Das ist etwas, mit dem wir sehr gut werben können.Appel: Bei allen Neuverpflichtungen wollten wir erkennen, dass jemand wirklich hierhin will. Deshalb haben wir bewusst das persönliche Gespräch gesucht. Wir wollten die Spieler kennenlernen, ihnen in die Augen schauen und von ihnen hören, dass sie bereit sind, bei uns Verantwortung zu übernehmen. Hermann: Und wir wollten den Spielern zeigen, was sie bei uns erwartet. In all diesen Gesprächen ist deutlich geworden, dass wir die Spieler in ihrer Persönlichkeit sehr viel besser einschätzen konnten als wenn wir nur mit dem Berater gesprochen und alles schriftlich abgewickelt hätten.Appel: Wenn ein Spieler vom Verein, von den handelnden Personen und den Bedingungen vor Ort überzeugt ist, dann wird er auch mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Leistung erbringen.

 

Glauben Sie, dass sie das Lübbecker Publikum auf dem neuen Weg mitnehmen können?

Appel: Wenn wir immer mit solch einer Einstellung, Leidenschaft und Leistung wie im jüngsten Heimspiel gegen Coburg rausgehen, dann werden wir natürlich unser Publikum begeistern.

 

Was passiert eigentlich, wenn die Mannschaft so erfolgreich weiterspielt wie im Moment?

Hermann: Ich würde es dieser Mannschaft wünschen, dass wir die Form weiter nach oben treiben und sie sich für die harte Arbeit der vergangenen Monate belohnt. All das haben die Spieler aber selbst in der Hand. Wie weit das Ganze in dieser Saison noch gehen kann, darüber möchte ich gar nicht spekulieren. Dafür ist alles viel zu eng in dieser Liga. Deshalb beschäftigen wir uns damit nicht.Appel: Ich komme nicht ganz darum, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Selbstverständlich werden wir auch einen Lizenzierungsantrag für die 1. Liga stellen. Es wäre fatal, das nicht zu tun.

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