Der TuS N-Lübbecke findet keine Antwort auf das körperbetonte Ferndorfer Spiel
Harte Lektion für Lübbeckes Handballer

Kreuztal (WB). Das sah nicht gut aus. Als sich Marko Bagaric nach einem Check von Branimir Koloper in der 4. Minute vor Schmerzen am Boden krümmte, bekamen die Handballer des TuS N-Lübbecke eine Vorahnung davon, was der Samstagabend für sie bereithalten würde. Am Ende der harten 60 Minuten stand ein schmerzhaftes 21:23 (10:11) beim TuS Ferndorf, der den Höhenflug der Lübbecker nach vier Siegen unsanft stoppte.

Montag, 02.03.2020, 12:48 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 12:50 Uhr
Mann des Abends: Julius Lindskog Andersson schlüpft einmal mehr durch eine Lücke am Lübbecker Kreis. Ferndorfs Bester kam beim Heimsieg auf elf Treffer. Foto: Reinhold Becher
Mann des Abends: Julius Lindskog Andersson schlüpft einmal mehr durch eine Lücke am Lübbecker Kreis. Ferndorfs Bester kam beim Heimsieg auf elf Treffer. Foto: Reinhold Becher

Ferndorfs Spielweise ist bekannt. Lübbeckes Trainer Emir Kurtagic hatte seine Mannschaft darauf eingestellt, dass der Gegner vor allem daheim „mit dem Messer zwischen den Zähnen“ agiert und die Spielweise des Gastgebers sogar mit ­Rugby verglichen. Die Lüb­becker waren präpariert – die richtigen Antworten fanden sie an diesem Abend trotzdem nicht.

Bei Marko ist zum Glück nichts gebrochen. Es handelt sich um eine schwere Prellung. Er ist in Behandlung beim Physio.

Trainer Emir Kurtagic am Sonntag über den früh ausgeschiedenen Abwehrchef

Immerhin konnte Kurtagic im Fall des verletzten Bagaric Entwarnung geben. Lübbeckes Abwehrchef war in der Anfangsphase bei einem Sprungwurf in der Luft vom Ex-Lübbecker Koloper von der Seite „getackelt“ worden und aus großer Höhe auf die linke Hüfte geprallt. Erst nach mehrminütiger Behandlung konnte Bagaric sich aufrappeln, humpelte aber in die Kabine. Das Spiel war für ihn gelaufen. Immerhin: Um eine längere Zwangspause kommt der 35-Jährige herum. „Er war im Krankenhaus. Es ist nichts gebrochen, es handelt sich um eine schwere Prellung. Marko ist in Behandlung beim Physio“, informierte der Coach gestern Mittag. Möglicherweise ist Bagaric gegen den VfL Gummersbach wieder dabei.

Ferndorf attackiert immer wieder durch die Mitte – mit Erfolg

Ohne den zuletzt formstarken Abwehrchef entpuppte sich der Mittelblock als Problemzone. Zumal in der 19. Minute mit Patrick Walczak auch sein Nebenmann im Zentrum die Rote Karte sah. Die Lübbecker versuchten danach, in wechselnden Konstellationen die Mitte dicht zu bekommen. Ganz gelang es nie. „Wir sind auf einen Gegner getroffen, der nicht nur um jeden Zentimeter, sondern sogar jeden Millimeter gekämpft hat“, so Kurtagic über den Ferndorf-Fight im viel beschworenen „Hexenkessel Stählerwiese“.

Der Außenseiter nahm die Zuschauer mit: Das 1:2 (2.) drehte Ferndorf in eine 6:3-Führung. Beim Stand von 7:4 nahm Kurtagic die erste Auszeit. “Ich will mehr Bewegung in der Abwehr. Wacht mal auf!”, brüllte er seine Spieler an. Doch den Takt gaben weiter die Hausherren vor. Dass deren Trainer Michael Lerscht derzeit auf alle vier Außen sowie zwei Stammkräfte im Rückraum verzichten muss, war kaum zu bemerken. Zumal der Außenseiter immer wieder geschickt das Zentrum der Gäste beackerte.

Im Angriff fehlen den Gästen die Lösungen

Entscheidend für den Ausgang der Partie war für Kurtagic aber nicht die Defensive: „Wir hatten im Angriff keine Lösungen. Wir tun uns schwer, je größer der Druck vom Gegner ist. Wir haben große Räume nicht gesehen“, monierte er. Marian ­Orlowski setzte individuelle Klasse dagegen: Der Halblinke konnte mit Präzisionswürfen die spielerischen Probleme zunächst über­tünchen und hielt sein Team mit fünf Treffern bis zur Pause im Spiel. Auf der anderen Seite traf Dominik Ebner ebenfalls verlässlich aus der Distanz.

Zu selten nutzten die Gäste allerdings die gesamte Breite des Spielfeldes. Der Ball schaffte es nur hin und wieder auf die Außenpositionen, der Kreis blieb wirkungslos. „Zu viele Sachen waren nicht auf dem Niveau, wie wir es brauchen“, so Kurtagic, der Valentin Spohn nach dessen Erkältung mit Verspätung im Rückraum brachte. Der Torjäger konnte aber keine Akzente setzen.

Gegen brillanten Julius Lindskog Andersson ist kein Kraut gewachsen

Ferndorf ließ auch nach der Pause nicht nach. Auch weil ­Julius Lindskog Andersson wieder einmal brillierte: Der Spielgestalter erwischte einen „Flow“ und hatte mit elf Treffern entscheidenden Anteil am Heimsieg. Kurtagic: „Er ist gut im Eins gegen Eins. Wir waren bei seinen Abschlüssen in der Abwehr aber auch zu passiv.“

Vorne ließen es die Lübbecker auch an der Zielstrebigkeit vermissen. Ein Siebenmeter von Jens Bechtloff endete als – leichtfertiger – Heber in den Armen des Torhüters. Es wäre in einer wichtigen Phase der Anschlusstreffer zum 16:15 gewesen. Beim 21:20 (55.) setzte Peter Tatai bei einem Gegenstoß seinen Pass zu ungenau an. Durch die Pleite wuchs der Rückstand auf die Aufstiegsplätze wieder auf vier Punkte an.

 

TuS Ferndorf - TuS N-Lübbecke 23:21 (11:10) .TuS Ferndorf: Durica (2 Paraden), Puhl (7 P, davon ein Siebenmeter), Hottgenroth – Viciano Sario, Faulenbach 3, Basic, F. Schneider, M. Michel 2, J. Schneider 2, Bornemann 4, Lindskog Andersson 11/4, Koloper, Rink 1. TuS N-Lübbecke: Tatai (5 Paraden, davon ein Siebenmeter), Jepsen (4 P) – Becvar (1), Genz, Walczak, Bechtloff (1/1), Ebner (7), Gierak, Bagaric, Strosack (1), Mundus, Spohn (2), Schade (1), Orlowski (7), Speckmann (1/1).

Schiedsrichter: Patrick Arndt/Matthes Westphal .Zuschauer: 1.103 in der Sporthalle Stählerwiese. Siebenmeter: 6/4 – 4/2 - Lindskog Andersson an Tatai (18./24.) – Strosack an die Latte (12.), Bechtloff gegen Puhl (43.). Zeitstrafen: 8 - 8 Minuten – Koloper (4.), M. Michel (23.), Rink (40.), Faulenbach (58.) – Walczak (10., 19.), Schade (12.), Orlowski (41.). Rote Karten: Koloper (4.), Faulenbach (58.) – Walczak (19.).

Stationen: 1:0, 1:2 (4.), 3:2, 6:3, 7:4 (14.), 8:4, 10:6 (22.), 11:8, 11:10 – 13:10, 14:11, 16:14 (42.), 17:14 (45.), 17:15, 18:15, 18:17 (49.), 19:17, 19:18 (50.), 21:18 (53.), 21:20 , 23:20, 23:21 (60.).

TuS-Trainer Emir Kurtagic: „Diese Niederlage tut weh. Viele Dinge liefen in unserem Spiel nicht so, wie wir sie benötigen. Vorne fehlte es am Zusammenspiel und den spielerischen Lösungen. Ferndorf hat das Optimum herausgeholt. Wenn man vier Punkte gegen Ferndorf und drei gegen Rimplar liegenlässt, ist das nicht gut.“

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7305867?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352979%2F4850251%2F
53-Jähriger soll seine Mutter getötet haben
Die Polizei hat einen Mann aus Kollerbeck festgenommen. Foto: Wolfgang Wotke/Archiv
Nachrichten-Ticker