Mo., 09.03.2020

Handball: Sportvereine sind wegen „Corona“ in Sorge Bundesliga-Spiele sind in Gefahr

TuS N-Lübbeckes Geschäftsführer Torsten Appel jubelte über den Heimsieg gegen Gummersbach. Wann das nächste Spiel des TuS N-Lübbecke stattfinden kann, ist wegen der “Corona-Krise” noch nicht sicher.

TuS N-Lübbeckes Geschäftsführer Torsten Appel jubelte über den Heimsieg gegen Gummersbach. Wann das nächste Spiel des TuS N-Lübbecke stattfinden kann, ist wegen der “Corona-Krise” noch nicht sicher. Foto: Ingo Notz

Von Ingo Notz

Lübbecke (WB). Aufregung in der heimischen Sportszene: Jetzt sind auch Sportereignisse im Altkreis Lübbecke von der Corona-Krise bedroht. Am Sonntagabend hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) verkündet, eine Anweisung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn umzusetzen, nach der Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern abzusagen seien. Dies würde im Mühlenkreis mindestens auf die beiden Handball-Bundesligisten GWD Minden (1. Liga) und TuS N-Lübbecke (2. Liga) zutreffen.

Der erste sportlich Leidtragende der „Corona-Krise“ waren im Mühlenkreis die Rahdener Rollstuhlbasketballer: Die Baskets 96, aktuell im Rennen um die Deutsche Meisterschaft, mussten die geplanten Europapokal-Heimspiele für das kommende Wochenende bereits absagen. Das Play-off-Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft hat dagegen noch stattgefunden – genau wie die Bundesliga-Spiele des TuS N-Lübbecke und von GWD Minden am vergangenen Wochenende.

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Das Gesundheitsamt des Kreises ist für uns die entscheidende Behörde. Wir haben dort ein offizielles Statement angefordert, ob wir die Veranstaltungen absagen müssen oder nicht.

Markus Kalusche (Geschäftsführer GWD Minden)

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Gespannt warten gerade die beiden heimischen Handball-Bundesligisten des Mühlenkreises auf eine offizielle Erklärung der Behörden. „Wir stehen im ständigen Kontakt mit der Leiterin der des Gesundheitsamtes“, erklärte GWD Mindens Geschäftsführer Markus Kalusche, „das Gesundheitsamt des Kreises ist für uns die entscheidende Behörde. Wir haben dort ein offizielles Statement angefordert, ob wir die Veranstaltungen absagen müssen oder nicht.“ Nach dem Ärger um die Schließung der Kampa-Halle und dem mit etlichen Nebengeräuschen verbundenen Umzug nach Lübbecke haben die Mindener nun die nächste Herausforderung zu bewältigen. Dabei setzt GWD allerdings auf eine einheitliche Lösung seitens der Handball Bundesliga HBL: „Am Montag gibt es eine außerordentliche Gesellschafterversammlung der HBL, wo besprochen werden soll, wie wir mit dem Thema umgehen“, erklärt Markus Kalusche das weitere Vorgehen. „Wir möchten eine klare Aussage der Gesellschafter“, hofft der Mindener, dass bald die aktuellen Unklarheiten beseitigt werden.

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Im Fußball werden Spiele stattfinden, Hauptsache, sie haben Fernsehbilder, zu denen sie vertraglich verpflichtet sind. Da muss man schon einen Unterschied zum Handball sehen.

Markus Kalusche (Geschäftsführer GWD Minden)

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Für wenig realitätsnah hält Kalusche dabei die Option, nur so viele Zuschauer zu Heimspielen zuzulassen, dass die Veranstaltung insgesamt unter der kommunizierten Höchstgrenze von 1000 Zuschauern, bis zu der Veranstaltungen weiter durchgeführt werden dürften, gehalten würde, um so die Austragung rechtlich zu ermöglichen. Ein realistisches Szenario im internationalen wie auch im deutschen Sport und damit auch in der Handball-Bundesliga sind Geisterspiele beziehungsweise Geisterrennen. Beim Biathlon wurde das Modell bereits praktiziert, für die Fußball-Bundesliga ist es angedacht – und auch im Handball ist es nicht auszuschließen. Beim Direktvergleich mit den Fußballern sieht Kalusche allerdings keine Deckungsgleichheit der Fälle: „Im Fußball werden Spiele stattfinden, Hauptsache, sie haben Fernsehbilder, zu denen sie vertraglich verpflichtet sind. Da muss man schon einen Unterschied zum Handball sehen.“

Geisterspiele oder Neuterminierungen sind möglich

Geisterspiele, einzelne Spielabsagen oder komplette Neuansetzungen ganzer Spieltage zu einem späteren Zeitpunkt – diskutiert werden aktuelle mehrere Möglichkeiten, wie der Sport auf die Corona-Krise reagieren könnte. Sollte die Entscheidung zu einer einzelnen oder kompletten Absage der Bundesliga-Spiele fallen, wäre nicht zuletzt die Frage zu beantworten, wer für die anfallenden Kosten aufkommen müsste. Die große und aktuell am Montagnachmittag, 9. März, noch nicht beantwortete Frage ist, ob es sich um eine Absage durch die öffentliche Hand handeln wird oder nicht. Wenn ja, können sich Veranstalter auf höhere Gewalt berufen – dann blieben zum Beispiel die Besucher oder dann Nicht-Besucher auf den Kosten für die Eintrittskarten sitzen, sofern nicht mit dem jeweiligen Veranstalter eine Kulanz-Vereinbarung getroffen werden sollte. Dann wäre das Thema auch ein Fall für entsprechende Versicherungen, die seitens der Veranstalter für Fälle der höheren Gewalt abgeschlossen worden wären.

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Ich gehe davon aus, dass der Kreis sich an die Weisung des Bundes- und des Landesgesundheitsministers halten wird.

Markus Kalusche (Geschäftsführer GWD Minden)

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Um diese Unsicherheit mit Fakten und klaren Aussagen zu ersetzen, „brauchen wir eine gemeinsame Regelung“, erwartet Markus Kalusche für GWD Minden eine entsprechende Klarheit spätestens bei der Versammlung der Vereine der beiden Bundesligen am nächsten Montag. Allerdings geht er auch schon davon aus, dass sich bereits früher Klarheit ergeben wird: „Ich gehe davon aus, dass der Kreis sich an die Weisung des Bundes- und des Landesgesundheitsministers halten wird“, sagte Kalusche im Gespräch mit dieser Zeitung. Das würde bedeuten, dass der Spielbetrieb zumindest nicht vor Zuschauern stattfinden würde – oder gar nicht. GWD Minden hat dabei, anders als der TuS N-Lübbecke, noch Zeit und kann auf die gemeinsame Entscheidung der Vertreter aller Bundesligisten am kommenden Montag warten: Das nächste Erstligaspiel der Mindener ist für den 22. März angesetzt, in der Lübbecker Kreissporthalle träfe GWD dann auf den TVB Stuttgart.

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Wir sind uns der besonderen Situation bewusst, können aber auch nur abwarten. Blinder Aktionismus ist das Falscheste, was man gerade machen kann.

Torsten Appel (Geschäftsführer TuS N-Lübbecke)

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Der TuS N-Lübbecke braucht deutlich früher Klarheit: Das nächste Heimspiel wäre zwar am 21. März, zuvor allerdings stünde am kommenden Samstag noch das Auswärtsspiel beim TV 05/07 Hüttenberg auf dem Programm, das natürlich ebenso von einer bundesweiten Regelung betroffen wäre. „Wir sind uns der besonderen Situation bewusst, können aber auch nur abwarten. Blinder Aktionismus ist das Falscheste, was man gerade machen kann“, erklärt Torsten Appel, Geschäftsführer des TuS N-Lübbecke, die derzeitige Situation des Zweitligisten: „Wir befinden uns derzeit in einer Sandwich-Position zwischen der Gesundheitsbehörde und der Handball-Liga. Wir haben bisher keine weiteren Informationen vom Kreis erhalten, stehen aber bereits in Kontakt mit der HBL, die hält alle Vereine auf dem Laufenden. Die Hüttenberger werden sich an ihre regionale Gesundheitsbehörde halten und wenn von dort eine entsprechende Information käme, müssten wir uns danach richten“, kann Torsten Appel aktuell auch nur abwarten. Parallel dazu lässt der TuS N-Lübbecke aber bereits untersuchen, ob im Fall der Fälle Versicherungen für die potenziellen Schäden in Folge höherer Gewalt aufkommen würden: “Das wird gerade geklärt!“

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