Der Manager des TuS N-Lübbecke glaubt nicht an die Fortsetzung der Zweitliga-Saison
Appel plant schon die nächste Spielzeit

Hamburg/Lübbecke (WB). Am Oetsrmontag kam Torsten Appel einmal auf andere Gedanken. Der Manager des TuS N-Lübbecke nutzte die freie Zeit, um sich für ein paar Stunden seinem Ford ­Taunus zu widmen, den er sich einst als 18-Jähriger zugelegt hat. „Der ist Baujahr 1963. Den hole ich nun aus dem Winterschlaf und bereite ihn auf den TüV vor“, sagte der Autoliebhaber, der ansonsten weiter voll damit ausgelastet ist, die Stellschrauben beim heimischen Zweitligisten zu ziehen. Zumal der gesamte Profihandball angesichts der Corona-Pandemie quasi in die „Inspektion“ muss.

Dienstag, 14.04.2020, 09:33 Uhr aktualisiert: 14.04.2020, 09:40 Uhr
Keine Verschnaufpause trotz Liga-Pause: Geschäftsführer Torsten Appel (rechts) und der für das Sportliche zuständige Rolf Hermann sind beim TuS N-Lübbecke kräftig gefordert. Foto: Krato
Keine Verschnaufpause trotz Liga-Pause: Geschäftsführer Torsten Appel (rechts) und der für das Sportliche zuständige Rolf Hermann sind beim TuS N-Lübbecke kräftig gefordert. Foto: Krato

Seit vier Jahren ist Torsten Appel am Wiehen beschäftigt. Der Hamburger ist in dieser Zeit mit dem TuS ­N-Lübbecke auf- und wieder abgestiegen, hat mit dem Verein Erfolge gefeiert und Krisen gemeistert. „Doch was wir gerade erleben, ist die größte Herausforderung, weil es nichts Vergleichbares gibt“, sagt der Geschäftsführer über das Corona-Virus, das längst auch seinen Sport mit voller Wucht erfasst hat. „Es sind Themen auf dem Tisch, die völlig neu sind. Und viel ändert sich von ­Woche zu Woche“, beschreibt der 54-Jährige die Schwierigkeit des Wirkens in Zeiten von Corona.

Am Dienstag steigt die nächste Telefonrunde der 1. und 2. Liga

Während die Handballer seit Wochen in Kurzarbeit sind und sich privat fit halten, ist Appel der einzige Mitarbeiter des Klubs, der weiter täglich im Büro ist. „Der Unterschied ist nur, dass die Samstage mit den Spielen wegfallen.“ An Arbeit mangelt es aber trotz der Saisonunterbrechung nicht. Direkt nach den Osterfeiertagen steht heute die nächste Telefonrunde der 1. und 2. Liga an.

Im sportlichen Bereich herrscht dagegen Stillstand. Die Zweitliga-Tabelle setzt langsam Patina an. Mehr als vier Wochen liegt das letzte Match des TuS ­N-Lübbecke zurück. Der 29:27-Erfolg über den VfL Gummersbach Anfang März sorgte noch einmal für Begeisterung bei den Fans, die sich seitdem mit Handball-Klassikern aus der „Konserve“ die Langeweile vertreiben. Am Osterwochenende servierte das ZDF den Zuschauern ein altes „Schätzchen“ und zeigte das WM-Finale 1978 zwischen Deutschland und der UdSSR.

Persönlich glaube ich nicht daran, dass wir den Spielbetrieb in dieser Saison noch einmal aufnehmen können.

Torsten Appel

Live-Handball vor der eigenen Haustür dürfte es auf absehbare Zeit weiter nicht geben, auch wenn die HBL weiter die Saisonfortsetzung ab 16. Mai als letzten Ausweg verfolgt. Für Appel kein realistisches Szenario. „Persönlich glaube ich nicht daran, dass wir den Spielbetrieb in dieser Saison noch einmal aufnehmen können. Für mich ist der Blick daher verstärkt nach vorne gerichtet.“

Er vertritt den Standpunkt, dass es für die Zukunftsfähigkeit des Handballs wichtig wäre, lieber jetzt schnell einen Schlussstrich zu ziehen, um den Blick aufs Wesentliche zu richten. „Ich finde, man sollte diese vergeigte Saison lieber abhaken statt zu viel wegzuschenken.“ Ein Punkt, der gegen eine Fortsetzung spricht, ist das notwendige Aussperren des Publikums. „Ich bin ein klarer Gegner von Geisterspielen. Wir können uns da nicht mit dem Fußball vergleichen. Der Fußball generiert maßgebliche Einnahmen durch Fernsehgelder. Diese Summen sind mit dem Handball überhaupt nicht vergleichbar“, sieht der TuS-Manager in diesem Fall die Gefahr existenzieller Einnahmeverluste.

Fortsetzung mit Geisterspielen wäre finanzieller Alptraum

Durch die Einführung von Kurzarbeit könnten die Klubs die Durststrecke aktuell zwar überbrücken. Appel: „Das hilft uns im Augenblick, um nach vorne blicken zu können.“ Doch in dem Moment, in dem der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, müssten die Profis auch wieder voll bezahlt werden – während die Klubs auf Zuschauereinnahmen zur Finanzierung weiter verzichten müssten. Eine schlechte Rechnung.

Roman Becvar (im Angrff) ist schon seit vier Wochen mit seinen Teamkollegen im „Chill-Modus“. Auf Szenen wie diese müssen die Handball-Fans wohl noch längere Zeit verzichten.

Roman Becvar (im Angrff) ist schon seit vier Wochen mit seinen Teamkollegen im „Chill-Modus“. Auf Szenen wie diese müssen die Handball-Fans wohl noch längere Zeit verzichten. Foto: Krato

Dann doch lieber mit Bedacht die neue Saison im Herbst planen, in der Hoffnung, dass sich die Türen für die Fans langsam wieder öffnen sollten. Der 54-Jährige verweist zudem auf einen weiteren Punkt, der ihm Sorgen macht: „Wir haben eine Fürsorgepflicht den Spielern gegenüber. Wenn die Saison jetzt krampfhaft durchgeboxt wird, wäre die Verletzungsgefahr ohne große Vorbereitung bei zwei Spielen pro Woche zu groß. Das kann doch kein Verantwort­licher befürworten.“

Manager halten sich über Whatsapp-Gruppe auf dem Laufenden

In der heutigen Konferenz werden die Manager zum x-ten Mal Argumente austauschen. Auch zwischen diesen Meetings bleiben die Verantwortlichen im Gespräch. „Der Kontakt zu den anderen Geschäftsführern ist sehr eng. Es gibt auch eine Whatsapp-Gruppe, in der wir zusammengeschaltet sind“, verweist Appel auf das kollegiale „Miteinander“, das in der Krise an den Tag gelegt wird. „Alle haben ein Interesse daran, dass es für alle Vereine weiter geht.“

Nebenbei ist Torsten Appel verstärkt mit seinen „Hausaufgaben“ beschäftigt. Der TuS-Manager arbeitet gerade „eine Liste mit 200 Sponsoren ab“, um zu erfahren, mit wem der TuS auch in Zukunft weiter als Geldgeber rechnen kann. Hier und da, so viel ist klar, wird es Absagen aus dem Pool der Unterstützer geben. Appel benötigt auch im Hinblick auf die für Ende August angesetzte Nachlizenzierung durch den Verband verlässliche Zahlen. „Die Situation ist ernst. Es gibt keinen Verein in der 1. und 2. Liga, an dem die Corona-Krise spurlos vorbei geht. Es wird Veränderungen geben“, blickt der Geschäftsführer voraus.

Am 20. April fällt die Entscheidung über das mögliche Saison-Aus

Eine wichtige Weichenstellung steht unmittelbar bevor: Die HBL hat den 20. April als Termin für die Entscheidung über den weiteren Fahrplan festgelegt. Dass es im Fall eines Saisonabbruchs keine Absteiger aus den ersten beiden Ligen geben wird, ist bereits verankert. Streitigkeiten drohen aber besonders in der Bundesliga mit Blick auf den Kampf um die internationalen Plätze – und die damit verbundenen Einnahmen.

Der TuS N-Lübbecke ist als Tabellensechster der 2. Liga in der glücklichen Lage, sich aus ähn­lichen Verteilkämpfen eine Klasse tiefer herauszuhalten. Dass gewisse Konstellationen dazu führen können, dass es in der kommenden Spielzeit wieder eine 19er-Staffel im Unterhaus gibt, beschäftigt Appel dagegen schon mehr.

Bei einer Fortsetzung der Saison müsste es einen einheitlichen Trainingsstart für alle geben. Kein Verein darf benachteiligt werden.

Torsten Appel

Es könnte aber auch ganz anders kommen, sollte die Auszeit wider Erwarten doch in Kürze ­enden. Der „Re-Start“am 16. Mai ist ja nicht vom Tisch. Dann wären die nächsten Diskussionen aber programmiert. „Es müsste dann für alle einen einheitlichen Trainingsstart geben. Es darf nicht sein, dass einige Vereine durch unterschied­liche Bestimmungen der Bundesländer benachteiligt werden“, sagt Appel, der bislang keinerlei Anhaltspunkte erhalten hat, dass die Schließung der Kreissporthalle in absehbarer Zeit aufgehoben wird.

Hin und wieder bekommt Lübbeckes Geschäftsstelle derzeit bei der Arbeit Besuch, wenn ein Spieler zum „Quatschen“ anklopft. „Aber nur auf Distanz“, sagt Appel, der sich zudem natürlich regelmäßig mit Trainer Emir Kurtagic austauscht. Das Warten auf eine Normalisierung der Lage geht weiter.

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