Als der TuS-Kapitän seinen Wechsel bekannt gibt, steht Hamm auf einem Aufstiegsplatz – jetzt bleibt der ASV Zweitligist
Orlowski im Pech

Lübbecke (WB). „In der ersten Liga zu spielen, wäre schon das Geilste, was es gibt“, sagte Marian Orlowski dem „Westfälischen Anzeiger“, nachdem der Kapitän des Handball-Zweitligisten TuS N-Lübbecke im Januar vom ASV Hamm-Westfalen als Sommer-Neuzugang vorgestellt worden war. Da stand Orlowskis neuer Arbeitgeber auf einem Aufstiegsplatz – wie am Ende der Hinrunde. Und ganz Hamm träumte von der 1. Liga.

Freitag, 24.04.2020, 09:30 Uhr aktualisiert: 28.04.2020, 07:30 Uhr
Bei 23 Einsätzen erzielte Kapitän Marian Orlowski in dieser Saison 83 Tore für den TuS N-Lübbecke. Foto: Oliver Krato
Bei 23 Einsätzen erzielte Kapitän Marian Orlowski in dieser Saison 83 Tore für den TuS N-Lübbecke. Foto: Oliver Krato

Doch der Hammer kam erst noch. In nur sechs Begegnungen verspielte der ASV bis zur Unterbrechung die Aufstiegsposition. Als die Saison in die Corona-Pause ging, war es Essig mit dem Aufstieg, der ASV auf Platz fünf abgerutscht. Mit dem endgültigen Abbruch besteht seit dieser Woche traurige Gewissheit: Hamms Traum von der 1. Liga ist wieder mal geplatzt – das Gleiche gilt für Orlowski, der am Mittwoch seinen 27. Geburtstag begeht.

Sein persönliches Aufstiegspech ist dem TuS-Kapitän in Kurzarbeit , der sich zurzeit bei seinen Eltern in Meinerzhagen auf- und fithält, aber noch nicht einmal einen klitzekleinen trüben Gedanken wert. „Nein, mich ärgert es null, dass Hamm nicht aufgestiegen ist“, sagt Orlowski. Überraschend sei die Entscheidung für ihn auch nicht gekommen: „Das hatte sich abgezeichnet.“

Es habe ja auch nur zwei Möglichkeiten gegeben: die Wertung nach der Hinrunde oder eben die Wertung zum Zeitpunkt des Abbruchs. Kleiner, aber feiner Unterschied: Nach der Hinrundentabelle wäre Hamm aufgestiegen und nicht Essen. Die Klubs entschieden sich anders, Orlowski hat damit kein Problem: „Ich weiß nicht, welche Entscheidung die richtige gewesen wäre. Nach der Hinrunde hätte jede Mannschaft ein Mal gegen jede andere gespielt. Jetzt ist es so, dass Essen noch gegen Hamm und uns hätte spielen müssen. Da kann man sagen, dass die die leichteren Gegner gehabt haben, als noch gespielt werden durfte. Aber letztlich ist es halt so, wie es ist. Wahrscheinlich konnte es gar keine richtige Entscheidung geben. Ich missgönne Essen den Aufstieg jedenfalls nicht.“

Weil in der 2. Liga alle Mannschaften die gleiche Anzahl von Spielen absolviert hatten, war es egal, ob zur Bildung des finalen Tabellenbildes die Punktzahl oder ein Quotient herangezogen wurde. In den anderen Handball-Topligen war die Art der Wertung dagegen von Belang. Gegen den Quotienten als Erfolgsmaßstab hat Orlowski gar nichts einzuwenden. Dennoch wundert er sich: „Bei den Männern finde ich es gut, dass man Kiel zum Meister gemacht hat. Aber es ist doch merkwürdig, dass man bei den Frauen keinen Titelträger kürt. Ich kann nicht verstehen, warum man das nicht einheitlich macht.“

Dem ASV Hamm-Westfalen fehlten zwei Siege an der Beförderung in die erste Liga. Zwei Erfolge mehr hätten dem TuS N-Lübbecke als Liga-Sechstem wegen der schlechten Tordifferenz nicht ganz gereicht. Trotzdem hatte sich der heimische Zweitligist seit Januar gut zusammengefunden. Ohne gemeinsames Training geht in Corona-Zeiten inzwischen jeder TuS-Profi seiner eigenen Wege. So aber, findet der TuS-Kapitän, dürfe die Zeit nicht enden. Orlowski: „Wir haben uns versprochen, dass wir uns alle noch ein Mal gemeinsam sehen wollen – wann immer das sein kann. Wir können doch jetzt nicht einfach so auseinaderlaufen, wo wir am Ende eine richtig gute Gemeinschaft hatten.“

Solange versucht jeder, sich allein fit zu halten. Orlowski („Man sieht es mir nicht an, aber ich bin ein Läufertyp“) dreht häufig Zehn-Kilometer-Schleifen rund um Meinerzhagen. Zudem findet er immer wieder Wege, auch ohne Fitnessgeräte ein Krafttraining zu improvisieren. „Ich schaue dann, was Garage oder Keller so hergeben.“ Zuletzt dienten bei Kniebeugen und Kreuzheben ein paar angestaubte Farbeimer als Zusatzgewichte. Gleichwohl bleibt es Behelf – und total ungewohnt. Orlowski: „Plötzlich ist man der Einzelsportler, der man im Teamsport nie sein wollte.“

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