Fr., 01.05.2020

Unverschuldet unvollendet: Der TuS N-Lübbecke war gerade erst richtig in Fahrt gekommen Trainer Emir Kurtagic: „Der Fortschritt war erkennbar“

Leidenschaftlich: Trainer Emir Kurtagic führte den TuS N-Lübbecke nach einem schwierigen Saisonstart auf einen stabilen Kurs.

Leidenschaftlich: Trainer Emir Kurtagic führte den TuS N-Lübbecke nach einem schwierigen Saisonstart auf einen stabilen Kurs. Foto: Oliver Krato

Von Hans Peter Tipp

Lübbecke (WB). Unverschuldet unvollendet: So ist der TuS N-Lübbecke als Tabellensechster wegen der Corona-Pandemie aus der Saison 19/20 gegangen. „Wir haben im Laufe dieser gut acht Monate als Mannschaft eine gute Entwicklung genommen“, sagt TuS-Trainer Emir Kurtagic in einem bilanzierenden Gespräch mit WB-Redakteur Hans Peter Tipp und lobt seine Spieler dafür, wie sie nach der Winterpause mitgezogen haben.

Was macht ein Trainer, wenn er niemanden trainieren darf?

Emir Kurtagic: Gute Frage, aber es gibt immer etwas zu tun. Gefühlt sind die knapp sieben Wochen extrem schnell vorübergegangen. Gerade in der ersten Phase habe ich versucht, etwas mehr abzuschalten als sonst und mir mehr Zeit für mich und meine Frau zu nehmen. Mit Beginn der dritten Woche war die Hoffnung da, dass es vielleicht doch noch weitergehen könnte. Also habe ich mich mit den möglichen Spielen und Gegnern befasst. Aber mit jedem weiteren Tag wurde diese Hoffnung unrealistischer, so dass ich seitdem bereits mehr mit der kommende Saison gedacht habe. Langweilig ist mir jedenfalls nicht.

 

Welche Rolle spielt dabei das eigene Sportreiben?

Kurtagic: Momentan eine große. Ich kann mich nicht erinnern, in den letzten zehn, zwölf Jahren so viel Sport gemacht zu haben wie in den vergangenen Wochen. Ich bin glücklich, dass ich diese erzwungene Pause nutzen konnten, ein wenig an meiner eigenen Fitness zu arbeiten.

 

Welche Aktivitäten bevorzugen Sie?

Kurtagic: Ich fahre Fahrrad – mal mit meiner Frau, mal allein. Ich bin ein paar Mal gelaufen und habe zuhause etwas Stretching und ein bisschen Yoga gemacht.

Haben Sie etwas völlig Neues für sich wiederentdeckt?

Kurtagic: Auf ein Fahrrad zu steigen und loszufahren, das gehört ganz bestimmt dazu. Außerdem haben wir als Familie jetzt einen normaleren Tagesablauf, und erstaunlicherweise schaue ich deutlich weniger Fernsehen, als das vor der Krise der Fall war.

 

Kommen wir zum Sportlichen: Wie lautet Ihr Fazit dieser unverschuldet unvollendeten Saison?

Kurtagic: Wir haben im Laufe dieser gut acht Monate als Mannschaft eine gute Entwicklung genommen. Das betrifft die Art und Weise, wie wir Aufgaben angegangen sind und uns präsentiert haben. Das gilt aber genauso gut für den spielerischen Bereich. Ein Fortschritt war wirklich erkennbar. Leider müssen wir akzeptieren, dass wir alle zum ersten Mal eine Saison nicht zu Ende spielen konnten.

 

Warum ist es nach der EM-Pause besser gelaufen als vorher?

Kurtagic: Ich bin überzeugt, dass der anhaltende Trainingsprozess und die viele Arbeit, die wir tagtäglich in unseren Job gesteckt haben, sich mit der Zeit ausgezahlt haben. Außerdem ist es uns im Winter gelungen, als viele Vertragsgespräche beendet waren und viele Spieler ihre Zukunft geplant hatten, die Seriosität und Ernsthaftigkeit in unserer täglichen Arbeit beizubehalten. Ich habe ganz bewusst versucht, der Mannschaft nicht den Raum zu bieten, diese vier Monate irgendwie herumzukriegen, sondern die Spieler jeden Tag gefordert. Wie die Mannschaft da mitgezogen hat, das kann ich nur loben.

 

War es auch eine Frage der Ehre, sich nicht so verabschieden zu wollen, wie man es im alten Jahr getan hatte?

Kurtagic: Das glaube ich nicht. Für Außenstehende mag vielleicht der Eindruck entstanden sein, dass wir uns mit der Niederlage im letzten Spiel des Jahres 2019 in Rimpar komplett aus der Saison verabschiedet hatten. Das Spiel nach Weihnachten war wirklich schlecht. Aber abgesehen von dieser Partie haben wir trotz eines wirklich schwierigen Starts von Oktober bis Februar über 15 Spiele mit nur sieben Minuspunkten wirklich sehr, sehr guten Handball gespielt. Deshalb muss man das Rimpar-Spiel gesondert ansehen. Aber die Rückrunde ist aus meiner Sicht allein das Ergebnis der Arbeit, die wir gemeinsam geleistet haben.

 

Was wäre möglich gewesen, wenn es weitergegangen wäre?

Kurtagic: Was wäre wenn, darüber rede ich nicht gern. Aber wir haben schon extrem stabil gewirkt. Zum Zeitpunkt des Abbruchs hatten wir die wenigsten Gegentreffer und somit die beste Abwehr der Liga. Das ist immer ein Zeichen für eine erfolgreiche Saison. Zudem hatten wir auch im spielerischen Bereich eine Riesenentwicklung genommen. Ich glaube, dass wir in einer sehr guten Verfassung waren und es spannend gewesen wäre, zu sehen, was dabei noch herausgekommen wäre. Wenn man das alles in Betracht zieht und zudem sieht, dass für uns im Spielplan noch Heimspiele gegen Essen und Bietigheim standen, finde ich, dass wir durchaus noch eine kleine Chance auf den zweiten Platz gehabt hätten.

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Das wahre Highlight unserer Saison war aber die Gesamtentwicklung der Mannschaft.

TuS-Trainer Emir Kurtagic

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Gab es aus Ihrer Sicht ein Highlight-Spiel?

Kurtagic: Es gab einige Spiele, die mir gut gefallen haben – unsere Heimspiele gegen Coburg und Gummersbach, aber auch die Auswärtsspiele in Essen, Bietigheim und Eisenach. Im Februar gegen Coburg haben wir sicher eines unserer besten Spiele gemacht, zumal wir an jenem Tag zwei, drei angeschlagene Spieler nicht einsetzen konnten. Außerdem war Coburg Tabellenführer und sicherlich die beste Mannschaft der Liga. Das wahre Highlight unserer Saison war aber die Gesamtentwicklung der Mannschaft, wie sie sich Tag für Tag gezeigt hat.

 

Gab es Spieler, deren Entwicklung Sie im Vergleich zur Vorsaison besonders überrascht hat?

Kurtagic: Ich mag es nicht, einzelne Spieler hervorheben. Ich finde, dass jeder Einzelne in dieser Mannschaft eine tolle Entwicklung genommen hat. Valentin Spohn hat im Vergleich zur Vorsaison sicherlich eine deutlich größere Rolle im Team eingenommen. Das betrifft seine Spielzeit, aber auch seine Leistung. In vielen Spielen konnte Valentin der Mannschaft mit seinen einfachen Toren helfen. Dass wir als Mannschaft in den letzten zehn, elf Spielen in der zweiten Welle und im Gegenstoßspiel einen Riesensprung gemacht haben, hatte auch mit Marko Bagaric zu tun. Darauf hatte er großen Einfluss.

 

Die Saison ist unwiderruflich vorbei. Können Sie bei der anhaltenden Ungewissheit überhaupt schon an eine neue denken?

Kurtagic: Das muss ich ja. Aber wir wissen nicht, wann wir starten, und wir wissen nicht, wie wir starten. Stand jetzt gehe ich davon aus, dass wir Anfang September wieder ins Wettbewerbsgeschehen gehen und wir deshalb Anfang Juli mit der Vorbereitung beginnen - wie auch immer die dann aussehen mag. Weil die Pause ja mindestens dreieinhalb Monate sein wird, können wir sie vielleicht im Stile einer NBA-Mannschaft nutzen. Dort wird in der Off-Season sehr viel individuell im athletischen Bereich erledigt. Wenn man sich dann zum gemeinsamen Training trifft, kann man sich sofort sportartspezifischen Dingen widmen. Ich glaube, dass das eine Chance ist und gerade für unsere künftige Mannschaft, die sich auf sieben Position verändert, ein kleiner Vorteil sein kann. Deshalb ist es umso wichtiger, alles im Vorfeld so genau wie möglich planen.

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