Do., 14.05.2020

Rasant steigende Versicherungskosten für die Spieler kommen gerade sehr ungelegen Diese Rechnung schockt die Liga

Liquidität in Gefahr: Die Beitragserhöhung der Berufsgenossenschaft kostet auch den Handball-Zweitligisten TuS N-Lübbecke viel Geld.

Liquidität in Gefahr: Die Beitragserhöhung der Berufsgenossenschaft kostet auch den Handball-Zweitligisten TuS N-Lübbecke viel Geld. Foto: dpa

Von Alexander Grohmann

Lübbecke (WB). Als wenn der TuS N-Lübbecke durch die Corona-Krise nicht schon genug gestraft wäre, wird nun auch noch die jährliche Zahlung an die Berufsgenossenschaft (VBG) fällig. Und die hat es diesmal in sich: Die Kosten für die Unfallversicherung der Spieler ist nach einer Beitragserhöhung durch die VBG im Vergleich zum Vorjahr um satte 18 Prozent gestiegen. „Wir reden hier von einem beachtlichen fünfstelligen Betrag, den uns die Erhöhung beschert“, sagt TuS-Geschäftsführer Torsten Appel und stellt fest: „Das ist gerade in der jetzigen Zeit maximal unglücklich.“

Beitragserhöhung wurde im Dezember angekündigt

Die Vereine der Profiligen aus Fußball, Basketball, Eishockey und Handball waren „vorgewarnt“. Bereits im Dezember war klar, dass die nächste Beitragserhöhung bevorsteht. Seit 2013 haben sich die Beiträge an die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) fast verdoppelt. Immer im Mai müssen die Profiklubs den Beitrag rückwirkend für das vergangene Jahr überweisen. Dass die Rechnung jetzt so hoch ausfällt, war auch für Appel ein Schock.

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Die Zahlung an die VBG macht ein Zehntel unseres Jahresetats aus.

Torsten Appel, Geschäftsführer TuS N-Lübbecke

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Dem ein oder anderen Verein könnte der Bescheid den Boden unter den Füßen wegziehen. Seit März verzeichnen die Klubs durch den Saisonabbruch keine Einnahmen mehr. Zusätzlich wird der Etat durch Ticket-Erstattungen (siehe Extrakasten) oder wegfallende Sponsoren belastet. Umso schwerer wiegt die üppige Zahlung an die Genossenschaft, die im Fall von Verletzung oder Invalidität einspringt. Die Pflichtversicherung müssen sich die Vereine viel kosten lassen: „Es ist der mit Abstand höchste Betrag, der in einem Jahr bei uns vom Konto geht. Diese Überweisung muss deshalb lange eingeplant sein. Die Zahlung an die VBG macht ein Zehntel unseres Jahresetats aus“, sagt Appel, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

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In dieser Situation mit gestiegenen Beiträgen konfrontiert zu werden, ist ein Schlag ins Kontor.

Torsten Appel

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Die Gesamtsumme dürfte sich im Fall des TuS N-Lübbecke weit oberhalb von 200.000 Euro bewegen. „Es fällt mir schwer, da kein Unverständnis zu äußern“, macht Lübbeckes Geschäftsführer deutlich. Denn die Lage ist ernst. Die Vereine benötigen gerade jetzt Liquidität, um die finanzielle Durststrecke bis zu einer Rückkehr in den Normalbetrieb einigermaßen zu überstehen. Appel: „In dieser Situation mit gestiegenen Beiträgen konfrontiert zu werden, ist ein Schlag ins Kontor.“

Torsten Appel „schmerzt“ die nun fällige Zahlung an die VBG doppelt.. Foto: Starke

Auch Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), ist alarmiert: „Die Beitragserhöhungen treffen alle Vereine, ausgenommen die Klubs der ersten und zweiten Liga im Fußball, bis ins Mark. Das ist kein Trinkgeld“, äußerte Bohmann in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ seine Sorgen.

Die Berufsgenossenschaft hat im April, als die Saison wegen der Corona-Pandemie schon abgebrochen war, den Beitragsfuß für das Jahr 2019 von 3,9 auf 4,6 angehoben. Millionen an Mehrkosten kommen auf Handball, Fußball und Basketball zu. Die Profiligen drängen in einem gemeinsamen Schreiben an das Arbeitsministerium auf Stundungen oder einen Teilerlass der Zahlungen.

Problem: Die Profis finanzieren mit ihren Beiträgen die Freizeitsportler

Dass die Rechnung seit einiger Zeit nicht mehr aufgeht und die Kosten explodieren, hat auch strukturelle Gründe. „Die Profis finanzieren die Millionen an Freizeitsportlern im Land mit. Deshalb rückt die Bemessungsgrenze immer weiter nach oben. Die Profisportvereine zahlen überproportional in die Kasse ein“, erklärt Appel. Und die nächsten Verschärfungen sind schon beschlossen: Für das laufende Jahr wurde die Beitragsbemessungsgrenze von 96.000 Euro auf 120.000 Euro brutto erhöht. Damit steigt automatisch der Anteil der Versicherungskosten für die Vereine.

Die nun fällige Rechnung könnte drastische Folgen für die Ligen haben. „Alle müssen gerade die Luft anhalten, weil sie nicht wissen, wie lange der Tauchgang noch geht“, sagt Torsten Appel mit Verweis auf den für unbestimmte Zeit ausgesetzten Ligaspielbetrieb. Er gibt aber zugleich auch Entwarnung: Um den TuS N-Lübbecke müsse man sich – auch wegen der Groß-Sponsoren Gauselmann und Wortmann, die ihr Engagement für die nächste Saison im bisherigen Umfang zugesichert haben und dem Verein damit in der schwierigen Zeit den nötigen Rückhalt geben – keine Sorgen machen. „Die Auswirkungen der Corona-Zeiten sind nicht zu übersehen. Wir gehen aber davon aus, dass wir die Krise mit einem blauen Auge überstehen und gestärkt aus ihr hervorgehen“, sagt Torsten Appel.

 

Ticket-Erstattung: drei mögliche neue Optionen für die TuS-Fans!

Fünf Heimspiele entgehen den TuS-Fans in der abgebrochenen Saison. Da die erwartete „Gutschein-Regelung“ für die Konzert-, Reise- und eben auch Sport-Branche in Deutschland immer noch nicht in Kraft getreten ist, hat der TuS N-Lübbecke nun selbst reagiert. Der Verein schlägt Dauerkarten-Inhabern und Besitzern von Einzeltickets ab sofort drei alternative Modelle vor, wie sie mit ihren bestehenden Ansprüchen umgehen können. „Sich den Gegenwert des Tickets oder der Dauerkarte auszahlen zu lassen, geht aber unabhängig davon sowieso immer“, sagt Geschäftsführer Torsten Appel.

Davon hat aber bisher kaum jemand Gebrauch gemacht. „Viele haben schon gesagt, dass sie auf ihr Guthaben zu Gunsten des Vereins verzichten wollen“, sagt Appel über die Solidarität aus Fankreisen, die der Verein in Corona-Zeiten erfährt. Doch es gibt noch zwei andere alternative Möglichkeiten für den Umgang mit den Tickets.

In einem Schreiben, das in dieser Woche an die rund 900 Dauerkarteninhaber gegangen ist, schlägt der TuS als zweite Option die Umwandlung der Karten in Freikarten für „Alltagshelden“ vor. Heißt: In der Corona-Krise stark geforderte Krankenhaus- oder Pflegekräfte sollen in der kommenden Saison als Zeichen der Wertschätzung gratis bei Heimspielen des Zweitligisten auf der Tribüne Platz nehmen dürfen. „Wir würden die Tickets für die Alltagshelden als Verein aufsummieren“, sagt Appel. Dritte Option ist die Verrechnung mit dem Kauf von Einzeltickets oder der neuen Dauerkarte.

 

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