Interessengemeinschaft Teamsport NRW: Klubs hoffen auf Solidarität und Synergien nach dem Schulterschluss in der Corona-Zeit
Handball-Zweitligist ist Gründungsmitglied

Lübbecke (WB). Der Spitzensport in Nordrhein-Westfalen bündelt in Corona-Zeiten die Kräfte. Zunächst 20 Bundesligisten aus den Sportarten Handball, Basketball, Eishockey und Basketball haben sich zu einer Interessengemeinschaft Teamsport NRW zusammengeschlossen, um dem Hallen-Profisport an Rhein und Weser insbesondere gegenüber der Politik mehr Gehör zu verschaffen. Auch die heimischen Handball-Bundesligisten TuS N-Lübbecke und GWD Minden machen mit. Der Fußball bleibt außen vor.

Freitag, 29.05.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 29.05.2020, 17:26 Uhr
Roman Becvar und der TuS N-Lübbecke wissen noch nicht, wann und unter welchen Bedingungen es künftig weitergeht. Foto: Oliver Krato
Roman Becvar und der TuS N-Lübbecke wissen noch nicht, wann und unter welchen Bedingungen es künftig weitergeht. Foto: Oliver Krato

„Die aktuelle Krise stellt die NRW-Profivereine vor größte Herausforderungen. Diese können alleine nur schwer bewältigt werden. Deshalb ist es umso wichtiger, sich mit anderen Profisportvereinen aus NRW zusammenzuschließen, sich auszutauschen und gegenüber der Politik in NRW mit einer Stimme zu sprechen“, betonte TuS-Geschäftsführer Torsten Appel und führte aus: „Der Bundesligahandball hat für den Kreis Minden-Lübbecke eine große Bedeutung. Der Profisport schafft es, Menschen unterschiedlicher Herkunft zu für sich zu begeistern.“

Sie sind dabei

TuS N-Lübbecke, TSV GWD Minden, TBV Lemgo-Lippe, HSG Blomberg-Lippe, TSV Bayer 04 Leverkusen, TuS Ferndorf, TuSEM Essen, TV Emsdetten, VfL Gummersbach, ASV Hamm-Westfalen, Bergischer HC, TSV Bayer Dormagen (alle Handball)

Bayer Giants Leverkusen, Uni Baskets Paderborn, Phönix Hagen, Telekom Baskets Bonn (alle Basketball)

Düsseldorf EG, Iserlohner Roosters, Kölner Haie (alle Eishockey)

Ladies in Black Aachen (Volleyball)

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Ähnlich äußerte sich Markus Kalusche vom Nachbarn GWD Minden. „Wir wollen eine gemeinsame Stimme haben und uns neben dem Fußball bemerkbar machen“, sagte der Geschäftsführer des Erstligisten. Der Austausch unter den Klubs sei ein wichtiges Element. „Kurzarbeit, Hygieneregeln und vieles mehr. Uns verbinden ähnliche Probleme. Es ist hilfreich, wenn man erfährt, wie die Dinge in anderen Sportarten gesehen werden“, sagte Kalusche. Zweiter wichtiger Punkt: „Wir wollen ein Sprachrohr bilden, um unsere Interessen in Richtung Landespolitik und in die Verbände zu vertreten.“ Die Gemeinschaft Teamsport NRW sei ein zweites Standbein neben dem Verband der Handball-Bundesliga HBL.

Der Zusammenschluss sei der Corona-Problematik geschuldet, erläuterte Appel. Die NRW-Klubs seien damit auch Initiativen aus anderen Bundesländern gefolgt. Appel: „Als wir das verfolgt haben, war es schnell klar, dass wir das auch tun würden.“ Vor rund zwei Wochen hätten die ersten gemeinsamen Gespräche stattgefunden. Inzwischen steht die Interessengemeinschaft. In diesem Prozess erwiesen sich die Handballer als treibende Kraft, und so kommt mit zwölf Vereinen mehr als die Hälfte der 20 Gründungsmitglieder aus dem Handball-Lager.

„Es ist wichtig, den Kontakt zur Politik zu haben, auch um zu zeigen, wo unsere Probleme wirklich liegen, betonte Appel: „Auf politischer Ebene ist vielfach gar nicht bekannt, wo bei den Klubs momentan der Schuh drückt.“ Um das zu ändern, sei die Gemeinschaft der 20 mehr als hilfreich. „Dadurch werden wir schneller Gehör finden“, zeigte sich der TuS-Geschäftsführer überzeugt.

„Die Profivereine hängen derzeit völlig in Luft“, sagte Appel und sprach von „drei plus eins Problemen“, die – verursacht durch die Corona-Situation – die Klubs derzeit in die Enge trieben. Die Problemkreise fasste der TuS-Geschäftsführer wie folgt zusammen. „Die Unternehmen sind nicht gesund, können deshalb den Spitzensport nicht wie gewohnt unterstützen und halten verständlicherweise Sponsorengelder zurück. Zweitens ist der ‚Arbeitsplatz Halle‘ geschlossen. Wir haben also keine Möglichkeit, unser Produkt Spitzensport vorzubereiten. Und drittens: Es gibt es keine Aussagen und noch nicht einmal Signale, wie, wann und unter welchen Umständen es überhaupt wieder losgehen kann.“ Zudem seien die Klubs noch damit beschäftigt, Dauer- und VIP-Kartenbesitzer aus der Abbruchsaison zu entschädigen.

Als Initiator der neuen Interessengemeinschaft gilt Björn Barthel, Geschäftsführer des Handball-Zweitligisten aus Dormagen. „Uns verbindet die ernste Sorge um die Zukunftsfähigkeit unserer Vereine, bzw. deren wirtschaftlichen Trägern, denen der Virus die Geschäftsgrundlage entzieht“, sagte Barthel: „Anders als beim Fußball sind für uns die Ticketerlöse unverzichtbar. Geisterspiele stellen für uns keine Lösung dar. Diesen existenziell wichtigen Unterschied wollen wir deutlicher machen.“

Barthel weiter: „Spitzenklubs sind in NRW Leuchttürme und die darin organisierten Athleten Vorbilder für den gesamten Sport, insbesondere für den Nachwuchs. Diese Vorbildfunktion ist gerade jetzt gefragt. Dazu wollen wir durch unternehmerische Anstrengungen, aber auch durch Gespräche mit Politik und Wirtschaft einen Beitrag leisten.“

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