Trainer Emir Kurtagic zeigt sich im Interview mit der Vor-Vorbereitung sehr zufrieden
„Diese Pause ist keine Urlaubszeit“

Lübbecke (WB). Der Anfang ist gemacht. Von heute an dürfen die Handballprofis des Zweitligisten TuS N-Lübbecke noch einmal zehn Tage ohne Handball genießen, ehe am 10. August mit dem zweiten Teil der Vorbereitung der Ernst des Lebens beginnt. Im Gespräch mit unserem Redakteur Hans Peter Tipp hat TuS-Trainer Emir Kurtagic jetzt ein Fazit der erst- und wahrscheinlich einmaligen Phase der Vor-Vorbereitung gezogen.

Freitag, 31.07.2020, 06:00 Uhr
Gruppendynamische Ballgewöhnung: Auch dazu hat der TuS N-Lübbecke die Vor-Vorbereitung genutzt. Foto: Lukas Hegen/TuS N-Lübbecke
Gruppendynamische Ballgewöhnung: Auch dazu hat der TuS N-Lübbecke die Vor-Vorbereitung genutzt. Foto: Lukas Hegen/TuS N-Lübbecke

Wie hat es sich angefühlt, nach monatelanger Pause wieder regelmäßig in der Halle zu stehen?

Emir Kurtagic: Für mich war es wirklich superschön, mal wieder einen normalen Tagesablauf zu haben und mit den Jungs zu arbeiten. Die Mannschaft hat bis jetzt ein sehr gutes Bild abgegeben, so dass die Arbeit weiter sehr viel Spaß macht.

 

Glauben Sie, dass es den Spielern ähnlich ergangen ist?

Kurtagic: Ich denke schon. Man weiß zwar nie, was wirklich in den Köpfen vorgeht. Aber von der Körpersprache her, der Intensität bei den Trainingseinheiten und dem von mir beobachtbaren Miteinander glaube ich, dass auch sie diese Freude an der gemeinsamen Arbeit empfunden haben. Es war den Spielern anzumerken, dass sie sehnsüchtig darauf gewartet hatten, wieder in die Halle zu dürfen.

 

Was hat Sie bislang am meisten überrascht?

Kurtagic: Sicherlich die Tatsache, dass wir im handballspezifischen Bereich bereits einiges bewegen konnten. Dass alle Spieler athletisch gut aus der Pause herauskommen würden, das war bei der Länge der Unterbrechung zu erwarten. Ich bin überzeugt, dass jeder junge Athlet heutzutage die Disziplin besitzt, sich gewissenhaft bereitzuhalten und auch gewillt ist, in seinen Körper zu investieren. Nicht sicher war ich mir dagegen, wieviel wir schon handballerisch würden arbeiten können. Diese Fragezeichen wurden sehr schnell beseitigt, so dass wir bereits früh in kontrollierte Zweikämpfe gehen und auch schon taktisch arbeiten konnten.

 

Sie haben sieben neue Profis im Team. Wieviel Mannschaft ist bereits entstanden, oder ist es momentan doch noch eher eine Ansammlung von Individuen?

Kurtagic: Diese Spieler investieren bereits viel in den Mannschaftsgedanken, indem sie außerhalb des Spielfeldes etwas miteinander unternehmen und sich besser kennenlernen wollen. Das ist mir durchaus aufgefallen. Im Bereich des Spielerischen kann man dagegen bei den unseren bislang wenigen Trainingseinheiten natürlich noch nicht von Mannschaft sprechen. Das ist alles in der Findungsphase. Jeder sucht noch seine Position, seine Rolle. Jeder will herausfinden, wie er aus der Pause herausgekommen ist. Da ist jeder noch viel mit sich selbst beschäftigt. Aber das ist nicht schlimm, weil wir noch viel Zeit haben, um diesen mannschaftlichen Gedanken zu formen. Aber die Voraussetzungen sind gut.

 

Hat unter Ihren Spielern der Konkurrenzkampf dennoch bereits begonnen?

Kurtagic: Das würde ich noch nicht sagen. Dazu sind alle noch momentan doch zu viel mit sich selbst beschäftigt. Aber die Arbeitseinstellung ist gut, und ich glaube einfach, dass im Laufe der weiteren Vorbereitung der internen Konkurrenzkampf im Sinne der Mannschaft einsetzt. Den braucht man aber auch. Diese interne Konkurrenz und der Kampf um Spielminuten wird dazu führen, dass wir eine hohe Trainingsintensität und -qualität bekommen. Von daher freue ich mich, dass aktuell alle sehr fokussiert wirken und gut dabei sind. Ich erhoffe mir natürlich, dass wir durch gutes Training unseren Zielen etwas schneller näherkommen. Mannschaft bilden, System verstehen, Einspielen: Das sind die großen Kernpunkte, die für uns in der Vorbereitung wichtig sind.

 

Gab es bislang Beeinträchtigungen durch Verletzungen?

Kurtagic: Da muss ich drei Mal auf Holz klopfen. Bis jetzt ist alles gut. Unsere beiden Linkshänder im rechten Rückraum waren in der Tat ein wenig gehandicapt. Florian Baumgärtner war ja erst vor zwei Monaten operiert worden. Dominik Ebner hatte sich eine Woche vor der ersten Training den Brustmuskel gerissen. Aber auch diese beiden haben, mit ein paar Einschränkungen, den Großteil des Programms absolviert. Bei allen anderen ist – wie gesagt – alles im grünen Bereich.

 

Von heute an gibt es erst einmal zehn Tage Pause. Was wünschen Sie sich von Ihren Spielen? Sollen sie in dieser Zeit viel oder wenig an Handball denken?

Kurtagic: Diese Trainingspause ist definitiv keine Urlaubszeit. Wir haben vorher vier Monate Urlaub gehabt. Für die Spieler, aber auch für mich als Trainer, gilt es jetzt, die vergangenen zweieinhalb Wochen einmal sacken zu lassen. Jetzt können sich alle noch einmal überprüfen, wo sie Defizite haben und noch etwas investieren könnten. Im Rehabereich kleinere Blessuren aufarbeiten, im athletischen Bereich nachbessern oder einfach über neue taktische Dinge und unsere Spielidee nachdenken: Dazu kann man die trainingsfreie Zeit gut nutzen. Es wäre hingegen fatal, wenn wir jetzt zehn Tage an den Strand fahren, die Sonne genießen und nur herumliegen. Dann müsste man den Sinn der ersten zweieinhalb Wochen komplett in Frage stellen. Aber ich bin mir ganz sicher, dass die Spieler verstehen, dass sie diese Verantwortung haben.

 

Gilt das auch für den Trainer? Dürfen Sie Urlaub machen?

Kurtagic: Ich hatte vier Monate gezwungenermaßen frei. Das Gute bei mir ist, dass ich gedanklich bereits sehr weit bin, was im August und September auf unsere Mannschaft wartet. Ich werde deshalb auch gut vorbereitet am 10. August zurückkommen. Was ich aber in meiner Freizeit machen werde, das weiß ich noch nicht so genau. Auch für mich ist das kein Urlaub im klassischen Sinne. Aber dass ich mal ein, zwei Tage aus Lübbecke wegfahre, das kann durchaus passieren.

 

Sie sind alle mit viel Vorfreude in die neue Vor-Vorbereitung gestartet. Worauf freuen Sie sich nun – auf zehn Tage Pause, dass am 10. August wieder trainiert wird oder bereits auf den Start der neuen Saison?

Kurtagic: Es ist erst einmal wichtig, dass die Freude da ist. Es sind immer noch zwei Monate bis zum Saisonstart. Über diesen langen Zeitraum die Vorfreude darauf aufrechtzuerhalten, ist schwer. Das heißt, ich freue mich jetzt, dass wir den ersten Teil gut abgeschlossen haben und dass wir das Ziel, das ich für diesen ersten Teil ausgearbeitet hatte, erreicht haben. Und dann ist die Vorfreude natürlich schon sehr groß auf den 10. August, denn von da an kommen wir dem Wettkampfmodus wieder etwas näher. Das heißt: Dann beginnen für uns die Freundschaftsspiele – hoffentlich.

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