300-Zuschauer-Regel wird fallen – Hygienekonzept ist auf 762 Besucher ausgelegt
Positive Signale für den TuS N-Lübbecke

Lübbecke (WB). Auf dieses Signal hat man auch beim TuS N-Lübbecke lange gewartet. Die Landesregierung hat dem Sport in Nordrhein-Westfalen am Freitag Nachbesserungen in Aussicht gestellt. Künftig soll es wieder möglich sein, mehr Zuschauer in Stadien und Sporthallen zuzulassen als die in der jetzigen Corona-Schutzverordnung als Obergrenze festgelegten 300. „Das ist ein erster Schritt, aber damit ist noch nichts erreicht. Wir brauchen jetzt schnellstmöglich konkrete Zahlen, was wir wirklich dürfen“, sagt Torsten Appel.

Samstag, 12.09.2020, 05:23 Uhr aktualisiert: 12.09.2020, 05:30 Uhr
Positives Signal aus Düsseldorf: Der TuS N-Lübbecke darf zum Saisonstart in der 2. Handball-Bundesliga wohl doch mehr als 300 Zuschauer auf den Rängen unterbringen. Der Zweitligist hat mit GWD Minden ein vom Gesundheitsamt gelobtes Konzept vorgelegt. Foto: Ingo Notz
Positives Signal aus Düsseldorf: Der TuS N-Lübbecke darf zum Saisonstart in der 2. Handball-Bundesliga wohl doch mehr als 300 Zuschauer auf den Rängen unterbringen. Der Zweitligist hat mit GWD Minden ein vom Gesundheitsamt gelobtes Konzept vorgelegt. Foto: Ingo Notz

Beim Geschäftsführer des heimischen Handball-Zweitligisten hatte sich zuletzt mehr und mehr Frust aufgestaut. Zusammen mit dem gemeinsamen Hallen-Nutzer GWD Minden hatte der TuS ein aufwändiges Hygiene- und Zuschauerkonzept für die Merkur Arena erstellt, das erlauben würde, Heimspiele vor 762 ­Besuchern auszutragen. Das Gesundheitsamt des Kreises Minden-Lübbecke hatte das Konzept für gut befunden. Das Echo in Düsseldorf fiel negativ aus. Noch in der vergangenen Woche hieß es, dass sich an der 300-Zuschauer-Regel vorerst nichts ändere.

Ungleichbehandlung von Sport und Kultur

„Wir müssen derzeit mit drei verschiedenen Zuschauer-Konzepten arbeiten, die alle nicht der Normalfall sind. Zwei, drei ­Wochen vor der Saison nicht zu wissen, wo man dran sein wird, ist ein Grund, nervös zu sein“, kritisiert Appel. Dazu kommt der Ärger über eine seltsam anmutende Ungleichbehandlung: Während die aktuelle Schutzverordnung Kulturveranstaltungen mit mehr als 300 Zuschauern erlaubt, sobald ein genehmigtes Betriebs- und Hygienekonzept vorliegt, bleibt diese Möglichkeit der Sportbranche noch verwehrt. „Dafür fehlt mir das Verständnis und ich empfinde das als Ungleichbehandlung“, so Appel. „Wir haben viel in die Erstellung des Konzepts investiert und werden auch weiterhin sehr viel in dessen Umsetzung investieren. Die konstruktiven und zielführenden Überlegungen der Vereine vor Ort werden auf Landesebene komplett ignoriert.“

Werden seit Wochen im Ungewissen gelassen und müssen ins „Blaue“ hinein planen: Geschäftsführer Torsten Appel (links), hier bei einem Geisterspiel in der Kreissporthalle im Rahmen der Saisonvorbereitung der Zweitliga-Mannschaft.

Werden seit Wochen im Ungewissen gelassen und müssen ins „Blaue“ hinein planen: Geschäftsführer Torsten Appel (links), hier bei einem Geisterspiel in der Kreissporthalle im Rahmen der Saisonvorbereitung der Zweitliga-Mannschaft. Foto: Grohmann

Doch nun scheint zumindest etwas Bewegung in die Sache zu kommen. Auch dank der „Initiative Teamsport NRW“, die für Freitagvormittag einen Gesprächstermin bei Ministerpräsident Armin Laschet bekommen hatte. „Unsere Botschaft ist klar. Wir stehen an der Seite unserer Vereine“, sagte Laschet hier. Gemeint ist zunächst einmal der Breiten- und Amateursport. Mit der nächsten Novelle der Corona-Schutzverordnung sollen die Verbesserungen am Dienstag schon in Kraft treten.

Bei 300 Zuschauern bekämen wir nicht einmal alle Sponsoren in die Halle.

Torsten Appel, Geschäftsführer des TuS N-Lübbecke

„Es zeigt die ganze Dynamik, die in dem Thema drin ist“, betont Appel, der nun aber „schnellstmöglich konkrete Zahlen“ fordert, „was wir wirklich dürfen. Bis dahin laufen wir weiter mit Unsicherheit durch die Weltgeschichte“. Fakt ist: Drei Wochen vor dem Saisonstart gegen den HSV Hamburg (Freitag, 2. Oktober) wissen die TuS-Verantwortlichen immer noch nicht, wie sie das Ticketing planen sollen. „Bei 300 Zuschauern könnten wir nicht einmal die Sponsoren alle unterbringen. Ein freier Verkauf wäre in dem Fall ausgeschlossen“, sagt Appel. Bei der ­Lösung mit 762 Zuschauern würde wenigstens ein kleiner Teil der Karten in den Online-Verkauf gehen.

Experte hilft TuS und GWD beim Hygienekonzept

Mit dem anerkannten Krankenhaushygieniker Dr. Peter Witte von den Mühlenkreiskliniken hatten sich die Vereine einen absoluten Fachmann an die Seite geholt. Ergebnis der Kooperation ist ein 20 Seiten starkes Konzept, das alle Aspekte des Infektionsschutzes und der Kontaktnachverfolgung abdeckt. „Zentraler Punkt ist eine strikte Zonentrennung der Halle. Die baulichen Gegebenheiten erlauben es, die Zuschauer auf beiden Tribünenseiten konsequent voneinander zu trennen. Das gilt für die Parkplätze und die Zugänge zur Halle genauso wie für die Verpflegung und die sanitären Anlagen“, erklärt Dr. Witte.

Eine Symptomkontrolle, Kontaktnachverfolgung und allgemeine Hygieneregeln wie Abstandskontrolle, das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes und regelmäßige Desinfektion vervollständigen die Maßnahmen. Auch Anke Brinkmann und Nina Wehmeyer, Sportwissenschaftlerinnen auf Seiten der Vereine, wünschen sich von der Landesregierung nun ein positives Signal: „Wir haben ein Konzept vorliegen, mit dem eine sichere Durchführung von Spielen auch mit einer größeren Zuschauerzahl möglich ist. Der Sport möchte beweisen, dass es einen Weg gibt, die Fans auf eine verantwortungsvolle Weise wieder in die Hallen zu lassen. Man muss uns jetzt aber auch einmal die Chance geben!“

Appels Appell: „Brauchen wieder die Nähe zu den Fans“

Wie sehr die Existenz des Profihandballs im Mühlenkreis von den Entscheidungen der Politik abhängt, verdeutlicht Appel: „Dabei geht es nicht nur um den finanziellen Aspekt. Schon seit einem halben Jahr können unsere Fans und Partner die Spiele unserer Mannschaft nicht mehr miterleben. Mit jedem Zuschauer, den wir in Zukunft ausschließen müssen, verlieren wir mehr und mehr die Bindung zu den Menschen, die unser Überleben sichern. Wir brauchen wieder die Nähe zu unseren Fans und Sponsoren, damit wir als Vereine überleben.“

Schluss mit der Tristesse? Roman Becvar könnte zu Saisonbeginn eventuell doch vor mehr als den bislang festgeschriebenen 300 Zuschauern in der 2. Liga wirbeln.

Schluss mit der Tristesse? Roman Becvar könnte zu Saisonbeginn eventuell doch vor mehr als den bislang festgeschriebenen 300 Zuschauern in der 2. Liga wirbeln. Foto: Krato

Die offenen Fragen belasten die Planungen der Vereine. „Wie viele Existenzen allein im Profi-Handball daran hängen, darf man nicht unterschätzen“, betont Appel, der sich auch von der heimischen Politik mehr Unterstützung erhofft hatte. So hätten der TuS und GWD Minden bei der Mindener Landtagsabgeordneten Kirstin Korte um ein zeitnahes Gespräch gebeten: „Uns wurden drei Termine angeboten. Einer Ende September, zwei sogar erst Ende Oktober. Da ist die Dringlichkeit nicht erkannt worden“, kritisiert der Funktionär.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7579065?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352979%2F4850251%2F
Maskenattest: Diagnose nennen ist nicht Pflicht
Beschäftigte in den Ordnungsämtern kontrollieren - wie hier in Pforzheim - die Maskenpflicht.
Nachrichten-Ticker