2. Bundesliga: Lübbecker unterliegen Elbflorenz Dresden ohne Rückraum-Ass mit 21:27
Ebner in Quarantäne – TuS geschlagen

Lübbecke (WB). Was für eine riesige Enttäuschung: Das erste Heimspiel vor Fans seit sieben Monaten ist für den TuS N-Lübbecke deutlich verloren gegangen. Nach einem fahrigen Auftritt musste sich der Handball-Zweitligist am Freitagabend den galligen Gästen vom HC Elbflorenz Dresden verdient mit 21:27 (9:13) geschlagen geben. „Wir haben keinen Zugriff bekommen. Dresden war in allen Segmenten besser als wir“, sagte Trainer Emir Kurtagic ernüchtert.

Freitag, 16.10.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 16.10.2020, 23:50 Uhr
Aufgeschmissen: Der Mittelmann Roman Becvar versuchte vergeblich, dem TuS-Angriff Struktur zu verleihen. Die Hausherren standen neben sich, wirkten unkonzentriert. Foto: Oliver Krato
Aufgeschmissen: Der Mittelmann Roman Becvar versuchte vergeblich, dem TuS-Angriff Struktur zu verleihen. Die Hausherren standen neben sich, wirkten unkonzentriert. Foto: Oliver Krato

Schock vor dem Anpfiff: Dominik Ebner in Quarantäne geschickt

Dass die Hausherren neben sich standen, hatte möglicherweise auch mit einem Vorfall vor der Partie zu tun: Nach dem Abschlusstraining am Donnerstag hatte Dominik Ebner erfahren, dass er unter Corona-Verdacht steht. „Heute Morgen hat ihn die Gesundheitsbehörde Herford dann in Quarantäne geschickt“, teilte Geschäftsführer Torsten Appel mit. Der Grund: Ebner hatte sich am vergangenen Wochenende mit einer Person in einem Raum befunden, die anschließend positiv auf Corona getestet wurde. Der Linkshänder, einer der Haupttorschützen beim 29:27-Auftaktsieg in Eisenach, weilte während des Heimspiels zu Hause statt in der Halle. Das wirbelte die taktischen Pläne von Kurtagic gehörig durcheinander.

Stattdessen kam Bogdan Criciotoiu beim Gastgeber zu seinem unverhofften Start-Debüt im rechten Rückraum. Der rumänische Neuzugang führte sich blendend ein: Der erste Wurf des 30-jährigen Rumäne zappelte zum 2:2-Ausgleich im Netz (5.) Trotzdem zeigte sich früh im Spiel, dass der Lübbecker Angriff nicht so geordnet agierte wie noch eine Woche zuvor in Eisenach.

Geschlagen: Aljosa Rezar schleicht nach dem Spiel in die Kabine. Der Torwart-Routinier hatte in Halbzeit eins nicht viel an die Hände bekommen.

Geschlagen: Aljosa Rezar schleicht nach dem Spiel in die Kabine. Der Torwart-Routinier hatte in Halbzeit eins nicht viel an die Hände bekommen. Foto: Alexander Grohmann

Das lag auch an den Gästen. Der HC Elbflorenz fand in der Merkur-Arena umgehend ins Spiel und lag in der ersten Halbzeit fast durchgehend in Front. „Wir wussten, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir eine starke Abwehr stellen. Das haben wir gemacht“, sagte Gäste-Coach Rico Göde. Seine Mannschaft schmiss sich mit Elan in die Zweikämpfe und spielte im Angriff auf den Punkt – fast wie eine Heimmannschaft.

Schlechten Start kann der TuS zunächst noch ausbügeln

Das 2:4 konnten die Lübbecker beim 4:4 durch den zweiten Treffer von Criciotoiu wettmachen (11.), doch über 4:6 und 5:8 (18.) zogen die Gäste anschließend davon. Der fehlerhaft agierende TuS lud den Gegner immer wieder zu Torerfolgen ein. Die Klatschpappen der ohnehin nur 301 Lübbecke-Fans auf den Rängen waren in dieser Phase nur selten im Einsatz. Beim 8:13 wuchs der Rückstand erstmals auf fünf Tore an, ehe Lutz Heiny vor der Pause noch einmal verkürzte (29:57).

Die Göde-Sieben hatte auch zu Beginn des zweiten Durchgangs nichts von ihrem Elan verloren: Der starke Sebastian Greß sorgte in Unterzahl mit seinem fünften Treffer für das 9:14. Anschließend übernahmen die Jungen beim TuS N-Lübbecke die Verantwortung: Valentin Spohn und der nun für den müden Criciotoiu im rechten Rückraum zum Zug kommende Marvin Mundus verkürzten auf 12:15, nach einem weiteren Mundus-Tor stand es 14:16.

Doch wenig später war es wieder vorbei mit der Herrlichkeit: Elbflorenz konterte nämlich mit den Treffern zum 14:18 (43.), die TuS-Aufholjagd war erneut unterbrochen. Göde riss immer wieder die Arme am Spielfeldrand hoch, „pushte“ seine aber auch von ganz allein unter Strom stehenden Spieler.

Happy: Dresdens Spieler feiern nach dem Schlusspfiff den hoch verdienten Auswärtssieg. Die Gäste hatten von Anfang an das Heft in die Hand genommen.

Happy: Dresdens Spieler feiern nach dem Schlusspfiff den hoch verdienten Auswärtssieg. Die Gäste hatten von Anfang an das Heft in die Hand genommen. Foto: Alexander Grohmann

Beim Stand von 14:19 nahm Emir Kurtagic die nächste Auszeit. Die Nerven lagen allmählich blank: Weil er eine Siebenmeter-Entscheidung monierte, sah der Lübbecker Coach die Gelbe Karte (48.). Ein Lebenszeichen der Lübbecker gab es noch: Dräger, Becvar und Speckmann verkürzten auf 18:21 und ließen die Heimfans hoffen. In Überzahl gelang Benas Petreikis ein echtes Kunststück: Am Kreis angespielt, warf der Mittelmann mit dem Rücken zum Tor im Fallen in den Winkel – 20:22 (54.). Der TuS war noch nicht geschlagen. Wenig später dann aber schon, denn die Sachsen ließen sich den Sieg nicht mehr aus der Hand nehmen.

Viel Aufwand, wenig Leute: Kulisse enttäuscht Torsten Appel

Die Enttäuschung stand Torsten Appel trotz Maske ins Gesicht geschrieben. Und das nicht nur in sportlicher Hinsicht: Der TuS-Geschäftsführer hatte sich beim Heimspiel-Comeback eine größere Kulisse gewünscht. Letztlich nahmen trotz des ausgeklügelten und von langer Hand geplanten Hygienekonzeptes aber nur 301 Besucher auf den beiden Tribünenseiten Platz. Erlaubt gewesen wären 762 Gäste. „Es ist natürlich enttäuschend. Wir haben rund um dieses Spiel einen Mega-Aufwand betrieben. Heute klingelte dann das Telefon in einer Tour. Viele Zuschauer haben wegen der steigenden Corona-Zahlen Abstand vom Besuch des Spiels genommen“, sagte Appel. Dazu auch noch das plötzliche Corona-Problem im eigenen Kader – das Heimspiel-Comeback nach sieben Monaten ging in die Hose.

TuS N-Lübbecke: Rezar, ab 26. Jepsen – Becvar (3), Heiny (2), Petreikis (4), Bagaric, Strosack, Mundus (2), Dräger (1), Spohn (3), Nissen, Speckmann (1), Petrovsky, Skroblien (3/3), Criciotoiu (2), Nissen.

HC Elbflorenz Dresden: Mohs, Huhnstock, Göres, – Wucherpfennig (1), Emanuel (4), Dierberg (2/2), Buschmann (1), Dumcius (4), Oehler, Jungemann (1), Stavast, Greß (8), Vanco (1), Quade (3), Kasal (2), Thümmler.

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