Mi., 04.12.2019

Borchens Trainerin Sabrina Schütte tritt im Derby freiwillig zu zehnt an „Fairplay steht über allem“

Sabrina Schütte hat vor einigen Jahren selbst für den SC Borchen gespielt. Seit dieser Saison trainiert die A-Lizenz-Inhaberin die Landesliga-Fußballerinnen des SCB. Zudem ist die 38-jährige Sportlehrerin am DFB-Stützpunkt in Brilon für die 2008er-Jungs zuständig und zählt zum Trainerstab des DJK-Sportverbandes.

Sabrina Schütte hat vor einigen Jahren selbst für den SC Borchen gespielt. Seit dieser Saison trainiert die A-Lizenz-Inhaberin die Landesliga-Fußballerinnen des SCB. Zudem ist die 38-jährige Sportlehrerin am DFB-Stützpunkt in Brilon für die 2008er-Jungs zuständig und zählt zum Trainerstab des DJK-Sportverbandes. Foto: André Adomeit

Borchen (WB). Es ist die Aktion des vergangenen Spieltags: Weil die Gegnerinnen lediglich zu zehnt auflaufen können, verzichten auch Borchens Fußballerinnen im Derby gegen den Hövelhofer SV auf eine Spielerin. SCB-Trainerin Sabrina Schütte (38) träfe jederzeit wieder die gleiche Entscheidung – obwohl das den ehemaligen Spitzenreiter in diesem Fall wohl zwei wertvolle Punkte im Aufstiegskampf gekostet haben dürfte. Elmar Neumann hat sich mit der Sportlehrerin am Gymnasium der Benediktiner in Meschede – einer DFB-Partnerschule – über diese außergewöhnliche Fairplay-Geste unterhalten.

Frau Schütte, durch das 1:1 im Derby ist Ihr Team nicht mehr Tabellenführer. Haben Sie die Entscheidung, gegen zehn Hövelhoferinnen auch nur zu zehnt spielen zu wollen, schon bereut?

Sabrina Schütte: Ganz ehrlich, als es nach der ersten Halbzeit 1:0 für Hövelhof stand, hat man sich schon kurz geärgert und für einen Moment darüber nachgedacht, ob man nicht doch eine elfte Spielerin bringt. Die Möglichkeit hätten wir ja gehabt. Aber der Gedanke war dann so schnell wieder weg, wie er gekommen ist. Fairplay steht über allem. Lieber ein fair erspieltes Unentschieden als einen schmutziger Sieg! Zudem hatten wir auch zu zehnt viele Chancen, haben allerdings einfach das Tor nur ein einziges Mal getroffen. Natürlich hätten wir die zwei Punkte sehr gut gebrauchen können, aber das hätte sich nicht wie ein richtiger Sieg angefühlt.

 

Wann und wie schnell haben Sie die Entscheidung getroffen?

Schütte: Kurz vor dem Spiel ist Hövelhofs Trainer (Klaus Bönninghoff, d. Red.) zu mir gekommen und hat mich darüber informiert, dass ihm wahrscheinlich nur zehn Spielerinnen zur Verfügung stehen. Ich habe dann überlegt, was ich mache und bin mit der Idee, auch nur zu zehnt anzutreten, zu meiner Mannschaft in die Kabine gegangen. Gefühlt hat es dann höchstens 20 Sekunden gedauert, bis klar war, dass wir es tatsächlich so machen. Dabei hat sicherlich auch eine Rolle gespielt, dass meine Spielerinnen aus ihrer vergangenen Saison in der Westfalenliga noch selbst wissen, wie es ist, wenn man knapp besetzt ist und sich der Gegner nicht gewillt zeigt, darauf Rücksicht zu nehmen.

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Klaus war total baff und seine Spielerinnen auch.

Sabrina Schütte

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Hatten Sie das Gefühl, dass der HSV-Trainer auf eine derartige Reaktion gehofft haben könnte?

Schütte: Nein, auf keinen Fall. Klaus wollte mich nur darüber informieren. Mehr nicht. Das konnte man auch seiner Reaktion entnehmen, als ich ihm unsere Entscheidung mitgeteilt habe. Klaus war total baff, auch seine Spielerinnen waren total baff und haben sich nach dem Schlusspfiff noch tausendmal bedankt. Selbst ein paar Hövelhofer Fans sind zu uns gekommen und haben gesagt, dass sie so etwas noch nie erlebt hätten.

 

Haben Sie etwas Vergleichbares schon mal erlebt oder zumindest davon gehört?

Schütte: Nein. Es hat sich eingebürgert, dass man den Ball ins Aus spielt, wenn jemand verletzt am Boden liegt, aber damit hat es sich auch meistens.

 

Im Vierkampf um den Westfalenliga-Aufstieg zählt in dieser Saison jeder Punkt. Würden Sie im Zweifelsfall auch gegen einen der drei Konkurrenten im Titelrennen auf eine Spielerin verzichten?

Schütte: Definitiv. Fairplay geht vor. Da ist es egal, ob ich gegen den Tabellenführer oder den Tabellenletzten antrete. Das hat auch etwas mit Respekt vor dem Gegner zu tun und dabei geht es für mich um das angemessene Verhalten auf allen Ebenen. Man muss sprechen, um gehört zu werden. Wenn man die Chance hat, Vorbild zu sein, sollte man sie nutzen.

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