Detlev Dammeier, Trainer des Westfalenligisten Delbrücker SC, im Interview
„Wir sind kein Titelaspirant“

Delbrück (WB). Er geht in seine dritte Saison als Trainer des Westfalenligisten Delbrücker SC: Detlev Dammeier. Im Interview mit Redakteur Peter Klute spricht der 51-Jährige über die Corona-Krise, den Wechsel auf der Co-Trainer-Position, seine neue Mannschaft und die kommende Saison.

Donnerstag, 25.06.2020, 03:20 Uhr aktualisiert: 25.06.2020, 05:01 Uhr
Detlev Dammeier geht in seine dritte Saison als Trainer des Delbrücker SC. Co-Trainer Carsten Johanning (links) verlässt den DSC. Foto: Jörn Hannemann
Detlev Dammeier geht in seine dritte Saison als Trainer des Delbrücker SC. Co-Trainer Carsten Johanning (links) verlässt den DSC. Foto: Jörn Hannemann

Herr Dammeier, am 13. März brach der Stillstand über den Fußball herein. Sie waren lange Profi und Funktionär in der Bundesliga, sind jetzt Trainer im Amateurbereich. Haben Sie so etwas jemals für möglich gehalten?

Detlev Dammeier: Nein, nicht wirklich. Woher sollte ich diese Idee gehabt haben? Es hat uns extrem getroffen, die Maßnahmen waren hart und haben große Einschnitte bedeutet. Dass der Amateurfußball pausieren muss, ist da eher eine Lappalie, auch wenn es das ist, was wir gerne machen. Dazu gehört auch der Kontakt innerhalb der Mannschaft. Aber wenn ich an Unternehmen und Geschäftsleute denke, die hat es viel schlimmer getroffen.

 

Wie ist der Delbrücker SC mit dem Lockdown umgegangen?

Dammeier: Wir haben uns an dem Abend, als die Absage kam, noch getroffen und die wichtigsten Dinge besprochen. Alle Spieler haben ihre Schuhe mitgenommen, damit sie für sich weiter Sport treiben konnten, um ihre körperliche Balance nicht zu verlieren. Sie waren da sehr diszipliniert und haben mir auch geschickt, was sie getan haben. Ich weiß schon, dass es nicht viel Spaß macht, immer durch den Wald oder um einen See zu laufen, deshalb sind wir ja keine Läufer, sondern Fußballer geworden. Desweiteren haben wir auch finanzielle Dinge geregelt. Da sind wir dem Verein entgegengekommen. Damals konnte aber keiner ahnen, dass sich die Pause so lange hinziehen würde.

Die Saison wurde dann abgebrochen und gewertet. Waren Sie damit einverstanden?

Dammeier: Für mich war das die fairste Lösung und so völlig in Ordnung, obwohl die Situation speziell in unserer Liga schon kurios war. Fast die Hälfte der Mannschaften hätte noch aufsteigen können. Wir waren neun Spiele ungeschlagen, gut drauf und hatten noch das Nachholspiel beim Tabellenletzten TuS Tengern in der Hinterhand. So gesehen waren wir in einer komfortablen Ausgangslage, ohne Druck. Es war schade, dass es nicht weiterging, das wäre bei vielen ausstehenden direkten Duellen sicher spannend und interessant geworden.

 

Seit einigen Wochen ist Training wieder erlaubt. Haben Sie die Möglichkeit genutzt?

Dammeier: Auf das Training in Zehner-Gruppen habe ich verzichtet, das ist ja keine Mannschaft. Vergangene Woche, als dann Training mit bis zu 30 Personen möglich war, haben wir angefangen, wieder zu trainieren. Die Bewegung hat gut getan und Spaß gemacht. Das war für uns alle eine gute Abwechslung. Ich habe diverse Pläne erarbeitet, die dann immer wieder durchkreuzt wurden. Aktuell ist vorgesehen, dass wir von der kommenden Woche an mit unserer neuen Mannschaft arbeiten. Ich gehe davon aus, dass die neue Saison Anfang bis Mitte September startet. Somit wird es eine nicht so intensive, aber sehr lange Vorbereitung. Zwischendurch werden wir die Jungs auch mal wieder für zehn Tage nach Hause schicken. Auch wenn Freundschaftsspiele ab sofort wieder möglich sind, habe ich diese erst ab August vorgesehen. Die Spieler haben drei Monate nichts gemacht, da schicke ich sie nicht bei 30 Grad ins Spiel. Die Verletzungsgefahr ist mir einfach zu groß, wir brauchen erst mal wieder eine anständige Grundlage.

 

Es gab Abgänge und Zugänge. Sind Sie mit dem neuen Kader zufrieden?

Dammeier: Dass sich Jan Paterok dazu entschieden hat, in die USA zu gehen, ist sehr schade. Er hat nach seinem Kreuzbandriss wieder viel gespielt und das richtig gut, zumal ich ihn auf eine neue Position gestellt habe. Die anderen Abgänge waren abgesprochen und damit kann ich leben. Wir haben zum ersten Mal nicht nur junge Talente aus dem eigenen Stall geholt, sondern auch gestandene Spieler wie Dustin Gräwe und Hasan Dere von Roland Beckum. Wenn wir noch einen Innenverteidiger-Ersatz für Jan und einen Rechtsverteidiger bekommen, wäre ich sehr zufrieden.

 

Mäzen Heinz Austerschmidt träumt von der Oberliga. Ist das das Ziel?

Dammeier: Das wäre vermessen. Espelkamp ist mit seinen finanziellen Mitteln ein gravierend anderer Aufsteiger, der schon mal den einen oder anderen Regionalligaspieler transferiert. Mit Hiltrup ist zu rechnen, dazu kommen noch zwei, drei andere Vereine. Wir sind breiter aufgestellt und können eine gute Rolle spielen. Aber wir sind kein Titelaspirant.

 

Sie haben Ihren Vertrag verlängert, ihr Co-Trainer Carsten Johanning hat den DSC in Richtung Brake verlassen und wird durch den bisherigen U19-Coach Jürgen Fortmeier ersetzt. Was erwarten Sie und was war für Sie der Hauptgrund zu bleiben?

Dammeier: Das wird für mich eine neue Situation, da ich mit Carsten sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet habe. Er war jetzt auch beim Training noch mal dabei. Mein Vorteil ist, dass ich nun die Spieler und die Liga besser kenne als damals. Ich kannte Jürgen schon, weil er mit seiner Mannschaft oft neben uns trainiert hat. Er wollte sich weiterbilden und gerne in den Seniorenbereich wechseln. Die Möglichkeit war jetzt da und wir wollten ihm die Chance geben. Wir verstehen uns gut und ich bin total überzeugt davon, dass wir das gut hinbekommen werden. Aber natürlich wird es erst einmal anders sein. Gemeinsam wollen wir den nächsten Schritt gehen. Der Verein ist gut geführt und hat sich in den vergangenen zwei Jahren suk­zes­si­ve verbessert. Da habe ich mir gedacht, es wäre schön, diesen Weg weiter mitzugehen.

 

Sie waren selbst lange Profi und Manager in der Bundesliga. Wie erleben Sie die Geisterspiele?

Dammeier: Es ist weniger emotional und ein reinerer Fußball. Ohne großes Debattieren und ohne Show. Mannschaften, die die Zuschauer brauchen, wie Bremen, Union Berlin oder Köln, haben einen Nachteil. Die qualitativ besten Mannschaften wie die Bayern setzen sich noch deutlicher durch.

 

Sie haben für Arminia Bielefeld gespielt und waren dort Manager. Als Delbrücker Trainer gibt es die Nähe zum SC Paderborn, zudem haben Sie mit Steffen Baumgart zusammen beim VfL Wolfsburg gekickt. Wie beurteilen Sie den Aufstieg von Arminia und den Abstieg des SCP?

Dammeier: Für Paderborn lief es lange Zeit gut, zumindest inhaltlich. Aber wenn du die guten Spiele nicht erfolgreich abschließt, kommen irgendwann schlechtere Leistungen. Und mit jeder weiteren Niederlage spielt auch die Psychologie eine Rolle. Arminias Aufstieg ist für mich überraschend, vor allem die Art und Weise, denn die Mannschaft hatte im Gegensatz zur Konkurrenz aus Hamburg und Stuttgart keinen Einbruch. Wenn die anderen, die alle mehr Geld haben, gut sind, hat Bielefeld in der 1. Liga keine Chance. Aber zu meiner Zeit hat der Verein sich auch fünf Jahre oben gehalten. Das Motto muss lauten: Wenn die anderen schwächeln, musst du da sein und zuschlagen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7465943?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2447933%2F2352966%2F4850628%2F
Hakenkreuz-Christbaumkugel in Chat-Gruppe der Polizei
Im Dritten Reich gab es Christbaumkugeln mit Hakenkreuz. Dieses Bild entstand in einer Ausstellung über historischen Weihnachtsschmuck. Das Gesetz erlaubt das Zeigen eines solchen Fotos in Berichten über zeitgeschichtliche Vorgänge. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker